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Ruhmeshalle (München)

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Die Ruhmeshalle mit der Bavaria, 2006
Innenansicht der Ruhmeshalle

Die Ruhmeshalle ist eine von Leo von Klenze im Auftrag König Ludwigs I. von Bayern entworfene, dreiflügelige dorische Säulenhalle auf einer alten Isarhangkante oberhalb der Theresienwiese in München, die zusammen mit der Bavaria ein Ensemble bildet.

Die Halle ist 68 Meter breit, 32 Meter tief, hat eine Dachtraufenhöhe von 16 Metern und steht auf einem 4,3 Meter hohen, leicht geböschten Sockel. 48 Säulen mit einer Höhe von 6,95 Meter und einem Durchmesser von 1,25 Meter tragen zusammen mit der Rückwand das Dach.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Entstehungsgeschichte der Ruhmeshalle

[Bearbeiten] Historischer Hintergrund

Die Jugendzeit Ludwigs I. war geprägt von den Machtansprüchen Napoleons auf der einen und Österreichs auf der anderen Seite, das elterliche Haus Wittelsbach war zu dieser Zeit Spielball zwischen jenen beiden Großmächten. Bis 1805, als Napoleon im dritten Koalitionskrieg München „befreite“ und Ludwigs Vater Maximilian zum König machte, war Bayern wiederholt Kriegsschauplatz mit verheerenden Folgen für das Land. Erst mit Napoleons Niederlage in der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 trat Bayern wirklich in eine Friedensphase ein.

Büste Ludwigs I. in der Ruhmeshalle

Vor diesem Hintergrund macht sich Ludwig bereits als Kronprinz Gedanken über ein „Baiern aller Stämme“ und eine „größere deutsche Nation“. Diese Beweggründe und Ziele motivierten ihn in der Folgezeit zu mehreren Bauprojekten für Nationaldenkmäler wie die Konstitutionssäule in Gaibach (1828), die Walhalla oberhalb der Donau zwischen Regensburg und Donaustauf (1842), die Ruhmeshalle in München (1853) und die Befreiungshalle bei Kelheim (1863), welche der König allesamt privat finanzierte und die in Form und Inhalt, Zweckbestimmung und Rezeption eine künstlerische wie politische Einheit bilden, die bei allen inneren Widersprüchen für Deutschland einzigartig ist

Ludwig, der seinem Vater nach dessen Tod 1825 auf den Königsthron folgte, fühlte sich eng mit Griechenland verbunden, war ein glühender Verehrer der griechischen Antike und wollte seine Hauptstadt München in ein „Isar-Athen“ verwandeln. In dieser Absicht ließ er besonders in München bereits vor der Ruhmeshalle mit Bavaria mehrere Monumentalbauten und Denkmäler in verschiedenen Spielarten des klassizistischen Stils errichten. Zu den bekanntesten dieser Bauten zählt das Ensemble am Königsplatz (ab 1815) mit den Propyläen, der Glyptothek und der Antikensammlung (1848), der Obelisk am Karolinenplatz (1833), die Feldherrnhalle (1844) und das Siegestor (1850). Ludwigs zweitgeborener Sohn Otto wurde 1832 zum König von Griechenland proklamiert.

[Bearbeiten] Vorgeschichte

Die Idee zur Ruhmeshalle reifte in einem langen Prozess. Schon als Kronprinz entwickelte Ludwig den Plan, in der Residenzstadt München ein patriotisches Denkmal zu errichten. Am 25. Juli 1809 bat er den Maler und Galerieinspektor Johann Georg von Dillis, durch den Historiker Lorenz Westenrieder ein Verzeichnis „großer” Bayern aller Stände und Berufe anfertigen zu lassen.

Etwa zwei Jahrzehnte später, im Mai 1828, legte der Dichter und damalige bayerische Innenminister Eduard von Schenk dem inzwischen gekrönten Ludwig eine weitere Liste berühmter Bayern vor, welche eine existierende Liste des Freiherrn von Hofmayr ergänzte.

