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Der Begriff Regen bezeichnet die am häufigsten auftretende Form flüssigen Niederschlags. Im Gegensatz zum gefrorenen Niederschlag (z. B. Hagel, Graupel oder Schnee) besteht er zum überwiegenden Teil aus Wasser, welches infolge der Schwerkraft in flüssiger Form aus Wolken auf die Erde fällt. Die Regenform wird unterschieden nach Entstehung, Dauer, Intensität, Wirkung und geografischem Vorkommen.
Inhaltsverzeichnis |
Ausgangspunkt jedes Regens sind Wolken, die aus feinen Eiskristallen oder Wolkentröpfchen (Wassertropfen mit 5 bis 10 μm Durchmesser) bestehen. Sie bilden sich in Folge der Abkühlung einer feuchten Luftmasse beim Aufstieg in der Atmosphäre, wenn der Taupunkt unterschritten wird. Je nach Höhe und herrschender Temperatur bilden sich entweder Eiskristalle an Kristallisationskeimen durch Sublimation (techn. Resublimation), oder Wolkentröpfchen mit Hilfe von Kondensationskeimen durch Kondensation. Diese Primärkörper können, in Abhängigkeit von der Aufenthaltsdauer in der Wolke, weiteren Wasserdampf, andere Wolkentropfen oder auch Eiskristalle an sich binden und dadurch anwachsen. Erreichen Eiskristalle eine wärmere Umgebung, so schmelzen sie wieder zu Tropfen. Wird das Gewicht der Tropfen so groß, dass sie weder durch die Luftreibung (Reibung im Fluid nach dem Gesetz von Stokes), noch von den in einer Wolke vorherrschenden Luftströmungen (Aufwinden) „in Schwebe“ gehalten werden können, so beginnen sie auf Grund der Schwerkraft langsam zu Boden zu sinken, und es entsteht der uns bekannte Regen. Das Zusammenwachsen vieler kleiner Wassertröpfchen zu größeren und schwereren beschleunigt diesen Vorgang und erhöht die Fallgeschwindigkeit. In der Regel besteht der am Boden auftreffende Regen aus Tropfen mit einem Durchmesser von 0,6 bis 3 mm. (siehe auch: Bildung, Entwicklung und Auflösung in Wolken)
Warme Wolken sind Wolken in denen nur flüssiges Wasser vorkommt.[1] Je nach Beschaffenheit der Kondensationskerne kann Wasser auch unter 0 °C flüssig bleiben, auch diese unterkühlten Wolken werden warme Wolken genannt und sind nach Definition Wasserwolken.
Das Anwachsen von Wolkentröpfchen zu Regentropfen allein durch das Aufsammeln von Wasserdampf (Dampfdiffusion [2]) ist wenig effizient und recht langsam. Daher gelten das Zusammenstoßen (Kollision) und nachfolgende Zusammenfließen (Koaleszenz) von Wolkentröpfchen als weitere entscheidende Schritte bei der Entstehung von Regen. Zu Kollisionen kommt es, weil große Tropfen schneller absinken als kleine. Dennoch kommt es nicht immer zur Kollision, häufig werden kleine Tropfen von der Luftströmung um rasch fallende große Tropfen herumgeleitet. Erfolgt nach einer Kollision auch Koaleszenz, so spricht man von Akkretion, also einem Anwachsen durch Aufsammeln. Dabei führt nicht jede Kollision zwangsläufig zur Koaleszenz. Man spricht in diesem Zusammenhang von Kollisions- oder Koaleszenzeffizienz. Die Kollisionseffizienz ist für Tropfen ähnlicher Größe mit einem Radius von mindestens 30 µm sehr hoch, die Koaleszenzeffizienz hingegen ist höher bei Tropfen mit unterschiedlichen Radien. Große Tropfen kollidieren somit häufiger, jedoch bleiben sie dabei meist unverändert, wohingegen kleine Tropfen eher mit großen zusammenwachsen. Das Produkt aus Kollisions- und Koaleszenzeffizienz nennt man auch Akkretionseffizienz, sie ist ein Parameter für die Regenwahrscheinlichkeit von Wolken. Je größer die Tropfen werden, desto schneller wachsen sie. Begünstigt wird dieser Prozess durch einen hohen Feuchtegehalt der Luft (Tropen, Subtropen) oder große Kondensationskerne, wie zum Beispiel in maritimen Luftmassen.
