Der Schraden ist eine Landschaft an der sächsisch-brandenburgischen Grenze etwa 50 Kilometer nördlich der sächsischen Landeshauptstadt Dresden. Sie umfasst die ehemals vollständig bewaldeten Niederungen der Schwarzen Elster und der Pulsnitz im Grenzland zwischen der einstigen Mark Meißen, der Oberlausitz und der Niederlausitz, welches einst weitgehend dem Spreewald ähnelte und als eine ungeheure Holz- und Wildbretkammer galt. Am südlichen Rand befindet sich im Bereich der Schradenberge Brandenburgs höchster topographischer Punkt, die 201,4 Meter hohe Heidehöhe. Nach Flussregulierungen, Meliorationen und Rodungen wird die Niederung des Schradens heute von Acker- und Grünlandflächen dominiert.
Die wichtigsten Schradengemeinden sind die Städte Elsterwerda, Lauchhammer und Ortrand. Die Amtsgemeinde Schraden und das Amt Schradenland wurden nach dieser Landschaft benannt.
Das etwa 15.000 Hektar große Niederungsgebiet befindet sich im Grenzgebiet der Bundesländer Brandenburg und Sachsen rund 50 Kilometer nördlich von Dresden und 120 Kilometer südlich von Berlin im Breslau-Magdeburger Urstromtal. Es hat in Nord-Süd-Richtung eine Ausdehnung von ungefähr sechs Kilometer im Westen und neun Kilometer im Osten. Die Länge des Schradens beträgt etwa 15 Kilometer.
Die historische Flur Schraden wurde ursprünglich im Westen von den Feldmarken Elsterwerda und Krauschütz und im Osten von der Grenzpulsnitz begrenzt. Im Norden grenzte sie an die Feldmarken der Dörfer Plessa und Kahla, im Süden an die Feldmarken der nördlich der Gröden-Hirschfelder Endmoräne gelegenen Schradendörfer Merzdorf, Gröden, Hirschfeld sowie weiter östlich an Großthiemig, Frauwalde und Großkmehlen. Nachdem 1727 der kursächsische König August der Starke und somit der sächsische Staat in den Besitz der Herrschaft Elsterwerda kam, zählten auch einige Flächen nördlich der Schwarzen Elster zum Schraden.[1]
Das Gebiet des Schradens wird von der Schwarzen Elster und der Pulsnitz durchflossen. In Elsterwerda mündet der Elsterwerda-Grödel-Floßkanal unweit ihrer eigenen Mündung in die Pulsnitz.
Die Niederung des Schradens ist im Wesentlichen von holozänen Ablagerungen ausgekleidet. Während die Geländesohle des Gebietes im Osten und Süden 94-95 m über NN erreicht, beträgt sie im Süden des westlich gelegenen Elsterwerdas etwa 89 m über NN.
Die landschaftsprägenden Oberflächenformen dieses Gebietes entstanden vor allem in der Saalekaltzeit vor 230.000 bis 130.000 Jahren. Während dieser Zeit bildeten sich die den Schraden landschaftlich prägenden Endmoränen Hohenleipisch-Plessa im Norden und Gröden-Ortrand im Süden, zu denen mit 201,4 Metern auch Brandenburgs höchster topographischer Punkt, die Heidehöhe, sowie der Kutschenberg gehören. Sie bilden gemeinsam die sieben Kilometer breite sogenannte Elsterwerdaer Pforte, welche damit die engste Stelle des Breslau-Magdeburger Urstromtals ist. Im Umfeld der Gröden-Ortrander Endmoräne treten Grauwacken unter wenigen Metern pleistozäner Ablagerungen zu Tage. Diese entstammen dem alten präkambrischen Untergrund, dessen tektonischer Bau dort auch die Herausbildung der eiszeitlichen Formen beeinflusste.
Saalekaltzeitliche Sande, kiesige Sande und Kiese finden sich vor allem im südlich vorgelagerten Sander der Hohenleipisch-Plessaer Endmoräne. Im Osten reicht ein geschlossenes Talsandgebiet halbkreisförmig bis an die Ortschaften Tettau, Lindenau und Ortrand heran. Sandige Ablagerungen, welche die Umgebung bis zu einem Meter überragen, haben im inneren Schraden vor allem südöstlich der Stadt Elsterwerda und westlich von Tettau die weiteste Verbreitung. Diese und kleinere dort auftretende Sandinseln wurden meist während oder nach den im Schraden erfolgten Separationen planiert und sind kaum noch zu erahnen. Flugsandflächen und Dünen kommen bis auf einen kleine Düne südwestlich der Gemeinde Kahla nicht vor oder sie befinden sich im Bereich der angrenzenden Endmoränen. Tonige Ablagerungen, die eine Mächtigkeit von über zwei Metern erreichen können, erstrecken sich mit größeren Ausdehnungen in der Elsterniederung zwischen Lauchhammer und Plessa. Außerdem gibt es weitere größere Vorkommen westlich von Kahla und westlich des in der östlichen Niederung gelegenen Lindenau.
In den Niederungsbereichen der Schwarzen Elster gibt es Vorkommen von Raseneisenstein mit einem Eisengehalt von 34 bis 50 %, deren größere Lagerstätten dort allerdings bereits in früherer Zeit vor allem für den Betrieb der 1725 errichteten Eisenhütte Lauchhammer ausgebeutet wurden. Umfangreiche Braunkohlelagerstätten des zweiten Lausitzer Flözhorizonts befanden sich mit einer Ost-West-Ausdehnung von ungefähr 16 Kilometern und einer Nord-Süd-Ausdehnung von ungefähr 17 Kilometern nördlich von Lauchhammer. Das Hauptflöz hatte ursprünglich eine Mächtigkeit von zehn und mehr Metern. Weitere Braunkohlelagerstätten gibt es im Bereich der Hohenleipisch-Plessaer Endmoräne, welche vor allem im Raum Plessa bis in die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts im Tagebau ausgebeutet wurden. Stellenweise liegen südlich von Großkmehlen nahe der Oberfläche tertiäre Sedimente, welche ebenfalls zu den Ausläufern des Niederlausitzer Braunkohlegebietes gehören.
Großflächige Niedermoore befinden sich zwischen Kahla und Plessa sowie jeweils nördlich der Gemeinden Gröden, Hirschfeld, Tettau und bei Großthiemig. Quellmoore sind in den Bereichen der Niederungsränder bei Elsterwerda, Plessa und Großthiemig sowie bei Wainsdorf zu finden.
