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Schwerin

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen werden unter Schwerin (Begriffsklärung) aufgeführt.

Schwerin ist die Hauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern. Die kreisfreie Stadt ist nach Rostock zweitgrößte Stadt und eines der vier Oberzentren des Landes. Laut Hauptsatzung führt die Stadt die Bezeichnung „Landeshauptstadt“ vor dem Namen Schwerin.[1] Mit knapp unter 100.000 Einwohnern ist sie die kleinste Hauptstadt eines deutschen Bundeslandes.

Die Stadt dehnte sich im Laufe der Zeit am West- und Südufer des Schweriner Innensees aus, insgesamt befinden sich zwölf Seen innerhalb des Stadtgebietes. Bereits Mitte des 10. Jahrhunderts berichtete ein Handelsreisender von einer Burg in einem Süßwassersee, einem Vorgängerbau des heutigen Wahrzeichens, dem Schweriner Schloss, welches früher die Residenz der mecklenburgischen Herzöge und Großherzöge bis 1918 war und seit 1990 Sitz des Landtages ist.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Namensbildung

Die Stadt ist um 1012/18 als Zuarina das erste Mal bei Thietmar von Merseburg erwähnt. Helmold von Bosau nennt es 1170 Zuerin, Zwerin. Die Pöhlder Annalen nennen den Ort 1160 Zuarin (-ensis) und die Stederburger im Jahr 1174 Zvarin. Seit dem 15. Jahrhundert wird der Ort Swerin und seit dem 16. Jahrhundert Schwerin genannt.

Der Name soll mit polabisch zvěŕ für wildes Tier oder zvěŕin für Wildgehege, Tiergarten oder Pferdegestüt zusammenhängen. Spekulationen über eine Abstammung des Ortsnamens vom slawischen Gott Svarog (Swarzyn − Ort des Svarog) sind nicht belegbar. [2]

Abweichend wurde er aus dem altgermanischen swaran (= verteidigen, stammverwandt mit schwören) hergeleitet, das erst später von einwandernden Slawen im Sinne von zvěŕ umgedeutet worden sein könnte. [3]

[Bearbeiten] Geographie

Luftbild von Schwerin
Luftbild von Schwerin

Schwerin liegt im Westen des Landes Mecklenburg-Vorpommern am Südwestufer des Schweriner Sees in einer waldreichen Seenlandschaft. Neben dem Schweriner See liegen im Stadtgebiet folgende Seen: Burgsee, Fauler See, Grimkesee, Heidensee, Große Karausche, Lankower See, Medeweger See, Neumühler See, Ostorfer See, Pfaffenteich und Ziegelsee. Als Fließgewässer sind der Aubach, dessen Wasser über Verbindungen mehrerer Seen den Schweriner See speist, und der Störkanal, dem zum Kanal ausgebauten natürlichen Abfluss des viertgrößten deutschen Sees zu nennen.

Schwerin wird von seinen Einwohnern gerne als die „Stadt der sieben Seen und Wälder“ bezeichnet. Diese etwas irreführende Bezeichnung geht auf eine Zeit zurück, als Schwerin noch nicht seine heutige geographische Ausdehnung hatte. Damals war die Stadt wegen ihrer geringeren Größe tatsächlich nur von sieben Seen und zahlreichen weitläufigen Wäldern umgeben, die nach und nach im Zuge der städtebaulichen Entwicklung weichen mussten. Trotzdem sind bis heute zahlreiche Restbestände dieser Wälder vor allem an den Ufern der Seen erhalten geblieben und tragen somit über das gesamte Stadtgebiet verteilt zum besonderen Charakter der Stadt bei. Von den 130,46 km² Stadtfläche sind 28,9 Prozent mit Wasser und 18,5 Prozent mit Wald bedeckt.[4] Die Höhe der Stadt über dem Meeresspiegel reicht von 38 Metern an den Ufern des Schweriner Sees bis zu 86,1 Metern im Stadtteil Neumühle.

Nächste größere Städte sind Lübeck, zirka 54 Kilometer nordwestlich, Rostock, zirka 69 Kilometer nordöstlich und Hamburg, etwa 94 Kilometer westlich.

[Bearbeiten] Nachbargemeinden

Folgende Gemeinden, benannt nach dem Uhrzeigersinn beginnend im Nordosten am Ostufer des Schweriner Sees, grenzen an die Stadt Schwerin:

[Bearbeiten] Stadtgliederung

Das Stadtgebiet Schwerins ist gemäß § 2 der Hauptsatzung in 18 Ortsteile mit je einem Ortsbeirat eingeteilt. Die Ortsteile bestehen aus ein oder mehreren Stadtteilen. Die Ortsbeiräte haben je nach Einwohnerzahl zwischen 5 und 15 Mitglieder. Sie werden nach jeder Kommunalwahl von der neu gewählten Stadtvertretung für die Dauer der Wahlperiode der Stadtvertretung bestimmt. Die Ortsbeiräte sind zu wichtigen, den Ortsteil betreffenden Angelegenheiten zu hören. Die endgültige Entscheidung über eine Maßnahme trifft jedoch die Stadtvertretung der Gesamtstadt Schwerin.

Die 18 Ortsteile mit ihren zugehörigen Stadtteilen:

Südlich des Stadtteils Neumühle befindet sich eine etwa 12 Hektar große Exklave Klein Rogahns.

Grimkesee Burgsee (Schwerin) Große Karausche Ostorfer See Klein Rogahn Paulsdamm Schweriner See Medewege Warnitz (Schwerin) Wickendorf Schelfwerder Schelfwerder Medeweger See Lankow (Schwerin) Friedrichsthal (Schwerin) Neumühler See Sacktannen Ziegelsee Lewenberg Medewege Lankower See (Schwerin) Heidensee Ziegelsee Pfaffenteich Schweriner Schloss Paulsstadt Altstadt (Schwerin) Weststadt (Schwerin) Werdervorstadt Schweriner See Neumühle (Schwerin) Feldstadt Ostorf Fauler See (Schwerin) Ostorfer See Kaninchenwerder Ziegelwerder Zippendorf Gartenstadt (Schwerin) Großer Dreesch Neu Zippendorf Mueßer Holz Mueß Krebsförden Görries Wüstmark Göhrener Tannen Schweriner See Schelfstadt Schelfstadt Ostorf Barner Stücker See Aubach (bei Schwerin) Störkanal Störkanal
SchwerinÜber dieses Bild

[Bearbeiten] Panoramabild

Schweriner Fernsehturm Schweriner Schloss Schweriner See Schweriner See Schweriner Dom Schweriner Rathaus Markt (Schwerin) Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin Burgsee (Schwerin) Burgsee (Schwerin) Schweriner See Schweriner Dom Schelfkirche Pfaffenteich Nahverkehr Schwerin#Fährlinie Ziegelsee Ziegelsee Arsenal am Pfaffenteich Paulskirche (Schwerin) Schwerin Hauptbahnhof Kaninchenwerder Neustädtisches Palais Fridericianum Schwerin Wasserturm Schwerin-Neumühle Medeweger See KGW Schweriner Maschinen- und Anlagenbau Fridericianum Schwerin Ostorfer See Ostorfer See
Über dieses Bild
Panorama, aufgenommen vom Schweriner Dom in der Altstadt (einzelne Objekte mit Links versehen)