[Bearbeiten] Architekturwettbewerb

Im Februar 1833 schrieb Ludwig einen Wettbewerb für das Bauvorhaben aus. Zur Teilnahme eingeladen wurden Friedrich von Gärtner, Leo von Klenze, Joseph Daniel Ohlmüller und Friedrich Ziebland. Der Wettbewerb sollte zunächst erste Ideen für die Gestaltung der Ruhmeshalle sammeln, daher wurden in der Ausschreibung nur die Eckdaten des Projekts vorgegeben: Die Halle sollte oberhalb der Theresienwiese errichtet werden und Platz für etwa 200 Büsten bieten.

Anders als die Ausschreibung zur Walhalla im Jahr 1814, die explizit eine rechteckige Säulenhalle forderte, schrieb das Wettbewerbsprogramm zur Errichtung der Ruhmeshalle keinen bevorzugten Baustil vor, die einzige Vorgabe lautete: „eine Kopie der Walhalla darf dieses Gebäude nicht werden, sind ja auch, so viele dorische Tempel es auch gab, keine Kopie des Parthenons gewesen...”. Diese Bestimmung schloss den klassizistischen Baustil des Parallelprojekts Walhalla nicht aus, es liegt jedoch nahe anzunehmen, dass die Architekten dazu ermutigt werden sollten, einen anderen Baustil vorzuschlagen. Da die Entwürfe der vier Teilnehmer weitgehend erhalten sind, bietet sich ein interessanter Einblick in die Entstehungsgeschichte der Ruhmeshalle.

[Bearbeiten] Einschub: Romantik versus Klassizismus

Die Planungsphase der Ruhmeshalle fiel in die Zeit der künstlerischen Auseinandersetzung zwischen Klassizisten einerseits, die sich der Ästhetik der griechischen und römischen Antike verbunden fühlten, und Romantikern andererseits, die ihren künstlerischen Ausdruck an die Formensprache des Mittelalters anlehnten.

Diese Auseinandersetzung entbrannte zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach den Befreiungskriegen und dem Wiener Kongress 1814 und erreichte ihren Höhepunkt in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts. Der Streit wurzelte in vielen Fällen in unterschiedlichen politischen Auffassungen: Als die nationale Bewegung in Deutschland nach den Befreiungskriegen den einigenden Faktor des Widerstandes gegen die napoleonische Fremdbestimmung verloren hatte, spaltete sich das Lager der Nationalen, und auch die Kunstwelt war fortan entzweit: Während die Klassizisten sich weiterhin dem aufklärerischen Ideal der Kulturnation verpflichtet fühlten, verbanden die Romantiker die Nation mit Begriffen wie Volk, Religion, Geschichte und Tradition.

Die Walhalla
Rudolf Epp: Bavaria und Theresienwiese in München, zeitgen. Gemälde

Schon bei den Planungen zur Walhalla stritt sich Leo von Klenze als Verfechter des Klassizismus mit den romantisch beeinflussten Baumeistern Peter Cornelius und Karl Friedrich Schinkel, die der Auffassung waren, ein deutsches Nationaldenkmal müsse in einem typisch deutschen Baustil – und als solcher galt der gotische Stil – gebaut werden und die Verwendung klassischer Stilelemente als Verrat ansahen. Cornelius kommentierte die Entwürfe Klenzes zur Walhalla 1820 folgendermaßen: „...so fällt uns bei dem Entwurf die Frage ein, warum soll das größte deutsche und nur deutsche Ehrenmal so absolut griechisch sein?”. Klenze dagegen sah in der Gotik eine „maßlose Anhäufung“ von Verzierungen und betrachtete sie als „...einen Sieg des Handwerkes über die Kunst”. Der neugotische Stil sei deshalb auch keine Kunst, sondern eine rein handwerkliche und technische Übertreibung. Einzig in der Klassik erblickte Klenze das „wahrhaft Schöne”, das „hoch über allem Historischen und Volksthümlichen” stehe. Nur diesen Baustil empfand er als allgemein menschlich und zeitlos. [1]

Beim Wettbewerb zur Ruhmeshalle fand diese nicht nur künstlerisch-architektonische, sondern auch weltanschaulich-politische Auseinandersetzung eine Neuauflage.