Vor den umfangreichen Entwässerungsmaßnahmen im Gebiet beherrschten Niedermoorböden die Niederung. Sie kommen in der Gegenwart nur noch mit etwa 700 Hektar im südwestlichen Schraden bei Merzdorf und Gröden sowie vereinzelt nördlich der Gemeinde Hirschfeld und bei Plessa vor. Fruchtbare Anmoorböden befinden sich am Rand dieser Niedermoorbereiche.
Auelehmböden sind in den einstigen Überflutungsbereichen von Schwarzer Elster und Pulsnitz zu finden. Ansonsten dominieren im Gebiet des Schradens grundwasserbestimmte Sandböden. Die der Niederung angrenzenden Talsandbereiche sind vorwiegend von wenig fruchtbaren Sand-Rosterden und die Endmoränen von Sand-Rosterden, Sand-Braunerden und Sand-Podsole beherrscht. Im Bereich der Gröden-Ortrander Endmoräne treten vereinzelt Decksandlöss-Braunerden auf.
Der Niederung des Schradens wird Wasser von den beiden Flüssen Schwarze Elster und Pulsnitz sowie durch mehrere von den Endmoränen abfließende Bäche zugeführt. Da diese Bäche vor den im 19. Jahrhundert beginnenden Regulierungsmaßnahmen nur schwer Abfluss in diesem Gebiet fanden, förderten sie dessen Versumpfung und das vor allem am Niederungsrand austretende Quell- und Sickerwasser. Alljährlich auftretendes Hochwasser, das nahezu den gesamten Schraden überflutete, fand nur schlechten Abfluss, was wiederum eine schnelle Abtrocknung dieses Gebietes verhinderte. Besonders die Talverengung bei Elsterwerda, nach dem das Breslau-Magdeburger-Urstromtal nach Nordwesten schwenkt, sowie zahlreiche Krümmungen, Einengungen und Sandbänke im Flusslauf der Schwarzen Elster verursachten eine spürbare Abflussverzögerung. Dies hatte auch zur Folge, dass das Gebiet des Schradens in strengen Wintern nahezu vollständig mit Eis bedeckt war. Der Fluss durchfloss das Tal vor den Regulierungsmaßnahmen im 19. Jahrhundert besonders oberhalb von Kahla mit zahlreichen Nebenarmen, die durch Querverbindungen miteinander verbunden waren sowie durch Hochwasser und Verlandungsprozesse ständig ihre Lage veränderten. Die Pulsnitz, deren Mündung in die Schwarze Elster früher bei der östlich gelegenen Gemeinde Tettau erfolgte, spaltete sich ursprünglich erst unterhalb des Dorfes in mehrere kleine Nebenarme. Die Landschaft des Schradens ähnelte so dem heutigen Spreewald.
Das Niederungsgebiets wird hauptsächlich über die Schwarze Elster und ihrem Nebenfluss Pulsnitz entwässert, der ein etwas stärkeres Gefälle aufweist als der Hauptfluss. Diesen beiden Flüssen wird über ein System von etwa 350 Gräben Wasser zugeführt. Die Hauptgräben, wie z. B. der Hauptschradengraben oder der Lachnitzgraben, folgen hauptsächlich der Fließrichtung von Schwarzer Elster und der Neuen Pulsnitz in die sie über Schöpfwerke oder Freiausläufe münden. Eine Vielzahl von wasserbaulichen Anlagen reguliert den Wasserstand im Grabensystem und Pulsnitz. Das Einzugsgebiet der Schwarzen Elster beträgt bei Elsterwerda 1854 Quadratkilometer. Ihre durchschnittliche Abflussmenge beträgt 10,6 m³/s. Die Neue Pulsnitz besitzt bei Elsterwerda ein Einzugsgebiet von 253,8 Quadratkilometer. Die durchschnittliche Abflussmenge wird mit 2,0 m³/s angegeben, ihre höchste mit 68 m³/s.[2][1]
Der im 18. Jahrhundert erbaute Elsterwerda-Grödel-Floßkanal stellt eine Verbindung zur Elbe her und mündet bei Elsterwerda in die Neue Pulsnitz, kurz bevor diese auf 88,6 m ü. NN am Flusskilometer 71,09 in die Schwarze Elster eintritt.
Der Schraden liegt im sogenannten Schwarze-Elster-Bezirk des Binnenlandklimas, jedoch ist ein Übergang zum Kontinentalklima spürbar. Die spezifische Ausprägung der regionalen Klimaelemente ist gering entwickelt und wird im Wesentlichen durch die Besonderheiten des nach Ost-West orientierten Reliefs des Breslau-Magdeburger Urstromtals sowie die dieses im Norden und Süden begrenzenden Höhenzüge der Endmoränen bestimmt. Dabei übt die Hohenleipisch-Plessaer Endmoräne eine gewisse Regenschattenwirkung auf die Niederungsbereiche aus.[3]
Der Schraden zählt mit einem Gebietsabfluss von unter 150 mm im Jahr zu den abflussärmsten Gebieten innerhalb Deutschlands. In den saisonal dürregefährdeten Bereichen treten Trockenperioden vor allem im Frühjahr, Herbst und Winter auf. Der Monat mit den wenigsten Niederschlägen ist der Februar, der niederschlagsreichste der Juli. Die mittlere jährliche Lufttemperatur beträgt an der 20 Kilometer nördlich gelegenen Wetterstation Doberlug-Kirchhain 8,5 °C. Dabei beträgt die Jahresschwankung zwischen dem kältesten Monat Januar und dem wärmsten Monat Juli 18,4 °C.[4]
|
Monatliche Durchschnittsniederschlagshöhen für Elsterwerda von 1951 bis 1980[5]
Quelle: Luise Grundmann, Dietrich Hanspach: Der Schraden, S. 14 ISBN 978-3-412-10900-4
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Monatliche Durchschnittsniederschlagshöhen für Hirschfeld von 1951 bis 1980[5]
Quelle: Luise Grundmann, Dietrich Hanspach: Der Schraden, S. 14 ISBN 978-3-412-10900-4
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Eine ursprüngliche Vegetation ist im Schraden, welcher einst von nur noch in Resten vorkommenden Erlenbruchwäldern dominiert wurde, praktisch nicht mehr vorhanden. Die naturnahen Wälder des Niederungsgebietes wurden vorrangig durch Kiefer- und Stieleichenforste ersetzt. Stieleichen-Hainbuchenwald befindet sich am Niederungsrand wie im Tettauer Oberwald sowie in den Parks von Elsterwerda, Lindenau, Großkmehlen und Lauchhammer-West. An nährstoffärmeren Standorten des Niederungsrandes gibt es Vorkommen von Birken-Stieleichenwald. Reste von Kiefern-Traubeneichenwald treten an den Endmoränenkuppen, am Grödener Eichberg und im Gebiet um Kraupa, Hohenleipisch und Plessa auf.