Klimadiagramm von Schwerin
Klimadiagramm von Schwerin

[Bearbeiten] Klima

In Schwerin herrscht ein gemäßigtes Klima. Das Temperatur-Jahresmittel in den Jahren 1961 bis 1990 für Schwerin betrug 8,4 °C. Die Differenz zwischen den Mitteln des wärmsten und kältesten Monats lag bei 17,2 Grad. Durchschnittlich fielen im gleichen Zeitraum je Jahr und Quadratmeter 621 Millimeter Niederschlag. Im Vergleich zum Nordwesten Deutschlands ist das Frühjahr kühler, bedingt durch raue Nordostwinde. Die Sommerhitze wird durch die Nähe zur Ostsee abgemildert, dieses Gewässer wirkt wiederum im Herbst wärmend.

[Bearbeiten] Geschichte

[Bearbeiten] Besiedlung, Stadtgründung und Grafschaft

Reiterstandbild Niklots am Schweriner Schloss
Reiterstandbild Niklots am Schweriner Schloss

Um 500 n. Chr. siedelten sich Slawen im Gebiet des heutigen Schwerin an und errichteten hier die Burg des abotritischen Fürsten. Ein spanisch-maurischer Jude, der als Handelsreisender in der Gegend weilte, berichtete 965 von einer Burg in einem Süßwassersee, welche von Historikern Schwerin zugerechnet wird. Wenn die von Wasser, Sümpfen und Mooren umgebene Insel den Aufbau einer Burganlage sicher nicht einfach machte, so boten diese Gegebenheiten zusammen mit Erd- und Holzwällen Schutz bei Gefahr und in Kriegszeiten. Eine weitere slawische Burg, die Burg Dobin entstand im 11./12. Jahrhundert auf der schmalen Landzunge zwischen der Döpe und dem Schweriner Außensee, an welcher unter anderen 1147 der erste Kreuzzug Heinrich des Löwen und des dänischen Heeres gegen den slawischen Volksstamm scheiterte.

Die deutsche Gründung erfolgte 1160 durch den Welfenherzog Heinrich den Löwen nach dem Sieg über den Obotritenfürsten Niklot. Die angesichts der Übermacht von den Verteidigern selbst niedergebrannte und verlassene Burg auf der heutigen Schlossinsel wurde wiederaufgebaut. 1167 verlegte der Zisterziensermönch Berno seinen Bischofssitz nach Schwerin. 1167 wurde Schwerin Sitz der Grafschaft Schwerin unter dem Grafen Gunzelin. Nach der Weihe des von Heinrich gestifteten ersten Doms um 1171 entwickelte sich Schwerin zum Zentrum der Christianisierung und Besiedlung des späteren Mecklenburg. Die Stadt hatte zu der Zeit zirka 500 Einwohner, von denen ein Fünftel Geistliche waren.

Siegel aus dem Jahr 1298
Siegel aus dem Jahr 1298
Reste der Stadtmauer
Reste der Stadtmauer

Ein städtischer Rat, bestehend aus sechs Ratsherren und dem Bürgermeister, findet seine Ersterwähnung 1228. Als hemmend für die Entwicklung der Stadt sollten sich die Machtstreitigkeiten zwischen dem Grafen und dem Bischof herausstellen. Bis 1284 konnten Nachfolger des Bischofs zwar die gesamte Schelfe (heute: Schelfstadt) in Besitz nehmen, diese wurde jedoch nicht in die städtischen Befestigungsanlagen mit einbezogen, innerhalb welcher das Domkapitel seinen Besitz nicht vergrößern konnte. 1270 wurde mit dem Bau eines zweiten Domes begonnen. Das Geld dafür stammte aus den Einnahmen von Pilgern, die einen in Jaspis eingeschlossenen heiligen Blutstropfen aufsuchten, den Graf Heinrich von Schwerin 1222 von einer Pilgerfahrt mitbrachte und den Domherren gestiftet hatte. Von einem Drittel der Einnahmen aus dieser Reliquie wurde auf Betreiben der Witwe des Grafen, Gräfin Audacia, der Neubau eines Franziskanerkonventes finanziert, der schon 1236 urkundlich erwähnt wurde; er ist damit die älteste Niederlassung eines Bettelordens in Mecklenburg (Aufhebung im Jahr 1552).[5] 1284 wurde der Spieltordamm errichtet, der den Aubach im heutigen Pfaffenteich aufstaute und Voraussetzung für den Betrieb einer gräflichen und einer bischöflichen Wassermühle war. Die Ersetzung der hölzernen Stadtbefestigung durch eine massive Stadtmauer wurde 1340 vollendet. 1351 wurde das Rathaus erstmals erwähnt, welches dreifach abgebrannt und immer wieder an derselben Stelle neu errichtet wurde. Bis heute erhalten ist der mittelalterliche Torbogen des Rathausdurchgangs. Die Stadtmauer bestand ihre erste Bewährungsprobe, als Herzog Albrecht der II., ein Nachfahre Niklots, die Stadt 1358 monatelang belagerte.

Albrecht II.
Albrecht II.

[Bearbeiten] Zeit des Herzogtums bis 18. Jahrhundert

Nach dem Aussterben der Familie Gunzelin ging die Grafschaft Schwerin 1358 an das Herzogtum Mecklenburg über. Albrecht II. erwarb die Stadt für 20.000 Mark Silber und machte sie zu seiner Residenz und somit zum kulturellen und politischen Zentrum Mecklenburgs. Die verkehrstechnisch ungünstige Lage führte jedoch dazu, dass sich Rostock und Wismar in wirtschaftlicher Hinsicht besser entwickelten. Ein düsteres Kapitel für Mecklenburg und Schwerin war die Zeit der Herrschaft von Herzog Heinrich IV.. Grenzstreitigkeiten, Raub und Mord waren an der Tagesordnung. Die Kassen waren leer. Zudem grassierte die Pest. Erst Magnus II. konnte mit der Machtübernahme 1478 das Blatt durch die Neuordnung der Verwaltung, insbesondere der Finanzverwaltung, wieder zum Guten wenden. Er äußerte Pläne zu Kanalverbindungen zwischen Elbe, Elde, Schweriner See und Wismar. Unter ihm wurde das älteste heute noch erhaltene Gebäude der Stadt, das „Große Neue Haus“ errichtet. Eine Fürstenschule eröffnete 1553 gegenüber dem Schloss, auf die sich das Fridericianum Schwerin zurückführt. 1561 entstand eine Regierungsbibliothek unter Tilemann Stella. Stadtbrände in den Jahren 1531 und 1558 vernichteten große Teile der Stadt.

