Theodor Otto Richard Plievier (bis 1933: Plivier) (* 12. Februar 1892 in Berlin; † 12. März 1955 in Avegno, Schweiz) war ein deutscher Schriftsteller.
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Plievier war der Sohn des Feilenhauers Theodor R. Plivier und dessen Ehefrau Albertine L. Thing. Die Familie lebte im Berliner Stadtteil Gesundbrunnen, wo Plievier auch aufwuchs und die Volksschule besuchte. An seinem Geburtshaus in der Wiesenstraße 29 erinnert eine Gedenktafel an ihn. Er interessierte sich schon als Schüler sehr für Literatur und konnte bereits mit 17 Jahren in einer Arbeiterzeitung[1] erste Aufsätze veröffentlichen.
Bereits nach wenigen Wochen gab Plievier im Alter von 16 Jahren eine Lehrstelle als Stuckateur auf und verließ nach einem Streit darüber sein Elternhaus. Er wanderte durch Deutschland, Österreich-Ungarn und die Niederlande. Zurück in der Heimat, meldete er sich als Matrose zur deutschen Handelsflotte. 1910 musterte er in Südamerika ab und arbeitete bis 1913 in Salpeterminen in Chile.
Als er 1914 nach Hamburg zurück kam, wurde er von der Polizei nach einer Schlägerei in einer Hafenkneipe festgenommen und für die Kriegsmarine zwangsrekrutiert, wo er die Zeit des Ersten Weltkriegs verbrachte[2]. Die überwiegende Zeit verrichtete er seinen Dienst auf dem Hilfskreuzer „Wolf“. Die schlechte Behandlung der Schiffmannschaft und der Umstand, dass dieses Schiff über 400 Tage keinen Hafen anlief, ließ Plievier - nach eigenem Bekunden - endgültig zum Revolutionär werden. Im November 1918 beteiligte sich Plievier in Wilhelmshaven an revolutionären Unruhen, die sich schon bald zum bekannten Kieler Matrosenaufstand auswuchsen. Er fungierte dabei als Agitator, verfasste Flugblätter und redigierte Pamphlete der Revolutionäre. An der daraus entstandenen Novemberrevolution war Plievier dann nur noch am Rande beteiligt.
Nach Kriegsende verließ Plievier die kaiserliche Marine und begründete zusammen mit Karl Raichle und Gregor Gog die lebensreformerisch gerichtete „Kommune am Grünen Weg“ bei Bad Urach. Es entstand der anarchistische „Verlag der Zwölf“. Beeinflusst durch die Ideen und Theorien von Michael Bakunin und Friedrich Nietzsche befürwortete Plievier den Anarchismus des Einzelnen, schloss sich aber keiner politischen Partei an. Im Gefolge einer persönlichen Krise, nach dem Vorbild des Dichters und Naturpropheten Gusto Gräser wandelte er sich zum bärtigen „Propheten“ und Inflationsheiligen in Kutte und Sandalen. In Schriften verkündete er eine „Weltwende“, warb um Jünger und wandte sich an die „Brüder, Ahasvernaturen, die ihr suchet im Reiche der Seele“. An dem von Gräser inspirierten „Zug der Neuen Schar“ um Friedrich Muck-Lamberty nahm er besuchsweise teil.
1920 heiratete er in Berlin die Schauspielerin Maria Stoz. Mit ihr hatte er eine Tochter und zwei Söhne. Plivier gehörte zum Bekanntenkreis von Käthe Kollwitz[3] und wurde von ihr gezeichnet. Außerdem fertigte sie für ihn das Vorblatt (Titel: Hunger) für ein vierseitiges Flugblatt, das er auf seinen Reisen durch Deutschland verteilte[4]. Er warb damit Geld für Hungerzentren in Russland ein. 1923, während der Hungersnot in der Inflationszeit, starben seine Tochter Thora und sein Sohn Peter.
Seinen Lebensunterhalt verdiente sich Plievier bis 1924 als Gelegenheitsarbeiter und erneut als Matrose; später aber auch als Journalist, Übersetzer und Schriftsteller. In diesen Jahren war er wiederum für einige Zeit in Südamerika tätig; u.a. Viehtreiber und als Sekretär des deutschen Vizekonsuls in Pisagua.