Einen hohen Anteil in der heutigen Flora des Schradens nehmen Arten ein, die eigentlich vorrangig im atlantischen und subantlantischen Raum vorkommen. Zu ihnen zählen unter anderen das Froschkraut und das Wechselblütige Tausendblatt. Pflanzen der kontinentalen Stromauen, wie die Brenndolde, der Langblättrige Blauweiderich oder der Steife Schöterich treten dort vereinzelt in Erscheinung.
Im Naturschutzgebiet Kleine Wiesen, das am Übergang der Elster-Niederung zur nördlich angrenzenden Hochfläche Hohenleipisch-Plessaer Endmoräne liegt, kommen Zittergras, der Kleine Klappertopf, der Teufelsabbiss, die Kuckucks-Lichtnelke, die Sumpf-Schafgarbe, der Lungen-Enzian, das Gefleckte Knabenkraut und die Kümmel-Silge vor.[6]
Die grundfeuchten Wälder des Niederungsgebietes wurden durch weite Wiesenflächen ersetzt, vorrangig Wiesenfuchsschwanz- oder Glatthaferwiesen. Die Waldbinse nimmt quellige Bereiche ein. Das Breitblättrige Knabenkraut, das in diesen Bereichen ursprünglich vorkam, ist nur noch vereinzelt zu finden.
Der Schraden galt einst als riesige Wildbretkammer. So soll eine Jagd im September 1615 folgende Strecke ergeben haben: 64 Hirsche, 70 Hirschkühe, 24 Hirschkälber, 17 Rehe, 1 Wildschwein, 2 Hasen sowie 14 Füchse. Nach der weitgehenden Trockenlegung und Abholzung des Gebietes nahm der Bestand an Rotwild allerdings stetig ab und im Jahr 1815 wurde es nur noch vereinzelt gesichtet. 1861 wurde es sogar als ausgestorben gemeldet.
Ähnlich verhielt es sich hier mit dem Birkwild, das im Schraden letztmalig in den 1930er Jahren geschossen und 1945 beobachtet wurde.[7] Aktuelle Nachweise von Rebhühnern gibt es an den Randgebieten der Niederung. Auch der Große Brachvogel ist hier akut vom Aussterben bedroht und der örtliche Bestand von Kiebitzen ist stark gefährdet.
Seit jeher waren die Flussläufe von Schwarzer Elster und Pulsnitz im Schraden Lebensraum für den Elbebiber und Fischotter. Obwohl diese Tiere in den 1960er Jahren in der Niederung als fast ausgestorben galten, nimmt ihr Bestand seit den 1970er Jahren wieder zu und es gibt inzwischen wieder ein dichtes Reviernetz. Auch in den benachbarten Regionen sind sie wieder heimisch geworden.[8]
Für durchziehende Kraniche stellt der Schraden mit etwa 180 bis 250 Tieren im September sowie 600 bis 800 Exemplaren im Oktober einen bedeutenden Rast- und Äsungsplatz dar. Brutnachweise der Vögel gibt es für das Linzer Wasser südlich von Ortrand sowie für das nördlich gelegene Gebiet zwischen Plessa und Lauchhammer, wo sich Tagebaurandlagen und Heidemoore befinden. Außerdem stellt diese Landschaft ein Rückzugsgebiet für verschiedene vom Aussterben bedrohte Tierarten dar, wie unter anderen Flussregenpfeifer, Heidelerche, Uferschwalbe oder Knoblauchkröte und Glattnatter. Im Naturschutzgebiet Kleine Wiesen gibt es größere Vorkommen des Neuntöters, der sich auf der Roten Liste gefährdeter Tier- und Pflanzenarten befindet. Zudem befindet sich dort eine artenreiche Heuschrecken-, Käfer- und Tagfalterfauna mit stark gefährdeten Arten wie der Kleinen Heuschrecke, dem Hirschkäfer, dem Gemeinen Scheckenfalter und dem Grünwidderchen. Im gesamten Gebiet des Schradens gibt es Horste von Weißstörchen.
In den Gräben und Flussläufen der Niederung haben sich mit Schlammpeitzger, Bachneunauge und Bitterling auch stark gefährdete Arten der Fischfauna erhalten können. Außerdem konnten in Pulsnitz und Schwarzer Elster in den letzten Jahren auch wieder Lachse angesiedelt werden, die bis Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts in diesem Gebiet noch reichlich vorhanden waren.[9][10][11]
Im Nordwesten des Schradens sind einige Flächen des Gebietes in den 484 Quadratkilometer umfassenden Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft integriert. Der Naturpark, der sich zu etwa 95 % im Landkreis Elbe-Elster erstreckt und Teile des angrenzenden Landkreises Oberspreewald-Lausitz erfasst, wurde im Mai 1996 eingeweiht. Das Kernstück des Naturparks, dessen Wappentier ein Auerhuhn ist, bildet der ehemalige Truppenübungsplatz bei Hohenleipisch, der von Traubeneichen-Beständen, weiträumigen Heideflächen und Silbergras geprägt ist. Sein Zweck ist unter anderem die einheitliche Pflege und Erhaltung der naturnahen Landschaftsräume sowie der historisch gewachsenen Kulturlandschaft in diesem Gebiet, in dem auch Bergbaufolgelandschaften nördlich des Schradens für den Naturschutz und die Erholungsnutzung zurückgewonnen werden sollen. Er umfasst sieben Landschaftsschutzgebiete mit einer Fläche von insgesamt 212,65 Quadratkilometern und 13 Naturschutzgebiete, die eine Fläche von insgesamt 93,78 Quadratkilometer besitzen.[12]
Das etwa 6011 Hektar große Landschaftsschutzgebiet Elsteraue ist in drei ökologische Raumeinheiten aufgeteilt, wobei das Teilgebiet Elsteraue III in den Bereich des Schraden fällt. Die Begrenzung bilden im Norden die Bundesstraße B 169, im Osten die Gemarkungsgrenze Lauchhammer, im Süden der Hauptschradengraben und der Reissdamm sowie im Westen die Grenze zur Stadt Elsterwerda. Der Schutzzweck des Landschaftsschutzgebietes ist mit folgenden drei Punkten angegeben:
Bereits seit 1968 besteht das Landschaftsschutzgebiet Merzdorf – Hirschfelder Waldhöhen. Es dient dem Schutz und der Erhaltung des Endmoränenzuges zwischen den Orten Merzdorf und Hirschfeld, in dem sich Brandenburgs höchste Erhebung, die 201,4 Meter hohe Heidehöhe befindet.