Schwerin vor 1651
Schwerin vor 1651

Eine baupolizeiliche Anordnung führte dazu, dass Häuser in der Folge vermehrt aus Stein errichtet wurden, um Brandgefahren zu mindern. Dies konnte jedoch einen weiteren Brand 1651 nicht verhindern, der erneut weite Teile Schwerins in Schutt und Asche legte. Der Wiederaufbau des Rathauses wurde 1654 abgeschlossen. Der Dreißigjährige Krieg trug der Stadt weniger Verluste ein als dem Herzogtum.

Schwerin um das Jahr 1750
Schwerin um das Jahr 1750

Im 18. Jahrhundert erfolgte der Ausbau der heutigen Schelfstadt. 1740 wurde das Rathaus der Schweriner Neustadt zunächst als Wohnhaus erbaut und 1776 zum Verwaltungssitz umfunktioniert. Der Versuch, Gewerbe- und Handelsbetriebe anzusiedeln und die Stadt zu beleben, scheiterte an der durch Vorherrschaft des Adels und der Ritterschaft rückständigen Ökonomie. 1752 beleuchteten bereits 200 Laternen die Schweriner Straßen. Es setzte eine fortschreitende Bebauung der Vorstadt ein. 1765 wurde die Residenz der Herzöge von Schwerin nach Ludwigslust verlegt.

[Bearbeiten] 19. Jahrhundert bis Weimarer Republik

Amtstraße 1839
Amtstraße 1839

Im 19. Jahrhundert prägten umfangreiche Baumaßnahmen das Stadtbild. Schwerin verlor seinen mittelalterlichen Charakter und dehnte sich weiter aus. Nicht mehr benötigte Stadtbefestigungen verschwanden und Stein- und Fachwerkbauten verdrängten nach und nach Holzhütten. Es erfolgte eine nicht unterkellerte Bebauung des Großen Moores, ein schwieriges Unterfangen angesichts des sumpfigen Untergrundes. Ebenfalls wurden am Marienplatz und in der Rostocker Straße (heute: Goethestraße) Gebäude errichtet. Von 1824 bis 1834 entstanden ein neuer Regierungssitz in der Schlossstraße und ein Theater. Diese wie auch andere Gebäude gehen auf das Wirken des Hofbaurats Georg Adolf Demmler zurück. Bis 1836 wurde das Rathaus in ein repräsentatives Gebäude verwandelt, das Schauspielhaus am Alten Garten und der Marstall auf der Marstallhalbinsel errichtet. Im Norden Schwerins entstand Norddeutschlands erste wissenschaftlich geleitete „Irren-Heil- und Pflege-Anstalt“.

1837 wurde die Residenz der Herzöge zurück nach Schwerin verlegt. Aufgrund des schlechten baulichen Zustandes wurde ein grundlegender Neubau des Schweriner Schlosses beschlossen. Demmlers Entwürfe, bei denen er sich an französischen Renaissanceschlössern orientierte, fanden schließlich Zustimmung beim Landesherren Friedrich Franz II. und das heutige Schloss wurde in den Jahren 1845 bis 1857 erbaut, ab 1851 allerdings unter Führung eines Berliner Architekten, nachdem Demmler in Konflikt mit den Hofbeamten geriet. 1842 entstand der Paulsdamm durch den Schweriner See.

Erstes Bahnhofsgebäude 1847
Erstes Bahnhofsgebäude 1847

1847 wurde die Stadt durch eine Streckenverbindung nach Hagenow an die weit südlich an der Stadt vorbei führende Bahnstrecke Hamburg−Berlin angebunden. 1852 fuhr das erste Dampfschiff von Zippendorf zur Insel Kaninchenwerder. Zwischen 1889 und 1890 wurde an Stelle mehrerer Vorgängerbauten das heutige Bahnhofsgebäude im Stil der Gründerzeit erbaut. Dieses Gebäude ist seither im Wesentlichen unverändert erhalten. Mit dem Bau des Elektrizitätswerkes am Nordufer des Pfaffenteiches hielt 1904 der elektrische Strom in Schwerin Einzug. Dies war wichtige Voraussetzung für den Betrieb einer elektrischen Straßenbahn ab 1908. Ein Brand zerstörte 1913 den Goldenen Saal des Schweriner Schlosses.

Die Folgen des Ersten Weltkrieges trafen die Stadt Schwerin und soziale und politische Spannungen, Hunger und Not führten unter anderem dazu, dass Jugendliche und Frauen in Schlachtereien und Bäckerläden einbrachen, um an Nahrungsmittel zu kommen. Es kam 1918 zu zahlreichen Streiks in der Arbeiterschaft. In der Bornhövedstraße entstanden kurz vor Beginn des ersten Weltkrieges Produktionshallen des holländischen Flugzeugbauers Fokker, in denen ab 1917 420 Jagdflugzeuge gebaut wurden. Die Produktion wurde 1919 in Folge des Versailler Vertrags eingestellt. 1918 dankte Großherzog Friedrich Franz IV. ab und die Sozialdemokratie konnte sich stärker etablieren. Nach 1918 war Schwerin Hauptstadt des Freistaates Mecklenburg-Schwerin. 1920 kam es in der Nähe des Arsenals zu blutigen Auseinandersetzungen mit Kapp-Putschisten, denen 15 Arbeiter zum Opfer fielen.

[Bearbeiten] Zeit des Nationalsozialismus 1933-1945

1932 erreichte die NSDAP bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Schwerin eine knappe absolute Mehrheit und stellte fortan die Landesregierung. 1933 wurden SPD- und KPD-Funktionäre verfolgt und verhaftet und der Oberbürgermeister sowie Leiter öffentlicher Einrichtungen entlassen und Friedrich Hildebrandt zum Reichsstatthalter ernannt. Im gleichen Jahr gab es Bücherverbrennungen in der Stadt. 1934 wurde Schwerin Hauptstadt des Gaus Mecklenburg, der aus dem Zusammenschluss der Freistaaten Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz hervorgegangen war. Unter anderem fanden im gleichen Jahr eine Weihefeier der Jugend im Arsenal, ein Aufmarsch von 6000 Jugendlichen auf dem Markt und zum ersten Staatsjugendtag eine Demonstration von 1600 Mitgliedern des Jungvolks statt. 1935 entstand eine Gauführerschule und im Norden des Stadtgebiets eine neue Festhalle, die mehrere tausend Leute fassen konnte und seit den 1950er Jahren von einer Maschinenbaufirma genutzt wird. 1935 wurde Schwerin Sitz des neu entstandenen Landkreises Schwerin. Zur Heldenverehrung des in der Schweiz ermordeten und in Schwerin geborenen Wilhelm Gustloff errichtete man einen gewaltigen Ehrenhain. Die Machthaber verfolgten weitere Neu- und Umbaumaßnahmen in der Stadt mit dem Ziel, das Stadtbild an die damaligen Ideale einer Gauhauptstadt anzupassen und Schwerin zu einem logistischen und verkehrstechnischen Zentrum werden zu lassen. So sollte die Stadt von Monumentalbauten bestimmt werden, eine Volksfeierstätte am Lambrechtsgrund für etwa 20.000 Menschen entstehen, Kasernen, Wohnungen, Infrastruktur und der Wehrmachtsflugplatz Schwerin-Görries ausgebaut werden. Planungen sahen ebenfalls eine 30 Meter breite Schneise auf dem Gebiet der heutigen Wismarschen Straße bis ins Stadtzentrum vor, auf der Aufmärsche und Paraden abgehalten werden sollten. Viele der Pläne wurden jedoch aufgrund fehlender finanzieller Mittel bei Kriegsanfang verworfen. Über dem Durchschnitt der Vorjahre lag jedoch der Neubau von Wohnungen. In Lankow und Neumühle wurde mit der Errichtung von für diese Zeit typischen Eigenheimen begonnen.