Zurück in Deutschland und nach einer einvernehmlichen Scheidung heiratete Plievier 1931 die Schauspielerin Hildegard Piscator; diese Ehe blieb kinderlos. 1929 konnte Plievier mit seinem ersten Roman „Des Kaisers Kulis“ debütieren[5] und wurde damit über Nacht über die Grenzen Deutschlands bekannt. Mit der Schilderung der Kriegsumstände und seiner scharfen Anklage gegen den Krieg sprach Plievier seinen Zeitgenossen von der Seele - ein Beispiel:
Der Regisseur Erwin Piscator inszenierte diesen Roman als Drama (mit Plievier als Darsteller) - Uraufführung am 30. August 1930 im Berliner Lessingtheater[7]. Roman und Theaterstück waren eine einzige Anklage der Zustände der deutschen Kriegsmarine und der Lebensumstände ihrer Matrosen. Inhalt und Bekanntheit führten nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten dazu, dass dieser Titel auf der Liste der verbrannten Bücher zu finden war.
Noch im Jahr der Machtergreifung emigrierte Plievier mit seiner Ehefrau in die Sowjetunion. Nach einer Odyssee über Prag, Zürich, Paris und Oslo gelangten sie nach Moskau. Um keine Schwierigkeiten mit der stalinistischen Zensur zu bekommen, verlegte sich Plievier auf reine Abenteuererzählungen und enthielt sich jeglichen politischen Kommentars. 1933 änderte Plievier auch die Schreibweise seines Namens von „Plivier“ auf „Plievier“. Mit staatlicher Unterstützung konnte Plievier dann 1945 seinen dokumentarischen Roman „Stalingrad“ veröffentlichen, mit dem er anhand einzelner Schicksale an den Untergang der 6. Armee erinnerte. Auch dieses Werk wurde später erfolgreich als Fernsehfilm und Theaterstück dramatisiert. Seine Trilogie über den großen Krieg im Osten während des Zweiten Weltkriegs umfasst die Romane Moskau (1952), Stalingrad (1945) und Berlin (1954).
Als die deutsche Armee Moskau belagerte, wurde Plievier zusammen mit anderen Immigranten und Ausländern nach Taschkent evakuiert. Während dieser Zeit machte er die Bekanntschaft mit dem Schriftsteller Johannes R. Becher, mit dem er später nach Deutschland zurückkehrte.
Das Nationalkomitee Freies Deutschland nahm Plievier im September 1943 als ordentliches Mitglied auf. 1945 kam er mit der Roten Armee - in amtlicher Funktion - in die sowjetische Besatzungszone und bezog ein Büro in Weimar. Dort arbeitete Plievier zwei Jahre lang als Landtagsabgeordneter, Verlagsleiter und Vertreter des Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands. Als solcher avancierte er auch bald zum Teilhaber des Gustav Kiepenheuer Verlags.
Da Plievier sich mit den sich ändernden politischen Verhältnissen und einem dogmatischen Kommunismus nicht anfreunden konnte, verließ er Anfang 1948 den sowjetischen Einflussbereich und siedelte sich in der britischen Zone an, d. h. nach einer Vortragsreise durch Westdeutschland kehrte er nicht mehr zurück. Seine Abkehr vom Kommunismus fasste Plievier eindrucksvoll in seiner Rede „Einige Bemerkungen über die Bedeutung der Freiheit“, die er 1948 auf dem Schriftstellerkongress in Frankfurt am Main 1948 hielt, zusammen. Er ließ sich in Hamburg als freier Schriftsteller nieder und heiratete 1950 dort die nur halb so alte Margarete Grote als seine dritte Ehefrau. Danach zog er nach Wallhausen bei Konstanz. 1953 kehrte Plievier zusammen mit ihr für immer Westdeutschland den Rücken und siedelte sich in Avegno (Tessin) an. Dort starb er am 12. März 1955 im Alter von 63 Jahren an einem Herzinfarkt.
Seine Romane und Erzählungen erlebten nach seinem Tod eine Reihe von Wiederveröffentlichungen, unter anderem im Aufbau Verlag, bei Kiepenheuer & Witsch, Fischer und im Parkland-Verlag. Eine Schule in Berlin Wedding wurde nach ihm benannt.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Plievier, Theodor |
| ALTERNATIVNAMEN | Theodor Plivier |
| KURZBESCHREIBUNG | Autor - Romane über 1. und Zweiten Weltkrieg, Pazifismus, Anarchie, Abenteuer |
| GEBURTSDATUM | 12. Februar 1892 |
| GEBURTSORT | Berlin |
| STERBEDATUM | 12. März 1955 |
| STERBEORT | Avegno TI |
Anna Akhmatova et Marina Tsvetaeva
Deux femmes russes poètes prises au coeur de la tourmente russe du début du siècle, deux femmes russes reclues dans leur oeuvre face à un monde hostile. Ces deux femmes russes sont le visage de la Russie ancienne et moderne.
"Qu'une femme russe vaut bien plus, en somme que les hommes russes qui se battent, et que leur chagrin pour les hommes me fait aimer les femmes russes ici-bas."