Das etwa 26.219 Hektar große Landschaftsschutzgebiet Elsterniederung und westliche Oberlausitzer Heide zwischen Senftenberg und Ortrand schließt Teilflächen im Osten der Schradenniederung mit ein. Es besteht seit 1987 und dient dem Schutz und der Erhaltung der Elster- und Pulsnitzniederungen, der Kiefernforste, der Teichgebiete und des Endmoränenzuges bei Ortrand.[14]
Neben den bestehenden Landschaftsschutzgebieten gibt es im Schraden auch einige Naturschutzgebiete. Nördlich von Gröden und Merzdorf befindet sich das etwa sechs Hektar große Naturschutzgebiet Untere Pulsnitzniederung. Hier soll die landwirtschaftliche Nutzung zum Teil ganz aufgegeben und ein vielfältiges Landschaftsmosaik aus Grünland, Brachflächen und Landschaftelementen geschaffen werden. Die hier vorhandenen Grünlandflächen sollen durch extensive Pflege zu artenreichen Feuchtwiesen und -weiden mit deren typischen Pflanzengesellschaften entwickelt werden.[15]
Das Naturschutzgebiet Lauschika ist östlich von Großthiemig zu finden. Dieses durch den Wechsel von verschiedenen Grünlandbereichen, Erlenbruchwaldbereichen, Weidengebüschen, Gehölzen und zahlreichen Gräben geprägte Schutzgebiet umfasst die letzten Flächen der ursprünglichen Vegetation des Schradens.[16]
Nordwestlich der Gemeinde Kahla befindet sich das 21 Hektar große Naturschutzgebiet Kleine Wiesen. Es ist das erste vom Landkreis Elbe-Elster selbst ausgewiesene Schutzgebiet und beinhaltet unter anderem einen in dieser Ausprägung selten gewordenen Feuchtwiesenkomplex mit Quellbereichen und Orchideenvorkommen.[6]
Das vorwiegend von kleinen Baumgruppen und Altbäumen bestimmte Naturschutzgebiet Pulsnitz befindet sich östlich von Ortrand.[15][17][18]
Erste Spuren von Menschen im Gebiet des Schradens, die als zeitweise Rast- und Werkplätze am Rande der Niederung gedeutet werden können, sind aus der späten Altsteinzeit sowie aus der Mittelsteinzeit bekannt. Für die Jungsteinzeit gibt es dort bisher nur wenige Hinweise der Besiedlung. Es liegen jedoch Funde von frühneolithischer Stichbandkeramik und der mittelneolithischen Trichterbecherkultur sowie der spätneolithischen Kultur mit Schnurkeramik vor.
Mit mindestens einem Fundplatz in jeder der Gemarkungen des Schradens konnte die Lausitzer Kultur aus der Bronzezeit nachgewiesen werden mit Siedlungsstellen und Gräberfeldern (Flachgräber) vor allem im hochwasserfreien Randgebiet. Auch wenn einige dieser Siedlungen offenbar bis in die frühe Eisenzeit (Billendorfer Kultur) bestanden, ist auf Grund bisher fehlender Bodenfunde davon auszugehen, dass die Siedlungsaktivitäten nach dieser Zeit zurückgingen. Erst für das 3. bis 5. Jahrhundert n. Chr. sind hier wieder Siedlungsspuren vorrangig in der westlichen Niederung nachweisbar, die auf germanische Bevölkerungsgruppen hinweisen. Bei Ausgrabungen auf einem circa 3,8 Hektar großen Gelände in Elsterwerda sind in der Zeit von 1991 bis 1994 Siedlungsüberreste entdeckt worden, die auf den germanischen Stamm der Semnonen schließen lassen. Zu den Funden gehören ein Langhaus, nach Norden ausgerichtete Pfostenhäuser und nach Westen ausgerichtete Grubenhäuser. Die Germanen waren auf die Eisenverhüttung spezialisiert und verarbeiteten den in der Gegend vorkommenden Raseneisenstein. Belegt wurde dies durch die Ausgrabung eines Verhüttungsfeldes mit fast 200 Eisenschmelzöfen, den so genannten Rennfeueröfen, sowie Kohlemeilern und Arbeitsgruben.[19][20][21]
Spuren slawischer Besiedlung fanden sich erst für das 10. Jahrhundert mit einigen wenigen Keramikfunden. Der sumpfige Schraden bildete offenbar einen natürlichen Grenzraum zwischen den in der Umgebung ansässigen slawischen Gruppierungen. Im Zuge des deutschen Landesausbaus wurde der Schradenwald 1210 in einer Urkunde des Naumburger Bischofs Engelhard erstmalig erwähnt, als dieser die Hälfte an den Meißener Markgrafen Dietrich abtrat. Während dieser Zeit erfolgte auch die erstmalige Erwähnung weiterer Orte der Niederung wie Elsterwerda (1211), Großkmehlen (1205) oder Hohenleipisch (1210) am nordwestlichen Rand. Die Meißner Landgrafen, denen es gelang, in diesem Gebiet eine eigene Landesherrschaft aufzubauen, trieben hier den Landesausbau voran und es begann die planmäßige Anlage von Dörfern durch angeworbene deutsche und slawische Siedler. Es entstanden die Städte Ortrand, Mückenberg (heute zu Lauchhammer) und Elsterwerda. Anfang des 14. Jahrhunderts kam es zu Streitigkeiten zwischen dem meißnischen Markgrafen Friedrich I. und dem brandenburgischen Markgrafen Waldemar, in deren Folge Friedrich gefangen genommen wurde und er für seine Freiheit im Frieden zu Tangermünde 1312 die Mark Lausitz und auch die Herrschaften im Schraden an Brandenburg abgeben musste.
