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Stefan George :

femme russe

Stefan George

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Stefan George, 1910
Fotografie von Jacob Hilsdorf

Stefan Anton George (* 12. Juli 1868 in Büdesheim, heute Stadtteil von Bingen am Rhein; † 4. Dezember 1933 in Minusio bei Locarno) war ein deutscher Dichter und bedeutender Lyriker des Symbolismus und der späteren Neuromantik. Sein berühmter Dichterkreis wird sowohl mit dem Aufstieg wie mit dem Fall des sogenannten Dritten Reiches in Verbindung gebracht, ohne dass er darauf einen entscheidenden Einfluss ausgeübt hätte.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

[Bearbeiten] Kindheit und Jugend

Stéphane Mallarmé, 1896
Fotografie von Nadar

Stefan George wurde als Sohn des Gastwirts und Weinhändlers Stephan George und dessen Frau Eva (geb. Schmitt) geboren. George galt als verschlossenes, eigenbrötlerisches Kind und neigte gelegentlich zu Selbstherrlichkeit. Er besuchte ab 1882 das Ludwig-Georgs-Gymnasium in Darmstadt. Währenddessen lernte er selbständig Italienisch, Hebräisch, Griechisch, Latein, Dänisch, Holländisch, Polnisch, Englisch, Französisch und Norwegisch, um verschiedene Literatur im Original lesen zu können. Seine Sprachbegabung veranlasste ihn auch, eine eigene Sprache zu entwickeln. In dieser Zeit entstanden erste Gedichte, die ab 1887 in der mit Schulfreunden gegründeten Zeitung Rosen und Disteln erschienen. 1901 veröffentlichte er sie in Die Fibel. 1888 legte er das Abitur ab. Danach bereiste George einige europäische Metropolen, wie London, Paris und Wien, wo er Hugo von Hofmannsthal kennenlernte. In der französischen Hauptstadt traf er auf den Symbolisten Stéphane Mallarmé und dessen Dichterkreis, der ihn nachhaltig beeinflussen sollte. Zu seinen näheren Kontaktpersonen gehörte auch Paul Verlaine. In diesem Kreis gewann er eine exklusive und elitäre Kunstauffassung, die man als "Aristokratie des Geistes" bezeichnen könnte. Seine Dichtungen sollten sich jeglicher Zweckgebundenheit und Profanisierung entziehen. Durch den Einfluss der Symbolisten entwickelte George eine Abneigung gegen die in Deutschland zu dieser Zeit sehr populären Literaturrichtungen des Realismus und des Naturalismus. Ab dem Jahr 1889 studierte er für drei Semester an der Universität Berlin an der Philosophischen Fakultät, brach sein Studium jedoch ab. Als „Die Fibel“ erschien, hatte er schon seinen dandyhaften Lebensstil angenommen, den er sein ganzes weiteres Leben pflegen sollte. Er hatte keinen festen Wohnsitz, sondern wohnte bei Freunden und Verlegern (wie Georg Bondi in Berlin), wenn er sich nicht zu seiner Schwester nach Büdesheim/Bingen zurückzog. Zwar hatte er von seinen Eltern ein moderates Erbe erhalten, doch lebte er stets selbstgenügsam. Sein Freundeskreis beherbergte ihn zumeist wie einen fürstlichen Gast in Räumen, die ihm stets zur Verfügung standen.

