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Ein Wahlsystem oder Wahlverfahren ist eine formalisierte Methode, um aus den gültigen Stimmen von Wahlberechtigen zu folgern, an welche Kandidaten die Ämter, um die es geht, vergeben werden. Das kann (als Sonderfall) auch ein einziges Amt sein.
Wahlsysteme werden zum Beispiel in der Politik, in Vereinen und bei der Preisvergabe im Sport eingesetzt.
Viele Aussagen über Wahlverfahren gelten auch für andere Beschlussverfahren (vgl. Sozialwahltheorie).
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Im Deutschen bezeichnet das Wort Wahlsystem allgemeinsprachlich den Modus von Repräsentantenwahlen. Im Folgenden befasst sich dieser Artikel daher ausschließlich mit Wahlsystemen von Repräsentantenwahlen, speziell von politischen Repräsentantenwahlen. Darunter versteht man den Modus, nach welchem ein Wahlvolk bei einer Wahl auf nationaler oder regionaler Ebene seine Partei- oder Kandidatenpräferenz durch die Abgabe seiner Stimmen ausdrückt und diese in politische Mandate übertragen werden.
Siehe auch: Wahlrecht, Wahlgleichheit
Heute basieren praktisch alle Wahlverfahren auf Varianten der Mehrheitswahl oder der Verhältniswahl. In der Schweiz und in mancher Fachliteratur spricht man von Majorz (Mehrheitswahl) und Proporz (Verhältniswahl). Um die jeweiligen Nachteile dieser Grundsysteme auszugleichen, gibt es eine Reihe weiterer kombinierter Systeme oder Mischsysteme.
| Mehrheitswahl | Verhältniswahl |
| Verhinderung der Parteienzersplitterung. | Repräsentation möglichst aller Meinungen und Interessen im Parlament im Verhältnis ihrer Stärke unter der Wählerschaft. |
| Förderung der Parteienkonzentration in Richtung auf die Herausbildung eines Zweiparteiensystems. | Verhinderung eines Kartells etablierter Parteien. Berücksichtigung gesellschaftlicher und neuer politischer Strömungen bei der Umsetzung von Stimmen in Mandate. Neue Parteien haben eine Chance. |
| Förderung stabiler Regierungen mit sicheren Mehrheiten. | Verhältnismäßige Instabilität der Regierungen erschwert Machtmissbrauch. |
| Förderung politischer Mäßigung, da die größeren politischen Parteien um die gemäßigte Wählerschaft in der Mitte kämpfen und bei einem Wahlsieg auch die politische Verantwortung übernehmen müssen. Die Parteien müssen also ihr Programm an der gemäßigten Wählerschaft und an dem Machbaren ausrichten. | Förderung vereinbarter Mehrheiten durch Aushandeln und Kompromisse, an denen verschiedene gesellschaftliche Kräfte beteiligt sind. |
| Förderung des Machtwechsels, da geringe Veränderungen in den Stärkeverhältnissen der Parteien nach Wählerstimmen große Veränderungen nach Mandaten auslösen können. | Verhinderung extremer politischer Umschwünge, die weniger das Ergebnis grundlegender Veränderungen der politischen Einstellungen der Wählerschaft sind als vielmehr Folge des Verzerrungseffekts des Wahlsystems. |
| Herbeiführung der Entscheidung über die Regierungsführung direkt durch den Wähler und nicht durch die Parteien in Koalitionsverhandlungen. | Neue Themen können durch kleine Parteien über Koalitionsverhandlungen Eingang in die Regierungspolitik finden. |
| Personenwahl: Die Wähler können die Kandidaten und Abgeordneten ihrer Wahlkreise kennen. | Die Parteien können auch solche Experten ins Parlament bringen, die beim Wähler nicht ankommen. |
Traditionell beschreibt man beide Verfahren etwa wie folgt:
Diese Definitionen beschreiben aber nur je eine ganz bestimmte Form, nämlich die relative Mehrheitswahl im Einpersonenwahlkreis und die reine Verhältniswahl im einheitlichen Wahlgebiet. Doch werden in der Praxis viele andere Wahlsysteme angewendet, noch mehr wurden erdacht.
Jede der beiden Beschreibungen nutzt einen Aspekt und ignoriert andere: Die Beschreibung der Mehrheitswahl nennt nur den Algorithmus, also das Repräsentationsprinzip, während diejenige der Verhältniswahl das zu erreichende Ziel hervorhebt, aber die Problematik der Rundung auf ganze Zahlen von Mandaten weglässt. Diese Gegenüberstellung nennt Nohlen „asymmetrisch“[1].