In der Reichspogromnacht vom 9. zum 10. November 1938 wurde die Synagoge am Schlachtermarkt durch die Nationalsozialisten zerstört. Die Reaktionen der Schweriner auf die nationalsozialistische Ideologie reichten damals überwiegend von Begeisterung bis zur stillschweigenden Hinnahme der Ereignisse. Wie überall gab es kaum offenen Widerstand. Im Juli und November 1942 wurden die letzten Juden in Konzentrationslager deportiert.

Mahn- und Gedenkstätte für die Opfer des Todesmarsches südwestlich von Schwerin in Raben Steinfeld
Mahn- und Gedenkstätte für die Opfer des Todesmarsches südwestlich von Schwerin in Raben Steinfeld

Bereits zu Beginn des Zweiten Weltkrieges, im Oktober 1939, entstand das Stammlager II E, in dem Kriegsgefangene aus mehreren Ländern in Arbeitskommandos in der Rüstungsindustrie sowie in der Land- und Forstwirtschaft eingesetzt wurden. In mehreren Barackenlagern - dem größten in Stern Buchholz - waren die Gefangenen untergebracht und meist nach den Regeln der Genfer Konventionen behandelt, nicht jedoch die sowjetischen, die an Mangelernährung litten, bei gefährlichen Arbeiten auf dem Flugplatz Görries und auf dem Wehrmachtsgelände in Stern Buchholz und z. T. unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten mussten, was zahlreiche Todesopfer zur Folge hatte. Während des Krieges erlebte Schwerin vier Bombenangriffe. Der erste Luftangriff britischer Truppen in der Nacht vom 20. zum 21. Juli 1940 zerstörte Häuser in und um die Severinstraße, wobei sechs Menschen ums Leben kamen. Ziel eines amerikanischen Bomberverbandes war am 4. und 25. August der Flugplatz in Görries, wobei es im benachbarten Dorfkern zu Schäden an insgesamt 81 Häusern kam. Der letzte und schwerste Angriff am 7. April 1945 traf Gebäude in der Feldstadt. Dabei kamen 217 Einwohner ums Leben und es wurden 40 Häuser vollständig und 29 teilweise zerstört.[6] Unter anderem wurden der Betriebshof des Nahverkehrs in der Wallstraße und dort abgestellte Wagen getroffen, was zur vorläufigen Einstellung der Personenbeförderung führte. Im Gegensatz zu anderen größeren Städten Norddeutschlands ging Schwerin vergleichsweise unbeschadet aus dem Krieg hervor, auch weil hier kaum kriegswichtige Industrie angesiedelt war.

Ein Todesmarsch von Häftlingen des Konzentrationslagers Sachsenhausen endete vor Schwerin mit etwa 18.000 Überlebenden. Amerikanische Truppen besetzten am 2. Mai 1945 die Stadt kampflos und übergaben die Besatzungsmacht am 1. Juni für einen Monat den Engländern. Gemäß den Abkommen der Alliierten Großbritannien, Sowjetunion und USA vom 12. September bzw. 14. November 1944 über die Aufteilung Deutschlands wurde die Stadt anschließend von der Roten Armee besetzt.

[Bearbeiten] Sowjetische Besatzungszone und DDR-Zeit

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt Sitz des Landes Mecklenburg-Vorpommern, das 1947 auf sowjetischen Befehl in Mecklenburg umbenannt wurde. Von 1945 bis 1949 stand Schwerin unter militärischer Verwaltung der Sowjetmacht. Die Einwohnerzahl stieg wegen der Aufnahme von Flüchtlingen von 1939 bis 1946 von etwa 64.000 auf 88.000, was schnell zu Wohnraummangel führte. Die Situation verschärfte sich, als das russische Militär am 12. Juli 1945 das Schlossgartenviertel zwischen Cecillienallee und Faulem See räumen ließ, weiterer Wohnraum wurde durch Landesbehörden belegt. Behelfsunterkünfte wie Baracken, Kellerwohnungen und Wohnlauben gehörten zum Stadtbild. Durch Flucht von Einwohnern in westliche Besatzungszonen konnte sich die Situation nach 1948 etwas entspannen, die Schaffung neuen Wohnraumes gehörte jedoch weiterhin zu den vordringlichen Aufgaben.

Am Demmlerplatz war die Dienststelle der sowjetischen Geheimpolizei NKWD. Aus ganz Mecklenburg wurden hier zahllose, oft unschuldige Gefangene inhaftiert und willkürlich von sowjetischen Militärtribunalen hart verurteilt. 1954 übernahm die Bezirksdienststelle der Stasi den schwer bewachten Komplex und nutzte ihn weiter als Haftort.

Gegen die SED-Herrschaft zeigte sich frühe Opposition unter den Schülern der Goethe-Oberschule. Vier wurden als Mitglieder der Jungen Gemeinde 1953 im Zuge des Aufbau des Sozialismus unter breitem Protest von der Schule gewiesen. Am 17. Juni 1953 gab es Protestversammlungen der Arbeiter in der Bau-Union, den Abus-Werken und der Zigarettenfabrik, Streiks wurden aber nicht durchgesetzt.[7]

1949 wurde mit der Errichtung dreier Wohnblöcke auf dem Schwälkenberg der Wohnungsneubau nach dem Zweiten Weltkrieg eingeläutet. Nach Auflösung der Länder in der DDR 1952 wurde Schwerin mit damals 96.625 Einwohnern Bezirkshauptstadt des Bezirks Schwerin und Sitz der Kreisverwaltung des Kreises Schwerin-Land, dem die Stadt selbst jedoch nicht angehörte, da sie einen eigenen Stadtkreis bildete. Der ehemalige Militärflugplatz Görries wurde in der Zeit von 1954 bis 1970 zum Industriegelände.

drei verschiedene Bauepochen auf dem Großen Moor
drei verschiedene Bauepochen auf dem Großen Moor