[Bearbeiten] Kunst für die Kunst

Das Jahr der Seele

Vor allem sein frühes Werk zeugt von dem Versuch, eine lyrische Erneuerung in Deutschland durchzuführen. 1892 gründete er zusammen mit Carl August Klein die Zeitschrift Blätter für die Kunst, die ganz im Geiste des l’art pour l’art Baudelaires, Verlaines und Mallarmés im Dienst „einer kunst für die kunst“ standen. George selbst begründete seine Einstellung so: „Jeden wahren Künstler hat einmal die Sehnsucht befallen, in einer Sprache sich auszudrücken, deren die unheilige Menge sich nie bedienen würde, oder die Worte so zu stellen, dass nur der Eingeweihte ihre hehre Bestimmung erkenne.“ In dieser Zeit entstanden die Gedichtbände Hymnen, Pilgerfahrten, Algabal, Die Bücher der Hirten und Preisgedichte, Das Jahr der Seele und Der Teppich des Lebens. Die "Blätter" erschienen bis 1919 im Privatdruck in unregelmäßigen Abständen mit insgesamt 12 Folgen von jeweils 5 Heften à 32 Seiten, einige von ihnen als Doppelausgaben. Die Anfangsauflage betrug 100 Exemplare, die sich später bis auf 2000 steigerte. Auf dem Titelblatt wurde bis zuletzt die Exklusivität wie folgt hervorgehoben: "Diese zeitschrift im verlag des herausgebers hat einen geschlossenen von den mitgliedern geladenen leserkreis." Die ersten Auflagen lagen nur in drei ausgewählten Buchhandlungen in Berlin, Wien und Paris aus.

George trat in dieser Zeit vor ausgesuchtem Hörerkreis zu Lesungen auf. Während er in ein priesterliches Gewand gekleidet seine Verse verlas, lauschte das Publikum ergriffen. Anschließend empfing er einzelne Zuhörer zu Audienzen in einem Nebenzimmer. Seine Bücher waren auffällig gestaltet und zunächst nur in intellektuellen Kreisen vorhanden. Auffallend war das Schriftbild seiner Bücher. Die Texte sind in gemäßigter Kleinschreibung gehalten (Versalien für Versanfänge und teilweise Eigennamen und andere Betonungen). Ab 1904 erschienen Georges Drucke in einer eigenen Drucktype, der so genannten St.-G.-Schrift,[1] die vorgeblich auf Georges eigener "Handschrift" basierte.

Aus der Rätselhaftigkeit seiner Veröffentlichungen und seiner mystischen Selbstinszenierung entstand bald ein (durchaus erwünschter und eingeplanter) George-Kult.

Georges Ausführungen über die Kunst fanden immer mehr Anklang im geisteswissenschaftlichen Raum. Dies liegt vor allem daran, dass der Mitarbeiterkreis der Blätter für die Kunst Einfluss auf die Literaturwissenschaft des frühen 20. Jahrhunderts hatte. Der George nahestehende Friedrich Gundolf hatte beispielsweise den Lehrstuhl für Germanistik an der Universität Heidelberg inne und sorgte mit Abhandlungen über Johann Wolfgang von Goethe und Heinrich von Kleist für Aufsehen. Karl Wolfskehl hingegen leistete bedeutende Arbeit auf dem Gebiet der Übertragung alt- und mittelhochdeutscher Dichtung.

Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit war George als Übersetzer aktiv. Allerdings waren dies keine Übersetzungen im herkömmlichen Sinne, sondern Umdichtungen. Er versuchte, beim Übersetzen Sinn und Rhythmus der ursprünglichen Dichtung nachzuempfinden.

[Bearbeiten] George-Kreis

Hugo von Hofmannsthal, 1893
mit 19 Jahren

Zunehmend versammelten sich gleichgesinnte Dichter um George, die sich mit George geistig verbunden fühlten. Maßgebend für die Anschauungen des sogenannten George-Kreises waren Georges Veröffentlichungen. Während es zunächst ein Bund Gleichgestellter war, folgten ihm seine Anhänger, zu denen unter anderen Paul Gerardy, Karl Joseph Wolfskehl, Ludwig Klages, Henry von Heiseler und später Friedrich Gundolf gehörten, wie Jünger. Zu diesem Zeitpunkt war der Bund zwar hierarchisch auf George hin ausgerichtet, aber die Struktur blieb lose.

