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Wacken Open Air

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Die beiden Hauptbühnen des Wacken Open Air Festivals (2008)

Das Wacken Open Air (W:O:A) ist laut Angaben des Veranstalters das größte Metal-Festival der Welt und nach Rheinkultur und Rock am Ring das drittgrößte jährlich stattfindende Open-Air-Festival Deutschlands. Es findet jährlich am ersten Augustwochenende in Wacken in Schleswig-Holstein statt. Im Jahr 2008 hatte das Festival offiziell 65.000 zahlende Besucher, insgesamt waren über 75.000 Teilnehmer auf dem Open-Air.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

Das Festival entstand 1990 und hatte anfangs kaum 800 Besucher. Die auftretenden Bands kamen alle aus Deutschland, in der Gruppe Skyline spielte Thomas Jensen, bis heute einer der Veranstalter, selbst E-Bass. Im Laufe der Jahre nahm die Größe aber kontinuierlich zu, inzwischen kommen Dutzende Bands und Zehntausende Besucher – 2006 wurde ein neuer Besucherrekord aufgestellt, laut offiziellen Angaben besuchten 62.500 Menschen das Festival, womit laut Veranstalter „die Grenze des Machbaren erreicht sein sollte“. Dennoch hat der Veranstalter 2007 Veränderungen an der Struktur des Festivalgeländes vorgenommen, indem einer Nebenbühne, der „Party Stage“, eine größere Fläche zugewiesen wurde. Zudem soll es nicht mehr möglich sein, Eintrittskarten direkt am Festivalgelände zu erwerben, um so die Anzahl der spontanen bzw. kartenlosen Besucher einzudämmen. In den Jahren 2007 und 2008 war das Festival schon durch den Kartenvorverkauf ausverkauft; für das W:O:A 2009 wurde der Ausverkauf sogar schon Ende 2008 erreicht.

Trotz der Größe des Festivals traten in der Vergangenheit keine relevanten Sicherheitsprobleme auf. Allerdings kam es 2005 erstmals zu einem schwerwiegenden Zwischenfall, als ein stark alkoholisierter 37-jähriger Familienvater rückwärts an die Seite eines Rettungswagens prallte und sich sehr schwere Kopfverletzungen zuzog, denen er später im Krankenhaus erlag.[1] Daraufhin organisierten die W:O:A-Organisatoren ein Spendenkonto und Benefizaktionen zur finanziellen Unterstützung der Familie des Unfallopfers. Auf dem W:O:A 2006 legten Zehntausende von Besuchern des Festivals eine Schweigeminute für den tödlich Verunglückten ein.

Fand das Festival ursprünglich nur an zwei Tagen statt, so finden die Auftritte seit einigen Jahren von Donnerstag bis Samstag, also an drei Tagen, statt. Der Donnerstag etablierte sich als „Night to Remember“, an ihm treten vornehmlich „klassische“ Hardrock-Bands auf, zum Beispiel im Jahr 2006 die Scorpions. Auf der eigentlichen Party Stage sollten jüngere und modernere Bands spielen, als Kontrastprogramm zur „Night to Remember“. Darüber hinaus wird die Veranstaltung von einem reichhaltigen Rahmenprogramm begleitet, neben einer – für Musikfestivals obligatorischen – Händlermeile wird seit 2000 ein Biergarten betrieben, in dem der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Wacken (Wacken Firefighters) das Festival bereits vor dem offiziellen Start eröffnet. Außerdem gab es 2007 erstmals am Donnerstag die „Hellfest Stage“.

Wie geschätzt das Open Air mittlerweile ist, zeigt die Tatsache, dass bereits viele namhafte Bands, wie etwa Saxon, Twisted Sister, Grave Digger, Dimmu Borgir oder Helloween, vor Ort Live-DVDs aufnahmen. Auch begannen 2004 die Böhsen Onkelz ihre Abschiedstournee mit einem extra langen Auftritt auf dem W:O:A.

Seit 2002 fährt ein Sonderzug, der sogenannte „Metal Train“, jeweils zu Festivalbeginn und -ende von Zürich über viele große Städte nach Wacken und wieder zurück, um Fans bei passendem Rahmenprogramm in das norddeutsche Dorf zu bringen. Aus den skandinavischen Ländern, vor allem Schweden, aber auch aus Österreich werden jährlich Bustouren organisiert, die von mehreren Hunderten von Fans genutzt werden.

[Bearbeiten] Entwicklung des W:O:A in Zahlen

Die Grafik und die nachfolgende Tabelle zeigen die vom Veranstalter veröffentlichte Entwicklung von Preisen, Besucherzahlen und die Bandanzahl der vergangenen Festivals. Die Preise beziehen sich jeweils auf ein 3-Tages-Ticket im Vorverkauf.

