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Schule von Salamanca

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Die Schule von Salamanca ist eine Richtung innerhalb des spätscholastischen Naturrechts. Der Name leitet sich von der Universität von Salamanca ab, an der ihre Vertreter lehrten.

Zu ihren wichtigsten Vertretern in der Theologie gehörten die Dominikaner Francisco de Vitoria (1492-1546), Domingo de Soto (1494-1560), Melchior Cano (1509-1560), der Franziskaner Alfonso de Castro (1495-1558) und der Jesuit Francisco Suárez (1548-1617). Zur Schule von Salamanca gehören auch die Kanonisten Martín de Azpilcueta (1491-1586) und Diego de Covarrubias y Leyva (1512-1577) sowie der Legist Fernando Vázquez de Menchaca (1512-1569).

Innerhalb der Schule von Salamanca lassen sich zwei Richtungen unterscheiden: die Salmanticenser (benannt nach der Universität von Salamanca) und die Conimbricenser (benannt nach der Universität von Coimbra in Portugal). Die erste Richtung begann mit Francisco de Vitoria und erreichte ihren Höhepunkt mit Domingo de Soto. Die Conimbricenser hingegen waren Jesuiten die mit Beginn des 16. Jahrhunderts die intellektuelle Führung in der römisch-katholischen Welt von den Dominikanern übernahmen. Unter ihnen waren u. a. Luis de Molina (1535–1600), Francisco Suárez (1548–1617) und Giovanni Botero (1544–1617) in Italien.

Bedeutung erlangte die Schule von Salamanca durch die Entwicklung eines „internationalen Naturrechts“. Vor dem Hintergrund der Eroberung Süd- und Mittelamerikas durch Spanier und Portugiesen, des Humanismus und der Reformation gerieten die traditionellen Konzeptionen der römische-katholischen Kirche zu Beginn des 16. Jahrhunderts zunehmend unter Druck. Die sich daraus ergebenden Probleme wurden von der Schule von Salamanca in Angriff genommen. Ihr Ziel war dabei die Harmonisierung der Lehren Thomas von Aquins mit der neuen ökonomisch-politischen Ordnung der Zeit.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Theorie des Rechts und der Gerechtigkeit

Die Theorien der Schule von Salamanca läuten das Ende des mittelalterlichen Rechtskonzepts ein. In einem für das Europa der damaligen Zeit unüblichem Maße fordern sie mehr Freiheit. Die natürlichen Rechte des Menschen (Recht auf Leben, Recht auf Privateigentum, Meinungsfreiheit, menschliche Würde) wurden, in der einen oder anderen Form, zum Mittelpunkt des Interesses der Schule von Salamanca.

[Bearbeiten] Naturrecht und Menschenrechte

Die Schule von Salamanca formulierte das Konzept des Naturrechts neu. Da alle Menschen an der gleichen menschlichen Natur Anteil haben, haben sie auch alle an den gleichen Rechten wie Gleichheit oder Freiheit Anteil. Darin sind auch die Ureinwohner Amerikas eingeschlossen. Auch sie besitzen ein Eigentumsrecht an ihrem Land und haben das Recht, sich gegen eine gewaltsame Missionierung zu wenden. Diese Ansicht war in Spanien und Europa der damaligen Zeit völlig neuartig. Nach der damals vorherrschenden Meinung verfügten die Ureinwohner über einen geringer entwickelten Verstand. Daher konnten sie sich auch nicht auf die gleichen Rechte wie die Spanier und die übrigen Europäer berufen, sondern bedurften, wie Kinder, eine besonderen Führung durch diese.

Da der Mensch nicht isoliert sondern in Gesellschaft lebt, ist das Naturrecht nicht nur auf das Individuum beschränkt. Beispielsweise ist Gerechtigkeit eine Art natürliches Recht, das durch die Gesellschaft realisiert wird. Gabriel Vázquez (1549–1604) zufolge, ergibt sich aus dem Naturrecht eine Verpflichtung, innerhalb einer Gesellschaft im Einklang mit der Gerechtigkeit zu handeln.