[Bearbeiten] Die Entwürfe

Entwurf von Klenze
Ohlmüllers Mariahilfkirche
Zieblands Entwurf

Ludwig I. entschied sich im März 1834, in erster Linie aus Kostengründen, gegen die Projekte Gärtners, Ohlmüllers und Zieblands und beauftragte Klenze mit dem Bau der Ruhmeshalle. An Klenzes Entwurf beeindruckte ihn zweifellos die Kolossalstatue besonders, war doch eine solche Großplastik seit der Antike nicht mehr verwirklicht worden. Geschmeichelt von der Idee, ebenso imposante Statuen zu errichten wie die bewunderten antiken Herrscher, schrieb Ludwig I. nach seiner Entscheidung für Klenzes Entwurf: „Nur Nero und ich können solche Kolosse erbauen...”.

Die Ruhmeshalle mit der Bavaria auf einer Postkarte aus dem 19. Jahrhundert

[Bearbeiten] Ausführung und Ausstattung

Tatsächlich errichtet wurde das Ensemble dann von 1843 bis 1853, wobei die Ruhmeshalle nach Klenzes Vorstellungen gebaut wurde, während die Bavaria durch Ludwig Schwanthaler im romantischen Sinne germanisiert wurde. Im Inneren der Ruhmeshalle wurden 1853 die Büsten von 74 zu ehrenden Personen aufgestellt, 1868 kamen zehn neue hinzu. 1888 wurde anlässlich der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag Ludwigs I. [2] eine Büste des Königs selbst an zentraler Stelle der Mittelwand in der Ruhmeshalle angebracht, darunter eine Tafel mit der Inschrift: „KÖNIG LUDWIG I. ZUR FEIER SEINES 100. GEBURTSTAGES DAS DANKBARE MÜNCHEN“.

[Bearbeiten] 20. Jahrhundert

Bei einem Luftangriff 1944 wurde die Ruhmeshalle getroffen und schwer beschädigt, auch etliche Büsten nahmen dabei Schaden. 1966 beschloss der Bayerische Ministerrat, dem Willen des königlichen Stifters folgend, die Ruhmeshalle nicht nur als Museum zu erhalten, sondern in der Weise fortzuführen, dass weiterhin bayerische Persönlichkeiten, die sich um Volk und Staat verdient gemacht haben, durch Aufstellung ihrer Büste geehrt werden sollen. Mit diesem Beschluss kam Bewegung in den Wiederaufbau der Kriegsruine, die dann im Jahr der Olympiade in München 1972 wieder instandgesetzt war und am 26. Oktober mit den erhaltenen und wiederhergestellten Büsten neu eröffnet wurde.

Einige der beschädigten Büsten wurden restauriert oder nach Abbildungen neu erschaffen, andere sind dagegen für immer verloren. Nicht ersetzt wurden auch Büsten für Personen, die inzwischen auch in die Walhalla aufgenommen wurden. In den Jahren 1972, 1976 und 1987 wurden insgesamt 17 neue Büsten aufgestellt. Am 3. April 2000 wurden dann zusätzlich folgende Persönlichkeiten durch Büstenaufstellung geehrt: Georg Britting, Dichter (1891-1964); Lena Christ, Schriftstellerin (1881-1920); Johann Michael Fischer, Baumeister (1692-1766); Karl Amadeus Hartmann, Komponist (1905-1963); Claus Graf Schenk von Stauffenberg, Widerstandskämpfer (1907-1944); Heinrich Wieland, Chemiker (1877-1957) und Klara Ziegler, Schauspielerin (1844-1909).

Die Auswahl zu ehrender Personen erfolgt auf Beschluss des Bayerischen Ministerrats nach Votum einer Expertenkommission aus dem Bayerischen Kultusministerium, der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, der Bayerischen Schlösserverwaltung, dem Haus der Bayerischen Geschichte, dem Bayerischen Finanzministerium und der LMU. Die Vergabe der Bildhauerarbeiten wird von der Staatsbauverwaltung nach den selben Regeln wie bei jeder anderen Bauaufgabe vorgenommen; die Schlösserverwaltung begleitet den Prozess baufachlich, da auch der Bereich der Denkmalpflege berührt wird, der in ihren Zuständigkeitsbereich fällt.

