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| Klassifikation nach ICD-10 | ||
|---|---|---|
| S02.1 | Schädelbasisfraktur | |
| ICD-10 online (WHO-Version 2006) | ||
Ein Schädelbasisbruch (oder eine Schädelbasisfraktur) entsteht nach einer sehr starken Gewalteinwirkung im Kopfbereich, am häufigsten durch Verkehrsunfälle, und ist eine lebensbedrohliche Verletzung. Dabei werden knöcherne Strukturen der vorderen, mittleren oder seltener der hinteren Schädelgrube an der Schädelbasis verletzt. Die wichtigsten zwei Bruchformen sind die rhinobasale (Nase und Schädelbasis) oder frontobasale und die otobasale (Ohr und Schädelbasis) oder laterobasale Fraktur. Bei Ersterer reicht der Bruchspalt in die Nasennebenhöhlen, letztere betrifft das Schläfenbein. Typisch sind der Austritt von Blut und Gehirnflüssigkeit aus Nase oder Ohren. Entweder durch das eigentliche Trauma oder auch durch sekundäre Einblutungen in das Gehirn sind gelegentlich Bewusstseinsstörungen oder neurologische Ausfallserscheinungen vorhanden. (Commotio cerebri).
Inhaltsverzeichnis |
Ein häufiger Unfallhergang ist der Auffahrunfall. Das Gesicht des Fahrers oder (nicht angeschnallten) Beifahrers prallt dabei frontal gegen das Lenkrad beziehungsweise das Armaturenbrett. Die Bruchlinien folgen den Schwachstellen der knöchernen Struktur des Schädels und verlaufen bei dem geschilderten Vorgang horizontal und nach oben. In der vorderen Schädelgrube sind vor allem die Keilbeinhöhle, die Stirnhöhlen, die Siebbeinzellen und das Dach der Augenhöhle betroffen. Die mittlere Schädelgrube grenzt an das Schläfenbein. Bei einem Bruch können die inneren und äußeren Strukturen des Ohres geschädigt werden.
Durch den Bruch kann es zu einer offenen Verbindung zwischen Nasenhöhle oder dem äußeren Gehörgang und dem Raum zwischen den Hirnhäuten und dem Gehirn kommen, wo sich Gehirnflüssigkeit (Liquor cerebrospinalis) befindet. Diese kann aus Nase, Mund und Ohren austreten, was man als Liquorrhö bezeichnet. Da es gleichzeitig zum Zerreißen von Gefäßen kommt, ist dem eigentlich klaren Liquor fast immer Blut beigemischt.
Wegweisend für einen Schädelbasisbruch ist ähnlich wie bei den Mittelgesichtsfrakturen ein Brillen- oder Monokelhämatom (eine sichtbare Einblutung in die Augenhöhle). Bei einer Blutansammlung hinter dem Auge kann es zu einem nach vorne verlagertem Augapfel kommen (Protrusio bulbi). Falls dieser pulsiert ist dies ein Hinweis auf eine Zerreißung der Arteria carotis interna und eine Einblutung in den Sinus cavernosus, die resultierende Carotis-Sinus-Cavernosus-Fistel ist eine lebensbedrohliche Komplikation.
Wenn es durch den Unfall zu einer Schädigung des Gehirns oder der gehirnversorgenden Gefäße kommt, treten die Symptome zusammen mit Bewusstseinstrübung oder Bewusstlosigkeit auf. Bei Einblutungen in das Gehirn können die Symptome eines Schlaganfalls auftreten.
Da die meisten Hirnnerven die Schädelbasis an einer ihrer vielen Öffnungen verlassen, können Einklemmungen zu spezifischen Ausfallserscheinungen führen. Eine besonders gefährliche Variante der Hirnnervenschädigung ist die Einklemmung eines Augennerven, was zur Erblindung des Auges führen kann. Im Bereich des Ohres kann es neben Verletzungen der Gehörknöchelchen zur Schädigung des Nervus facialis oder des Nervus vestibulocochlearis kommen, ersteres führt zu Ausfällen der Gesichtsmuskulatur (Fazialisparese), letzteres zu Hörverlust und Schwindel. In seltenen Fällen kann eine Anosmie, also der Verlust des Geruchssinns, der einzige Hinweis auf eine Schädelbasisfraktur sein.
Die Diagnostik des Schädelbasisbruchs stützt sich auf bildgebende und laborchemische Verfahren. Das klassische Schädelröntgen in 3 Ebenen, wird heutzutage zunehmend durch die Computertomographie (CT) abgelöst, die hochauflösend auch sehr kleine Risse im Schädel zuverlässig diagnostizieren kann. Da die Magnetresonanztomographie (MRT) knöcherne Strukturen schlechter als die CT darstellt, wird sie nicht standardmäßig durchgeführt, kommt aber zur Anwendung falls der Verdacht auf eine Gehirnverletzung besteht.
Wenn eine Carotis-Sinus-Cavernosus-Fistel vermutet wird, kann eine Gefäßdarstellung mit Röntgenkontrastmittel erfolgen. (Angiographie)
Ein blutig-wässriger Ausfluss aus Nase, Mund oder Ohr kann laborchemisch untersucht werden. Dabei wird auf ß2-Transferrin getestet. Eine Substanz, die nur im Liquor aus dem im Blut vorkommenden ß1-Transferrin entsteht. Dieser Test ist sehr schnell und sehr spezifisch. Er gibt Aufschluss darüber, ob Liquor austritt, ob also eine offene Verbindung zu dem Raum besteht, der das Hirn umgibt.
Um die genaue Quelle der Liquorrhö zu finden, wird gelegentlich der Fluoreszintest eingesetzt. Über eine Lumbalpunktion wird ein unter UV-Licht leuchtender Stoff in den Liquor gespritzt. Mit Hilfe eines UV-Endoskops, können die Seite und die genaue Stelle des Liquoraustritts gefunden werden.
Ein schneller aber ungenauer Test, der sich insbesondere im Notfall eignet Gehirnflüssigkeit von anderen klaren Flüssigkeiten der Nase (etwa Schleim) zu unterscheiden, ist der Kompressen-Test. Bei diesem Test wird die Ecke einer Kompresse in das austretende Blut gehalten. Die Gehirnflüssigkeit bildet dabei einen blassen Hof außerhalb des vom Blut eingenommenen Bereiches.[1]
Nicht jeder Schädelbasisbruch benötigt ein therapeutisches Einschreiten. Es gibt jedoch Situationen, in denen Eile geboten ist, zum Beispiel:
Das operative Einschreiten besteht in der Regel in einer Entlastung eingeklemmter Strukturen und einer Deckung der entstandenen Bruchspalten. Dabei werden zum einen die entstandenen Risse in der harten Hirnhaut genäht, zum anderen werden die Knochendefekte mit möglichst körpereigenen Materialien (zum Beispiel Faszien) und Fibrinkleber gedeckt. Im Bereich größerer Defekte kommen auch kleine Metallplatten, sogenannte Mikroplatten, zum Einsatz.
Die rhinobasalen Frakturen brauchen häufig eine operative Behandlung, insbesondere wenn ein Austritt von Liquor vorliegt. Bei den otobasalen Frakturen kann, sofern keine Nerven eingeklemmt sind, häufig abgewartet werden. Selbst Trommelfelldefekte und Blutansammlungen im Mittelohr heilen in der Regel spontan wieder aus.
Von einigen Ärzten wird der Nutzen einer prophylaktischen Gabe von Antibiotika diskutiert. Dies soll das Risiko für die gefährliche Komplikation einer Meningitis senken.
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