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Schwarze Madonna

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Als Schwarze Madonna wird in der religiösen Kunst und Marienverehrung das Bild oder die Statue einer Madonna bezeichnet, deren Gesicht schwarz ist. Dies kann entweder zurückgeführt werden auf eine schwarze Bemalung, oder auf die Verwendung von schwarzem Holz oder Stein.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

[Bearbeiten] Ursprung

Die früher häufiger vertretene Meinung, die dunkle Farbe sei auf nachträgliche Einflüsse wie das hohe Alter des Holzes oder aber auf die Verrußung durch das Anzünden von Kerzen vor dem Andachtsbild zurückzuführen, ist jedoch nach derzeitigem Kenntnisstand falsch. Die offensichtliche Gegenargumentation verweist darauf, dass eine selektive Schwärzung, die sich nur auf Gesicht und Hände auswirkt, nicht aber zum Beispiel auf die Kleidung, wenig plausibel ist.

Die biblische Begründung für die schwarze Farbe wurde dem Hohenlied entnommen: „Ich bin dunkel, aber schön“ (Hld 1,5 EU). Die entsprechende Stelle in der Vulgata lautet: „Nigra sum sed formosa“. Dieses Zitat findet sich auch als Inschrift auf einigen Schwarzen Madonnen, wobei es meist nicht klar ist, ob die Inschrift nicht später hinzugefügt wurde. In der griechischen Septuaginta lautet die Stelle: „melaina eimi ego kai kale“, was mit „Ich bin schwarz und schön“ übersetzt werden kann. Dem Wechsel der Konjunktion von „und“ zu „aber“ galt einige gelehrte Diskussion. Im hebräischen Text ist die Konjunktion einfach „we“, aber sowohl „kai“ als auch „we“ können auch mit „aber,dennoch“ übersetzt werden. In der christlichen Exegese wurde die Stelle auf die Seele als die Braut Gottes (mithin Maria) bezogen.[1]

Im 20. Jahrhundert wurde versucht, die schwarze Farbe auf die antiken schwarzen Göttinnen als mögliche Vorläuferinnen der Schwarzen Madonna zurückzuführen. Die Schwarze Göttin lag in religionsgeschichtlicher Betrachtung vielen antiken Kulten zugrunde. Seit Jahrtausenden wurden Fruchtbarkeits-, Mutter- und Erdgöttinnen verehrt, die in manchen Fällen schwarz waren (siehe Alma mater, Große Mutter). Im Dreieck Anatolien - Ägypten - Mesopotamien war der Kult der Göttinnen Kybele, Astarte, Isis und Ischtar verbreitet. Von da aus setzte sich die Tradition einerseits in westlicher Richtung fort mit Artemis, Demeter und Ceres, andererseits in östlicher Richtung mit der schwarzen Göttin Kali. In der keltischen Welt gelten Freya und Ana – letztere wird besonders in der Bretagne mit der heiligen Anna in Verbindung gebracht - als Vorläuferinnen der Schwarzen Madonnen. Die Forschung betrachtet die christlichen Schwarzen Madonnen (wie den Marienkult überhaupt) somit nicht als eigenständige, unabhängige Erscheinung, sondern als in dieser allgemeinen, jahrtausendealten Tradition stehend.

[Bearbeiten] Romanik

Die gesichert ältesten Darstellungen (Skulpturen vor allem aus Holz, selten aus Stein) von Schwarzen Madonnen stammen aus der romanischen Kunstepoche. Sie traten fast schlagartig in großer Zahl an vielen Orten auf. Als Gründe für dieses Phänomen gibt es noch keine eindeutigen Forschungsergebnisse. Eine weit verbreitete Hypothese lautet so, dass die ersten Schwarzen Madonnen in größerer Zahl möglicherweise im Rahmen der Kreuzzüge aus dem Nahen Osten nach Europa (Frankreich) gebracht worden waren. Eine wichtige Rolle soll dabei der Templerorden gespielt haben. Alle diese Schwarzen Madonnen sind vor dem 13. Jahrhundert entstanden.