Nachdem das Gebiet 1370 zwischenzeitlich an die böhmische Krone gefallen war, kamen die Herrschaften Ortrand und Elsterwerda 1372 wieder zu Meißen. Dabei gelang es dem dort ansässigen Geschlecht der Köckritze in diesem Übergangsland zwischen der Mark Meißen und Lausitz ein vom Amt weitgehend unabhängiges Herrschaftsgebiet aufzubauen, das später als Elsterwerdaer Pflege bezeichnet wurde. Zu dieser Herrschaft gehörten die Dörfer Krauschütz, Biehla, Kotschka, Plessa, Dreska, Kraupa, Kahla, Frauendorf, Hirschfeld, Frankenhain (vermutlich die Wüstung Franken bei Hirschfeld), Strauch, Merzdorf und ein Teil von Großthiemig. Nachdem die Köckritze auf die Stufe von Raubrittern sanken, erschien 1509 Herzog Georg von Sachsen mit seinem Gefolge in Elsterwerda und nahm die Burg und die Stadt ein. 1512 zwang er die Köckritze, ihren Besitz in Elsterwerda an ihn zu verkaufen und ließ die Herrschaft bis 1528 durch einen Amtmann verwalten, um sie dann dem Hayner Amt anzugliedern. Hohenleipisch und Döllingen im Norden gehörten zum Amt Liebenwerda. Die Orte östlich der sogenannten Grenzpulsnitz waren der Herrschaft Ruhland untertan, welche jedoch bereits im 14. Jahrhundert in mehrere selbstständige Güter zerfiel.
Der Dreißigjährige Krieg brachte für die gesamte Gegend viel Elend und Plünderungen durch durchziehende Truppen. Auch wenn das sumpfige Gelände einen gewissen Schutz bot, fanden kriegerische Söldner auch dort Zutritt. So soll dem Elsterwerdaer Bürgermeister Nagel, der sich mit den Elsterwerdaer Bürgern im Schradenwald zu verbergen suchte, durch schwedische Truppen ein ähnliches Schicksal bereitet worden sein wie dem Bürgermeister Borßdorff aus Liebenwerda, welcher 1634 ergriffen und an Pferde gebunden bei Zeischa zu Tode geschleift wurde. In Mückenberg zerstörten 1631 Truppen Tillys einen Damm, der mit mehreren Brücken durch die Niederung über die Schwarze Elster führte und den Ort mit dem südlich gelegenen Ortrand verband.
Während der Befreiungskriege 1813 erlebten die Orte des Schradens gewaltige Truppenbewegungen französischer und preußischer Kriegsverbände. Kurz vor der Völkerschlacht bei Leipzig zog das 30.000 Mann zählende Korps des preußischen Generals Gebhard Leberecht von Blücher durch den Schraden. In Merzdorf gab er Befehl, den Dorflehrer Pätz gefangen zu nehmen, und zwang ihn, ihm den Weg durch das sumpfige Gebiet zu zeigen. Anschließend lagerte das Korps vom 28. bis 30. September 1813 in Elsterwerda und Kotschka. Infolge der Bestimmungen des Wiener Kongresses 1815 gelangte das Gebiet des Schradens vom Königreich Sachsen an den Regierungsbezirk Merseburg der preußischen Provinz Sachsen und es entstand 1816 der Kreis Liebenwerda, in dem auch die an Preußen gefallenen nördlichen Teile des Amtes Hayn aufgingen. Die Orte rechts der Grenzpulsnitz, die ursprünglich zum Markgrafentum Oberlausitz gehörten, kamen zum neugebildeten Kreis Spremberg-Hoyerswerda und ab 1825 zum Landkreis Hoyerswerda.
Nach der Auflösung von Preußen durch das Kontrollratsgesetz Nr. 46 1947 kam der weiterhin bestehende Landkreis Liebenwerda zum Land Sachsen-Anhalt. Dieses wurde allerdings 1952 aufgelöst und der neugebildete Kreis Bad Liebenwerda, der zweiundzwanzig Städte und Dörfer an Nachbarkreise abtreten musste, wurde Teil des neugebildeten Bezirks Cottbus. Das Mückenberger Ländchen und damit auch Lauchhammer sowie die Orte des heutigen Amtes Ortrand Frauendorf, Tettau, Kroppen, Frauendorf, Burkersdorf und Lindenau, die bis 1952 zum Kreis Hoyerswerda gehörten, kamen ebenso wie Ortrand, Großkmehlen, Kleinkmehlen und Frauwalde zum Kreis Senftenberg. Nach der Kreisreform vom 6. Dezember 1993 in Brandenburg gingen diese Kreise in den Landkreisen Elbe-Elster und Oberspreewald-Lausitz auf.
Bis zu den großen Regulierungs- und Meliorationsmaßnahmen in der Niederung war der Schraden oder auch Schradenwald, der urkundlich 1210 erstmalig als nemus Ztradim erwähnt wurde, eine eigenständige große Flur.[22] Nach dem Abschluss des mittelalterlichen Landesausbaus in diesem Gebiet und der Anlage von Siedlungen an den Niederungsrändern im Inneren des Niederungsgebietes verblieb ein ausgedehnter Niederungswald. Im 14. Jahrhundert wurden mehrere Herrschaften, unter ihnen die Grundherren von Elsterwerda und Großkmehlen, von den Meißner Markgrafen mit Teilen des Schradenwaldes belehnt. Zahlreiche Städte und Dörfer der Region besaßen dort Waldnutzungsrechte, für die ein Waldzins zu entrichten war.
Mit Beginn der Neuzeit im 15. Jahrhundert erfuhr das Jagdwesen im Schraden, der als eine ungeheure Holz- und Wildbretkammer galt, eine Blütezeit, die mit dem Bau von Jagdhäusern, dem Ausbau von Jagdschlössern und der Anlage eines sogenannten Jagdgartens im Schradenwald einherging. Außerdem wurde 1650 vom Westen her ein Dammweg angelegt, um den Zugang zum Jagdgarten zu erleichtern. Dabei handelte es sich vermutlich um den in Elsterwerda beginnenden sagenumwogenen Reißdamm.[23]
Bereits Ende des 16. Jahrhunderts erließ Kurfürst August von Sachsen die Schradenordnung, um die bisherige ungeregelte und übermäßige Holzentnahme zu unterbinden. Der aus den Jahren 1566 bzw. 1582 stammende Teil I regelte in 19 Punkten die Holz- und Forstnutzung. Nach einer Vermessung durch den kursächsischen Landvermesser Matthias Oeder 1583 wurde der Schradenwald mit Teil II der Schradenordnung 1584 aufgeteilt. Die Teilung bestand aus einem Sternschneisensystem, in dessen Zentrum sich ein Forsthaus befand. Die Schradenordnung wurde in allen Schradendörfern alljährlich am Martinstag öffentlich verlesen. Waldbeschreibungen und Verkaufsurkunden jener Zeit belegen, dass zu dieser Zeit im Schraden noch der Erlenbruchwald dominierte.