Wenn Wolken während ihres Lebenszyklus ganz oder nur teilweise aus Eispartikeln bestehen, so werden sie kalte Wolken genannt.[3] Mischformen werden zum Teil auch als kühle Wolken bezeichnet. Der Wachstumsmechanismus ist jedoch gänzlich anders als in warmen Wolken.
Zwischen unterkühlten Wassertropfen und dem Wasserdampf in ihrer Umgebung besteht ein Gleichgewicht. Wenn die Luft viel Feuchtigkeit enthält, wachsen die Tropfen an, in trockener Luft geben sie Wasser ab. Ein ähnliches Gleichgewicht gibt es zwischen Eiskristallen und Wasserdampf, mit dem Unterschied, dass Eiskristalle die Feuchtigkeit effizienter aufnehmen und weniger dazu neigen sie wieder abzugeben. Sind in einer Wolke Eiskristalle in der Nähe unterkühlter Wassertropfen, so stellt eine Sättigung des Wasserdampfes bezüglich der Wassertropfen eine Übersättigung bezüglich der Eiskristalle dar. Die Eiskristalle wachsen durch Sublimation (techn. Resublimation) auf Kosten der Tropfen an (Bergeron-Findeisen-Prozess). Es folgt eine Kettenreaktion, die Eiskristalle fallen schneller und zerbrechen bei Kollision mit Wassertropfen zu Splittern, die wiederum anwachsen und somit zur Vereisung der unterkühlten Wasserwolke führen. Am häufigsten vereisen Wolken in einem Temperaturbereich von rund −5° C bis −15° C, in diesem Bereich herrscht der maximale Unterschied zwischen dem Sättigungsdampfdruck über Wasser und dem über Eis (siehe dazu auch: Kristallbildung). Damit es bei vereisten Wolken zu Regen (und nicht Schneefall, Graupel, etc.) kommt, müssen die Eispartikel beim Sinken wieder wärmere Luftschichten passieren und tauen. Dabei durchqueren sie unter Umständen auch weitere, tiefere Schichten von Wolken mit Wolkentropfen (bei unterkühlten Wolken oder Gewitter-Wolken), beziehungsweise Wasserdampf. Durch Akkretion wachsen sie dort weiter an, der Prozess ähnelt im weiteren Verlauf dann jenem warmer Wolken.
| Definition ausschließlich nach Menge und zeitlichem Anfall:[4] | |||
| Regenschauer – Niederschlagsmenge in 10 Minuten |
Regen – Niederschlagsmenge in einer Stunde |
||
| Definition | Menge | Definition | Menge |
|---|---|---|---|
| leicht | 0,1 bis 0,4 mm | leicht | 0,1 bis 0,5 mm |
| mäßig | 0,4 bis 2 mm | mäßig | 0,5 bis 4 mm |
| stark | 2 bis 8 mm | stark | 4 bis 10 mm |
| sehr stark | ab 8 mm | ||
Abhängig von meteorologischen und geographischen Bedingungen gibt es unterschiedliche Formen von Regen. Die Klassifikation von Regen kann nach Dauer oder Intensität (siehe Tabelle links) beziehungsweise nach Entstehung, räumlichen Vorkommen, Wirkung am Boden oder dem Empfinden eines Betrachters (siehe Text weiter unten) erfolgen. Man kann ein und dasselbe Regenereignis in verschiedene Kategorien einordnen, abhängig von der Perspektive des Beobachters - hier einige Beispiele:
Im Allgemeinen entsteht Regen durch einen primären Entstehungsprozess, nach dem die Regenform benannt werden kann. Folgende Formen sind möglich:
Diese Formen beschreiben meist die Auswirkung und das Empfinden durch den Beobachter am Boden, der primäre Entstehungsprozess wird bei der Betrachtung meist vernachlässigt.
Lokale Formen sind Regenereignisse bzw. Regenformen die an ganz bestimmte Gebiete der Erde gebunden sind.
Bei der Messung gefallenen Regens wird die Menge in Liter oder, wie in der Meteorologie üblich, die Höhe in „Millimetern“ angegeben. Diese Angaben beziehen sich dann, wenn nicht anders angegeben, immer auf eine Fläche von einem Quadratmeter. Ein Millimeter Niederschlagshöhe entspricht somit einem Liter Niederschlagsmenge auf einem Quadratmeter (siehe dazu auch: Niederschlag).