[Bearbeiten] Souveränität

Die Schule von Salamanca unterscheidet zwischen dem Bereich weltlicher Macht und dem Bereich geistlicher Macht. Diese zwei wurden im Mittelalter oft verschmolzen, woraus sich Lehren wie die des Gottesgnadentums des Kaisers oder die Lehre der weltlichen Macht des Papstes ergaben. Eine Konsequenz der Unterscheidung zwischen diesen zwei Bereichen ist, dass dem Kaiser keine legitime Gesetzgebungsmacht in spirituellen Dingen zukommt: Er besitzt keine Macht über Seelen. Dem Papst hingegen kommt keine legitime Gesetzgebungsmacht in weltlichen Dingen zu: Er ist alleine für Spirituelles zuständig. Daraus wurde eine Begrenzung der Macht der Regierung abgeleitet. Nach Luis de Molina lässt sich eine Nation analog zu einer Handelsgesellschaft (dem Vorgänger einer modernen Firma) verstehen: Die Regierenden (Souveräne) haben Macht inne. Aber sie unterstehen der kollektiven Macht aller an der Handelsgesellschaft beteiligten. Trotzdem ist aber nach de Molina die Macht der Gesellschaft über das Individuum größer als die Macht einer Handelsgesellschaft über ihre Mitglieder. Denn im Gegensatz zur Macht der einzelnen Individuen über sich selbst in Geschäftstranaktionen, entspringt die Macht einer nationalen Regierung direkt aus der göttlichen Macht.

Zur selben Zeit erweiterte die Englische Monarchie die Lehre des Gottegnadentums des Kaisers. Dieser Lehre zufolge ist der Kaiser der einzige legitime Empfänger der göttlichen Macht. Untertanen müssen deshalb des Kaisers Befehlen gehorchen, um den göttlichen Plan nicht zu durchkreuzen. Dem widersprechendend gingen die Anhänger der Schule von Salamanca davon aus, dass das kollektive Volk der einzig legitime Empfänger göttlicher Macht sei. Diese gibt es dann, unter bestimmten Bedingungen, an den Kaiser weiter.

Am weitesten geht in diesem Punkt Francisco Suárez mit seinem Werk Defensio Fidei Catholicae adversus Anglicanae sectae errores. Es ist die damals stärkste Verteidigung einer Volkssouveränität. Suárez gesteht ein, dass politische Macht nicht einem einzigen Individuum innewohne. Gleichzeitig fügt er aber auch einen subtile Unterscheidung ein. Der Empfänger politischer Macht ist das Volk als Ganzes, nicht die einzelnen souveränen Individuen für sich genommen. In gleicher Weise berücksichtigt auch Jean-Jacques Rousseaus Theorie der Volkssouveränität das Volk als eine kollektive Gruppe, die von der Summe aus Einzelindividuen, aus denen es besteht, verschieden ist. Für Suárez ist der Ursprung der politischen Macht der Gesellschaft kontrakualistisch, weil sich die Gemeinschaft, die Grundlage einer Gesellschaft ist, durch den Konsens der freien Willen der Individuen formiert. Die Konsequenz dieser kontraktualistischen Betrachtung ist, dass die natürlichste Form der Regierung die Demokratie ist. Oligarchie oder Monarchie sind sekundäre Regierungsformen. Sie beanspruchen gerechte Regierungsformen zu sein nur insofern, als sie vom Volk gewählt wurden oder es ihnen zumindest zugestimmt hat. Nach Suárez kommt den Menschen ferner ein Widerstandsrecht gegen eine ungerechte Regierung zu. Denn alle Menschen seien frei und nicht als Untertanen anderer geboren.

[Bearbeiten] Ius Gentium (Recht der Völker) und Völkerrecht (Internationales Recht)

Francisco de Vitoria war wahrscheinlich der Erste der eine Theorie des ius gentium entwickelte und damit einen wichtigen Schritt in Richtung Moderne unternahm. Er gilt deshalb als "Vater des Völkerrechts".

Wie innerhalb der jeweiligen Gesellschaft, so sollte auch auf internationaler Ebene der Umgang zwischen den Staaten vom gegenseitigen Respekt der Rechte geprägt sein. Das Allgemeinwohl aller Staaten ist dem Allgemeinwohl eines einzelnen Staates überlegen. Deshalb müssen Beziehungen zwischen Staaten nicht auf Gewalt, sondern auf Gesetz und Gerechtigkeit basieren.

Francisco Suárez präzisierte den Begriff des ius gentium. Unter Rückgriff auf bereits etablierte Kategorien unterschied er zwischen ius inter gentes und ius intra gentes. Ius inter gentes entspricht dem heutigen internationalen Recht (Völkerrecht) und war allen Völkern gemein. Es ist positives Recht und deshalb nicht notwendigerweise universell. Ius intra gentes ist das jeder Nation spezifische Recht.