Mit Beginn der ersten Meliorationsmaßnahmen durch das Anlegen von Gräben und den Bau des Grabens der Neuen Pulsnitz 1584 wandelte sich auch allmählich die Vegetation der Niederung. So nahmen die Bestände von Baumarten wie der Eberesche oder der Stieleiche zu. Nachdem Ende des 17. Jahrhunderts die belehnten Herrschaften aus Elsterwerda und Großkmehlen die ersten Vorwerke im Schraden angelegt hatten, wurde durch deren Aktivitäten die Waldfläche verkleinert und ausgelichtet. Der Bau des Grabens der Neuen Pulsnitz ermöglichte durch das Trockenfallen angrenzender Flächen die Nutzung von Wiesen. So umfasste der Anteil von Pachtwiesen 1797 allein im zum Amt Hayn gehörenden Teil des Schradens bereits 400 Acker und 29 Quadratruten.
Tiefgreifende Landschaftsveränderungen begannen mit den Separationsmaßnahmen im 19. Jahrhundert mit einefr Neuaufteilung des Gebietes und umfangreichen Rodungsmaßnahmen. Durch die Anlage eines völlig anderen Wegesystems in dieser Zeit wurden alle Teile des Schradens zugänglich. Die Regulierungsmaßnahmen an der Schwarzen Elster und der Pulsnitz sowie die Anlage des umfangreichen Grabensystems ließen weite Flächen der Niederung trockenfallen. Acker- und Grünlandflächen wurden erweitert. Nur südöstlich von Plessa verblieben größere Waldflächen.
1970 begannen weitere Meliorationsmaßnahmen beiderseits des Neuen Pulsnitzgrabens, wodurch weiteres Ackerland entstand. Nur einige grundfeuchte Stellen wie das Merzdorf-Grödener Moorgebiet blieben erhalten. Die Niederungslandschaft des Schradens wird jetzt von weiten Acker- und Grünlandflächen dominiert.
Nach der Gründung der Siedlungen Schraden 1929 und Plessa-Süd 1947 wurden die verbliebenen Waldflächen im Schraden auf etwa 200 Hektar zurückgedrängt. Das nördlich der Ortslage Schraden gelegene Revier Niederer Schraden besitzt gegenwärtig eine Größe von 239 Hektar.[24][25][26]
Wassermühlen hatten für die Region des Schradens stets eine besondere Bedeutung, da sie intensiv in die Gewässerverhältnisse durch die Anlage von Wehren sowie Mühl- und Umflutungsgräben eingriffen. Bereits seit dem Mittelalter sind solche Mühlen für den Schraden bekannt. So wurde das Anwesen der Elstermühle in Plessa schon im Jahr 1420 erstmals erwähnt. Die Buschmühle nordwestlich von Lindenau wurde 1610 errichtet. Weitere Mühlen gab es unter anderem mit den Hammermühlen in Krauschütz an der Schwarzen Elster, an der Grenzpulsnitz unterhalb von Ortrand sowie bei Groß- und Kleinkmehlen.
Infolge des Wasserrückstaus durch die Mühlen kam es durch das geringe Geländegefälle in der Niederung zu großflächigen Vernässungen und Versumpfungen des Gebietes, was insbesondere bei den häufig auftretenden Hochwassern für Probleme sorgte und zu großen Schäden führte. Eine besondere Rolle spielten die Buschmühle und die Wassermühle Kleinkmehlen. Die Vernässungen und Versumpfungen des Geländes machten sich bis Ortrand bemerkbar und die Gegend wurde zuweilen auch Froschland genannt, da in den zahlreichen Wasserläufen und Tümpeln so viele Frösche lebten, dass man ihr Quaken an lauen Frühlingsabenden noch stundenlang hören konnte. In der Ortrander Pflege soll es sogar noch bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts einen Froschjäger gegeben haben, der die für die Küche dienlichen Frösche auffsuchte.[27]
Im Verlauf der späteren Flussregulierungen wurden diese problematischen Mühlenstaue an der Schwarzen Elster und der Pulsnitz beseitigt.
Mit dem Bau des neuen Pulsnitzgrabens ab Lindenau im Jahr 1584, heute als Pulsnitz oder Neue Pulsnitz bezeichnet, wollte Kurfürst August von Sachsen die Sümpfe im Schraden austrocknen lassen. Während der Herstellung des Grabens, für dessen Gesamtlauf ein Gefälle von acht Ellen vorgesehen war, wurden ungefähr 1900 Arbeitskräfte aus verschiedenen kursächsischen Ämtern eingesetzt. Trotzdem kam es später weiterhin zu Hochwassern im Schraden, da der Wasserlauf nicht immer hinreichend geräumt wurde.
Ab 1817 versuchte die preußische Provinzialregierung, Pläne für eine Regulierung der Schwarzen Elster zu entwickeln und ließ den Fluss von 1830 bis 1834 auf Staatskosten vermessen. Allerdings wurde erst 1852 der Verband zur Regulierung der schwarzen Elster gegründet.
Bereits der sächsische Kurfürst August von Sachsen hatte versucht, den Fluss mit Hilfe seiner im 1561 Codicis Augustei mitgeteilten Verordnung von Mühlensachen zu regulieren. Mit dieser Verordnung wurde er in 170 Abschnitte eingeteilt und jede Elstermühle erhielt unter anderem genaue Vorschriften, wie weit das Wasser einzudämmen sei und wie hoch die Schutzbretter sein durften, Dies erwies sich aber als ungeeignet um die wiederkehrenden Überschwemmungen zu verhindern. Am 10. Mai 1852 begannen in einem Bauabschnitt in der Nähe des bei Liebenwerda gelegenen Dorfes Zeischa die ersten Erdarbeiten. Es wurden in den folgenden Jahren auf einer neunzig Kilometer langen Strecke bis zu 1200 Arbeiter für die Regulierungsarbeiten eingesetzt, die die Entwicklung der Schradenniederung maßgeblich beeinflussgten und veränderten, da nach den abgeschlossenen Wasserbauarbeiten unter anderem der Grundwasserspiegel des Schradens um einen Meter fiel. Im Zuge der Regulierung wurden insgesamt 80.000 Morgen Sumpfgelände nutzbar gemacht. Nach mehr als zehn Jahren waren im Frühjahr 1864 die Bauarbeiten beendet. Die 1849 in einem Gutachten des Wasserbauinspektors Zimmermann bezifferten voraussichtlichen Kosten von 290.000 Taler beliefen sich allein schon bis 1857 auf 766.000 Taler. Die Regulierung der bei Elsterwerda mündenden Neuen Pulsnitz verursachte noch einmal Kosten in Höhe von 30.000 Talern.