Der klassische Regenmesser ist ein Gefäß, das herabfallende Regentropfen auffängt. Aus der Wassermenge im Behälter und der Größe seiner Öffnung kann der Niederschlag berechnet werden. Die ersten Regenmessungen wurden vor etwa 2000 Jahren in Indien gemacht, in Europa verwendete man im 17. Jahrhundert zum ersten Mal Regensammler. In den 1670er Jahren bewies Pierre Perrault mit Hilfe eines Regenmessers den Zusammenhang zwischen Regen und der Abflussmenge von Bächen und Flüssen. Bei starkem Wind sind Regensammler ungenau und erfassen tendenziell zu geringe Regenmengen, da Turbulenzen Regentropfen vom Sammler wegtragen. Die ersten Regenmesser wurden auf Dächern montiert, heute stellt man sie in Bodennähe auf, um den Windeinfluss zu verringern. Größe und Form der offiziellen Regenmesser sind von Land zu Land unterschiedlich. Ihre Vereinheitlichung scheiterte bisher daran, dass dadurch die Vergleichbarkeit mit langjährigen Aufzeichnungen eingeschränkt würde.
Neuere Methoden zur Regenmessung sind das Niederschlagsradar und Wettersatelliten, ein dichtes Netz von Regensammlern liefert allerdings genauere Werte.[23]
Hauptbestandteil von Regen ist Wasser in flüssiger Form. Das Wasser kann eine Temperatur zwischen −40 °C (unterkühlt, aber nicht gefroren) und über 20 °C haben. Daneben kann der Regen je nach Entstehungsort weitere chemische Elemente und Verbindungen enthalten. Die Anreicherung des Regens mit zusätzlichen Stoffen reinigt die Luft, kann aber für das Regenwasser die Verunreinigung mit unerwünschten Substanzen mit sich bringen.
Die im Regen enthaltenen Stoffe können sowohl natürlichen Ursprungs als auch anthropogen, das heißt vom Menschen verursacht, sein.
Mit aufgewirbelter Gischt gelangen Na+, Cl−, Mg2+ und K+ als Seesalz-Aerosol in die Atmosphäre (sea spray). Im Regenwasser nehmen die Konzentrationen dieser Ionen landeinwärts ab. Dagegen stammen Ca2+, NH4+, HCO3− und NO3− im Niederschlag überwiegend aus dem über Landoberflächen fortgewehten Staub.[23] Aufgrund des gelösten Kohlendioxids hat unbelastetes Regenwasser einen pH-Wert von 5,6. In erster Linie natürlichen Ursprungs sind auch die im Regenwasser enthaltenen Spuren von Sauerstoff, Stickstoff, Ozon, Pollen und einigen organischen Verbindungen, z.B. Ameisensäure.
Durch den Menschen gelangen weitere Emissionen in die Atmosphäre, wie etwa Staub, Rauch und Verbrennungsabgase aus Industrie, Verkehr und Hausbrand. Sie können direkt oder in Form ihrer Umwandlungsprodukte die Zusammensetzung des Regenwassers beeinflussen.
In den überwiegend von Menschen verursachten Emissionen kommen auch Stoffe vor, die mit Wasser eine neue Verbindung eingehen können und Regen zu einer leicht sauren Lösung machen. Schwefeloxide (SOx) bilden mit Wasser Schwefelsäure (H2SO4), Stickoxide (NOx) bilden Salpetersäure (HNO3). Bekannt ist dieses Phänomen als saurer Regen, es kann in der Regel zu etwa zwei Dritteln auf die Verunreinigung mit Schwefelsäure und zu einem Drittel auf den Gehalt an Salpetersäure zurückgeführt werden.[23] In Mitteleuropa ging die Intensität des sauren Regens seit den frühen 1980er Jahren zurück. An den Messstationen des deutschen Umweltbundesamts stieg der pH-Wert des gesammelten Regenwassers zwischen 1982 und 2007 von 4,2–4,5 wieder auf 4,7–5,0 an.[24]
Als basischen Regen bezeichnet man Niederschlag, dessen pH-Wert höher ist als der pH-Wert, der sich in reinem Wasser durch den natürlichen Kohlendioxid-Gehalt der Atmosphäre einstellt (pH = 5,6). Basischer Regen ist örtlich begrenzt und stellt das Gegenstück zu saurem Regen dar.
