Walter Christaller (* 21. April 1893 in Berneck bei Calw; † 9. März 1969 in Königstein im Taunus) war ein deutscher Geograph.
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Christaller wurde 1893 als Sohn des evangelischen Pfarrers Erdmann Gottreich Christaller und seiner Frau, der berühmten evangelischen Schriftstellerin Helene Christaller, im Schwarzwald geboren. Er studierte Volkswirtschaftslehre und Geographie und führte erstmals quantitative und statistische Methoden in die Geographie ein. Schwerpunkte seiner Arbeiten waren Agrargeographie und Stadtplanung in Süddeutschland. In seinem Hauptwerk „Die zentralen Orte in Süddeutschland“ von 1933 entwickelte er das System der Zentralen Orte, das in der Raumordnung bis heute angewandt wird. Vor 1933 stand Christaller der KPD nahe, weshalb er 1934 zunächst in Frankreich untertauchte. Er erhielt aber dank einflussreicher Freunde 1934 ein Stipendium und kehrte nach Deutschland zurück, habilitierte sich 1938 an der Universität Freiburg und war von 1937 bis 1940 Assistent am Kommunalwissenschaftlichen Institut bei Theodor Maunz, der sich u.a. mit der rechtlichen Legitimation von KZs beschäftigte und später den bekannten Grundgesetzkommentar mit verfasste.
1940 trat Christaller in die NSDAP ein und war von 1940 bis 1945 Mitarbeiter im "Stabshauptamt Planung und Boden" im SS-Planungsamt "Reichskommissariat zur Festigung deutschen Volkstums", das den Eroberungskrieg in Osteuropa z. T. wissenschaftlich begleitete und legitimieren sollte. Er war in diesem Zusammenhang an der räumlichen Planung im besetzten Polen (Generalgouvernement) beteiligt und bearbeitete u. a. die Siedlungsplanung in einzelnen Gebieten (sog. "Warthegau" und Bialystok), in denen er sein Modell der zentralen Orte durchsetzte, was dazu führte, dass einige Dörfer ausgelöscht und ihre Bewohner zum Teil in Konzentrationslagern ermordet wurden.
Christaller pries das Modell der zentralen Orte, nach dem Orte hierarchisch nach ihren Versorgungsangeboten klassifiziert werden und jedes Oberzentrum von einem Ring von Mittelzentren umgeben ist, die ihrerseits wiederum von einem Ring von Unterzentren umgeben sind, als Umsetzung des "Führerprinzips" in die Raumordnung.
1945 wurde er freischaffender Geograph, Mitglied der KPD, später der SPD und gründete 1950 zusammen mit Emil Meynen den Deutschen Verband für Angewandte Geographie (DVAG). Nach 1945 entwickelte er Raumplanungskonzepte für das kommunistische Regime in Polen. Das Modell der zentralen Orte wurde zur Grundlage für die Raumplanung in der Bundesrepublik Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg, koordiniert durch die Bundesanstalt für Landeskunde und Raumforschung, die bis in die 60er Jahre von Meynen geleitet wurde.
Die vom ihm in den 1930er Jahren entwickelte Idee der zentralen Orte fand starken Anklang bei den Fachkollegen. Es geht davon aus, dass die Siedlungen in einer Landschaft räumlich-funktionell miteinander in Beziehung stehen und hierarchischen Niveaus angehören. Um die zentralörtliche Stellung einer Siedlung zu ermitteln, wurden neun Funktionsbereiche herangezogen, die im Sinne einer „Congestion“ über den Ort herausreichen. Historiker griffen Christallers These ab den 1950er Jahren auf und diskutierten sie insbesondere für das späte Mittelalter und die Neuere Geschichte. Im Jahre 1973 machte D. Denecke den Versuch, das Konzept auch für ältere Abschnitte des Mittelalters nutzbar zu machen.
Seit 1996 vergibt der DVAG ungeachtet Christallers problematischer Vergangenheit den Walter-Christaller-Preis für Nachwuchsgeographen.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Christaller, Walter |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Geograph |
| GEBURTSDATUM | 21. April 1893 |
| GEBURTSORT | Berneck, heute zu Altensteig (bei Calw) |
| STERBEDATUM | 9. März 1969 |
| STERBEORT | Königssee im Taunus |
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