Dagegen sind symmetrische Einteilungen (nach Nohlen):
Anzumerken ist noch, dass die ‚klassische‘ Mehrheitswahl (relative Mehrheitswahl in Einerwahlkreisen) und Verhältniswahl (Verhältniswahl in einem oder mehreren Mehrpersonenwahlkreisen) den Erfordernissen des gleichnamigen Repräsentationsprinzips nicht unbedingt gerecht werden. So führt z. B. die relative Mehrheitswahl in Einerwahlkreisen in Indien und Kanada nicht zu einem Zweiparteiensystem und parlamentarischer Mehrheit einer Partei. In Indien hat sich durch die relative Mehrheitswahl in Einpersonenwahlkreisen in Verbindung mit regional starken Parteien ein Vielparteienparlament entwickelt. Zum Teil ist die Performanz im Sinne des Repräsentationsziels von einem Wahlsystem des anderen Typs höher. Ein Großteil der Wirkung eines Wahlsystems resultieren aus den technischen Details in einem spezifischen politischem Umfeld.[2]
An der zweiten Methode ist jedoch problematisch, dass sie eine bewusste Entscheidung des Wahlgesetzgebers impliziert, die historisch in den wenigsten Fällen gegeben ist. Eine fast in Vergessenheit geratene Alternative aus den 1960er Jahren wird bei Fendrich[3] erwähnt.
Wie schon aus dem Vergleich von Mehrheitswahl und Verhältniswahl ersichtlich, kann es bei einem Wahlverfahren immer wieder zu Ergebnissen kommen, die zwar mathematisch korrekt sind, aber nicht unbedingt den Wählerwillen genau wiedergeben.
Das folgende Beispiel ist konstruiert, zeigt aber die prinzipiellen Risiken, die Wahlverfahren in unterschiedlicher Weise mitbringen: Bei einer fiktiven Wahl gelte das Mehrheitswahlrecht, das Parlament hat 5 Abgeordnete, die in 5 Wahlkreisen mit je 100 Wählern gewählt werden. Die Kandidaten werden von nur zwei Parteien (A und B) gestellt und alle Wahlberechtigten gehen zur Wahl. Wenn Partei A in 3 Wahlkreisen knapp mit 51 Stimmen siegt und Partei B in zwei Wahlkreisen mit 99 Stimmen siegt, dann hat Partei B 3*49+2*99= 345 Stimmen oder 69 % aller Stimmen. Hier stehen also mehr als 2/3 aller Wähler hinter Partei B, dennoch hat sie von 5 Mandaten nur 2 erhalten und ist im Parlament mit nur 40 % der Mandate nicht fähig, Entscheidungen für die Mehrheit der Wähler durchzusetzen. Bisweilen werden Wahlkreise sogar absichtlich so zugeschnitten, dass es zu diesem Effekt kommt (Gerrymandering).
Umgekehrt kann es bei bestimmten Wahlsystemen dazu kommen, dass man mit weniger Stimmen mehr Mandate bekommt (negatives Stimmengewicht, vom Bundesverfassungsgericht am 3. Juli 2008 als verfassungswidrig beurteilt). Dieser Effekt hat z. B. bei der Bundestagswahl 1998 dazu geführt, dass die SPD in Hamburg nach Zweitstimmen 6 Bundestagsmandate erhalten hatte, aber in den Wahlkreisen 7 Direktmandate errang. Deshalb erhielt die SPD ein Überhangmandat (7−6=1) im Bundestag. Das Überhangmandat ist ein zusätzliches Mandat, welches einer Partei gegeben wird, ohne dass ein entsprechender Ausgleich für die anderen Parteien geschaffen würde. Bei der Wahl hat es an anderen Stellen und für andere Parteien ähnliche Effekte gegeben, allerdings werden die großen Parteien begünstigt, da diese auch in den Wahlkreisen Direktmandate erringen können.
Diese Verfahren können auch zur gleichzeitigen Wahl mehrerer gleichberechtigter Mandatsinhaber dienen; dies ist der Sonderfall, bei dem der Rang ungenutzt bleibt. Die Besetzung eines einzigen Amtes ist ein anderer Sonderfall; dieser ist anwendbar zum Beispiel bei der Mehrheitswahl und für die Wahl eines Bürgermeisters. (Auch wo die Beschreibung eines Wahlverfahrens sagt, das Verfahren diene zur Bestimmung eines einzigen Siegers, kann man den als vorletzten Ausscheidenden auf Platz 2 sehen.)
Zur Veränderung der Situation durch rationale Koalitionsbildung oder Wahlabsprachen siehe den Artikel Mehrheitsalternative.
Das sind Sitzzuteilungsverfahren, nützlich für die Wahl von Gremien.
Auf dem System der Verhältniswahl basieren folgende Systeme:
Im Grabenwahlsystem wird ein Teil der Sitze nach dem Verhältniswahlrecht ein anderer Teil nach dem Mehrheitswahlrecht vergeben.
Anna Akhmatova et Marina Tsvetaeva
Deux femmes russes poètes prises au coeur de la tourmente russe du début du siècle, deux femmes russes reclues dans leur oeuvre face à un monde hostile. Ces deux femmes russes sont le visage de la Russie ancienne et moderne.
"Qu'une femme russe vaut bien plus, en somme que les hommes russes qui se battent, et que leur chagrin pour les hommes me fait aimer les femmes russes ici-bas."