Unter den Tischsitten versteht man die Umgangsformen bei Tisch, genauer beim Einnehmen von Speisen und Getränken in Gesellschaft. Sie werden in der Ernährungssoziologie untersucht.
Nach Norbert Elias entwickelten sich die europäischen Tischsitten im Prozess der Zivilisation, in dem zunehmend Fremdzwänge zu Selbstzwängen wurden. Pierre Bourdieu sieht in den Tischsitten inkorporiertes kulturelles Kapital, mit dem privilegierte Klassen sich mittels feiner Unterschiede von anderen distinguieren.
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Die hier aufgeführten Regeln haben sich im Laufe der Zeit in Mitteleuropa etabliert, werden jedoch besonders unter jüngeren Menschen heute lediglich bei besonders gehobenen Anlässen angewendet. In anderen Ländern des westlichen Kulturkreises gibt es in manchen Fällen widersprüchliche Sitten; zum Beispiel ist es in den USA durchaus schicklich, das Essen erst mit Messer und Gabel zu zerteilen, dann das Messer beiseite zu legen und das Essen dann allein mit der Gabel in der rechten Hand zu sich zu nehmen.
Eine evtl. vorgegebene Sitzordnung (z. B. Tischkärtchen) weist dem Gast seinen persönlichen Sitzplatz zu. Der Gast nimmt gewöhnlich erst Platz, nachdem der Gastgeber sich gesetzt hat oder dazu bittet. Wenn ein Herr eine Tischdame hat, rückt er dieser beim Hinsetzen den Stuhl zurecht (hilfsweise tut dies das Personal). Beim Verlassen des Platzes entschuldigt sich der Gast zuvor. Begriffe wie Toilette o. Ä. werden nicht genannt, sondern höchstens umschrieben. Die Tafel gilt erst als aufgehoben, sobald der Gastgeber dies erklärt.
Grundsätzlich wird bei Tisch Besteck oder Werkzeug, wie etwa Zangen, verwendet. Bis auf wenige Ausnahmen wie Brot, Austern oder Hähnchenschenkel (und letztere auch nur in informellen Tischrunden) wird in der Regel nichts mit der Hand gegessen. Bei diesen Ausnahmen sind meist Reinigungsmöglichkeiten am Tisch bereitgestellt (z. B. Feuchttücher, eine sogenannte Fingerschale mit Wasser, welche sich links neben dem Teller befindet und z. B. durch eine Zitronenscheibe oder ein Rosenblatt parfümiert werden kann, etc.). Bei dem Umgang mit Besteck wird darauf geachtet, dass es von den Tischnachbarn nicht als bedrohlich empfunden werden könnte. Deswegen werden beispielsweise Eier nicht mit dem Messer durchgehackt, sondern mit einem Löffel abgeklopft und die Schale abgehoben. Als unschicklich wird es auch angesehen, seinen Arm vor dem Tischnachbarn auszustrecken.
Brot wird nicht im Ganzen bestrichen oder vom Laib abgebissen, sondern besser geschnitten, wobei man Baguettes in mundgerechte Stücke brechen kann. Das Eintunken von Brot oder Gebäck wird häufig als stillos wahrgenommen.
Bei der Wahl des gedeckten Bestecks wird eine Menüfolge beachtet: Es wird immer das Besteck verwendet, das sich außen mit dem größten Abstand zum Teller befindet. Messer und Gabel werden nicht in die Höhe gehalten. Spaghetti werden nicht zerschnitten oder in den Mund gesogen, sondern mit der Gabel eingerollt (entgegen weit verbreiteter Annahme essen Italiener Spaghetti nicht mit Hilfe eines Löffels). Beim kurzfristigen Ablegen von Besteck wird darauf geachtet, dass die Unterseiten nach oben auf dem Teller liegen. Teller werden immer auf dem Tisch gelassen und nicht hochgehalten. Man steht nicht auf, um sich vom Tisch zu bedienen und beugt sich auch nicht über den Teller hinüber. Das Essbesteck wird zum Mund geführt. Die Teller werden zumindest bei offiziellen Essen weder eigenhändig zur Seite gestellt noch gestapelt. Getrunken wird nicht aus Flaschen, Karaffen, Kannen, Schüsseln oder Krügen, sondern aus den am Platz bereitgestellten Gläsern, Tassen und Bechern. Strohhalme werden, wenn überhaupt, nur für Trinkgläser verwendet. Getrunken wird nicht hastig und nicht mit vollem Mund. Nicht mundgerechte Stücke werden nicht im Ganzen vorzerkleinert, sondern nur das jeweils unmittelbar zu essende Stück wird abgetrennt.
