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"Schuhleistenkeil" und "Flachhacke" sind veraltete, heute zumeist von archäologischen Laien (Sammlern) benutzte Begriffe für in der Regel vollständig überschliffene jungsteinzeitliche Beilklingen aus Felsgestein. Archäologische Experimente und Gebrauchsspurenanalysen konnten nachweisen, dass diese Beilklingen mit ihrer Schneide grundsätzlich quer zur Schlagrichtung geschäftet waren. Der korrekte Begriff für vollständige Querbeile (Schaft und Klinge) ist Dechsel. Der moderne und in der Archäologie gebräuchliche Name für "Schuhleistenkeile" und "Flachhacken" ist Dechselklinge. Dechselklingen aus Felsgestein haben eine unterschiedlich stark gewölbte Oberseite, während die Unterseite immer und die Seiten oft eben sind. Im Umriss regelhaft trapezförmig, ist der Nacken, also jener, der Schneide gegenüberliegende Teil, meist gerade, während die Schneide breiter und in der Regel deutlich gerundet ist.
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Dechselklingen aus Felsgestein sind typisch für die jungsteinzeitliche Bandkeramische Kultur Mitteleuropas (5.400-4.900 v. Chr. cal.), kommen aber auch noch im Mittelneolithikum vor. Sie verschwinden nach der Stichbandkeramik bzw. der Rössener Kultur.
Seit ca. 50 Jahren besteht in der Archäologie die Überzeugung, dass solche Dechselklingen exklusiv zur Holzbearbeitung dienten. Die Deutung als (Hacken) oder Pflugschar wurde spätestens durch E. Henning (1961/65) widerlegt. Jürgen Weiner argumentiert auf der Basis von selten erhaltenen Schäftungsspuren überzeugend für eine Knieholmschäftung. Die Größe der Dechselklingen schwankt zwischen miniaturisierten Exemplaren (10 cm), die zur Feinbearbeitung, etwa für Hohlgefässe (Brunnen von Kückhoven, Schleusnig) oder zur Herstellung von Holzverbindungen dienten bzw. mit hypothetischem Zwischenfutter verwendet wurden. Exemplare von 25/30 cm bis zu 40 cm Länge erscheinen unter ergologischen Gesichtspunkten als Werkzeug ungeeignet und werden, analog zu völkerkundlichen Vorbildern, etwa aus Neu Guinea, als Prestigeobjekte interpretiert. Als Rohmaterial wurden bevorzugt metamorphe Gesteinsarten der Aktinolith-Hornblende-Schiefer-Gruppe (AHS-Gruppe) Amphibolit, Grünschiefer, seltener sog. Phtanit (Elsass), Basalt oder "Wetzschiefer" verwendet. Über die Herkunft der nachgewiesenen AHS-Gesteine besteht keine Gewissheit; gewöhnlich werden das Fichtelgebirge oder der Böhmerwald genannt (Arps 1978).
In der jüngsten Vergangenheit wurden bei Jistebsko (Tschechien) Spuren eines urgeschichtlichen Abbaus von Amphibolit entdeckt. Geochemische Untersuchungen belegen, dass zumindest ein Teil der in Europa gefundenen Dechselklingen aus Gestein von dieser Lokalität gefertigt wurde (Christensen et al. 2006).
Dechselklingen kommen zumeist unversehrt sowohl in Körpergräbern von Männern und Frauen vor. In Brandgräbern steigt der Anteil von Fragmenten, was auf die Temperatureinwirkung zurückzuführen ist. Auf bandkeramischen Gräberfeldern in Bayern wurden in 86 Grabstellen 109 Dechselklingen gefunden. Bei den durchlochten "doppelschneidigen (doppelaxtförmigen) Dechseln" handelt es sich nicht um Querbeilklingen, sondern mit großer Wahrscheinlichkeit um Keulenköpfe (J. Weiner 2003 bezeichnet die Stücke als "Armkeulen"). Ein mit 37,7 cm besonders großes Exemplar stammt aus Grab 185 (Brandgrab) der bandkeramischen Nekropole von Aiterhofen, Landkreis Straubing. Man kennt auch Exemplare mit 43 cm Länge.
Dechselklingen (als Halbfabrikat und in vollständig überschliffener Form) sind in Hortfunden zahlreich belegt.
Vereinzelt finden sich Dechselklingen im Bereich der Trichterbecherkultur Nordeuropas. Es handelt sich wohl um Importe. Ein hohes, durchlochtes Exemplar stammt z. B. aus Molbergen im Landkreis Cloppenburg. Es hat eine Länge von 23,5 cm und eine Breite von 3,3 cm.
Vergleichbare Werkzeugfunde sind u.a. von den polynesischen Inseln bekannt. Die aus Basalt, auf einigen Inseln auch aus der Schale der Tridacna gigas gefertigten Klingen haben entweder einen trapezförmigen oder plan-konvexen Querschnitt und sind zum Teil sehr sorgfältig geschliffen. Die Klingen wurden in Dechseln geschäftet und noch bis in das 20. Jahrhundert etwa beim Bootsbau verwendet.