Der kondensierende Wasserdampf bildet zunächst feinste Tröpfchen, die mit zunehmender Größe immer schwerer werden. Wenn die Gewichtskraft der Tropfen größer als die Auftriebskraft (durch Luftströmungen in der Wolke) und die Reibung im Fluid nach Stokes (in unserem Fall Luft) ist, beginnen die Regentropfen zur Erde zu sinken.
Das Gesetz von Stokes kann für kleine Tropfen bis 1 mm mit guter Näherung verwendet werden. Größere Tropfen verändern ihre Form auf Grund des Luftwiderstands und werden flachgedrückt, sie fallen turbulent. In diesem Fall ist der CW-Wert(Strömungswiderstandskoeffizient) geschwindigkeitsabhängig. Er verändert sich permanent während der Beschleunigung. Der Luftwiderstand der Tropfen nimmt mit dem Quadrat der Fallgeschwindigkeit so lange zu, bis die Gewichts- und Widerstandskräfte gleich groß geworden sind, dann fällt der Regentropfen mit (fast) konstanter Geschwindigkeit.
Tropfen bis ~1 mm Durchmesser behalten ihre sphärische Form (Kugel), dann beginnen sie sich allerdings immer stärker zu verformen. Dadurch nimmt ebenfalls der Luftwiderstand weiter zu, und die Fallgeschwindigkeit bleibt nahezu konstant. Die Tropfengröße ist variabel, der größte bisher fotografierte Tropfen hatte einen Durchmesser von 9 mm, in der Regel jedoch zerplatzten Tropfen bereits ab 6 mm zu kleineren. Die Tropfenform ist anfangs kugelförmig, mit zunehmender Größe und dadurch resultierender Fallgeschwindigkeit verändert sie sich zu einem kugelschalenförmigen (fallschirmartigen, bzw. hamburgerförmigen) Körper.[14][25] Diese Form kann solange beibehalten werden, bis der Druck (hervorgerufen durch den Luftwiderstand) an der Innenseite (das ist die der Fallrichtung zugewandte Seite) so groß wird, dass er die Oberflächenspannung des Wassers überwindet. Die maximal erreichbare Größe eines Tropfens ist somit auch von der Zusammensetzung und Temperatur des ihn bildenden Wassers abhängig.
Das Kräftegleichgewicht von Gewichtskraft und Reibung bei konstanter Fallgeschwindigkeit bildet den Ansatz für die Berechnung mittels CW-Wert, oder mittels Gesetz von Stokes. Zur Vereinfachung werden keine Vorzeichen oder Vektoren verwendet, die Fallrichtung ist immer in Richtung Erde und der Luftwiderstand wirkt entgegen. Zusätzliche Einflüsse wie Luftströmungen (Auftrieb), Temperatur, Oberflächenspannung des Tropfens (Materialbeschaffenheit) oder veränderliche Form des Tropfens werden hier nicht berücksichtigt.
Kräftegleichgewicht, Ansatz für folgende Betrachtungen:

Folgende Größen werden hierbei verwendet:
| Formelzeichen | Beschreibung | SI-Einheit | Standardwerte |
|---|---|---|---|
| Fr | Reibungskraft | N | |
| Fg | Gewichtskraft | N | |
| g | Erdschwerebeschleunigung | m/s² | (9,81 m/s²) |
| Cw | Strömungswiderstandskoeffizient des Tropfens | (~0,35 bis 1,3, geschwindigkeitsabhängig) | |
| AT | Kreisfläche des Tropfens als Widerstandsfläche | m² | |
| mT | Masse des Tropfens | kg | |
| ρL | Dichte der Luft | kg/m³ | (~1,3 kg/m³) |
| ρT | Dichte des Tropfens (Wassers) | kg/m³ | (~990 kg/m³) |
| vT | Geschwindigkeit des Tropfens | m/s | |
| r | Radius des Tropfen | m | (0,0001 bis 0,003 m) |
| ηL | Viskosität der Luft | Pa·s | (~17,1 µPa·s) |
Die Fallgeschwindigkeit von Partikeln bis ~1 Millimeter nach dem Gesetz von Stokes ergibt sich aus folgender Kräftegleichung:

Wenn
, dann folgt für die Geschwindigkeit:

Mit dieser Formel lassen sich auch Sinkgeschwindigkeiten von Staubpartikel in der Luft berechnen. Diese können durch starke Winde (Wüstenstürme), Vulkanausbrüche, Kernwaffenversuche oder Meteoriteneinschläge in große Höhen (bis 30 Kilometer) der Atmosphäre gelangen. Bei langer Aufenthaltsdauer in Folge geringe Sinkgeschwindigkeit und einer großen Menge an Partikeln, kann es zu starker Abkühlung kommen. Man spricht dann, im Falle von Großereignissen (Supervulkanausbruch, große Meteoriteneinschläge, Atomkrieg), auch vom Nuklearen Winter.