Im Wohnungsbau gab man zu DDR-Zeiten der Errichtung von Plattenbausiedlungen Vorrang. So wurden 1955-1974 die Weststadt erweitert, von 1962 bis 1972 Plattenbauten in Lankow hochgezogen, seit 1968 entstanden neue Wohngebäude auf dem Großen Moor in der Innenstadt, nachdem alte, vernachlässigte Bausubstanz dort abgerissen und am Burgsee aufgeschüttet wurde. Die monotone Erscheinung der Plattenbauten wurde nur durch Beibehaltung historischer Straßenführungen, teilweise Klinkerverblendung der Fassaden sowie die Anschrägung der Dächer aufgelockert. Erst in den 1980ern wurden hier auch einige Fachwerkbauten saniert. 1971 war Baubeginn auf dem Großen Dreesch, dem später bevölkerungsreichsten Stadtteil Schwerins. Die Bausubstanz der Altstadt verfiel hingegen zusehends. Mit Ausnahme vereinzelter Rekonstruktionen wurden Konzepte und Planungen zur Umgestaltung der historischen Stadtteile aufgrund hoher Erschließungskosten nicht umgesetzt. Ein in den 1980ern gestecktes Ziel war es, bis 1990 jede Wohnung in einen warmen, trockenen und baulich sicheren Zustand zu versetzen, welches angesichts dessen, dass 17.000 der 44.000 Wohneinheiten akuten Instandsetzungsbedarf aufwiesen, unerreichbar schien. Eine Bürgerinitiative, Architekten, Denkmalpfleger und Fotografen und die Tatsache, dass Ende der 1980er Jahre selbst das Geld für einen großflächigen Abriss fehlte, retteten die architektonisch wertvolle Schelfstadt.[8]

Die Ansiedlung von Industrie in Schwerin-Süd ab 1972 führte zu einer weiteren Steigerung der Einwohnerzahl. An öffentlich zugänglichen Einrichtungen entstanden 1956 das Stadion am Lambrechtsgrund und der Heimtierpark (ab 1974 Zoologischer Garten), 1962 die Sport- und Kongresshalle, 1964 der Fernsehturm mit Turmcafé und 1970 das Bezirksmuseum sowie das Freilichtmuseum Schwerin-Mueß.

Im November 1979 wurde in Schwerin als eine der erste Regungen der oppositionellen Umweltbewegung u. a. von Jörn Mothes die „Baumpflanzbewegung“ in der DDR initiiert. [9]

Am 12. Dezember 1986 stürzt ein Passagierflugzeug vom Typ Tupolew Tu-134, Flug Aeroflot 892 von Minsk nach Berlin-Schönefeld nahe Bohnsdorf in einem Waldgebiet ab. Dabei starben 72 Personen, darunter 20 Schulkinder einer 10. Klasse der Ernst-Schneller-Schule in Schwerin.

Am 23. Oktober 1989 fand die erste Montagsdemonstration in Schwerin statt, zu der sich 40.000 Menschen am Dom und auf dem Alten Garten zusammenfanden.

[Bearbeiten] Von der Wende bis heute

Im Zuge des Stadtumbaus Ost neu gestaltete Plattenbauwohnungen auf dem Großen Dreesch
Im Zuge des Stadtumbaus Ost neu gestaltete Plattenbauwohnungen auf dem Großen Dreesch
2-Euro-Gedenkmünze mit Schweriner Schloss aus dem Jahr 2007
2-Euro-Gedenkmünze mit Schweriner Schloss aus dem Jahr 2007

1990 wurde Schwerin erneut Landeshauptstadt des nunmehr Mecklenburg-Vorpommern genannten Bundeslandes. Der Entscheidung ging jedoch ein Ringen mit Rostock voraus. Dabei hatte die größte Stadt des neuen Landes zuerst die besseren Karten. Auffällig ist in diesem Zusammenhang, dass Schwerin die einzige neue Landeshauptstadt ist, deren Telefonvorwahl an vierter Stelle keine „1“ besitzt. Selbst die Bundespost rechnete bei der parallel stattfindenden Neuzuordnung der Vorwahlen in den neuen Bundesländern mit der Entscheidung für Rostock. Schließlich machte Schwerin das Rennen. Wichtige Kriterien dabei waren die geschichtliche Rolle Schwerins als Sitz der Herzöge und des Landtages von 1948 bis 1952 und vorhandene Gebäude, die sich für Ämter, Ministerien und die Regierung nutzen ließen. Außerdem hatte Rostock ohne den Status einer Landeshauptstadt das Potenzial, Wissenschafts- und Wirtschaftszentrum zu werden. Es wurde teilweise damit argumentiert, dass sich hier nicht noch die politische Macht konzentrieren solle. Wirkung zeigte zudem das Werben der Schwerin-Befürworter und das Engagement von Privatpersonen, wie z.B. Bertha Klingberg.

1993 verließen die letzten russischen Truppen die Stadt. Mit der Kreisreform des Landes im Jahr 1994 wurde Schwerin kreisfrei und der Kreis Schwerin-Land aufgelöst. Ab 1991 wurden das Schloss, die historischen Stadtkerne der Schelfstadt, des Zentrums, der Feldstadt und seit 2004 der Paulsstadt im Rahmen der Städtebauförderung gründlich saniert. Im Stadtteil Friedrichsthal entstand 1994 das erste neue Wohngebiet, was den Wegzug von Einwohnern ins Umland abbremsen sollte. Schwerin erhielt im bundesweiten Wettbewerb Erhaltung des historischen Stadtraumes in den neuen Bundesländern 1992-1994 die Goldplakette. Neben dem Handel entwickelte sich vor allem die Kultur. Seit 1991 wird das Filmkunstfest Schwerin ausgerichtet und 1993 die neue Freilichtbühne eingeweiht. Bis heute mangelt es jedoch an der Ansiedlung von Betrieben, die für eine Entlastung auf dem Arbeitsmarkt sorgen könnten.

In einer Auflage von etwa 30 Mio. Stück erschien 2007 die 2-€-Gedenkmünze mit dem Motiv „Schweriner Schloss“ anlässlich der Bundesratspräsidentschaft Mecklenburg-Vorpommerns in diesem Jahr. 2009 wird Schwerin die Bundesgartenschau ausrichten. Die umfangreichen vorbereitenden Arbeiten, z.B. im Schlossgarten und am Burgsee, begannen bereits 2006.

[Bearbeiten] Eingemeindungen

Schwerin bestand ursprünglich nur aus der sogenannten Altstadt. Doch konnte die Stadt bereits ab 1282 einige umliegende Dörfer hinzugewinnen (etwa Zippendorf, Göhren oder Ostorf), die jedoch später wieder als eigenständige Gemeinden geführt wurden. Ab 1705 entstand durch Dekret des Herzogs von Mecklenburg infolge des Ausbaus der sogenannte Schelfe eine Siedlung, die sich zu einer eigenen Stadt (Neustadt) mit der St.-Nikolai-Kirche (auch Schelfkirche genannt) und dem Schelfmarkt entwickelte. Im Jahr 1832 wurde diese mit der Altstadt Schwerin vereinigt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dehnte sich die Stadt weiter aus. Es entstanden die Paulsstadt in Richtung Westen und die Feldstadt in Richtung Süden. Ab 1891 wurden in mehreren Schritten benachbarte Dörfer eingegliedert, bis die Stadt 1970 ihre heutige Ausdehnung erreichte.

