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Teppich

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Teppiche sind meistens gemusterte Gewebe, die seit dem Altertum zum Bekleiden von Wänden (die späteren Tapeten) sowie zum Bedecken von Fußböden, Polstern usw. dienen. Diese vielseitige Verwendung finden die Teppiche gegenwärtig nur noch im Orient, während sie in Europa fast ausschließlich zum Bedecken von Fußböden benutzt werden.

Man unterscheidet orientalische Teppiche, die auf rahmenartigen Vorrichtungen durch Handarbeit, und europäische, die auf (maschinellen) Webstühlen angefertigt werden. Nach DIN 61 151 gehören zum Bereich der mechanisch gefertigten Webteppiche alle • Axminster-Teppiche (Greiferteppiche), • Doppelwerk-Webteppiche, • Flachgewebte Teppiche, • Rutenteppiche sowie • Knüpfteppiche und Teppichboden

Kleine Teppichformate zur Überbrückung kurzer Abstände werden auch Brücke genannt, während lange schmale Teppichformate auch Läufer genannt werden.

Beim Teppichhändler

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Orientalische Teppiche

Der Teppich aus dem Pasyryktal

[Bearbeiten] Geschichte

Als ältester geknüpfter Teppich gilt heute der Teppich aus einem Grab im Pasyryktal in Südsibirien (Äußere Mongolei). Er wurde 1949 gefunden und ist dank der Eiskonservierung in gutem Zustand erhalten. Man geht davon aus, dass er um 500 v. Chr. wahrscheinlich in Westasien entstanden ist. Das Fragment ist in der Eremitage in St. Petersburg ausgestellt.[1] An ihm erkennt man bereits alle Merkmale des Orientteppichs.

Um 330 v. Chr. brachte Alexander der Große erstmals Orientteppiche von seinen Asienfeldzügen mit ins Abendland. Da Teppiche aus vergänglichem Material gemacht sind, gibt es nicht sehr viele historische Artefakte, an denen sich die Entwicklung der Muster rekonstruieren ließe. Da es nur sehr wenige erhaltene Teppiche aus dem frühen 15. und 16. Jh. gibt, ist man im Bereich der Teppichgeschichte sehr stark von bildlichen Überlieferungen abhängig. Eine wichtige Informationsquelle dafür ist die orientalische Architektur. Die Architekten des Orients haben sich für die Mosaikmuster auf ihren Bauten von den Teppichen inspirieren lassen und die Muster so in einer viel dauerhafteren Form für die Nachwelt konserviert, beispielsweise in der Ornamentik von Fassadenmosaiken. Auch auf vielen Gemälden der damaligen Zeit lassen sich die Ursprünge und die Wandlungen der Knüpfkunst und des Zeitgeschmacks studieren. Durch eine große Liebe zum Detail beim Festhalten von Alltagsszenen oder bei der Auftragsmalerei bekannter Adelshöfe wurden so auch Teppiche mitgemalt. Daher ist es uns heute möglich, die Entwicklung der türkischen (osmanischen) Teppichknüpferei zu dokumentieren.

Hier sind vor allem die Maler Hans Holbein und Lorenzo Lotto zu erwähnen. Ihnen verdanken wir die Überlieferungen der sogenannten „Holbein-Teppiche“ und der „Lotto-Teppiche“. Vor allem die Muster der Holbein-Teppiche finden sich noch in den heutigen Knüpfungen der sogenannten Afghanen wieder.

[Bearbeiten] Verwendung bei nomadisierenden Völkern

Der Teppich ist eigentlich ein vielfältiges Möbelstück der Nomaden: Praktisch, weil man ihn gut einrollen, aufs Kamel packen und am neuen Rastplatz sofort wieder benutzen kann. So war die ursprüngliche Verwendung eines Hatschlu eine Eingangstüre zur Jurte.

Die Wiege der Nomadenkinder war aus Teppich gefertigt, genauso wie der Küchenspind, die Tasche zur Salzaufbewahrung und die Isolation des Jurtebodens gegen die kalten Wüstennächte: Alles war aus Teppich gefertigt. Selbst die Kameltaschen, die man benötigte, um das Mobiliar zu transportieren, bestanden daraus.