[Bearbeiten] Gerechter Krieg

Für die Schule von Salamanca ist Krieg eines der schlimmsten Übel der Menschheit. Deshalb darf auf Krieg nur nur dann zurückgegriffen werden, um ein noch größeres Übel zu verhindern. Vor Beginn eines Krieges müssen diplomatische Lösungen ausgeschöpft werden, selbst dann, wenn man zur im Konflikt überlegenen Partei gehört.

Beispiele für einen gerechten Krieg sind u.a.:

Ein Krieg gilt nicht einfach aufgrund der damit verfolgten Absicht als legitim oder illegitim. Zusätzlich muss er noch folgenden Anforderungen genügen:

Diese Lehren vom Gerechten Krieg implizieren, dass Expansionskriege, kriegerische Raubzüge, religiöse Kriege zur Konvertierung Ungläubiger oder Heiden und Kriege der Ehre wegen alle ungerecht sind.

[Bearbeiten] Die Eroberung Süd- und Mittelamerikas

Während des Zeitalters des Kolonialismus war Spanien die einzige Nation, in der eine Gruppe Intellektueller der Rechtmäßigkeit der Eroberungen kritische gegenüberstand statt sich einfach zu rechtfertigen.

Francisco de Vitoria begann seine Analyse der Eroberungen mit der Zurückweisung "ungültiger Herrschaftstitel". Er war der Erste, der die Gültigkeit der Papstbulle Alexanders des VI., (bekannt als Schenkungsbulle) über die Herrschaft der neu entdeckten Territorien anzweifelte.

Er akzeptierte weder das Primat des Kaisers, noch die Autorität des Papstes (dem Macht im weltliche Dingen fehlt), noch den Anspruch auf freiwillige Unterwerfung oder Konversion der Ureinwohner Amerikas. Sie können nicht als Sünder oder nur unzureichend mit Verstand ausgestattet gesehen werden: Sie waren von Natur aus frei, mit rechtmäßigen Besitzansprüchen auf ihr Land. Als die Spanier in Amerika landeten, hatten sie keine rechtmäßigen Titel das Land zu besetzten und sich zu ihren Herren zu machen.

De Vitoria untersuchte auch die Möglichkeit rechtmäßiger Herrschaftstitel über neu entdeckte Länder. Er arbeitete bis zu acht verschiedene heraus. Der erste und vielleicht bedeutendste bezieht sich auf die Kommunikation zwischen den Menschen, die zusammen eine universale Gesellschaft bilden. Ius peregrinandi et degendi ist das Recht jedes Menschen in alle Länder der Erde zu reisen und mit ihnen zu handeln, unabhängig davon, wer das Land beherrscht oder welcher Religion es angehört. Wenn die Ureinwohner Amerikas das Ius peregrinandi et degendi verweigerten, hat die betroffene Partei das Recht, sich zu verteidigen und in dem im Zuge dieses Selbstverteidigungskrieges eroberten Land zu bleiben.

Die zweite Form rechtmäßiger Herrschaftstitel über neu entdeckte Länder bezieht sich auf die Menschenrechte. Deren Einschränkung kann als Grundlage eines Gerechten Krieges dienen. Die Ureinwohner Amerikas haben das Recht die Konversion abzulehnen, aber sie können nicht das Recht der Spanier einschränken, das Evangelium zu predigen. Dennoch kann es aufgrund der resultierenden Toten und der Zerstörung nicht angebracht sein, einen solchen Krieg zu führen.

Kasuistisch unterscheidet Vitoria weitere Einzelfälle:

Der damalige Herrscher Spaniens, Carlos V., lehnte diese Lehre von rechtmäßigen und unrechtmäßigen Herrschaftstiteln ab. Denn letztliche bedeuteten sie, dass Spanien keine besonderen Rechte hatte. Er versuchte deshalb erfolglos die Theologen davon abzuhalten, ihre Meinung in diesen Dingen zu äußern.