Von 1897 bis 1903 gehörte auch Karl Gustav Vollmoeller sowohl zum George-Kreis, als auch zum Mitarbeiterstab für die Blätter für die Kunst. 1901 wurde Vollmoeller eine große Ehrung durch George zuteil, als dieser rund die Hälfte von Vollmoellers im Entstehen begriffenen Versdrama "Catherina - Gräfin von Armagnac" in den Blättern für die Kunst veröffentlichte, was schlagartig für Vollmoellers Durchbruch als Dichter sorgte. Obwohl sich Vollmoeller 1903 aus dem George-Kreis und damit aus der Bevormundung durch George zurückzog, blieb er gedanklich und emotional nicht nur George, sondern besonders auch Hofmannsthal, Melchior Lechter, Karl Wolfskehl und anderen Mitgliedern des Kreises verbunden.

Zu seinen engen Vertrauten zählte der Wiener Schriftsteller Hugo von Hofmannsthal (1874-1929). der sich ihm jedoch bald entzog. Die Beziehung war von Seiten Georges anfangs auch körperlich gewünscht, was Hofmannsthal jedoch nach kurzer Zeit im Dezember 1892 ablehnte. Der geistige Umgang dauerte fast 15 Jahre an, wobei George die Rolle eines bestimmenden älteren Freundes einnahm, gleichwohl wehrte sich Hofmannthal, bei aller Hochschätzung der dichterischen Genialität Georges, gegen die persönliche Vereinnahmung durch ihn und seinen Kreis. Aus dieser Zeit entstammt ein intensiver Briefwechsel. Hofmannsthal stellte in seinem "Gespräch über Gedichte" (1903) das berühmte, aus dem "Jahr der Seele" stammende Gedicht vor, mit dem George diesen Zyklus einleitet. Für viele zählt es zu den schönsten Zeugnissen lyrischer Landschaftsmalerei, welches sich freilich gerade vor dem erotischen Hintergrund auch einer psychoanalytischen Rezeption nicht verschließt:


Komm in den totgesagten park und schau.
Der schimmer ferner lächelnder gestade.
Der reinen wolken unverhofftes blau
Erhellt die weiher und die bunten pfade.
Dort nimm das tiefe gelb. Das weiche grau
Von birken und von buchs. Der wind ist lau.
Die späten rosen welkten noch nicht ganz.
Erlese küsse sie und flicht den kranz.
Vergiss auch diese lezten astern nicht.
Den purpur um die ranken wilder reben.
Und auch was übrig blieb von grünem leben
Verwinde leicht im herbstlichen gesicht.

Es wurde immer klarer, dass die gegenseitigen Erwartungen enttäuscht wurden und ihre künstlerischen Vorstellungen immer weiter auseinander gingen. So konzentrierte sich George nur auf die Lyrik und verlangte Gefolgschaft, der sich Hofmannsthal allmählich entzog, zumal er sich auch dem Drama und anderen Formen gegenüber aufgeschlossen zeigte. Auf die Widmung seines Trauerspiels „Das gerettete Venedig“ von 1904 an George reagierte dieser ablehnend. Er bescheinigte Hofmannsthal, dass der Versuch den „Anschluss an die große Form zu finden“, misslungen sei. Im März 1906 brachen sie den Kontakt ganz ab. Noch dramatischer erging es dem Heidelberger Professor Friedrich Gundolf, der sich in einem derartigen Hörigkeitsverhältnis zu dem "Meister" befand, dass er den Ausschluss aus dem George-Kreis (Grund war seine Heirat 1926 mit Elisabeth Salomon, die der eifersüchtige George nicht duldete) nicht verwand. 1927 erkrankte er an Krebs, an dem er 1931 starb. George hatte auch persönlichen Einfluss auf die jungen Gebrüder Stauffenberg. Berthold Graf Schenk von Stauffenberg bestimmte er als seinen Nacherben nach Robert Boehringer.