Entwicklung des W:O:A von 1990 bis 2009.

Jahr Bands Besucher Preis (EUR)
1990 6 800 6,14
1991 7 1300 7,67
1992 26 3500 17,90
1993 32 3500 23,01
1994 29 4500 19,94
1995 33 5000 20,05
1996 32 8000 25,05
1997 47 10000 35,28
1998 71 20000 35,28
1999 82 22000 40,39
2000 69 25000 40,90
2001 79 25000 50,62
2002 80 27500 50,00
2003 61 30000 50,00
2004 62 48000 68,00
2005 65 40000 79,00
2006 56 48000 79,00
2007 75 72000 99,00
2008 71 75000 109,00
2009 120,00

[Bearbeiten] Gegenwart

Zum W:O:A 2005 kamen 50.000 Besucher.

Das Festival stellt innerhalb der Metalszene einen der Höhepunkte des Jahres dar. Heute kommen etwa ein Drittel der Besucher, die teilweise schon einige Zeit vor dem offiziellen Festivalbeginn anreisen, und der Großteil der Bands aus dem Ausland.

Das gesamte Gelände hat mittlerweile eine Größe von knapp 200 Hektar erreicht, was der Größe von etwa 270 Fußballfeldern entspricht. Dadurch bezieht das Wacken Open Air mittlerweile mit Gribbohm und Holstenniendorf zwei andere Gemeinden mit ein.

Die Campingflächen bestehen aus abgemähten Feldern, die bei ortsansässigen Bauern angemietet werden. Größeren Gruppen ist es möglich, eigene Campingflächen bereits im Vorfeld zu reservieren. Hierzu kann seit 2007 auch noch eine eigene Toilettenkabine bestellt werden.

Die Teilnehmerzahlen konnten 2008 noch einmal auf diesmal 75.000 Teilnehmer, darunter 65.000 zahlende Gäste, steigen.

Wie bei Festivals in dieser Größenordnung üblich, gerieten jedoch die hygienischen Verhältnisse, die Preise, die Ordner und Überfüllung in die Kritik. Jedoch versuchte man diese Kritikpunkte am Festival zu verbessern: So finden sich viele mobile Toilettenkabinen auf dem Festivalgelände. Auf den Campingbereichen sind neben Duschmöglichkeiten, wassergespülten Toiletten und Trinkwassertanks auch kleine in Zelten betriebene Supermärkte vorhanden.

Als Festivalmotto hat sich neben Faster, Harder, Louder der Satz See you in Wacken - Rain or Shine etabliert. Beide wurden bereits in den 1980er Jahren in ähnlicher Form auf dem Roskilde-Festival benutzt und von dort übernommen. Zusätzlich wirbt das Festival mit dem Satz "Louder than hell".

Um auch unbekannte Metalbands zu fördern, findet jährlich vielerorts das „Metal Battle“ statt, für den sich junge Bands bewerben können und zunächst in kleineren Clubs gegen andere lokale Bands musikalisch antreten. Die von einer Fachjury ausgewählten Bands erhalten die Chance, auf dem W:O:A erstmals vor einem großen Publikum zu spielen. Bereits etablierte Bands touren in den Wintermonaten dagegen mit der „W:O:A-Roadshow“ durch die Welt, um außerhalb des Festivals in normalen Konzerthallen aufzutreten. Das Festival hat seit 2006 auch einen Internetradiosender, der rund um die Uhr senden soll.

[Bearbeiten] W:O:A als Marke

Um das Festival herum hat der Veranstalter ein breites Merchandising entwickelt. Neben festivaleigenen T-Shirts und einem breiten CD- bzw. DVD-Angebot wurden ebenfalls das Festival flankierende Printmedien herausgegeben. Im W:O:A-Historybook ist die Geschichte des Open Airs bis 2005 nachzulesen. Das vom Satiriker Till Burgwächter in Zusammenarbeit mit dem Comiczeichner Jan Oidium verfasste Buch Die Wahrheit über Wacken (Oidium Verlag) hingegen, das zudem als drei CDs umfassendes Hörbuch erhältlich ist, beleuchtet das Festival humorvoller. Wie weit das Merchandising mittlerweile gefasst wird, zeigt das Erscheinen eines Metal-Kochbuchs.