Beispiel:[26] Die Absinkzeit eines Staubpartikels mit einer Größe von einem µm, der in eine Höhe von 20 Kilometer geschleudert wurde, beträgt nach obiger Formel somit 1,8 Jahre. Dies deckt sich recht gut mit allgemeinen Beobachtungen.
Für die Fallgeschwindigkeit von Partikeln zwischen ~1 Millimeter bis 3 Millimeter muss die Kräftegleichung angepasst werden. Je nach Gewicht und Tropfenform – die ja selbst wieder geschwindigkeitsabhängig ist – variiert der CW-Wert hier zwischen 0,35 (Kugel) bis 1,3 (fallschirmartig oder offene Halbkugel), aus:
(umströmte Querschnittsfläche einer Halbkugel)folgt für die Geschwindigkeit:

Als grobe Abschätzung empfiehlt sich folgende Faustformel: Fallgeschwindigkeit in m/s ≈ 6 · Tropfendurchmesser in Millimeter (nur in einem Bereich von 0,5 bis max. 1,5 mm Tropfengröße annähernd richtig). Ein Tropfen der Größe 1 mm fällt mit einer Geschwindigkeit von etwa 6 m/s ≈ 20 km/h.
Regen ist die häufigste Form von Niederschlag und trägt dazu bei, den Wasserkreislauf zu schließen, der für das Leben auf der Erde ein entscheidender Faktor ist. Langfristig tragen die durch Regen gespeisten Bäche und Flüsse ganze Gebirge ab. Bei entsprechenden geologischen Verhältnissen können Schluchten und Canyons entstehen. Regen reinigt die Luft und wäscht Staub, Pollen und sonstige Partikeln aus. Er löst weiterhin Sauerstoff, Stickstoff, Kohlensäure, Schwefelsäure und Salpetersäure aus der Luft. Die gelösten Stoffe führen zu einer erhöhten Erosion und der Verwitterung von Gestein und Boden, sowie zu einer erhöhten Regenerosion bei Gebäuden, Maschinen und Anlagen (zum Beispiel an Flugzeugflügeln). Regen löst außerdem Mineralien aus Gestein und Boden, die als Nährstoff für Pflanzen sowie andere Lebensformen dienen.
Übermäßiger Regen kann langfristig zu einer Veränderung des lokalen Klimas (Mikroklima und Mesoklima), und in Folge auch zu einer Veränderung von Fauna und Flora führen. Ebenso kann dadurch eine Abspülung (Denudation), beziehungsweise flächenhafte Erosion oder Vernässung des Bodens erfolgen. Kurzfristiger übermäßiger Regen kann lokal zu Sturzbächen und Überflutungen führen. Bei Hanglagen und im Gebirge kann er Hang- oder Erdrutsche und Gerölllawinen hervorrufen.
Ausbleibender Regen führt langfristig zu Dürre und somit zu einer Veränderung des lokalen Klimas, was ebenso Veränderungen bei Fauna und Flora hervorrufen kann. Dieser Prozess fördert die Desertifikation. Durch die verringerte Regenerosion bleiben aber Bauwerke, Anlagen und Maschinen unter Umständen länger erhalten (siehe: Pyramiden von Gizeh). Kurzfristig ausbleibender Regen (Austrocknung) verändert das lokale Klima nicht und stellt somit keine Bedrohung für Fauna und Flora dar.