Während es in Deutschland üblich ist, auf ein nicht ausgetrunkenes Weinglas nachzuschenken, gilt dies in Österreich und manchen Nachbarländern, etwa Tschechien, als unhöflich. In Frankreich wird Wein durchaus nachgeschenkt, allerdings gilt es als höflich, dass Männer Frauen Wein einschenken und nicht umgekehrt.
Eine Speise wird vom Tischnachbarn erst nach Rückfrage gekostet. Das Einpacken von Speisen für den Heimgebrauch ist meist nicht gesellschaftsfähig und sollte bei Bedarf nur vom Personal vorgenommen werden; bei Festessen, Geschäftsessen oder Empfängen ist dies gänzlich verpönt.
Man sollte nie mit vollem Mund sprechen. Lautes Reden, z. B. mit einem entfernt sitzenden Tischnachbarn, kann als belästigend empfunden werden. Bedienungen werden nicht mit lautem Rufen oder gar Fingerschnipsen herbeigebeten. Zur Jahrhundertwende des 19./20. Jahrhunderts klingelte man bei Tisch dezent eine Glocke, um das Hauspersonal herbeizubitten. Hiermit sollte man heutzutage jedoch vorsichtig sein, weil das Läuten einer Glocke in vielen Gaststätten bedeutet, eine Lokalrunde spendieren zu wollen oder vom Personal als unhöfliche Serviceaufforderung verstanden werden kann.
Bei Ansprachen gilt es als unschicklich, sich zu unterhalten, zu essen oder den Raum zu verlassen. Unfeine Worte oder Themen sollten bei Tisch vermieden werden, um den Appetit nicht zu verderben bzw. zu beeinträchtigen.
Die oft beschriebene Kommunikation durch Bestecklage wird nicht immer verstanden. Parallel vollständig auf den Teller gelegtes Besteck in „5-Uhr-Stellung“ mit dem Messer oberhalb der Gabel, die Schneide nach unten, drückt aus, dass der Teller ausgehoben werden kann. Liegt die Gabel links und das Messer rechts auf dem Teller, wird noch gespeist. Ausnahme: in Italien wird es, wenn die Gabel links und das Messer rechts auf dem Teller liegen, meist so interpretiert, dass der Gast zu Ende gegessen hat, denn wenn man noch nicht fertig ist, wird dort das Besteck entweder nicht abgelegt oder aber so abgelegt, dass die Bestecke so auf dem Teller liegen, Unterseiten nach oben, dass die Griffe auf dem Tischtuch aufliegen.
Bei ausgeprägten Tischsitten nimmt man keine übergroßen Portionen oder lässt sich große Portionen aufgeben. Für andere Personen wird ohne Rücksprache keine Speisebestellung abgegeben. Bei Buffets gilt es als verpönt, sich gleich mehrere Teller zu nehmen. Ein Buffet wird meist erst offiziell eröffnet, bevor sich die Gäste davon zu bedienen beginnen. Drängeln, Vordrängeln oder Schubsen gilt als überaus unhöflich. Ebenfalls wird nicht direkt am Buffet gegessen oder sich an das Buffet gesetzt.
In Frankreich wird in Restaurants bisweilen ein Nachschlag des Käse-Gangs angeboten. Einen Nachschlag zu nehmen zeugt aber von Gier oder könnte so interpretiert werden, dass die vorangehenden Gänge den Hunger nicht genügend stillten; es gilt daher in Restaurants und bei förmlichen Gelegenheiten nicht als korrekt.