Jährlich erscheint der Wacken Metal Dream Girls-Kalender, dessen Models, unter denen auch Männer vertreten sind, online direkt von Metalfans gewählt werden können. Der Kalender grenzt ein Jahr allerdings nicht zwischen Januar und Dezember ein, sondern zwischen jeweils zwei Wacken Open Airs. Im Jahr 2005 wurde erstmals eine „eigene“ Biersorte, das Wacken Premium-Pils, angeboten. Es wurde in der bayerischen Maximiliansbrauerei hergestellt, die ihren Sitz in Chieming hat. Auf den folgenden W:O:As war dieses Bier ebenfalls erhältlich, stammte aber fortan aus der Flensburger-Brauerei. Zunächst gab es das Bier bis 2007 in Bügelverschlussflaschen, jedoch zwang die große Anzahl Glasscherben die Veranstalter zu einem Umstieg auf 0,5-Liter-Dosen. Die immer umfangreicher werdende Merchandising-Palette führte zu vermehrter Kritik, da es u.a. als rein profitorientiertes Handeln der Verantwortlichen betrachtet wird. Die zunehmende Berichterstattung über das Festival, gerade in der Folge des Dokumentationsfilms Full Metal Village, wird in der traditionellen Metalszene als Ausverkauf wahrgenommen.

Neben den Aktivitäten im Merchandising Bereich, wurde 2008 erstmals versucht, das W:O:A Branding auf ein anderes Festival auszudehnen. Am 5. Juli 2008 fand in Aurich das "Wacken Rocks Seaside" statt. Für 2009 ist neben einer Veranstaltung in Aurich eine weitere in Kreuth/Rieden geplant. Beide Festivals wurden jedoch auf Ende August verschoben, was mit veränderten behördlichen Auflagen, begründet wurde. Hingegen wurde das eigentlich im Mai 2009 geplante „Wacken Rocks Brazil“ in São Paulo, auf unbestimmte Zeit verschoben.

[Bearbeiten] Preise/Ehrungen

Bei der Preisverleihung am 11. März 2008 erhielt das W:O:A den Live Entertainment Award (LEA) für das Beste Festival des Jahres 2007.

[Bearbeiten] Dokumentationen

V.l.n.r.:Regisseurin Sung-Hyung Cho, Moderator Bernd Stölting und Charaktere aus dem Film bei der Vorpremiere in Wacken: Uwe Trede, Klaus Plähn, Ann-Kathrin Schaak, Eva Waldow, Irma Schaack.

Seit 1999 entstanden verschiedene Dokumentarfilme über das W:O:A. Anlässlich des 10-jährigen Bestehens wurde der Film „Metalheads“ auf DVD veröffentlicht, zum 15. W:O:A der Film „Nordland“ gedreht. Beide stammen von Thomas Greiner.

Der in den Jahren 2005 und 2006 entstandene Film „Full Metal Village“ von Regisseurin Sung-Hyung Cho portraitiert den Umgang der Wackener Bevölkerung mit dem Festival. Er wurde 2006 mit dem Hauptpreis des Hessischen Filmpreises und mit dem Schleswig-Holstein Filmpreis „Beste Dokumentation“ ausgezeichnet. 2007 bekam „Full Metal Village“ als erster Dokumentarfilm überhaupt den Max Ophüls Preis für Nachwuchsfilmemacher. Der WDR-Rockpalast portraitierte das Festival 2006 und 2007 in einer jeweils zweistündigen Dokumentation. Auch der Sender DMAX war mit einem Kamerateam dabei und brachte eine einstündige Dokumentation über den Aufbau des W:O:A 2007.

Das ZDF drehte über das Wacken Open Air 2008 die halbstündige Reportage „Ein Dorf und 100.000 Rockfans“.[2]

Allen Filmen gemeinsam ist, dass sie inhaltlich fast identisch sind, sie lassen die Besucher, Organisatoren und die Bürger von Wacken zu Wort kommen und stellen das Festival durchweg positiv dar. Nur in den beiden Rockpalast-Dokumentationen liegt der Schwerpunkt mehr auf Interviews mit den Musikern und den Auftritten der Bands.

[Bearbeiten] Trivia

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Polizeimeldungen Kreis Steinburg vom 5. August 2005
  2. ZDF.reporter/reportage vom 10. August 2008
  3. Blasmusik trifft Heavy Metal (Full Metal Village, preisgekrönte Dokumentation)
  4. Tim Eckhorst: Metall macht Musik, TheNextArt Verlag, 2008, ISBN 9783939400189, S. 83.
  5. http://www.wacken.com/de/woa2009/main-news/news/ansicht/article/wahnsinn-wacken-sold-out/

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Wacken Open Air – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

54.0283869.36732Koordinaten: 54° 1′ 42″ N, 9° 22′ 2″ O

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