Im Einzelnen wurden folgende Orte eingegliedert:

Jahr eingemeindete Orte
1832 Vereinigung der Altstadt mit der Schelfstadt
1888 Erwerb der Neuen Mühle (heute: Neumühle) vom Dorf Wittenförden
1908 Oberer Hofküchengarten
1912 Villenkolonie Ostorf mit Ostorfer Hals, Tannenhof und Kalkwerder
1917 Görries
19. März 1920 Kämmereigut Zippendorf
26. März 1920 Kämmereigut Göhren
20. Januar 1921 Teil des Gemeindebezirks Ostorf
1. Januar 1928 Landgemeinden Ostorf und Lankow
1. Oktober 1928 Ortschaft und Feldmark Schelfwerder (Gemeinde Wickendorf)
1. Oktober 1936 Gemeinden Wickendorf-Seehof-Carlshöhe-Paulsdamm, Groß Medewege,
Klein Medewege, Warnitz (ohne Pingelshagen), Friedrichsthal,
Krebsförden (mit Haselholz), Mueß (mit Fähre und Kaninchenwerder)
1. Januar 1970 Gemeinde Wüstmark

[Bearbeiten] Geplante Kreisgebietsreform

Nach einem Gesetz vom 23. Mai 2006 sollte am 1. Oktober 2009 eine Kreisgebietsreform in Kraft treten. Dabei sollte die kreisfreie Landeshauptstadt als „große kreisangehörige Stadt” mit in einem neu zu gründenden „Kreis Westmecklenburg” mit dem (vorläufigen) Kreissitz Schwerin aufgehen.[10] Der neue Großkreis sollte danach aus dem der bisherigen Planungsregion entsprechenden Gebiet der Landkreise Parchim, Ludwigslust, Nordwestmecklenburg und kreisfreien Städte Schwerin und Wismar bestehen. Gemäß Urteil des Landesverfassungsgerichts vom 26. Juli 2007 sind die Regelungen über den territorialen Zuschnitt der Gebietskörperschaften in mit der Verfassung des Landes unvereinbarer Weise zustande gekommen und nichtig; das Reformgesetz ist daher in weiten Teilen gegenstandslos.[11] Eine Enquêtekommission des Landtags ist mit Folgerungen für erneute Reformansätze befasst[12], insbesondere auch mit alternativen Lösungsmöglichkeiten für die Stadt-Umland-Problematik und mit der Frage, welche Städte neben Rostock kreisfrei bleiben sollen.[13]

[Bearbeiten] Einwohnerentwicklung

Die Einwohnerzahl der Stadt überschritt 1972 die Grenze von 100.000, wodurch Schwerin zur Großstadt wurde. 1988 erreichte die Bevölkerungszahl mit über 130.000 ihren historischen Höchststand. Inzwischen ist die Einwohnerzahl jedoch wieder unter 100.000 gesunken. Seit der Wende in der DDR hat die Stadt wegen der hohen Arbeitslosigkeit, des Geburtenrückgangs und der Abwanderung in das Umland bis 2005 etwa 34.000 Einwohner verloren. Vom Einwohnerverlust waren die Plattenbaugebiete in besonderem Maße betroffen. Durch den starken Wohnungs- und Eigenheimbau im Schweriner Umland wuchs dort die Einwohnerzahl um etwa 20.000. Im Gegensatz zu anderen vergleichbaren Städten Ostdeutschlands (beispielsweise Cottbus, Gera, Jena und Zwickau) konnte der Einwohnerverlust Schwerins nicht durch Eingemeindungen gemildert werden. Am 31. Dezember 2006 lebten in Schwerin nach Fortschreibung des Statistischen Amtes Mecklenburg-Vorpommern 96.280 Menschen mit Hauptwohnsitz. Zudem waren mit diesem Datum 1049 Nebenwohnsitze gemeldet.[14]

Um der Stadtflucht zu begegnen, fördert die Kommune seit Jahren neue Baugebiete innerhalb der Stadtgrenzen. Das Bundesamt für Bildung und Forschung erkennt bereits erste Erfolge und eine Trendumkehr. So gibt es Zuzüge in attraktiveren Wohnlagen und neuen Baugebieten, während die Bevölkerungszahlen in den Plattenbaugebieten des Großen Dreeschs, Neu Zippendorfs und des Mueßer Holz überdurchschnittlich stark sinken. Zwar konnte der Einwohnerschwund insgesamt nicht gestoppt, jedoch verlangsamt werden. Neben Wilhelmshaven wurde Schwerin 2007 als Modellkommune für ein bei der Technischen Universität Dortmund in Auftrag gegebenes Forschungsvorhaben des Bundes ausgewählt, bei dem Wanderungsbewegungen zwischen Stadt und Umland näher untersucht werden.[15]

[Bearbeiten] Religion

Pfaffenteich mit Schweriner Dom
Pfaffenteich mit Schweriner Dom
Paulskirche
Paulskirche

Die Bevölkerung der Stadt Schwerin gehörte bis zur Einführung der Reformation zum Bistum Schwerin und war Sitz eines eigenen Archidiakonats. Zum Domstift gehörten neben dem Propst und dem Dekan noch 10 später 12 Domherren.

[Bearbeiten] Evangelisch-lutherische Kirche

Nach mehreren evangelischen Predigten war die Stadt ab 1538 größtenteils protestantisch. Die Stadt ist als Landeshauptstadt Sitz der Kirchenleitung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs. Der Protestantismus in der evangelisch-lutherischen Form ist die historisch vorherrschende Religion in Schwerin. Die Mitgliedszahlen nahmen in der DDR drastisch ab. In den neuen Bundesländern − ebenso in Schwerin – sind nur etwa ein Drittel der Bevölkerung Mitglied einer Religionsgemeinschaft, davon die meisten in Schwerin evangelisch-lutherisch.

Administrativ gehören die Kirchengemeinden der Stadt zur Propstei Schwerin-Stadt innerhalb des Kirchenkreises Wismar der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs.

[Bearbeiten] Römisch-katholische Kirche

Um Herzog Christian Ludwig II., der 1663 aus politischen Erwägungen zum Katholizismus übertrat, scharten sich einige Anhänger und 1709 gründeten die Jesuiten in Schwerin eine Missionspfarrei. Die offizielle Anerkennung des katholischen Gottesdienstes seit der Reformation erfolgte im Jahr 1732. Es dauerte noch bis 1795, als die Gemeinde ihre eigene Kirche, die heutige (seit 1967) Propsteikirche St. Anna erhielt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es in ganz Mecklenburg knapp 500 Katholiken. Die Gleichstellung mit der protestantischen Kirche erfolgte 1903. Aus der St.-Annen-Gemeinde entstanden in den 1970er Jahren die St.-Martin- und die St.-Andreas-Gemeinde. Die katholischen Pfarrgemeinden der Stadt Schwerin gehören heute zum Dekanat Schwerin des Erzbischöflichen Amtes Schwerin innerhalb des Erzbistums Hamburg.