Schwarze Madonna in der Gnadenkapelle der Wallfahrtskirche des Klosters Einsiedeln – spätgotischer „Ersatz“ für ein durch Feuer zerstörtes romanisches Gnadenbild

Alle Schwarzen Madonnen der Romanik besitzen ähnliche Merkmale. Sie sind ca. 70 cm hoch, werden aufrecht sitzend, mit einem aus großen Augen starr in die Ferne gerichteten Blick dargestellt. Ihre Hände bzw. Finger sind oft übermäßig lang. Sie halten ein nach vorne blickendes Kind auf dem Knie. Das Kind vollzieht die Geste des Segnens, oder es hält in einer Hand eine Kugel, bei der es sich um die Weltkugel oder einen Apfel handeln kann. Das Gesicht ist nicht das eines kleinen Kindes, sondern eines erwachsenen Mannes. Die Statuen muten fremdartig an und üben auf viele Betrachter eine große Faszination aus.

[Bearbeiten] Barock

Die späteren Schwarzen Madonnen, z. B. diejenigen des Barocks, werden vorwiegend stehend dargestellt, in unterschiedlichen Größen. Von den alten Schwarzen Madonnen wurden viele in den Hugenottenkriegen und während der Französischen Revolution zerstört, so dass heute oft nur noch mehr oder weniger gute Kopien zu sehen sind.

[Bearbeiten] Gegenwart

Die Schwarzen Madonnen sind gehäuft in Frankreich zu finden, mit Schwerpunkten in Zentralfrankreich (v.a. Auvergne) und in der Provence, mit Ausstrahlungen bis zu den Pyrenäen. Die Schwarzen Madonnen Frankreichs sind die bisher am besten erforschten, so dass die wesentliche Grundlagenliteratur in Frankreich auf Französisch publiziert worden ist (siehe Literatur). Bisher noch kaum erforscht sind die Schwarzen Madonnen Italiens.

Das Phänomen der Schwarzen Madonnen ist nach wie vor nicht vollständig erforscht. Dies und die Faszination, die sie auf viele heutige Betrachter ausstrahlen, macht die Schwarzen Madonnen auch zu einem attraktiven Thema für Grenzwissenschaften und Esoterik.

Eine der am weitesten verbreiteten Darstellungen einer Schwarzen Madonna ist die von Loreto. Sie wurde in zahlreichen sogenannten Loretokapellen nachgeahmt. Von diesen sind aufgrund des eigenen Artikels nachfolgend nur noch die wichtigsten aufgeführt.

[Bearbeiten] Europa

[Bearbeiten] Deutschland

In Deutschland werden Schwarze Madonnen unter anderem verehrt in:

[Bearbeiten] Österreich

In Österreich können Schwarze Madonnen betrachtet werden unter anderem in:

[Bearbeiten] Schweiz

In der Schweiz gibt es eine schwarze Madonna unter anderem in:

Das bisher vollständigste Verzeichnis Schwarzer Madonnen in der Schweiz findet sich im Buch von Margrit Rosa Schmid: Schwarz bin ich und schön. (siehe Literatur).

[Bearbeiten] Belgien


[Bearbeiten] Frankreich

In Frankreich sind besonders die schwarzen Madonnen bekannt von:

Die Schwarze Madonna aus der Zeit der Romanik in Meillers
Die Schwarze Madonna von Saint-Jean-Cap-Ferrat

[Bearbeiten] Großbritannien

[Bearbeiten] Italien

Eine Kopie der schwarzen Madonna von Loreto

Besondere Verbreitung über Italien hinaus hat die schwarze Madonna von Loreto gefunden. Das Original wurde 1921 durch einen Brand zerstört. Die heutige Statue ist also eine Kopie dieses Originals.

Älter ist dagegen die Schwarze Madonna von Oropa. Die der Legende nach von Lukas geschaffene Statue soll angeblich von Bischof Eusebius von Vercelli im 4. Jahrhundert nach Oropa gebracht worden sein.