1853 ließ der Besitzer des Mückenberger Eisenhüttenwerks, Detlev von Einsiedel, die Plessaer Schifffahrtsschleuse anlegen, um die Strecke Mückenberg–Wahrenbrück schiffbar zu machen. Zwanzig Jahre verkehrten Segelschiffe auf dieser Strecke, um Raseneisenstein für die Verhüttung zu transportieren. Mit zunehmender Versandung wurde der Schiffsverkehr jedoch unrentabel, bald darauf eingestellt und die Plessaer Schleuse 1876 wieder abgebaut.
→ Hauptartikel: Elsterwerda-Grödel-Floßkanal
1702 begannen Planungen, die Elbe und die Schwarze Elster durch einen Kanal zu verbinden. Da das Erzgebirge bereits weitgehend ausgebeutet und das böhmische Holz teuer war, sollte er den hohen Bedarf an Holz im Raum Dresden – Meißen mittels Flößen aus den Niederlausitzer Wäldern befriedigen, die zu diesem Zeitpunkt weitgehend unberührt waren. Daher begann man 1742 unter der Leitung von Johann Müller voller Schwierigkeiten mit dem Bau des Elsterwerda-Grödel-Floßkanals, welcher 1748 eröffnet wurde. Das Stammholz kam dabei über verschiedene Gräben, wie dem bei Plessa in die Schwarze Elster mündenden Floßgraben, die Pulsnitz sowie die Schwarze Elster durch den Schraden zum Holzhof in Elsterwerda, wurde hier in Scheite gespalten und dann auf Kähnen bis Meißen und Dresden getreidelt. Nach der Einstellung der Holztransporte 1833 und dem Bau der Eisenbahnstrecke Elsterwerda–Riesa 1875 verlor der Kanal vor allem auf dem seit 1816 preußischen Abschnitt seine Bedeutung für den Gütertransport. Auch wenn die Schiffbarkeit des Kanals von 1859 und 1869 noch einmal wiederhergestellt wurde, gewann er nie mehr seine vormalige Bedeutung zurück. Der letzte Kahn passierte den Kanal kurze Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg am 24. Juli 1947. Er besitzt jetzt den Status eines Baudenkmals.[28][29]
Am Anfang des 20. Jahrhunderts verfolgte man Pläne, einen Großschifffahrts-Kanal zu bauen, der die Elbe über die Schwarze Elster und die Spree mit der Oder verbinden sollte. Dieser war für bis zu 1000-Tonnen-Lastschiffe (Länge: 80 Meter, Breite: 9,2 Meter, Tiefgang: 1,75 bis 2,00 Meter) und darüber vorgesehen. In den in Erwägung gezogenen Varianten sollten auch Abschnitte des Elsterwerda-Grödel-Floßkanal und das Gebiet des Schradens mit einbezogen werden. Obwohl im Januar 1928 in Senftenberg, dessen Braunkohlenrevier vom Projekt mit am meisten profitiert hätte, ein Kanalbauamt eingerichtet wurde, kam der Bau des Schifffahrtsweges nicht zustande und die Projekte über das Planungsstadium bis zum Zweiten Weltkrieg nicht hinaus.[30]
Das Amt Ortrand befindet sich im Osten der Niederung. Es umfasst die urkundlich 1238 erstmals erwähnte Stadt Ortrand mit dem Ortsteil Burkersdorf sowie die Gemeinden Großkmehlen mit den Ortsteilen Frauwalde und Kleinkmehlen, Frauendorf, Kroppen, Lindenau und Tettau.
Im Norden befindet sich das Amt Plessa mit der vom einstigen Braunkohlenbergbau geprägten Gemeinde Plessa und ihren Ortsteilen Plessa-Süd, Kahla und Döllingen. Weiterhin gehört zum Amt die Gemeinde Hohenleipisch. Diese befindet sich mit ihrem Ortsteil Dreska auf der sich nördlich des Schradens erstreckenden Hohenleipisch-Plessaer Endmoräne. Bekannt wurde sie wegen der einstigen Vielzahl von ansässigen Töpferei-Betrieben. Das Dorf ist von zahlreichen Streuobstwiesen umgeben. Erst 1929 entstand die Gemeinde Schraden.
Im Süden befindet sich das Amt Schradenland mit den traditionellen Schradengemeinden Großthiemig, Hirschfeld, Gröden und Merzdorf.
Eine amtsfreie Gemeinde der Niederung ist im Osten die vom Braunkohlenbergbau geprägte Stadt Lauchhammer, welche als Großgemeinde 1950 aus den Orten Naundorf, Bockwitz, Mückenberg und Dolsthaida entstand und erst 1953 das Stadtrecht zugesprochen bekam. Im Westen befindet sich als amtsfreie Gemeinde die 1211 urkundlich erstmals erwähnte Stadt Elsterwerda mit ihren Ortsteilen Kraupa, Biehla, Krauschütz und Kotschka.
Im Südwesten der Niederung befindet sich der zur Gemeinde Röderland gehörende Ort Wainsdorf. Südlich der auf dem Merzdorf-Ortrander Endmoränenzug verlaufenden Grenze zu Sachsen liegen die Orte Frauenhain (zu Röderaue), Strauch (zu Zabeltitz) sowie die zur Gemeinde Weißig am Raschütz zählenden Orte Oelsnitz, Brößnitz und Blochwitz.