Gewitter und Sturm sowie mit ihnen Blitz, Donner, Wolken, Regen und Wind gehören zu jenen Naturphänomenen, die dem Zugriff des Menschen entzogen sind, aber in agrarischen Gesellschaften eine unmittelbare Bedeutung für sein Überleben haben. In zahlreichen Kulturen, insbesondere solchen in von Dürre und Trockenheiten geplagten Gebieten, wurde der Regen geradezu mythisch verehrt. Vielfach versuchte man dem erhofften Niederschlag durch magische Praktiken nachzuhelfen; ein Beispiel hierfür sind die Regentänze verschiedener afrikanischer und indigener Völker. In vielen Kulturen finden sich aus diesem Grund auch Regen- oder Wettergötter wieder. Die Menschen versuchten dabei mit Ritualen und Zeremonien ihre Regen- und Wettergötter milde zu stimmen. Einerseits gab es Zeremonien um genügend Regenwasser für den Ackerbau, andererseits gab es welche um nicht zu viel Regen zu erbitten. Diese Zeremonien hingen von der Kultur und den Umweltbedingungen der Völker ab.
In Teotihuacán, einer altertümlichen Metropole in Mexiko, wurde der Regengott Quetzalcoatl („gefiederte Schlange“) verehrt. Er war die oberste Gottheit dieser Stadt und sorgte dafür, dass die Bauern ihre Ernte einfahren konnten und niemand Hunger leiden musste. Als oberste Gottheit war sein Ebenbild auf vielen Gebäuden Teotihuacáns präsent. So wurde auch eine Pyramide nach ihm benannt und erhielt den Namen Quetzalcoatl-Pyramide („Pyramide der Gefiederten Schlange“). Quetzalcoatl wurde später von den Azteken, Tolteken und Mayas verehrt.[27][28] Die Mayas hingegen erbrachtem dem Regengott auch Menschenopfer, wodurch er später als blutrünstige Gottheit dargestellt wurde.[29]
In allen altorientalischen Regionen und Epochen wurden Gewitter und Sturm als numinose Gewalt empfunden. Überall galt einer der großen Götter als die Verkörperung von und als Herr über Gewitter, Sturm und die damit einhergehenden Phänomene wie den Regen. Die relative Bedeutung der jeweiligen Wettergötter war unter anderem auch von den Umweltbedingungen in den jeweiligen Regionen abhängig. So spielt etwa der Wettergott als Regenspender in den agrarischen Ritualen des vom Bewässerungsfeldbau geprägten Babylonien keine Rolle, während seine Eigenschaft als Herr über den zerstörerischen Sturm prominent hervortritt. Die Verbindung von Wetter- und Berggöttern ist typisch für Landschaften, in denen sich wolkenverhangene Berge beobachten lassen. Insgesamt nehmen die Wettergötter in den stärker vom Regenfeldbau geprägten Gebieten des Alten Orients, also in Obermesopotamien, Syrien, Anatolien und auch in Assyrien eine bedeutendere Stellung unter den großen Gottheiten ein als in Babylonien.
Auch in China war der Regen Symbol für Fruchtbarkeit und Zeugung. Nach alten mythologischen Vorstellungen erzeugte ihn der Drache mit Hilfe von Bällen. Unter Wolken-und-Regen-Spiel verstand man damals in China auch die geschlechtliche Vereinigung von Mann und Frau.
Die Astronomie, speziell die Beobachtung von Mond und Sonne, sowie die Schlussfolgerung auf den Gang der Jahreszeiten hatten ihre Ursprünge mit Aufkommen der Jagd und des Ackerbaus. Ab diesem Zeitpunkt war der Bedarf an gesicherten Informationen über die Jahreszeiten und das Wetter, sowie über den Regen, gegeben. Bauern wollten wissen, wann sie Ihre Saat ausbringen und Ernte einfahren mussten. Dies war vor mehreren tausend Jahren überlebenswichtig. Da viele Wetterereignisse von den Jahreszeiten abhingen, entwickelten sich erste Kalender und Observatorien, wie das Sonnenobservatorium von Goseck. Die Astronomie wurde, erst später in Ihrer Funktion als „wettervorhersagende“ Wissenschaft von der Meteorologie abgelöst, bestimmte aber bis in die Neuzeit hinein die Berechnung von meteorologischen und wiederkehrenden Ereignissen entscheidend mit.[30] Erst um 1600, als Galileo Galilei (1564–1642) das erste Thermometer baute, begann die systematische Wetterkunde.[31]
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