Außerdem gibt es schwarze Madonnen in:

[Bearbeiten] Kroatien

[Bearbeiten] Litauen

[Bearbeiten] Luxemburg

In Luxemburg wird eine schwarze Madonna verehrt in:

[Bearbeiten] Malta


[Bearbeiten] Polen

Schwarze Madonna von Tschenstochau

Dem polnischen Volk gilt die Schwarze Madonna von Tschenstochau auf dem Berg Jasna Góra als Nationalheiligtum. Das Bild hat nicht nur religiöse Bedeutung, sondern steht seit über hundert Jahren für den Freiheitswillen der polnischen Bevölkerung. Es gehört zu den sogenannten Lukasbildern; der erste Beleg für seine Existenz stammt jedoch von 1382.

Außerdem:

[Bearbeiten] Portugal

Nossa Senhora da Nazaré

Bei der Nossa Senhora da Nazaré (Unsere Liebe Frau von Nazareth) handelt es sich um eine knapp 30 cm hohe kleine Statue einer schwarzen stillenden Madonna, legendär 4. Jahrhundert, ihre Datierung schwankt zwischen dem 7. und 13. Jahrhundert. Bereits für das 14. Jahrhundert ist der Neubau einer ihr gewidmeten Kirche in der nach ihr benannten portugiesischen Stadt Nazaré bekannt, die eine kleine zuvor sie schützende Kapelle aus dem 12. Jahrhundert ersetzt haben soll, was auf einen vormaurischen Ursprung (Besetzung 711) deuten würde.

[Bearbeiten] Rumänien

[Bearbeiten] Russland

[Bearbeiten] Tatarstan

[Bearbeiten] Serbien

[Bearbeiten] Spanien

Schwarze Madonna im Kloster Lluc auf Mallorca

Orte mit einer schwarzen Madonna in Spanien sind zum Beispiel:


[Bearbeiten] Tschechien

[Bearbeiten] Ungarn


[Bearbeiten] Afrika

Die Frage der schwarzen Madonnen in Afrika südlich der Sahara ist eine der Inkulturation.

[Bearbeiten] Amerika

[Bearbeiten] Brasilien

Zuweilen wird die Schwärze in Verbindung mit der dunklen Hautfarbe einheimischer Bevölkerung gebracht und als Mariendarstellung einer schwarzen Bevölkerung interpretiert. Vor allem in den synkretischen Mischreligionen der ländlichen Bevölkerung Lateinamerikas werden Schwarzen Madonnen besondere Charakterzüge zugeschrieben, die sie von der Mutter Jesu unterscheiden. Sie tritt nicht als die Betende, Gott gehorsame und sich Hingebende auf, als die sie im kirchlichen Bild der Jungfrau und Mutter dargestellt wird. Sie ist eher eine stolze und hochmütige Frau, Schutzherrin der Frauen, Unterdrückten und Armen. Nossa Senhora Aparecida wurde so zu einer Nationalheiligen des brasilianischen Volkes und spielt in der Befreiungstheologie eine wichtige Rolle.

[Bearbeiten] Mexiko

Die Virgen de Guadalupe (Stadtteil von Mexiko-Stadt und bekannter Wallfahrtsort) ist die Schutzpatronin von Mexiko und darüber hinaus von ganz Lateinamerika. Die Jungfrau Maria ist der Legende nach im Dezember 1531 einem Indianer namens Juan Diego Cuauhtlatoatzin erschienen, und zwar dort, wo früher eine aztekische Gottheit (Tonantzin – »Unsere verehrte Mutter«) verehrt wurde.

[Bearbeiten] Ecuador

[Bearbeiten] Bolivien

Im bolivianischen Wallfahrtsort Copacabana wird ebenfalls eine schwarze Madonna verehrt.

[Bearbeiten] Kuba

[Bearbeiten] Costa Rica

[Bearbeiten] Vereinigte Staaten

[Bearbeiten] Asien

[Bearbeiten] Philippinen

[Bearbeiten] Sonstiges

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Andreas Mielke: Nigra sum et formosa: Afrikanerinnen in der deutschen Literatur des Mittelalters. Texte und Kommentare zum Bild des Afrikaners in der literarischen Imagologie. helfant edition, Stuttgart 1992.

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Weblinks

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