Im Gebiet des Schradens überwiegen Ortsnamen, deren Ursprung im Slawischen liegt. Sie sind vor allem dem Naturraum zuzordnen. Der Ortsname der nördlichen Schradengemeinde Dreska zum Beispiel kommt wohl ursprünglich vom slawischen Wort drezg(a), das Wald oder Gehölz bedeutet. Andere Ortsnamen geben Hinweise auf ein Gewässer oder einen Sumpf, wie Großthiemig, dessen vermutliches slawisches Ursprungswort tymjo Sumpf bedeutet. Das slawische Ursprungswort Kovali (Schmiede) des Ortes Kahla bezeichnet die Tätigkeit der einstigen Einwohner. Außerdem finden sich in den slawischen Ortsnamen, die Namen von Personen, wie zum Beispiel Tet im östlich gelegenen Tettau. Auf slawischen Ursprung lassen auch verschiedene Flurnamen dieses Gebietes schließen. Diese konzentrieren sich hauptsächlich rechtsseitig der Schwarzen Elster.
Bei den deutschen Ortsnamen kommt häufig das Grundwort -dorf in Verbindung mit deutschen Personennamen, wie bei Merzdorf, Wainsdorf oder Burkersdorf vor. Weitere deutsche Grundwörter des Gebietes sind -berg (Mückenberg), -walde (Frauwalde) oder -feld im südschradenländischen Hirschfeld.
Im Schraden gibt es eine Reihe von einstigen Vorwerken, die sich in der Gegenwart immer noch abseits der Orte als Siedlungen mitten in der Niederung befinden.
Ende des 17. Jahrhunderts wurden als erste die Vorwerke am Reißdamm und das Oberbuschhaus von der Herrschaft Elsterwerda errichtet. Etwa zur gleichen Zeit entstand das Vorwerk Rotes Buschhaus der Herrschaft Großkmehlen. Bald kam es zwischen den beiden Herrschaften wegen ihrer Aktivitäten, wie dem Bau von Gebäuden, dem Anlegen von Gräben oder Rodungen im Schradenwald zu Streitigkeiten, die auch vor Gericht ausgetragen wurden. Die Flächenausdehnung des Vorwerkes Oberbuschhaus, bewirtschaftet durch einen Hofmeister, drei Knechte und drei Mägde, wurde 1727 mit ungefähr 76,37 Hektar angegeben.
Während Vorwerk Buschhaus (Kaupen-Vorwerk) bereits in einem Urmesstischblatt von 1847 verzeichnet ist, entstanden die Vorwerke Schönau und Schradenau (in einigen Karten auch als Lappige Jacke verzeichnet) erst nach den im Schraden erfolgten Separationen.
Der Schraden ist Bestandteil der sächsischen Volkskultur, die durch die Grenzlage zur Lausitz und die wendische Bevölkerung beeinflusst wurde. So hat sich in den Schradengemeinden durch ihre ehemals verkehrstechnische Abgelegenheit bis in die Gegenwart ein bäuerliches Brauchtum erhalten, wobei sich Bräuche aus wendischer Vorzeit mit denen der deutschen Bevölkerung vermischten. Neben den jährlichen kirchlichen Höhepunkten Ostern, Pfingsten und Weihnachten wird in vielen Orten noch gezampert, wobei lustig verkleidete Gruppen von Haus zu Haus ziehen und bei den Bewohnern durch den Vortrag kleiner kultureller Beiträge Geld- und Sachspenden einfordern. Neben Kindergartengruppen und Jugendklubs wird diese Tradition auch wieder von Dorf- und Heimatvereinen gepflegt. Weitere traditionelle Höhepunkte sind das Maibaumstellen, Erntedank- und Kirchweihfeste, die Jugendfastnacht sowie das Ruprechten genannte Verteilen von Geschenken in der Vorweihnachtszeit. In Plessa zählt der alljährliche Karneval zu den größten in der Region und der Ort gilt mit seinen zahlreichen Veranstaltungen in dieser Zeit als regionale Karnevalshochburg.
Alljährliche Höhepunkte sind im Schraden traditionell das Lindenauer Parkfest, das Hirschfelder Musikfest und der Großthiemiger Topfmarkt. Weitere in den letzten Jahren ins Leben gerufene Veranstaltungen sind unter anderem das Frühlingsfest und die Historische Einkaufsnacht in Elsterwerda, das Blütenfest und die Niederlausitzer Apfeltage in Döllingen sowie das Plessaer Mühlenfest.
Das Gebiet des Schradens besaß einst auch eine eigene Tracht, welche sich bei den Frauen und Mädchen noch bis in die 1930er Jahre vor allem in den Dörfern Gröden, Hirschfeld und Großthiemig teilweise erhalten hatte. Eine Männertracht hatte sich bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts weitgehend verloren. Die verschiedenen Varianten bei Frauen und Männern wiesen in ihren Details Ähnlichkeiten mit der noch in der Gegenwart getragenen sorbischen Tracht der Umgebung von Hoyerswerda auf. Auch zur einstigen Tracht der Umgebung von Großenhain soll es Parallelen gegeben haben.
Die Kopfbedeckung der Frauen und Mädchen, die eine Besonderheit darstellt, bestand aus einem nach oben offenen Pappring, der mit einem diagonal zu einer Binde zusammengelegten Tuch umwunden wurde, welches vorn verknotet war, so dass die Enden wie kleine Flügel abstanden. Die Höhe des Rings war bei den Mädchen sechs bis acht Zentimeter, bei den Frauen vorn elf und hinten zehn Zentimeter hoch. Er wurde mit einem Boden genannten bestickten Läppchen bespannt. Bei den Frauen waren seitlich zwei Rüschen angebracht, welche Ohren genannt wurden. Gehalten wurde die Bedeckung durch ein oben quer übergelegtes Band, das unter dem Kinn zusammengebunden wurde.
Für die Röcke der Trachten waren die drei Stufen als Schmuckelemente kennzeichnend. Je nach Anlass wurden verschiedene symbolische Farben für die einzelnen Elemente verwendet, wobei die Mitglieder der Dorfgemeinschaften eine kollektive Kontrolle der Trachtennormen ausübten.
Die Heimatforscher Ernst Seyler und M. Karl Fitzkow beschäftigten sich später ernsthaft mit der Schradentracht und dokumentierten diese. Der Maler Hans Nadler stellte die Tracht unter anderem in seinem 1951 entstandenem Ölbild „Mädchen in alten Trachten“ bildlich dar.[31]
Im Schraden gibt es auf Grund der einstigen Grenzlage keine einheitliche Mundart. In den verschiedenen Orten der Niederung werden unterschiedliche Dialekte gesprochen und man kann zuweilen d