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Wilhelm Lauer

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Wilhelm Lauer (* 1923 in Oberwesel; † 24. Juli 2007) war ein deutscher Geograph und Klimatologe. Seine Forschungsgebiete waren Klimatologie, Pflanzengeographie, Tropen, vergleichende Geoökologie der Hochgebirge und Eiszeitforschung. Er entwickelte zusammen mit Peter Frankenberg und Daud Rafiqpoor eine ökophysiologische Klimaklassifikation.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Wissenschaftlicher Werdegang

Während seines Kriegsdienstes als Flieger absolvierte Wilhelm Lauer Wehrmachtkurse in Meteorologie. Nach Kriegsende 1945 begann er mit dem Studium der Geographie, Meteorologie, Botanik, Geologie, Geschichte, Ethnologie und Latein an der Universität Bonn.

Er wurde 1950 von Carl Troll, einem Gründungsmitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz, mit dem landschaftsökologischen Thema „Humide und aride Jahreszeiten in Afrika und Südamerika und ihre Beziehung zu den Vegetationsgürteln“ promoviert, ehe er 1951 das Staatsexamen für das Lehramt an Höheren Schulen ablegte. Anschließend hielt er sich zu Forschungszwecken in Spanien und Spanisch-Marokko auf, wo er Formen des Feldbaus semiarider Gebiete untersuchte.

[Bearbeiten] Forschungsreise

Als Gastforscher des Instituto Tropical de Investigaciones Científicas trat er 1953 eine einjährige Forschungsreise nach El Salvador an und erforschte dort die Auswirkungen der anthropogenen Einflüsse auf die Naturlandschaft im Rahmen seiner Habilitation “Vegetation, Landnutzung und Agrarpotential in El Salvador”. Von 1956 an lehrte er als ordentlicher Professor an der Universidad Austral de Chile in Valdivia, baute das dortige geographische Institut auf und leitete es bis 1958. Während seiner Gastdozentur in Valdivia studierte er den glazialen Formenschatz des südchilenischen Seengebietes und initiierte Schülerarbeiten zur Besiedlung und wirtschaftlichen Erschließung des Raumes seit dem 18. Jahrhundert sowie zu Migrationsproblemen im Großen Norden Chiles.

[Bearbeiten] Forschungsgebiete

1958 wurde er ordentliche Professor für Geographie in Kiel. 1961 wechselte er nach Marburg und 1966 nach Bonn (1966–1988), wo er Nachfolger seines akademischen Lehrers und Förderers Carl Troll wurde. In Bonn konzentrierte er sich auf Forschungen in Ländern Zentral- und Südamerikas, Afrikas und des Vorderen Orients, wo er die Höhenstufen des Klimas und der Vegetation in den tropischen und subtropischen Hochgebirgen erforschte.

Wissenschaftlich stand Wilhelm Lauer in der Tradition von Carl Troll und war letztlich dem wissenschaftlichen Konzept Alexander von Humboldts verpflichtet. Mit der Idee einer „Vergleichenden Hochgebirgsforschung“ folgte er sowohl thematisch als auch räumlich in den südamerikanischen Anden den wissenschaftlichen Fährten Trolls und Humboldts. Es ging dabei zumeist um die Analyse der Zusammenhänge zwischen der physischen und biotischen Umwelt, um das Wirken des Menschen im klimatisch-ökologischen Gefüge. Lauer folgte dabei methodisch dem ‚klassischen’ Expeditionskonzept mit detaillierten Geländeaufnahmen und Dokumentationen in kartographische Darstellungen.

Er betrieb quantitative Studien zum Wärme- und Wasserhaushalt der Erde mit Blick auf die ökologische Wertigkeit einzelner Landschaftsräume. Die Idee einer ökologisch-orientierten Klimaklassifikation führte ihn zusammen mit seinen Schülern zu neuen Ansätzen zur Berechnung der potentiellen Landschaftsverdunstung. Dieses Projekt vollendete er 2002 mit der Veröffentlichung einer modernen „Klassifikation der Klimate der Erde auf Grundlage der ökophysiologischen Merkmale der realen Vegetation“. Aus dem interakademischen Austausch zwischen der Kommission für Erdwissenschaftliche Forschung (Wilhelm Lauer) und der Kommission für Biologie (Wilhelm Barthlott) der Akademie der Wissenschaften und der Literatur zu Mainz entstand die Karte der globalen Diversität von höheren Pflanzen [1], zu der er den klimatologischen Teil beisteuerte. Wie viele seiner Forschungen, gewinnen gerade diese umfassenden Ansätze hohe Aktualität im Zusammenhang mit Fragen der globalen Veränderungen von Klima und Umwelt.

1978 wurde er von der Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät der Universität Bonn zu ihrem Dekan gewählt.

[Bearbeiten] Mainzer Akademie

Durch Ideenreichtum und richtungweisende Impulse wirkte er mit bei der Gestaltung der Mainzer Akademie der Wissenschaften zu einer Stätte der modernen Wissenschaft, sei es als Vizepräsident (1985–1995), als Mitglied der Senatkommission (seit 1990), als Leiter der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse (1985–1998), als Vorsitzender der Kommission für Erdwissenschaftliche Forschung (1975–1999) oder als Vorsitzender des Verlagsausschusses und Herausgeber der Buchreihe „Erdwissenschaftliche Forschung“. Damit blieb die Mainzer Akademie bis zum Schluss seine zweite „akademische Heimat“. Hier initiierte er im Rahmen der Kommission für Erdwissenschaftliche Forschung (Arbeitsstelle Geoökologie am Geographischen Institut der Universität Bonn) bis 2001 das Langzeitvorhaben „Dreidimensionale Landschaftsgliederung der tropischen Hochgebirge“. Im Rahmen dieses Projektes, nicht zuletzt dokumentiert durch zahlreiche Veröffentlichungen in den Abhandlungen der Mainzer Akademie, ist eines von Wilhelm Lauers Anliegen besonders deutlich geworden: die Förderung junger talentierter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Aus persönlichen Mitteln erfolgte die Einrichtung der Wilhelm Lauer-Stiftung an der Mainzer Akademie. Die Stiftung soll es ermöglichen, Projekte vor allem junger Wissenschaftler zu fördern.

[Bearbeiten] Mitgliedschaften

Für sein Lebenswerk erhielt er das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Lauer verstarb am 24. Juli 2007 im Alter von 84 Jahren.

[Bearbeiten] Ausgewählte Literatur

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. (http://www.nees.uni-bonn.de)
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