Jeder Stamm hat seit Generationen sein eigenes Muster und seine eigene Farbgebung. So kann ein sogenannter Göl in einem Afghanenteppich fast mit einem europäischen Familienwappen gleichgesetzt werden.

[Bearbeiten] Provenienzen

Im Teppichhandel hat sich der Begriff Provenienz für die Bezeichnung der Herkunft eines Teppichs durchgesetzt. Der Orts- oder Landschaftsname des Orientteppichs ist die Herkunftsbezeichnung bzw. Provenienz, die zugleich auch Qualitätsbezeichnung ist, da die einzelnen Orte und Gebiete ihre eigene Tradition in Bezug auf Gestaltung und Qualität haben. Orientalische Teppiche werden in Indien, im Iran oder der Türkei angefertigt. Sie kommen aber auch aus dem Kaukasus, aus Pakistan und Afghanistan. In verschiedenen europäischen Ländern wurden im 19. Jahrhundert Orientteppiche hergestellt, z. B. in Deventer/Holland. Heute werden sie noch in Kroatien und Rumänien gefertigt. Orientteppiche zeichnen sich durch vortreffliche Arbeit und besonders durch das Muster aus, das auf dem Prinzip der Flächendekoration beruht. In der Darstellung unterscheidet man zwischen floralen, figuralen und rein formalen geometrischen Mustern.

Des weiteren kommen asiatische Teppiche auch aus China, Nepal und der Mongolei sowie aus Japan. Hier allerdings verwendet man in der Regel die Landesnamen direkt (z. B. „Nepalteppich“) und nicht die Verallgemeinerung „Orientteppich“.

[Bearbeiten] Wirk- und Knüpfteppich

Die orientalischen Teppiche werden gewirkt oder geknüpft.

Wirktechnik

Gewirkte Teppiche werden, da sie in einer der Bildwirkerei ähnlichen Technik gefertigt werden, irreführenderweise auch „gobelinartige Teppiche“ genannt. Ihre richtige Bezeichnung ist Wirkteppich. Sie bilden ein glattes Gewebe, dessen Kette aus Leinen- oder Baumwollgarn durch einen dicht angeschlagenen wollenen Schuss vollständig bedeckt wird, so dass ein ripsartiger Stoff entsteht. Der Schuss wird indes nicht über die gesamte Gewebebreite in die Kettfäden eingetragen, sondern nur bis an den Rand der danebenliegenden Farbfläche mit der Kette verbunden und dann zurückgeführt. Weil sie nur Kette und Schuss haben, liegen die Fäden flach und können keinen Flor bilden, z. B. Kelim und Sumakteppiche.

Knüpftechnik

Die geknüpften, plüschartigen Teppiche werden auf einer Kette aus Baumwolle (Manufakturen), Leinen (sehr selten), Wolle (Anatolische Teppiche) oder Ziegen- und anderen Haaren (Nomadenteppiche) durch das Einknüpfen von Flormaschen hergestellt, die Knoten um Knoten über die ganze Breite des Teppichs eingeknüpft werden. Auf jede Knotenreihe folgen ein oder zwei Schussfäden. Die Knoten können symmetrisch (türkischer Knoten) oder asymmetrisch (Senneh oder persischer Knoten) sein. Nach Vollendung des Teppichs wird der Flor desselben mit einfachen Handscheren egalisiert. Das Material des Flors ist Schafwolle, für feinere Teppiche Seide. Als schönste und feinste Orientteppiche gelten nach wie vor die, welche in Persien, z. B. Isfahan, Ghom oder Nain geknüpft worden sind. Mit einer Knotenfeinheit von über 1.000.000 Knoten pro m². z. T. auf Seidenkette geknüpft, entsprechen sie dem europäischen und amerikanischen Geschmack. Auch der türkische Hereke, neuere Stücke der Firmen Ipek und Özipek, reinseidene Teppiche mit über 1.000.000 Knoten pro Quadratmeter sind gefragte Liebhaberstücke.

