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Für die Pelzverarbeitung werden vor allem die Felle junger Hausziegen verwendet, sie sind als Zickelfelle im Handel. Die Ziege wird hauptsächlich wegen des Ziegenfleischs gehalten, eine Nebennutzung sind das Fell oder Leder, die Ziegenmilch und das Haar (Angoraziege; Mohair). Die Felle von Wildziegen finden nur gelegentlich als Dekorationsfelle (Jagdtrophäen) Verwendung.
Der Haltbarkeitskoeffizient für Zickel (Kid)- sowie für Ziegenfelle wird mit 20-60 % angegeben.[Anmerkung 1][1]
Inhaltsverzeichnis |
Das Ziegenhaar ist steif, es ist nur wenig Unterwolle vorhanden. Für Pelzzwecke eignen sich nur weichhaarige Sorten mit gutem Unterhaar („Pelzziegen“). Meist werden die Häute wegen der wenig ansprechenden Behaarung nur als Leder genutzt.
Noch vor den Rindern, bereits seit dem 7. Jahrtausend vor Christus, werden Ziegen als Haustiere gehalten und die Felle zu Kleidung verarbeitet.
Das Höchstpreisedikt aus dem Jahr 301 n. Chr. des Römischen Kaiser Diocletian gibt folgende Preise an (in Klammern in Römischen Ziffern):
Im Vergleich dazu, ein rohes Schafsfell kostete bis zu XX (= 20) Drachmen.[3]
Aigis ist in der griechischen Mythologie ein goldenes Ziegenfell, das Zeus, bisweilen aber auch Athene oder Apollo, benutzten. Schüttelt man es, sendet es Blitz und Donner auf die Erde. Die libyschen Athene-Priesterinnen trugen die Aigis als Ziegenfellschürzen.
Hesiod rät im 7. Jahrhundert v. Chr., zu Beginn der kalten Jahreszeit junge Zickelfelle mit Ochsensehnen zusammenzunähen, um sie als Schutz über den Schultern zu tragen und mit einem Riemen um die Lenden zu gürten. Als Kopfbedeckung empfahl er dazu einen gutpassenden Pilos (Pelzmütze). - Griechische Sklaven trugen die Katonake, einen Überwurf aus Ziegen- oder Schaffell.[4]
Nicht nur in Mesopotamien dienten aufgeblasene Ziegen- und Schafsfelle bis ins letzte Jahrhundert als sogenannte „Schwimmsäcke“, einzeln für die Personenbeförderung oder 50-1600 Stück zusammengebunden und mit Brettern bedeckt als zuverlässige Transportflöße, denn sie biegen sich mit der Welle fast wie die Fische und gleiten, höchstens mit Verlust eines leicht ersetzbaren Hammelfells, über Hindernisse hinweg, an denen feste Boote zerschellen würden (Ewald Banse, Die Türkei, Braunschweig 1915).[5]
1991 fand man den Leichnam des Tiroler „Ötzi“, der etwa 3340 Jahre v. Chr. gelebt hat. Er war mit einer gestreiften Jacke aus braunem und weißem Ziegenfell bekleidet. Seine Hose war ebenfalls aus Ziege und ähnelt den Beinlingen der nordamerikanischen Indianer, als Nähgarn benutzte er Tiersehnen. Seit März 1998 ist die Gletschermumie aus der ausgehenden Jungsteinzeit im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen ausgestellt.
In jüngster Zeit fanden Ziegenfelle meist nur noch regional als Hirtenpelze und als sogenannte „Fahrerpelze“ für Fuhrleute Verwendung. Ferdinand Gregorovius berichtet in „Wanderjahre in Italien“ (in der Zeit von 1852-1891), dass die Hirten um das Bein gebundene Ziegenfelle trugen, mit dem Haar nach außen: Dies zottige Vlies gibt ihnen das Aussehen von Satyrn, ... Nicht anders gingen die Hirten in der fabelhaften Zeit gekleidet. Aber auch 1970 heißt es in einem Zitat, Selbst heute noch sind lange oder halblange, bis an die Knie reichende und mit dem Leder nach außen getragene Pelze von Ziegenfellen bei der ärmeren Bevölkerung südosteuropäischer und asiatischer Länder weitverbreitet in Gebrauch.[6]
Über, nachfolgend nicht behandelte, russische Ziegen schreibt Brass 1925, dass die dichte und langhaarige „Bärenziege“ zu Garnituren und Decken verarbeitet werde; diese und die gewöhnliche Ziege werden in Russland in großem Maßstabe zur Herstellung nackter Pelze für die Muschiks benutzt, und zwar sowohl langer Pelze als auch sogenannter Halbpelze, die in der Taille anschließend bis zum Knie reichen. Das Leder ist gelblichbraun gebeizt, und häufig fein ausgenäht oder gestickt. Solche Pelze kosteten vor 3 bis 4 Jahren 3 bis 12 Rubel. Ein einziges Moskauer Haus liefert jährlich über 100.000 solcher Pelze. Alle diese Ziegenpelze haben übrigens einen scharfen unangenehmen Geruch.
Über chinesische Ziegenfelldecken, einen der ältesten Exportartikel Chinas, führt Brass 1925 aus: Sie werden in England gefärbt. Ziegendecken kommen etwa 300.000 bis 400.000 in den Handel im Werte von 6 bis 12 Mk. per Stück.[7]
A) Südamerika Aus Argentinien kommen größere Mengen an Fellen, die besten aus Cordoba und Santiago del Estero (kurzhaarig). Langhaarigere aber qualitativ etwas schwächere Ware kommt aus Alta, Jujuy, San Juan und San Luis. Kurzhaarige Felle kommen ferner aus Buenos Aires, Pampa, Neuquen und Rio Negro.