[Bearbeiten] Freikirchen

Die Anfänge der Schweriner Baptistengemeinde gehen bereits auf das Jahr 1855 zurück. Im Jahre 1950 zählte man 1100 Mitglieder. Heute gehören zur Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Schwerin (Baptisten) rund 180 Mitglieder. Die Gemeinde gehört zum Evangelisch-Freikirchlichen Landesverband Mecklenburg-Vorpommern / Baptisten.

In Schwerin gibt es eine Pfingstgemeinde (Christengemeinde Arche Schwerin), eine Freie evangelische Gemeinde und eine Gemeinde Gottes (Christliches Zentrum Schwerin).

[Bearbeiten] Jüdische Gemeinde

Während im Mittelalter das wirtschaftsschwache Schwerin für jüdische Zuwanderer unattraktiv war, begann die Geschichte der jüdischen Gemeinde 1671 mit dem herzoglichen Schutzbrief für den Tabakhändler Levin Saalman. Bereits 1694 wurde ein Friedhof am Pfaffenteich eingerichtet, der 1717 auf das Schelffeld verlegt wurde. Der Tabakhändler Michael Hinrichsen hielt lange ein Monopol. Sein Sohn diente als Hofjude dem finanzschwachen Herzog Carl Leopold. 1773 wurde der Bau einer Synagoge genehmigt, 1794 lebten 284 Juden in Schwerin. Antisemitische Ausfälle widerfuhren der Gemeinde während der Hep-Hep-Unruhen 1819. Im 20. Jahrhundert nahm die Zahl der Mitglieder von anfangs etwa 300 auf 151 im Jahre 1932 ab. [16]

Wurden 1933 in ganz Mecklenburg 1003 Einwohner jüdischen Glaubens gezählt, so hatte sich die Zahl nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1947 auf 98 reduziert, wovon 18 in Schwerin lebten. 1946 wurde die jüdische Landesgemeinde auf Initiative des Ingenieurs Hugo Mehler wiederbelebt. Im folgenden Jahr erhielt die Gemeinde das Gebäude in der Schlachterstraße zurück. Volksbildungsminister Grünberg war gegen eine Anerkennung zur Körperschaft öffentlichen Rechts, da er die Mitglieder der Gemeinde lediglich als Empfänger amerikanischer Unterstützungsleistungen ansah, lenkte nach Interventionen von Franz Dahlem, Kurt Bürger und Wilhelm Höcker 1948 jedoch ein. Im gleichen Jahr erhielt die Landesgemeinde auf Befehl der SMAD ihre Vermögenswerte und den zerstörten Schweriner Friedhof zurück. Auf diesem stand seit 1946 ein Gedenkstein, die Grabstätte konnte 1951 wieder hergerichtet werden. Auf einen Wiederaufbau der in der Reichskristallnacht zerstörten Synagoge wurde verzichtet und stattdessen ein Betraum in den sanierten Gebäuden in der Schlachterstraße eingerichtet und 1951 ein Gedenkstein an der Stelle des einstigen Gotteshauses platziert. Die Finanzierung der Gemeinde erfolgte nach dem Krieg vor allem durch Spenden, später gab die DDR-Regierung Geld, welches hauptsächlich zum Erhalt jüdischer Einrichtungen aufgewendet wurde. Mit den Jahren beschränkten sich die Gottesdienste der durch den hohen Altersdurchschnitt weiter schrumpfenden Gemeinde auf wichtige Feiertage sowie auf Gedenkveranstaltungen anlässlich der Jahrestage der Pogromnacht oder der Auschwitzbefreiung. Um regelmäßig an Gottesdiensten teilnehmen zu können, reisten Mitglieder auf Gemeindekosten nach Berlin.

Vorsitzender der Landesgemeinde war 1948 bis 1956 Dr. Franz Unikower, der im Zuge eines gegen ihn angestrengten Prozesses nach West-Berlin floh. Danach hatte bis 1962 Hugo Mehler dieses Amt inne und ab 1962 Alfred Scheidemann, der seine Hauptaufgabe in der Unterstützung kranker und vereinsamter Gemeindemitglieder sowie der Organisation von Ferienlagern für jüdische Kinder in der DDR sah und dessen Tod 1972 faktisch zur Auflösung der Landesgemeinde führte. Zwar übernahm kurzzeitig Udo Abrahamson das Amt und danach bis 1975 Heinrich Smiatkiewicz, bis 1980 gab es jedoch keinen neuen Leiter, so dass die Landesgemeinde von Dresden aus mitverwaltet wurde. Jeweils 1980 und 1989 fanden sich mit Friedrich Broido und Thomas Barthel neue Vorsitzende.[17]

Die Zahl der Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Schwerin wuchs nach der politischen Wende 1989 auf nunmehr etwa 900 (Stand Nov. 2005), die sich fast ausschließlich aus Immigranten aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion zusammensetzen. Sie ist damit eine der größten Gemeinden in Ostdeutschland und wird von dem Rabbiner des Landes Mecklenburg-Vorpommern, William Wolff, betreut. Im Dezember 2007 wurde der Neubau einer Synagoge an historischer Stelle, an der die alte Synagoge bis 1938 165 Jahre stand, beschlossen. Dafür stellt das Kultusministerium des Landes 600.000 Euro zur Verfügung, weiterhin beteiligen sich die Stadt, die Gemeinde und ein Förderverein an den Kosten. Das neue etwa 15 mal 12 Meter große Gebäude soll etwa 100 Menschen Platz bieten. Man hofft, den Bau bis zum 70. Jahrestag der Reichspogromnacht abschließen zu können.

[Bearbeiten] Neuapostolische Kirche

Die Gemeinde der Neuapostolischen Kirche wurde am 28. Dezember 1924 durch Bezirksapostel Edmund Blöcker aus Hamburg gegründet. Der Bezirksvorsteher Paul Karkhof wurde der erste Gemeindevorsteher. 1929 wuchs die Mitgliederzahl auf über 50, weshalb Gottesdienste nicht mehr in den Wohnungen der Mitglieder durchgeführt werden konnten. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs wuchs die Mitgliederzahl auf 180 und durch die Flüchtlingsströme auf 740. Deshalb wird die Gemeinde 1953 in Schwerin I und Schwerin II geteilt. 1973 wurden schließlich beide Gemeinden wieder vereint, aufgrund von Fortzügen, sowohl innerhalb der DDR als auch in die BRD. Seit 1956 befinden sich die Gemeinde sowie die Verwaltung für Mecklenburg-Vorpommern in der Schweriner Paulsstadt. 1994 besuchte der damalige Kirchenpräsident Richard Fehr die Gemeinde für einen Festgottesdienst und versetzte den Bezirksapostel für Mecklenburg-Vorpommern Willy Adam in den Ruhestand und führte den neuen Bischof von Mecklenburg-Vorpommern Ekkehard Möller ein. Außerdem wurde Mecklenburg-Vorpommern hiermit an den Bezirksapostel Wilhelm Leber, den heutigen Kirchenpräsidenten, nach Hamburg übergeben.[18]