[Bearbeiten] Ökonomie

Die ökonomischen Theorien der Schule von Salamanca fanden besondere Beachtung in Joseph Schumpeters History of Economic Analysis (1954). Zwar erfand das Buch den Begriff der Schule von Salamanca nicht, jedoch festigte es den Gebrauch dieses Begriffes in der Ökonomie. Schumpeter studierte die scholastische Lehre im Allgemeinen und die Spanische Scholastik im Besonderen und rühmte das hohe Niveau der Ökonomie im Spanien des 16. Jahrhunderts. Er argumentierte, dass die Schule von Salamanca am meisten den Titel "Gründerin der Ökonomie als Wissenschaft" verdiene. Zwar arbeitete die Schule von Salamanca keine vollständige ökonomische Lehre aus, aber sie etablierte die erste moderne ökonomische Theorie um die neuen ökonomischen Probleme, die mit dem Ende des Mittelalters auftraten, in Angriff zu nehmen. Unglücklicherweise wurde die Arbeit der Schule von Salamanca bis zum Ende des 17. Jahrhunderts nicht fortgesetzt. Viele ihrer Beiträge wurden vergessen, nur um dann später von anderen wiederentdeckt oder neu formuliert zu werden, wie z.B. im Zeitalter der Aufklärung.

Der englische Historiker der Wirtschaftsgeschichte Marjorie Grice-Hutchinson hat zahlreiche Artikel und Monographien zur ökonomischen Lehre der Schule von Salamanca veröffentlicht.

Obwohl es keine direkten Einflüsse zu geben scheint, ist das ökonomische Denken der Schule von Salamanca vielfach der heutigen Österreichischen Schule in der Volkswirtschaftslehre ähnlich. Murray Rothbard prägte in diesem Zusammenhang den Begriff "Proto-Austrians", d. h. Vorgänger der Österreichen Schule, für die Anhänger der Schule von Salamanca.

[Bearbeiten] Ökonomische Theorie der Schule von Salamanca: die Vorgeschichte

Im Jahre 1517 wurde de Vitoria, damals an der Sorbonne lehrend, von spanischen Händlern in Antwerpen zur Frage der moralischen Legitimität von Handel, mit dem Ziel der Steigerung des persönlichen Reichtums, konsultiert. Aus heutiger Perspektive ging es also um die Frage nach dem Unternehmergeist bzw. Entrepreneurship. De Vitoria und andere Theologen begannen, sich verstärkt ökonomischen Fragestellungen zuzuwenden. Sie distanzierten sich dabei von alten Ansichten, die sie als obsolet ansahen und führten stattdessen neue auf Basis des Naturrechts ein.

Diesen Ansichten zufolge, basiert die natürliche Ordnung in der "Freiheit der Zirkulation" von Menschen, Gütern und Ideen. Sie erlaubt es den Menschen sich besser zu kennen und das Gefühl einer Brüder- und Schwesternschaft zu stärken. Das bedeutet: Handel ist nicht verwerflich sondern dem Allgemeinwohle förderlich.

[Bearbeiten] Privateigentum

Einigkeit herrschte zwischen den Anhängern der Schule von Salamanca darin, dass Eigentum den positiven Effekt einer Stimulation ökonomischer Aktivität habe. Diese wiederum trage zum allgemeinen wirtschaftlichen Wohlergehen bei. Diego de Covarrubias y Leiva (1512–1577) zufolge haben Menschen nicht nur das Recht auf Privateigentum, sondern auch das Recht exklusiv aus den Vorteilen dieses Besitzes zu profitieren. In Zeiten großer Not werden alle privaten Güter jedoch zu Gemeinschaftsgütern.

Luis de Molina argumentierte, dass Besitzer von Privateigentum besser um ihre Güter Sorge trügen, als Besitzer von Gemeinschaftsgütern.

[Bearbeiten] Geld, Wert, und Preis

Die ausgearbeitetste und methodischste Theorie des Wertes innerhalb der Schule von Salamanca stammt von Martín de Azpilcueta (1493–1586) und Luis de Molina. Bei wertvollen Metallen die aus Amerika importiert wurden, wies de Azpilcueta nach, dass in den Ländern mit wenig Vorkommen an wertvollen Metallen die Preise dafür höher waren als in Ländern, in denen diese vermehrt vorkamen. Wertvolle Metalle wie auch andere Handelswaren, erhielten ihren Wert also teilweise durch ihre Knappheit.[1]. Diese Knappheitstheorie des Wertes war ein Vorgänger der Quantitativen Theorie des Geldes die später von Jean Bodin (1530–1596) vertreten wurde.

