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Ein Wagen ist ein von Rädern getragenes mehrspuriges und mehrachsiges Fahrzeug. Einachsige Fahrzeuge werden üblicherweise Karren genannt.
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Die Verbindung der Räder mit den nicht drehenden Teilen des Wagens (Fahrgestell, Ladefläche, Wagenkasten) kann unterschiedlich gestaltet sein.
Sind die Räder mit der Achse starr verbunden, die sich mit ihnen dreht, spricht man von einem Radsatz. Bei dieser Konstruktion kann die Achse auch als Welle bezeichnet werden. Radsätze haben die meisten Schienenfahrzeuge. Dreht sich die Achse nicht, so wird der innere, ihr aufsitzende Ring des Rades als Nabe bezeichnet. Lässt sich eine Achse, oder Teile davon, um einen vertikalen Drehpunkt bewegen, was Kurvenfahrten erheblich erleichtert, so spricht man von einer Lenkung. In der Frühzeit des Wagens wurde ein Abgleiten der Räder von den Achsen durch Achsnägel verhindert, die durch die Achse geschlagen wurden. Bei den gelenkten Wagen war die Einheit aus Deichsel und Vorderachse durch einen Reibnagel drehbar mit dem übrigen Wagen verbunden.
Von Zugtieren gezogene Wagen werden Fuhrwerk genannt. Das älteste Zugtier war das Rind (Kuh oder Ochse), zum stärksten und schnellsten wurde das Pferd, das wendigste ist das Maultier. Als Zugtiere waren z. B. auch Esel und Kamel verbreitet.
Von Menschen bewegte Wagen werden als Handwagen bzw. Handkarren. Fuhrwerke, Handwagen und Anhänger werden mit ein oder zwei Deichseln bewegt, zumindest aber gelenkt. Für Zugtiere gab bzw. gibt es ein Zuggeschirr.
Bei Motorantrieb unterscheidet man motorisierte Wagen, die auch Platz für den Transport von Fahrgästen und Material bieten, Kraftwagen = Automobile (Autos) im Straßenverkehr, Triebwagen im Schienenverkehr, von Zugmaschinen, auf bzw. in denen im Wesentlichen nur Maschine, Fahrzeugführer und Brennstoff Platz haben, also Traktoren und im Schienenverkehr Lokomotiven.
Pedalgetriebene Fahrzeuge werden üblicherweise auch dann nicht als Wagen bezeichnet, wenn sie mehrspurig sind. Weichen sie sehr stark vom Erscheinungsbild eines Fahrrades ab, so werden sie mit dem englischen Kürzel HPV benannt (human powered vehicle).
In der Geschichte des Transportwesens waren Vorläufer des Wagens einerseits radlose Transporteinrichtungen wie Schlitten und Schleife.
Nach aktuellem Forschungsstand kann die Erfindung von Rad und Wagen etwa gleichzeitig in verschiedenen Gegenden gemacht worden sein. Teile von Rädern und Wagen wurden u. a.
Alle stammen aus der ersten Hälfte des 4. Jahrtausends. Die älteste bildliche Darstellung wurde auf einem Tonkrug in Bronocice (Südpolen) gefunden. Dieser Krug aus dem Gebiet der Trichterbecherkultur zeigt Einflüsse der Boleraz-Stufe der Badener Kultur, wird auf ca. 3500 v. Chr. datiert und zeigt zwei vierrädrige Wagen. [1]. Mehrere tönerne Wagenmodelle aus der Badener Kultur (3500 bis 2800 vor Chr.) wurden in (Buda-)Kalász gefunden. Der Archäologe Ursprung des Wagens wird inzwischen äußerst kontrovers diskutiert. Während die Theorie einer parallelen Entwicklung in mehreren Gebieten verbreitet ist, favorisiert Gerald Görmer in einer 2008 vorgelegten Arbeit [2] Mitteleuropa als das Ursprungsgebiet.
Bei den meisten dieser Wagen drehten sich die Räder auf den fest mit dem Wagen (-Rahmen) verbundenen Achse(n). Die den ältesten Wagenfunde aus dem Alpenraum weisen dagegen einen Radsatz mit Welle auf. Als Zugtiere scheint man in Europa, Afrika (Ägypten) und Asien zunächst nur Rinder, in Europa vor allem Ochsen verwandt zu haben. In Mesopotamien kamen später auch Esel zum Einsatz.
Aus der Bronzezeit sind Darstellungen wie der Sonnenwagen von Trundholm in Dänemark und der Kultwagen von Peckatel aus Mecklenburg bekannt, die den Rückschluss auf eine rituelle Verwendung und Bedeutung zulassen.
Speichenräder tauchen seit etwa 2000 v. Chr. auf, wiederum fast gleichzeitig u.a. in Mesopotamien und in Mitteleuropa. Eine in Mitteleuropa verbreitete Zwischenlösung war die Auskehlung der Radscheiben. Speichenräder machten die Wagen leichter und dadurch beweglicher. Auch Einachsigkeit war im Sinne der Gewichtsreduktion und Wendigkeit ein Vorteil und keine Primitivität. Ein Beispiel sind die zumeist einachsigen Streitwagen der antiken Hochkulturen. Wegen ihrer leichteren Konstruktion konnten Speichenräder auch größere Durchmesser haben. Solange man noch keine Wälzlager hatte und bei fehlender oder schlechter Federung verbesserte das den Komfort und verminderte den Verschleiß.