[Bearbeiten] Politik

[Bearbeiten] Stadtvertretung

Sitzverteilung in der Stadtvertretung (Stand: 2007)

Die Stadtvertretung Schwerins besteht aus 44 Abgeordneten. Sie setzt sich wie folgt zusammen:

Partei Sitze
CDU-Fraktion und Liberale 14
Linksfraktion 11
SPD-Fraktion 9
Fraktion Unabhängige Bürger 6
Fraktion Bündnis 90/Die Grünen 4

Zur Fraktion der Unabhängigen Bürger Schwerin schlossen sich Einzelbewerber und jeweils ein ehemaliger Angehöriger von CDU und FDP zusammen. Der Rest der nach der Wahl im Jahr 2004 ursprünglich angestrebten FDP-Fraktion schloss sich mit der CDU-Fraktion zusammen. Im Februar 2008 wechselte eine Stadtvertreterin von der Fraktion CDU und Liberale in die SPD-Fraktion.

Die Stadt (Wahlkreisnummer 4) besteht aus 103 Wahlbezirken mit 80.723 Wahlberechtigten. Zur Wahl gingen 31.182, die 2.222 ungültige und 88.762 gültige Stimmen abgaben. Dies entspricht einer Wahlbeteiligung von rund 38,6% (alle Daten aus 2004).

Näheres zum Wahlverfahren und zu rechtlichen Bestimmungen: Kreistag (Mecklenburg-Vorpommern)

Rathaus
Rathaus

An der Spitze der Stadt stand seit dem 13. Jahrhundert der Rat mit zumeist 12 Ratsherren. Den Vorsitz hatten der beziehungsweise die Bürgermeister, zeitweise gab es zwei oder drei Bürgermeister. Im 19. Jahrhundert, nach Vereinigung von Alt- und Neustadt gab es 2 Bürgermeister. Ab 1919 tragen die Bürgermeister den Titel Oberbürgermeister. Dieser wurde über Jahrhunderte vom Rat der Stadt gewählt. Seit 2002 wird er direkt vom Volk gewählt.

Die Vertretung der Bürger ist die Stadtvertretung. Die Mitglieder der Stadtvertretung (derzeit 44) werden von den Bürgern der Stadt auf fünf Jahre gewählt. Vorsitzender ist der Stadtpräsident. Dieses zusätzliche repräsentative Amt in der Stadt wurde 1990 neben dem Amt des Oberbürgermeisters durch das „Gesetz über die Selbstverwaltung der Gemeinden und Landkreise in der DDR“ durch die damalige Volkskammer der DDR eingeführt. Es wurde zunächst hauptamtlich wahrgenommen. Seit der Änderung der Kommunalverfassung 1994 wird es nur noch ehrenamtlich ausgeführt. Der Stadtpräsident leitet die Sitzungen, bereitet diese vor und vertritt die Stadtvertretung nach außen. Er repräsentiert zusammen mit dem Oberbürgermeister die Stadt.

[Bearbeiten] Wahlergebnisse

[Bearbeiten] Landtagswahl 2006

Bei der Wahl zum Landtag Mecklenburg-Vorpommerns am 17. September 2006 erreichten die einzelnen Parteien im Stadtgebiet folgende Ergebnisse bei den Zweitstimmen[19]:

Partei SPD CDU Linke FDP NPD Grüne Sonstige
Ergebnis 33,3 % 25,9 % 18,1 % 8,6 % 5,5 % 4,3 % 4,3 %

Die Wahlbeteiligung lag bei 64,1 Prozent.

[Bearbeiten] Bundestagswahl 2005

Bei einer Wahlbeteiligung von 71,8 Prozent entfielen bei der Bundestagswahl am 18. September 2005 folgende Zweitstimmenanteile im Stadtgebiet auf die einzelnen Parteien[20]:

Partei SPD CDU Linke FDP Grüne Sonstige
Ergebnis 38,5 % 22,6 % 23,3 % 5,8 % 6,1 % 3,7 %

[Bearbeiten] Bürgermeister und Oberbürgermeister

Bis 1919 gab es zwei Bürgermeister, so dass sich die Amtszeiten in jener Zeit überschneiden. Nach 1919 gab es nur noch ein Stadtoberhaupt, das seither den Titel Oberbürgermeister trägt. Seit 1990 gibt es außerdem einen Stadtpräsidenten.

[Bearbeiten] Wappen

Blasonierung: „Das Stadtwappen zeigt in Blau das goldene Reiterbildnis Herzog Heinrichs des Löwen: einen Ritter mit Topfhelm auf einem gezäumten, schreitenden Ross, der in der Rechten eine dreilatzige Fahne und in der Linken einen Dreiecksschild mit einem leopardierten Löwen hält.“

Das Wappen Schwerins ist bereits auf einem Siegel aus dem Jahr 1255 nachweisbar. Seine Form, in der es heute verwendet wird, war bereits offizielles Wappen vom 10. April 1858 bis 30. September 1939 und wurde erst am 11. Februar 1991 wiedereingesetzt. Von 1939–1991 wurde ein nur leicht verändertes Wappen in den Farben der Welfen, der Familie Heinrichs des Löwen, genutzt, auf dem außerdem ein nicht-leopardierter Löwe zu sehen war. Das Gonfanon, das er darauf trägt, wurde darüber hinaus um einiges größer dargestellt.

[Bearbeiten] Flagge

Die Stadtflagge ist dreifach längsgestreift. Die äußeren Streifen zeigen die Farbe Gelb und nehmen je zwei Siebentel der Höhe ein. Der mittlere Streifen zeigt die Farbe Blau. Er nimmt drei Siebentel der Höhe ein und ist mit der etwas zum Liek hin verschobenen gelben Wappenfigur belegt. Die Höhe des Flaggentuchs verhält sich zur Länge wie 7 : 9.

[Bearbeiten] Siegel

Das Dienstsiegel enthält die Figur des Stadtwappens und die Umschrift LANDESHAUPTSTADT SCHWERIN.

[Bearbeiten] Stadtlogo

Das Stadtlogo besteht seit dem 1. April 2005 aus dem weißen, rechtsbündigen und am unteren Rand befindlichen Schriftzug „Landeshauptstadt Schwerin“ in Großbuchstaben auf blauem Untergrund. Das Wort „Schwerin“ ist in einer größeren Schriftart und fett hervorgehoben. Zusätzlich sind oberhalb des Schriftzugs am rechten Rand zwei versetzt übereinander gelagerte Quadrate in den Farben Gelb über Blau angeordnet. Unterlegt ist alles durch eine Art Wasserzeichen in Form des historischen Siegels.

[Bearbeiten] Städtepartnerschaften

Schwerin unterhält innerhalb der Europäischen Union Städ