[Bearbeiten] Georges Homosexualität

Der aus streng katholischem Haus stammende George entdeckte seine Homosexualität laut Thomas Karlauf (2007) mit etwa 18 Jahren, was sich nach dessen Interpretation in einigen Gedichten Georges aus der Zeit niederschlug. George soll nach dem Abitur in London eine erste große Enttäuschung diesbezüglich erlebt haben, fügte sich jedoch in diese Herausforderung und in ein Leben als Außenseiter. Anders als etwa der Epiker Thomas Mann sei George nicht bereit gewesen, nach außen hin ein bürgerliches Leben vorzuspielen. George habe dabei seine zu der Zeit unter gesetzlicher Strafe stehende Homosexualität nicht als Makel, sondern vielmehr in hellenistischer Tradition als wesenhafte Auszeichnung begriffen.

Diese Auslegung Karlaufs, der sich augenscheinlich an Hans Blühers Buch "Die Rolle der Erotik in der männlichen Gesellschaft" (zwei Bände, 1917/1919) orientiert hat, ist umstritten. Denn George verstand sich dem Wesen nach als Mittelpunkt eines auf geistiger Freundschaft (der Eros in griechisch-platonischer Tradition) beruhenden Kreises von Männern, die der bündischen Elitetheorie folgend, die deutsche Gesellschaft beeinflussen und verändern wollten (vgl. Geheimes Deutschland). Diese Gemeinschaft war asketisch ausgerichtet, George verbot seinen Jüngern etwa zu heiraten. Die geforderte Askese (der Zölibat) liegt im Übrigen der These zugrunde, eine bereits in der Romantik angestrebte ästhetische Identität von Priester/Dichter/Sänger verwirklichen zu wollen. Auf bloße sexuelle Präferenzen konnte hier nicht mehr Rücksicht genommen werden.

Namhafte Kritiker wie etwa Ludwig Klages oder Rudolf Borchardt warfen George in diesem Sinne posthum vor, nur zu amourösen Zwecken gedichtet zu haben. Diese Sicht wird heute in der Forschung als zu primitiv angesehen. George habe seinen seit 1905 sehr großen Ruhm nicht benutzt, um zu leiblichen Freuden zu kommen, sondern sich in dem dichterischen Kreis zunächst schlicht wohl gefühlt. Das Verhältnis zu den jungen Teilnehmern des Kreises sei ein wahrhaft herzliches gewesen. Es sei außerdem nicht zu leugnen, dass die Gedichte menschlich gefühltes und erlebtes auf herausragende Art wiedergeben.

[Bearbeiten] Wandel zum pessimistischen Propheten

Stefan George 1910

Ab 1907 - George war fast 40 Jahre alt - ist eine Zäsur in Georges Vorstellung von der Kunst zu erkennen. Seine Werke gewannen zunehmend einen prophetischen und religiösen Charakter und verloren die Vorstellung der selbstgenügsamen Kunst. Fortan fungierte George zunehmend als ästhetischer Richter oder Ankläger, der gegen eine Zeit der Verflachung anzukämpfen versuchte. Anlass hierzu war vor allem das sogenannte Maximin-Kapitel. 1902 lernte George den vierzehnjährigen Maximilian Kronberger kennen. „Maximin“ (so nennt ihn George) wird vom zwanzig Jahre älteren George zur Gottheit hochstilisiert. Der engere George-Kreis folgte seinem Meister, so dass der sogenannte Maximin-Kult entstand, besonders wegen des frühen Todes Maximins im Jahre 1904.

Des Weiteren wurde der thematische Bruch Georges mit dessen Privatleben begründet. In dieser Zeit hatte er sich von dem okkulten Kreis Ludwig Klages’ und Alfred Schulers abgewandt. Zudem brach der Kontakt zu Hugo von Hofmannsthal ab. Der Wegfall einiger Anhänger (u.a. Richard Mondt) und die Nachfolge durch jüngere Dichter sorgten für einen Wandel der Blätter für die Kunst. Die nun teilweise auch anonym veröffentlichten Gedichte rückten ins Metaphysische und behandelten mehrfach apokalyptische und expressionistische, sowie esoterisch-kosmische Themen. Auch der George-Kreis hatte sich dadurch verändert. War er zuvor eine Vereinigung Gleichgesinnter, wandelte er sich nun zu einem hierarchischen Bund aus Jüngern, die sich um ihren höhergestellten Meister George scharten.

