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Walrat

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(Der oder das) Walrat (Cetaceum), auch als Spermaceti bezeichnet, ist eine weiße bis leicht gelbliche, bei Zimmertemperatur feste wachsähnliche Substanz, die im Kopf und einer röhrenförmigen Höhlung des Rumpfes von Pottwalen (Physeter macrocephalus) enthalten ist.

In der Apotheke war Walrat früher als Pulver geraspelt (Cetaceum raspatum) erhältlich, man benutzte es gegen Husten und Lungenerkrankungen. Daher auch die Wort-Erklärung in Grimms Wörterbuch: Im Mittelalter hielt man Walrat für eine „Ausblühung“ an der Meeres-Oberfläche, eine flos maris. Als klar war, dass es vom Pottwal stammt, gelangte man durch Umformung zu „Walmar, Walram“ und zuletzt sogar „Baldrath“ (weil man sich bei Krankheit bald Rat, Heilung, versprach).[1]

Die Kopfhöhlen eines Pottwals enthalten zwei bis fünf Tonnen dieser Substanz. Walrat ist bei hohen Temperaturen flüssig und kristallisiert zu einem kompakteren Wachs. Die Temperaturbereichsangaben variieren von 21 bis 23 °C (Spermaceti-Organ) bis 42–50 °C (reines Spermaceti-Wachs) – offenbar je nach Probenmischung. Im festen Zustand hat es eine höhere Dichte als im flüssigen Zustand. Der Pottwal kann durch Erwärmung und Abkühlung des Walrats sein spezifisches Gewicht verändern, um so ohne große Kraftanstrengung in große Tiefen tauchen bzw. wieder auftauchen zu können. Will er tauchen, lässt er durch das Blasloch kaltes Wasser einströmen, dadurch kühlt das Walrat ab und sein Volumen verringert sich. Will er wieder auftauchen, erhöht er die Blutzufuhr in seinem Kopf, wodurch das Walrat wieder erwärmt und sich ausdehnt. Diese Technik hilft dem Pottwal, bei seinen Tauchgängen Sauerstoff zu sparen.

Walrat wurde hauptsächlich zur Herstellung hochwertiger, hellbrennender und nichtrußender Kerzen eingesetzt; solche Kerzen waren als die beste Qualität begehrt. Als ein Candela wurde ursprünglich in England die Intensität einer Walrat-Kerze definiert, die in einer Stunde 7,77 g Walrat verbraucht. Auch als Schmiermittel für Präzisionsgeräte sowie für Motoren- und Automatengetriebeöle wurde es hoch geschätzt. Daneben diente es auch als Rohstoff für Kosmetika und Arzneimittel.

Heute wird es fast vollständig durch Jojoba-Öl und Jojoba-Ester ersetzt. Im Deutschen Arzneibuch war Walrat bis zur 7. Auflage enthalten, seitdem wird Cetylpalmitat verwendet.

Früher nahm man an, dass Walrat die Samenflüssigkeit des Pottwals wäre, wobei man anscheinend nicht berücksichtigte, dass zwei Tonnen Samenflüssigkeit – zudem im Kopf enthalten – doch wohl sehr reichhaltig bemessen wären, zumal auch weibliche Tiere damit ausgestattet sind. Das Gewebe, das den Walrat enthält, und auch der Walrat selbst erhielten so den Namen Spermaceti. Im Englischen heißt der Pottwal daher auch Sperm Whale. Auf Grund dieses Irrtums wird das Walrat auch heute noch teilweise als Spermöl bezeichnet.

Hauptbestandteil des Walrats ist das Wachs Cetylpalmitat (C15H31COO-C16H33), der Ester aus dem Fettalkohol Cetylalkohol (1-Hexadecanol, C16H33OH) und der Fettsäure Palmitinsäure (C15H31COOH).

[Bearbeiten] Quellen

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. WALRAT, m. in J. und W. Grimm: Deutsches Wörterbuch, Band 27, Spalten 1325–1327

[Bearbeiten] Siehe auch

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