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Die Schwarzen Scharen waren Widerstandsgruppen von anarchistischen und anarchosyndikalistischen Jugendlichen zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus.
In vielen Städten des Deutschen Reichs gab es in den 1920er und 1930er Jahren kleine Gruppen der Jugendorganisation Syndikalistisch-Anarchistische Jugend Deutschlands (SAJD) der Freien Arbeiter-Union Deutschlands (FAUD). Als Schutztruppe gegen die anwachsende nationalsozialistische Bewegung hatten sie 1930 zumeist mit wenig Waffen und Sprengstoff ausgerüstete lokale klandestine antifaschistische Organisationen gegründet, die schwarze Schar genannt wurde. Sie kleideten sich schwarz und waren damit in der anarchistischen Bewegung umstritten, die Uniformismus ablehnte. Bei älteren Genossen wurden die antifaschistischen Formationen kritisiert, da schwarze Kleidung eine Militarisierung darstelle und der Straßenkampf in überwundene Formen des politischen Terrorismus des 19. Jahrhunderts bedeuten könne.[1]
Die Schwarzen Scharen waren über einige Jahre in der Lage, Übergriffe der Nazis auf Versammlungen und in Arbeitervierteln zu verhindern. „Überall ist die S.[chwarze] S.[char] stärker als die FAUD, sondern auch stärker als die kommunistische Arbeiterwehr“ berichtete etwa die oberschlesische FAUD 1930 und wollte dies fördern. Zur ihren Versammlungen konnten die Schwarze Scharen dort durchschnittlich 300-400, höchstens 1.500 Teilnehmer mobilisieren.[2] Weitere Zentren der schwarzen Scharen waren das Rheinland, Mitteldeutschland und der Raum Berlin.
1933, mit der Machtergreifung lösten sich die anarchistischen und anarchosyndikalistischen Jugendorganisationen wie die SAJD selbst auf, um Verbot und weiteren Verhaftungen der Mitglieder zu entgehen, die teilweise in die Konzentrationslager der Nazis eingeliefert worden waren. Die verschont Gebliebenen blieben als Schwarze Scharen vernetzt und formierten zusammen mit älteren Genossen einen Widerstand im Untergrund. Es wurden Mitteln für inhaftierte Genossen gesammelt, Treffen mit anderen Städten organisiert, Kurierfahrten erledigt und Fluchthilfe geleistet. Gemeinsam mit anderen linken Jugendgruppen wurden zudem mit einfachen Mitteln Wandparolen gemalt und Flugschriften gedruckt. Im Rheinland deckte die Gestapo um die Jahreswende 1937 den anarchosyndikalistischen Widerstand auf und verhaftete über 100 Personen. Die Jugendlichen wurden in „Schutzhaft“ genommen, gefoltert und die meisten wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ 1937 verurteilt. Einige wurden 1938 wieder freigelassen, um 1939 erneut verhaftet und in Konzentrationslager eingewiesen und misshandelt zu werden, wo der Großteil starb. Einige Überlebende wurden 1944 in SS-Sonderformationen gezwungen und desertierten bei erster Gelegenheit. Andere waren schon ab 1936 nach Spanien ins Exil gegangen, um dort im spanischen Bürgerkrieg gegen den Faschismus zu kämpfen.