Wichtige Arbeiten, die auf dieser Grundlage entstanden, waren die 1907 veröffentlichten Gedichtbände Maximin und Der siebente Ring. Den Höhepunkt erreichte er mit dem 1914 veröffentlichten Gedichtband Der Stern des Bundes.

[Bearbeiten] Kriegsablehnung und Idol der Jugend

George prophezeite Kriegszerstörungen wie bei diesem Wald bei Ypern

George fiel nicht in die allgemeine Kriegseuphorie ein. Stattdessen prophezeite er einen für Deutschland düsteren Ausgang. So formulierte er in seinem zwischen 1914 und 1916 entstandenen Gedicht „Der Krieg“:

Zu jubeln ziemt nicht: kein triumf wird sein
Nur viele untergänge ohne würde . .
[...]
Der alte Gott der schlachten ist nicht mehr.
Erkrankte welten fiebern sich zu ende
In dem getob. Heilig sind nur die säfte
Noch makelfrei versprizt - ein ganzer strom.[2]

Das Kriegsende 1918 und die allgemeine Zerstörung und das Chaos empfand George als Bestätigung seiner Visionen. In der Weimarer Republik wurde er zum Idol einer idealistischen Jugend, und es formierten sich um ihn Jugendliche sowohl zionistischer als auch antisemitischer Prägung, ebenso wie nationalistisch und republikanisch eingestellte. Diesem Kreis gehörten auch der junge Claus Graf Schenk von Stauffenberg und Klaus Mann an. Mann erinnerte sich an seine Verehrung später wie folgt: „Inmitten einer morschen und rohen Zivilisation verkündete, verkörperte er eine menschlich-künstlerische Würde, in der Zucht und Leidenschaft, Anmut und Majestät sich vereinen.“ [3] George konnte den künstlerisch interessierten Jugendlichen offenbar mit seiner Person eine Stütze bieten, die dem Nihilismus der Zeit widersprach. George selbst stand der Republik skeptisch gegenüber. 1927 wurde ihm der erste Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main verliehen. George lehnte jedoch ab.

[Bearbeiten]  »Das neue Reich« 

Stefan Georges Grab in Minusio

Georges Spätwerk Das neue Reich wurde 1928 veröffentlicht. In „Das neue Reich“ verkündete George eine hierarchische Gesellschaftsreform auf der Grundlage einer neuen geistig-seelischen Aristokratie. Von dem Gedichtband ausgehend wollten die Nationalsozialisten George für ihre Zwecke einspannen. George verfolgte jedoch die Verwirklichung eines Reiches auf rein geistiger Ebene und wollte keine politische Verwirklichung eines hierarchischen und totalitären Systems, weswegen er die Gesuche der Nationalsozialisten ablehnte. Nach der Machtübernahme 1933 bot Reichspropagandaminister Joseph Goebbels ihm die Präsidentschaft einer neuen deutschen Akademie für Dichtung an. Dieses Angebot lehnte George ab. Auch der von Parteiseite pompös inszenierten Feier zu seinem 65. Geburtstag blieb er fern. Er begab sich schließlich, bereits schwer erkrankt, in die Schweiz, wo er am 4. Dezember im Krankenhaus in Locarno starb. Ob es sich bei der Reise in die Schweiz um ein Exil handelte oder nur um einen als vorübergehend geplanten Aufenthalt, ist nicht mehr festzustellen. George ist auf dem Friedhof von Minusio bestattet worden.