Die kräftigen und langhaarigen Winterfelle werden als „Pampa“ angeliefert; „Desechas“ sind fehlerhafte Felle. Ansonsten werden die Qualitäten nach Gewicht unterschieden, Nonatos (die leichtesten, unter 130 Gramm), Cabritos (Zickel), Cabrillonas (Schuhkitz), Cabras, Chivos (Ziegen und Böcke; über 1350 Gramm per Stück).
Die Ziegenfelle aus Cordoba sind an ihrer breiten Stellung zu erkennen, sie kommen langbeinig und mit Köpfen in den Handel. Die zu etwa 60 Prozent flachhaarigen Felle aus Bolivien sind luftgetrocknet. Aus Chile kommen nur wenige, trockengesalzene Felle.
B) Europa
C) Asien
Mongolische oder chinesische Ziegenfelle haben ein langes, seidiges und dichtes Haar. Die Felle einjähriger Tiere werden gerupft, so dass nur die weiche glanzvolle Unterwolle verbleibt. Die Sommerfelle werden zu Ledern gegerbt. Die nach dem Entgrannen besonders leichten Winterfelle werden gebleicht oder gefärbt und zu Besätzen und Decken verarbeitet. Auch Imitationen englischer Grenadiermützen, die sonst aus Baribalfellen (Schwarzbär) gefertigt werden, sind daraus gearbeitet.
Eine weitere, fälschlich als „Mufflon“ gehandelte Sorte kommt aus Mittelasien, früher auch von Gebirgsziegen aus der südöstlichen Sowjetunion (Kasachstan, Bukejewski*). Sie wurden ebenfalls nur gerupft angeboten. Kasan, die Hauptstadt Baschkiriens (Baschkortostan), war berühmt für ihre „Mufflon“veredlung.
*Ortsbezeichnung „Bukejewski“ unklar, eventuell andere Schreibweise.
D) Afrika
Meist aus Namibia. Flachhaarig, ebenfalls nur zum kleinen Teil für Pelzzwecke verwertbar.
Über den Weltanfall der Ziegenfelle waren 1988 keine genauen Zahlen zu ermitteln.[9]
Nur noch selten für Pelze. Kräftige Sorten wurden kurzzeitig auch geschoren. Ein wesentlicher Grund für die geringe Nutzung ist die schwache Haltbarkeit des leicht brechenden Haars.
Ziegenfelle finden ferner Verwendung als Trommelfelle (Bodhrán (Irland), Darbuka und Riq (Arabien), Dhol (Nordindien) und als Blasebalg für den Dudelsack (den Bock) (Tschechien, früher ganz Mitteleuropa). Im alten Griechenland dienten sie in der Form von Schläuchen zur Lagerung des Weins.
Zickelfelle, die Felle weniger Wochen alter Ziegen, haben ein weiches und seidiges Haar mit nur geringem Unterhaar. Die Farben sind weiß, grau, braun, schwarz und gescheckt.
Außer nach der Farbe werden sie vom Rauchwarenhandel nach dem Haarcharakter unterschieden: moiriert, kurz- oder langhaarig, gelockt und geflammt.
Die Hauptmengen kommen aus Europa, Indien, China, Arabien, Somaliland und Abessinien. Chinesische Zickel werden meist als Kid gehandelt.
Die Tiere werden in der Regel im Alter von bis zu zwei Wochen geschlachtet, in der Zeit, in der sie noch gesäugt werden. Ein Fachbuch für Rauchwarenveredler vermerkt, dass Zickelfelle nicht haarlässig sind, wenn sie zum richtigen Zeitpunkt geerntet werden. Allerdings würden in dieser Hinsicht die Interessen der Kürschner nicht mit der Gepflogenheit übereinstimmen, die Zickel als Osterlammbraten zu verwenden. Solche Felle befinden sich im Haarwechsel und sind nach der Veredlung mehr oder weniger haarlässig.[10]
Die Tragfähigkeit der meisten Arten ist geringer als bei Lammfellen, die Haare brechen leichter.
A) Europa
B) Afrika - Asien
Die Verarbeitung, in der Regel aus (nicht nur in China) vorgefertigten Tafeln erfolgt zu Konfektionen aller Art, insbesondere zu preiswerter junger Mode. Oft auch gefärbt, zum Teil wendbar oder als Innenfutter. Für einen Mantel werden je nach Mode und Modell etwa 28 bis 45 Zickelfelle benötigt.
Weltproduktion von Ziegenfellen für Pelzzwecke (geschätzt)
| Zickel | Kid | Mufflon | Ziege | Quelle[11] | |
|---|---|---|---|---|---|
| 1864 | - | - | - | - | Heinrich Lomer |
| 1900 | - | - | - | 2.100.000 | Paul Larisch/Joseph Schmidt |
| 1923/24 | 2.000.000 | 2.000.000 | 20.000 | 3.000.000 | Emil Brass*[7] |
| 1930 | 3.000.000 | - | 500.000 | 2.000.000 | IPA - Internationale Pelz-Ausstellung Leipzig |
| 1950 | 3.000.000 | 200.000 | 120.000 | 2.500.000 | Dr. Friedrich Lübstorff |
1988 waren Zahlen über den jährlichen Anfall laut Jury Fränkel's Rauchwarenhandbuch nicht bekannt.[9]
*Laut Brass kamen anfangs der 1920er Jahre aus China jährlich etwa 300.000 Zickelkreuze und 100.000 Einzelfelle an den Weltmarkt.[7]