Die Kleidung kann in der Einladung vorgegeben sein und sollte aus Gründen des Anstandes und des Respekts vor dem Gastgeber befolgt werden. Krawatten werden nicht über die Schulter gelegt oder abgelegt und Sakkos sollten zunächst anbehalten werden. Man richtet sich hier immer nach dem Gastgeber. Die Schuhe bleiben in Europa jedoch immer angezogen, es sei denn man befindet sich in einem entsprechenden Umfeld wie bspw. in einem originalen japanischen Restaurant o. Ä. (Siehe: Kleiderordnung)
Die Serviette wird nicht in den Kragen gesteckt, sondern auf den Schoß gelegt. Akzeptiert ist es, sie ein kleines Stück weit in den Hosenbund zu stecken. Sie dient in gehobenen Kreisen nur dem Abwischen des Mundes, nicht aber der Finger, des Bestecks oder gar zum Naseputzen. Nach Beendigung des Speisens wird sie nicht auf den Teller gelegt, sondern links davon abgelegt oder ggfs. in den Serviettenring zurückgesteckt.
Der Mund wird vor dem Trinken mit der Serviette von links nach rechts gesäubert, damit keine Speisereste am Glas verbleiben. Nach dem Trinken wird der Mund normalerweise nur bei Resten an der Lippe abgewischt.
In adligen Kreisen und der gehobenen Gesellschaft ist es zum Teil verpönt sich vor dem Essen einen „guten Appetit“ zu wünschen. Auf das Wort „Mahlzeit“ sollte man gänzlich verzichten.
Trink- und Essgeräusche wie Schmatzen, Schlürfen oder Gurgeln, Interjektionen wie Ah! und lautes Hantieren mit Besteck werden vermieden. Als besonders unangebracht gilt in der Regel das Aufstoßen oder ein Flatus. Der Schluckauf wird oft ebenfalls als störend empfunden. In beiden Fällen sollte man sich entschuldigen und die Räumlichkeit kurz verlassen. Tunlichst unterlassen sollte man jegliches sicht- oder hörbare Ausspucken. Hierauf sollte bei Tisch generell verzichtet werden. Nichtessbares sollte man diskret im Tischabfall oder am Tellerrand entsorgen. Unmotiviertes Stochern im Essen, Dauerrühren in Bechern oder gar Spielen wird oft nicht gern gesehen.
Körperpflege am Tisch ist verpönt (Frisieren, Schminken, Fingernägel säubern). Das Schnäuzen am Tisch ist auch außerhalb Europas unerwünscht; vor allem in Japan gilt es als äußerst unhöflich. Niesen wird daher oft unterdrückt oder zumindest gedämpft. Beim Husten oder beim Niesen wird die Hand oder die Serviette vor das Gesicht gehalten und sich (für die Störung) entschuldigt. Gegebenenfalls entfernt man sich kurz vom Tisch, um sich die Hände zu waschen. Zahnstocher am Tisch zu benutzen ist nicht erwünscht. Daher wird der Zahnstocher nach dem Mahl oft mit auf die Toilette genommen und dort verwendet.
Dem Personal wird grundsätzlich nach jeder Tätigkeit verbal oder nonverbal gedankt, dies ist je nach Umstand ein freundlicher Blickkontakt mit einem angedeuteten Nicken bis hin zu Worten wie „vielen Dank“ o. Ä. Die Gabe von Trinkgeld ist bei geschlossenen Gesellschaften oder bei privaten Festivitäten durch einzelne Gäste unüblich. Bei Privatfeiern wird üblicherweise kein Trinkgeld an die „Bedienung“ überreicht. Fallen Speisen in größerer Menge auf den Boden, wird in Gaststätten die Bedienung gerufen; kleinere Mengen kann man notfalls selbst ohne Hautkontakt mit der Speise oder dem Boden in eine Serviette eingewickelt aufheben. Heruntergefallene Servietten und Besteckteile werden vom Personal aufgehoben und durch saubere ersetzt.
Geraucht wird aus Rücksichtnahme erst, nachdem alle das Essen beendet haben und die Tischnachbarn um Erlaubnis gefragt wurden. Sitzt man gemeinsam bei Tisch, gilt grundsätzlich, dass nicht geraucht wird, solange noch jemand am Tisch isst. Auch zwischen den Gängen eines Menüs sollte nicht geraucht werden. Frühestens nach dem Dessert darf wieder geraucht werden. In gehobenen Restaurants ist dies erkennbar, wenn vom Servicepersonal die Aschenbecher eingedeckt werden. Man sollte grundsätzlich immer jeden Nichtraucher in seiner Umgebung fragen, ob es ihn stört, wenn man neben ihm raucht. Ein allgemeines „Stört es, wenn ich rauche?“ – während man womöglich schon die Zigarettenpackung oder gar die Zigarette aus der Packung genommen hat – gilt als rein rhetorische (und damit unhöfliche) Suggestivfrage und sollte daher unterbleiben. Ebenfalls sollte man sich vergewissern, ob Rauchen überhaupt gestattet ist. Man sollte sich auch bewusst sein, dass man nicht ausschließen kann, dass am Tisch eine Schwangere oder Stillende sitzt, die man zwingt, entweder den Rauch einzuatmen, oder aber auf ihre Situation aufmerksam zu machen und um Unterlassung zu bitten oder aber den Tisch zu verlassen oder den Platz zu wechseln. Höflich und rücksichtsvoll ist es, wenn man als Raucher zum Rauchen den Tisch und den Raum verlässt. Rauchen in öffentlichen Räumlichkeiten wird immer stärker eingeschränkt. Hier gibt es von Land zu Land unterschiedliche Regeln.