[Bearbeiten] Bedeutung

Bronze-Denkmal
in der Fußgängerzone von Bingen

[Bearbeiten] Literarisch

Georges Lyrik grenzt sich bewusst von der Sprache des Alltags und der von Medien geprägten Wortwahl durch hohe stilistische und formale Strenge ab. Viele seiner Gedichte sind exemplarisch selbstreflexive Lyrik. Dramatik und Prosa galten ihm als weniger wertvolle literarische Gattungen, obwohl das Drama in seinem Kreis (beispielsweise von Henry von Heiseler) durchaus gepflegt wurde. Themen seines Frühwerks waren Tod, unerfüllte tragische Liebe und Hingezogenheit zur Natur. Georges Ziel in seinem Spätwerk war die Erschaffung eines neuen, schönen Menschen. Grundlage sollten Männlichkeit, Zucht, Sitte und Dichtkunst sein. Einige Texte wurden auch als Grundlage zu musikalischen Werken verwendet, so zum Beispiel von Richard Mondt (1873-1959), Arnold Schönberg (1874-1951), Anton von Webern (1883-1945), Gerhard Frommel (1906-1984), Theo Fischer (1926-), Gerhard Fischer-Münster (1952-) und Wolfgang Rihm (1952-).

Neben der eigenen Dichtertätigkeit und ausgedehnten Reisen durch ganz Europa war George außerdem noch Übersetzer von Dante, Shakespeares Sonnette, Charles Baudelaire, DIE Blumen des bösen - umdichtungen, Émile Verhaeren und viele anderen.

Stefan George hatte durch seine zahlreichen Kontakte zu bekannten deutschen Hochschulprofessoren wie z. B. Friedrich Gundolf großen Einfluss auf das deutsche Universitätswesen, vor allem in den Geisteswissenschaften.

[Bearbeiten] Politisch

Georges Spätwerk Das neue Reich sah vor, sich auf rein geistiger Ebene zu verwirklichen. Das nahende Dritte Reich lehnte der Dichter ab. Allerdings taten dies nicht alle Anhänger Georges. Viele Mitglieder seines Kreises sahen im Nationalsozialismus die Chance, das von George gewünschte neue Reich zu realisieren. Sie erkannten im Nationalsozialismus eine Ideologie, die mit Sitte und Männlichkeit ähnliche Ziele wie George vertrat, weshalb führende Anhänger Georges sich nach 1933 den Nationalsozialisten anschlossen. Auch die Führung einer geistigen Elite, die sich um einen charismatischen Führer schart, passte sowohl in den George-Kreis als auch in das Nazi-System. Im Kern war die Reichsidee autoritär und antidemokratisch. Der Demokratie wurde die Schuld am Untergang Deutschlands zugesprochen und in dieser Abkehr liegt auch ein Keim der Zerstörung der Weimarer Republik. Das von den Nationalsozialisten proklamierte „Dritte Reich“ hatte eine parallel laufende Ideologie, welche weite Teile dieses so zu nennenden deutschen Geistes abschöpfte.

Der Vertreter des George-Kreises, der zu größtem Ruhm gelangte, war Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Der Georgeschen Vorstellung eines nicht nationalen sondern "Heiligen Deutschland" verpflichtet, wandte sich Stauffenberg unter Einsatz seines Lebens gegen das Unrechtsregime und unternahm am 20. Juli 1944 ein Attentat auf Adolf Hitler. Es ist überliefert, dass Stauffenberg noch auf dem Schafott "Es lebe das geheime Deutschland" rief, eine Reminiszenz an Georges Spät-Gedicht "Geheimes Deutschland". Es ist bemerkenswert, dass George mit seinem Dichterkreis sowohl den Aufstieg wie den Fall des „Dritten Reiches“ direkt mit beeinflusste.

[Bearbeiten] Werke

[Bearbeiten] Briefwechsel

[Bearbeiten] Quellenangaben

  1. Stephan Kurz: »George-Schriften«. In: Institut für Textkritik. 2007-01-18. Abgerufen am 2007-08-03.
  2. „Stefan George – Einführung in Leben und Werk“, von Cornelius Waldner
  3. Biographie Georges, androphile.org
  4. George: „Der Teppich des Lebens und die Lieder von Traum und Tod“
  5. George: „Der Stern des Bundes“

[Bearbeiten] Literatur

George-Kreis
Sekundärliteratur

[Bearbeiten] Weblinks

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