Über lange Zeiten scheint es sowohl Wagen mit starrer, als auch mit lenkbarer Vorderachse gegeben haben. Als erster Anhalt einer Lenkung wird eine aus der Zeit um 3000 v. Chr. gefundene in der Mitte quer durchbohrte Wagenachse angesehen [3] [4]. Einen Hinweis auf stärkere Nutzung gelenkter Wagen liefert die Breite von Bohlenwegen, die während der Bronzezeit irgendwann schmäler gebaut wurden [5]. In Bronze- und Eisenzeit ließ sich eine lenkbare Vorderachse mit einem metallenen Reibnagel einigermaßen sicher mit dem Wagen verbinden. Hinweise ergeben sich aus keltischen Wagengräbern (Rekonstruktionen [6], Wagengrab von Boé [7]). Trotzdem hatten viele vierrädrige Wagen in der Römerzeit keine lenkbare Vorderachse. Im Mittelalter zeitweise so gut wie vergessen, setzte die Drehschemellenkung sich ab dem 13. Jahrhundert dann allgemein durch.
Führend bei der Weiterentwicklung des Wagens in der europäischen Antike waren die Kelten. Die Römer haben außer Technik und Typen auch viele Begriffe von ihnen übernommen. [8]
Leichte gefederte Einachser bauten die Kelten schon im 2. Jahrhundert v. Chr. Die Römer hatten gedeckte Reisewagen mit federnd aufgehängten Wagenkästen. Im 15. Jahrhundert wurde eine ähnliche Federung in Ungarn erfunden. Unter der Bezeichnung Kutschen verbreiteten sich die komfortabel gefederten Wagen dann schnell in ganz Europa. Erst nach der Erfindung der stählernen Blattfeder konnte man wirklich schwere Wagen federn.
Geschlossene Wagenkästen gab es schon im 16. Jahrhundert. Sie waren aber aus Gründen der Konstruktion und wegen der schlechten Straßen lange Zeit ein Gewichtsproblem. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts kam der geschlossenen Postwagen auf, der einem Teil der Passagiere guten Witterungsschutz bot.
Ab Anfang des 19. Jahrhunderts gab es auch zunehmend (wieder, vgl. Römerzeit) befestigte Landstraßen (s. u.). Vorher verursachten die schmalen eisenbereiften Wagenräder tiefe Wagengeleise. Deswegen war in vielen Ländern die Spurweite der Fuhrwerke genormt.
Die heute bei Kraftwagen übliche Achsschenkellenkung wurde übrigens schon 1817 von einem Stellmacher (Wagenbauer) erfunden [9]. Etwa zur selben Zeit gelang es, durch Rad- und Speichensturz die Straßenlage und das Verhältnis von Gewicht und Stabilität zu verbessern.
Von großer Bedeutung für die Leistungsfähigkeit von Fuhrwerken war das Geschirr, mit dem die Zugtiere den Wagen zogen. Lange Zeit gab es für schwere Wagen nur das Joch, nur für Rindvieh geeignet. Im 9. Jahrhundert wurde das Kummet-Geschirr erfunden, das die Zugleistung von Pferden und anderen Unpaarhufern wesentlich verbesserte.
Besonders schwer beladene Wagen wurden bis ins 19. Jahrhundert mit Ochsen gezogen (Geschwindigkeit etwa zwei Kilometer pro Stunde) und mit doppelten Rädern ausgestattet, vergleichbar mit den Zwillingsreifen heutiger LKW. Bei Pferdegespannen benutzte man für große Steigungen zusätzliche Vorspannpferde.
Der erste maschinengetriebene Wagen war 1769 der Dampfwagen von Nicholas Cugnot, also über ein Jahrhundert vor den ersten Automobilen mit Ottomotor 1885/86.
Sehr wichtig für die Effektivität der Zugtiere war die Qualität der Wege. Im Altertum bauten darum die Griechen einige steinerne Schienenwege und die Römer erschlossen ihr gesamtes Reich durch ein gut ausgebautes Straßennetz. Auch die Pferdeomnibusse des 19. Jahrhunderts ließen sich nur auf entsprechend ausgebauten Straßen ziehen. Bezeichnend ist auch die Pferdetraktion am Anfang der Eisenbahngeschichte: Zwar erreichte die Eisenbahn ihre weltweite Bedeutung mit der Dampflokomotive, aber die ersten Eisenschienen wurden für Pferdebahnen verlegt. Das gilt für die ersten Kohle- und andere Grubenbahnen in Großbritannien, für die erste Fernbahn des europäischen Kontinents 1827 entlang dem Goldenen Steig von Linz nach Budweis (České Budějovice), und für die ersten Straßenbahnen (New York 1832, Deutschland ab 1866).
Eine Besonderheit findet sich bei der Mehrzahlbildung von Wagen, die in einigen Regionen als "die Wägen" gebildet wird. Diese Form war im 19. und frühen 20. Jahrhundert noch die vorherrschende Form im hochdeutschen Sprachgebrauch, jedoch ist die Leitvariante der Mehrzahlbildung jetzt zu „die Wagen“ gewechselt. [11]