Bis dahin wurde der gerechte Preis mit Hilfe der mittelalterlichen Werttheorie der Produktionskosten festgelegt. Dabei handelt es sich um eine Variante der modernen Betriebskostentheorie, die heute noch in der Arbeitswerttheorie vorherrscht. Diego de Covarrubias und Luis de Molina entwickelten demgegenüber eine subjektive Werttheorie: Der Nutzen eines Gutes variiert von Person zu Person, so dass sich ein gerechter Preis automatisch durch wechselseitige Entscheidungen der Marktteilnehmer im freien Markthandel einpendelt. Voraussetzung hierfür ist, dass keine Verzerrungen wie Monopole, Betrug oder staatlichen Interventionen das Einpendeln des Marktpreises stören. Modern ausgedrückt vertreten die Anhänger der Schule von Salamanca eine Theorie des Freien Marktes in der der Preis eines Gutes durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird.

Friedrich Hayek zufolge hielt die Schule von Salamanca diese Theorie aber nicht bis in letzter Konsequenz durch.

[Bearbeiten] Geldverleih und Zins

Wucher, unter der in der damaligen Zeit jede Erhebung von Zinsen auf ein Darlehnen fiel, wurde seit jeher von der Römisch-Katholischen Kirche bestraft. Das Zweite Laterankonzil verurteilte jede Form von Zinsnahme. Das Konzil von Vienne verbot den Wucher explizit und verurteilte jede Gesetzgebung, die Wucher tolerierte, als ketzerisch. Die ersten Scholastiker rügten die Erhebung von Zinsen. In der mittelalterlichen Wirtschaftsordnung war die Notwendigkeit der Aufnahme eines Darlehens ausschließlich eine Konsequenz aus widrigen Umständen, beispielsweise einer schlechten Ernte, Unwetter oder dem Ausbruch eines Feuers. Unter diesen Umständen waren Zinsforderungen verwerflich.

Während der Renaissance führte die erhöhte Mobilität in der Bevölkerung zu einer Erhöhung der Handelsaktität. Dies bot Unternehmern geeignete Umstände zur Gründung neuer, lukrativer Geschäfte. Da geliehenes Geld jetzt nicht mehr ausschließlich zum Verbrauch sondern auch zur Produktion diente, konnte es nicht mehr auf die gleiche Weise wie im Mittelalter betrachtet werden. Die Schule von Salamanca erarbeitete zahlreiche Gründe, welche die Erhebung von Zinsen rechtfertigten. Die Person die ein Darlehen erhielt, profitierte davon; Zins ist die Prämie, die den Verleiher des Geldes für das Risiko, das er auf sich genommen hat, entschädigt. Hinzu kam die Frage der Opportunitätskosten: Der Verleiher verlor durch die Gewährung des Darlehen die Möglichkeit, das Geld anders zu verwenden. Schlussendlich wurde Geld selbst als Handelsware gesehen, die Benutzung von Geld als etwas, für das man einen Vorteil in Form von Darlehen erhalten sollte.

[Bearbeiten] Theologie

Während der Renaissance befand sich die Theologie bedingt durch den aufstrebenden Humanismus im Niedergang. Die Scholastische Methode verkam immer mehr zu einer leeren Routine. Unter de Vitoria leitete die Universität von Salamanca eine Periode intensiver Forschung auf theologischem Gebiet ein, besonders des Thomismus. Sein Einfluss erstreckte sich auf die europäische Kultur im Allgemeinen, vor allem auf die europäischen Universitäten. Der vielleicht fundamentalste Beitrag der Schule von Salamanca auf thologischem Gebiet besteht im Studium der praktischen Probleme die sich mit dem Menschen beschäftigen. Sie stellt Fragen, die vorher nicht gestellt wurden. Der Begriff positive Theologie wird häufig zur Abgrenzung dieser neuen, mehr praktisch orientierten Form von Theologie von der früheren, scholastischen Theologie verwendet.

[Bearbeiten] Moralphilosophie

In einer Zeit in der die Religion (sei es die römisch-katholische, der Calvinismus, der Islam...) alles durchdrang, war die Analyse der moralischen Qualität von Handlungen die praktischste und nützlichste Art Studium, die man unternehmen konnte, um der Gesellschaft zu dienen. Die Beiträge der Schule von Salamanca im Bereich Recht und Ökonomie gründeten sich auf die neuen Herausforderungen und moralischen Probleme, mit der die Gesellschaft unter den neuen Bedingungen konfrontiert wurde.

Zu behaupten, Moralität hinge nicht vom Göttlichen ab, war in der damaligen Zeit revolutionär. Das bedeutete: Christen können auch schlecht handeln und Leute die nicht dem Christentum angehören auch gut handeln. Dies spielte im Zusammenhang mit dem Verhalten gegenüber Heiden eine wichtige Rolle, weil man nicht mehr voraussetzen konnte, dass sie böse seien, weil sie keine Christen sind.