Weithin verpönt ist es, in benutzte Speise- oder Trinkbehälter Zigarettenasche abzuschnippen oder gar Zigaretten dort zu entsorgen. Übermäßiger oder zu schneller Konsum des Essens und Trinkens sowie starker Genuss alkoholischer Getränke wird meist nicht gern gesehen. Man sitzt locker und gerade, nicht lässig zurückgelehnt, mit überschlagenen Beinen oder gar mit einem Bein auf einem Stuhl. Die Hände werden in Europa immer über dem Tisch gehalten, dabei liegen die Handgelenke gewöhnlich auf der Tischkante. Die Armbanduhr berührt das Tischtuch dabei nicht. Das Auf- oder Abstützen mit den Ellenbogen gilt in Europa als ungehobelt. In Frankreich darf eine Dame allerdings die Unterarme auf dem Tisch ablegen, sofern sie dennoch mit geradem Rücken sitzt. Der Anstand verbietet es, die Füße hochzulegen. Haustiere werden normalerweise nicht unter dem Tisch gefüttert, in der gehobenen Gastronomie ist dies jedenfalls nicht erwünscht. In manchen Kulturkreisen, etwa asiatischen, sollte der Teller nicht restlos leer gegessen werden, weil dem Gastgeber damit vermittelt würde, dass das Essen nicht ausgereicht hat.
Werden die Gäste vorher schriftlich eingeladen, erwartet der Gastgeber bei den Zusätzen R. S. V. P. (Répondez s’il vous plaît) oder U.A.w.g. (Um Antwort wird gebeten) eine Zu- oder Absage. Manchmal hält der Gastgeber eine Ansprache zum Anlass der Veranstaltung. Sie wird meistens durch mehrfaches Anklingen eines Trinkglases mit Besteck angekündigt.
Es wird üblicherweise immer rechts des Gastes serviert. Es schickt sich, wenn die Bedienung die ungenutzte Hand mit dem Handrücken auf den Rücken legt. Weine werden erst mit einem Schluck befüllt, damit der Gast diesen zunächst degustieren kann. Gläser werden zum Befüllen lediglich am Stiel in die Hand genommen, bei Tassen wird der Unterteller in die Hand genommen. Bei Banketten und Großveranstaltungen übernimmt das Degustieren der vom Gastgeber ausgesuchten und bestellten Weine der Sommelier im Office. Beim Wechsel von Rot- auf Weißwein wird das Glas gewechselt, da verschiedene Glasgrößen für unterschiedliche Weinsorten üblich sind und sich der alte nicht mit dem neuen Weine vermischen soll. In der gehobenen Gastronomie wird Wein aus Flaschen mit einer umwickelten Serviette eingeschenkt.
Das Essen oder die Getränke abzuräumen, während der Gast diese noch konsumiert, kann im Extremfall als Beleidigung wahrgenommen werden. Beim Abräumen fragt die Bedienung den Gast üblicherweise, ob ihm die Speise geschmeckt hat, um zu implizieren, dass ihr das Wohlergehen des Gastes am Herzen liegt.
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Anna Akhmatova et Marina Tsvetaeva
Deux femmes russes poètes prises au coeur de la tourmente russe du début du siècle, deux femmes russes reclues dans leur oeuvre face à un monde hostile. Ces deux femmes russes sont le visage de la Russie ancienne et moderne.
"Qu'une femme russe vaut bien plus, en somme que les hommes russes qui se battent, et que leur chagrin pour les hommes me fait aimer les femmes russes ici-bas."