Die indischen Teppiche haben einen sichtbar höheren Flor und 300–350 Maschen auf einen Meter. Aus Indien und Pakistan stammen heute vielfach Kopien (Nachknüpfungen) hochwertiger gesuchter Provenienzen. Ein Gabbeh der in Indien gefertigt wird (Indogabbeh), ist dabei um mehr als 50 % günstiger als der originale Gabbeh aus dem Irak. Dies ist vor allem auf die sehr niedrigen Löhne der Knüpfer(innen) im Fernen Osten zurückzuführen. Insbesondere in Pakistan werden heute Teppiche nachgeknüpft, die als Originale nicht mehr hergestellt werden. So kam die Produktion in Teilen Südrusslands (Kasachstan) nach dem Fund von Erdöl weitestgehend zum Erliegen, weil sich die Menschen dort weitaus bessere Einnahmequellen erschlossen haben. So findet man den Kazak und Karachi-Teppiche heute meist nur als nachgearbeitete Teppiche aus Pakistan.

Die orientalischen Teppiche, namentlich die geknüpften Smyrnateppiche, werden mit gutem Erfolg in Europa, speziell in Deutschland (Schmiedeberg seit 1856, Cottbus, Wurzen, Springe, Linden usw.) und Wien, nachgeahmt und zwar unter Anwendung derselben Methode. Man arbeitet aber mit Kette aus Leinengarn und Grundschuss aus Jute, erreicht eine große technische Vollkommenheit und versteht auch die Muster und Farben so getreu nachzubilden, dass ein großer Unterschied zwischen echten und nachgeahmten Smyrnateppichen nicht mehr besteht. Nachahmungen der orientalischen geflochtenen Teppiche sind die Gobelins.

Der feinste Teppich der Erde hat 576 Knoten auf einen Quadratzentimeter (cm²). Fünf Frauen arbeiteten fünf Jahre an diesem Teppich, der für Özipek Halicilik in Hereke hergestellt und als „Hereke Treasure“ im März 1988 an die Fa. Gandhara Carpet Ltd in Tokio/Japan verkauft wurde.

Teppich mit 576 Knoten pro cm² (Teppichgröße ca. 40 × 28 cm)

[Bearbeiten] Farbstoffe in Teppichen

Die Wolle für den Flor wurde vor der Erfindung synthetischer Farbstoffe (nach 1850) ausschließlich mit pflanzlichen oder tierischen Farbstoffen gefärbt. Für Rot kamen Krapplack und Cochenille auf Alaun-gebeizter Wolle zur Anwendung. Für Gelbtöne standen eine große Zahl von Pflanzen zur Verfügung. Zur Blaufärbung (grün auf gelb gefärbter Wolle) stand seit dem Altertum Indigo zur Verfügung (heute synthetisches Indigo). Ende des 19. Jahrhunderts fanden synthetische Farbstoffe, erst äußerst sparsam, später als Ersatz für die traditionellen Farbstoffe Verwendung. Ein Magentarot, das kaum lichtecht war, ist Fuchsin. Auf der Florseite ausgeblichen ist es auf der Rückseite noch rotviolett erkennbar. Es wurde vor 1900 eingesetzt. Ponceau 2R ersetzte teilweise Krapp, bevor synthetisches Krapp (Alizarin) verwendet wurde. Amaranth wurde als Ersatz von Cochenille eingesetzt.

[Bearbeiten] Europäische Teppiche

[Bearbeiten] Geschichtliches

Teppiche wurden im frühen Großbritannien bereits zwischen 1570 und 1603 gefertigt. Es wurden dabei zwei Stilrichtungen unterschieden, einmal die anatolischen Vorlagen mit bevorzugt geometrischen Mustern und die persischen Vorlagen, deren Muster aus der persischen Miniaturen stammten.

Als gutes Beispiel für persische Vorlagen gilt der berühmte Hulse-Teppiche aus dem Jahre 1614. Seine Größe beträgt 3,49 m × 2,52 m. Kette und Schuss sind aus Leinen bzw. Hanf, die Knüpfung aus Wolle. Bei der Knüpfung wurden symmetrische Knoten verwendet. Der Teppich zeichnet sich durch ein üppiges, florales Muster und die relativ große Anzahl der Farben (21) aus und ist heute Teil der Privatsammlung von Sir Westrow Hulse, Breamore House, Hampshire. [2]

[Bearbeiten] Allgemeines

Erste Entwürfe für automatische Webstühle entstanden im 18. Jahrhundert. Der Engländer Edmond Cartwright meldete im Jahre 1785 das erste Patent auf einen mechanischen Webstuhl an, der von Richard Roberts um 1826 in Manchester zu einem betriebsfähigen Webstuhl weiterentwickelt und auf den Markt gebracht wurde. 1889 wurde von dem Amerikaner Northrop die erste vollautomatische Webmaschine(Webautomat) vorgestellt. 1767 erfand Richard Arkwright die Spinning-Throstle, den Kettenstuhl und um 1785 die Kardier- und Vorspinnmaschine. James Hargreaves erfand 1764 die Spinning Jenny, [3] die das gewöhnliche Handspinnrad ersetzte.