Im Laufe der Jahre wurde eine Kasuistik, d.h. ein fixes Set Antworten auf moralische Dilemmata, entwickelt. Eine Kasuistik kann jedoch niemals vollständig sein. Dies führte zu einer Suche nach allgemeineren Regeln oder Prinzipien. Daraus entwickelte sich der Probabilismus. Nicht Wahrheit war hier das letzte Kritierium, sondern die Gewissheit, das Böse nicht zu wählen. Hauptsächlich entwickelt von Bartolomé de Medina und fortgeführt durch Gabriel Vázquez und Francisco Suárez wurde der Probabilismus zur wichtigsten Schule der Moralphilosophie in den folgenden Jahrhunderten.

[Bearbeiten] Der Gnadenstreit: Die Kontroverse um die Streitschrift De auxiliis

Die Streitschrift De auxiliis war ein Disput zwischen Jesuiten und Dominikanern der sich Ende des 16. Jahrhunderts ereignete. Das Thema der Kontroverse: Die Göttliche Gnade sowie Prädestination. Dahinter verbirgt sich die Frage, wie die menschliche Freiheit oder ein freier Wille mit der Göttlichen Allwissenheit zu vereinbaren ist. Im Jahre 1582 äußerten sich der Jesuit Prudencio Montemayor und Frater Luis de León öffentlich zum Thema Willensfreiheit. Domingo Báñez wandte ein, dass sie dem freien Willen ein zu großes Gewicht einräumten und Terminologie verwendeten, die heidnisch klinge. Er denunzierte sie deshalb bei der Spanischen Inquisition unter dem Vorwand des Pelagianismus. Montemayor und de León wurde die Lehrerlaubnis entzogen und ihnen wurde untersagt, weiterhin solche Ansichten zu verteidigen.

Im Anschluss daran wurde Báñez beim Heiligen Stuhl durch de Leon denunziert. Dieser warf ihm vor, "den Fehler des Lutheranismus" zu begehen, d. h. den Lehren Martin Luthers zu folgen. Nach lutheranischer Lehre ist der Mensch als Konsequenz der Erbsünde verdorben und kann sich nicht selbst retten. Nur Gott kann ihm Gnade gewähren. Diese Ansicht ist gleichzeitig der Kern des Pelagianismus. Báñez wurde freigesprochen.

Trotzdem beendete dies nicht den Disput den Luis de Molina mit seiner Schrift Concordia liberi arbitrii cum gratiae donis (1588) fortsetzte. Sie gilt als die beste Äußerung der Position der Jesuiten in der Frage. Der Streit setzte sich über die Jahre fort und beinhaltete den Versuch der Dominikaner Papst Clemens VIII. dazu zu bewegen, Molinas Concordia liberi arbitrii cum gratiae donis zu verurteilen. Im Jahre 1607 erkannte Papst Paul V. schließlich die Freiheit beider Seiten ihre Lehren zu verteidigen an und verbot, dass die eine Seite die Position der jeweils anderen als Häresie bezeichnete.

[Bearbeiten] Das Problem der Existenz des Bösen in der Welt

Die Existenz des Bösen in einer Welt, die von einem unendlich guten und machtvollen Gott geschaffen und beherrscht wird, galt lange Zeit als Paradoxon. De Vitoria löste das Paradoxon indem er argumentierte, dass Willensfreiheit ein Geschenk Gottes an jede Person sei. Es sei unmöglich, dass der Wille jeder Person immer das Gute wählt. Deshalb entstehe das Böse als notwendige Konsequenz des freien Willens der Menschen.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Jesús Huerta de Soto: Juan de Mariana: The Influence of Spanish Scholastics

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Primärliteratur

[Bearbeiten] Sekundärliteratur

Schule von Salamanca - Artikel des Tages

Anna Akhmatova et Marina Tsvetaeva

Deux femmes russes poètes prises au coeur de la tourmente russe du début du siècle, deux femmes russes reclues dans leur oeuvre face à un monde hostile. Ces deux femmes russes sont le visage de la Russie ancienne et moderne.

Femme russe Schule von Salamanca - In den Nachrichten

"Qu'une femme russe vaut bien plus, en somme que les hommes russes qui se battent, et que leur chagrin pour les hommes me fait aimer les femmes russes ici-bas."

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