Zuerst mit Wasserkraft betrieben und später mit der 1764 von James Watts erfundenen Dampfmaschine war der Grundstein in England für ein Fabriksystem gelegt.

Die eigentlichen europäischen Teppiche werden auf Webmaschinen, die besseren auf der Jacquardmaschine, die er 1825 erfand, hergestellt oder sie werden in der überwiegenden Zahl getuftet. Hierbei werden in ein bestehendes Grundgewebe mit Nadeln sehr dicht nebeneinander Fadenschlingen eingebracht. Diese Fadenschlingen werden anschließend aufgeschnitten. Getuftete Teppiche sind weniger haltbar als echte Webteppiche, aber die Herstellung ist preiswerter.

Die glatten Teppiche bilden in Europa wie im Orient gewöhnlich die geringere Sorte; man verfertigt sie aus Kuh- oder Ziegenhaar, ordinärem Streichgarn oder Jute und benutzt sie als Laufteppiche, zum Bedecken von Treppen, Fluren usw. Hierzu zählen auch die Kidderminsteppiche aus Doppelgewebe, wollener oder baumwollener Kette und viel stärkerem wollenen Schuss; das Muster erzeugt sich rechts und links in gleicher Weise. Kidderminster-Teppiche werden mit der mechanischen Spoolaxminster- oder Greifertechnik hergestellt. Da diese Art der Herstellung erstmals in der englischen Stadt Kidderminster erfolgte, wurden die Teppiche nach ihrer „Geburtsstadt“ benannt. Die Bezeichnung „Doppelgewebe“ ist falsch.

Die Plüschteppiche haben entweder einen ungeschnittenen Flor, der kleine, geschlossene Noppen bildet (Brüsseler Teppiche), oder einen aufgeschnittenen Flor, der eine samtartige Oberfläche bildet (Velours-, Tournai-, Wilton-, Axminsterteppiche). Die Herstellung ist im Wesentlichen die der Plüsche und Samte. Das Muster wird meistens mit der Jacquardmaschine hervorgebracht, und je nachdem es mehr oder weniger Farben enthält, zieht man zwischen je zwei leinenen Grundfäden mehr oder weniger Polfäden in jedes Riet ein und unterscheidet nach der Zahl derselben die Teppiche als drei-, vier-, fünf- usw. chörige oder teilige.

Billigere Teppiche erzielt man durch Aufdrucken des Musters, indem man entweder das gewebte Stück bedruckt oder das Muster der Polkette vor der Verarbeitung appliziert. Das letztere Verfahren liefert eine sehr gute Ware, welche die im Stück bedruckten Teppiche weit übertrifft.

Die Ornamentation der Teppiche ahmt entweder die orientalische Sitte nach (besonders bei Jacquardteppichen) oder sie bedeckt die ganze Fläche mit Blumen, Tieren, Architektur usw. (besonders bei bedruckten Teppichen). Das erste Prinzip hat sich als das für Teppiche ästhetisch Angemessene immer mehr Bahn gebrochen, so dass der Naturalismus in Deutschland, England und Österreich nur noch die billige Ware beherrscht.

In Frankreich ist dagegen das naturalistische Dessin in den extravagantesten Formen noch vorherrschend. Gegenwärtig werden in England, Österreich und Deutschland orientalische Teppiche aller Art nachgebildet. In Deutschland, das früher größtenteils Kettendruckteppiche lieferte, werden auch Teppiche in Brüsseler und Axminsterart fabriziert.

[Bearbeiten] Literatur

Farbstoffe

[Bearbeiten] Siehe auch

In einer chinesischen Teppichfabrik

[Bearbeiten] Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Teppich – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. [1]
  2. Website des Breamore Houses
  3. [2]
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