[Bearbeiten] Büsten

Büsten im Nordflügel, vorne Sebastian Kneipp

Die Büsten sollten und sollen weiterhin möglichst lebensecht wirken, was bei noch lebenden oder kürzlich verstorbenen Personen relativ einfach war beziehungsweise ist. Historische Gestalten wurden anhand von vorhandenem Bildmaterial oder Beschreibungen nachgebildet. Für Ludwig I. war die Genauigkeit der Büsten, wie auch bei der Walhalla, ein persönliches Anliegen, wie verschiedene Briefwechsel zeigen.

Die Auswahl der frühen Büsten spiegelt die politischen und pädagogischen Absichten von Ludwig I. wider. Zum einen sollte durch die gezielte Auswahl von Franken und Schwaben die patriotischen Gefühle dieser erst nach 1800 zu Bayern gekommen „Stämme“ gestärkt werden. Zum anderen zeigen die erwählten Größen diejenigen Aspekte in der Philosophie, Theologie, Kunst und Wissenschaft, die Ludwig I. seinem Volk nahebringen wollte.

[Bearbeiten] Liste der Büsten

Die Schreibweise der Namen und Abkürzungen sowie die Berufsbezeichnungen in der folgenden Liste folgen der Beschriftung der Büsten.

[Bearbeiten] Linke Flügelwand

Gedenktafel für 1944 zerstörte Büsten

Gedenktafel für 1944 zerstörte Büsten, die zunächst nicht restauriert bzw. nachgebildet wurden.

[Bearbeiten] Linke Seitenwand

[Bearbeiten] Mittelwand

[Bearbeiten] Rechte Seitenwand

oben: Hess, Klenze, Cornelius; unten: Klara Ziegler, Johann M. Fischer

auf dem Sims:

[Bearbeiten] Andere Standorte

[Bearbeiten] Rechte Flügelwand

Gedenktafel für 1944 zerstörte Büsten von Geehrten, die in die Walhalla aufgenommen wurden

Gedenktafel für 1944 zerstörte Büsten von Personen, die in die Walhalla aufgenommen wurden und deren Büsten daher für die Ruhmeshalle nicht restauriert oder neu gefertigt wurden.

*Gluck hieß richtig Christoph Willibald, der Joh. beruht wohl auf einem Irrtum im München des 19. Jahrhunderts. Vermutlich wurde der falsche Name übertragen von einer Büste Glucks in der Münchner Residenz, die ebenfalls mit Johann Christoph v. Gluck beschriftet ist.

Am 15. Januar 2007 beschloss das Bayerische Kabinett die Aufnahme von Bertolt Brecht, Werner Heisenberg, Franz von Lenbach, Emmy Noether, Carl Orff und Therese Prinzessin von Bayern.

[Bearbeiten] Kuriosa

2006 heimlich aufgestellte Gipsbüste

In der Münchner Residenz ist eine weitgehend unbekannte Marmorbüste von Wolfgang Amadeus Mozart zu sehen, welche Ludwig noch als Kronprinz in Auftrag gegeben hatte und die wohl ebenfalls für eines seiner Ruhmeshallen-Projekte vorgesehen war. Die Büste gelangte damals allerdings nicht zur öffentlichen Aufstellung, möglicherweise weil, einer Überlieferung nach, Mozarts Witwe Constanze bei einem Besuch in München 1835 den Dargestellten nicht als ihren verstorbenen ersten Mann erkannte. So verblieb das Bildwerk zunächst in königlichem Privatbesitz, 1959 wurde es dann an die Bayerische Schlösserverwaltung verkauft und wanderte dort erst für Jahrzehnte ins Depot, bis es anlässlich des Mozartjahres 2006 öffentlich zugänglich gemacht wurde. [3]

Wohl aus Protest gegen die „Vorherrschaft“ männlicher Büsten hat eine Kunststudentin im November 2006 ihre eigene Büste in Gips modelliert und diese heimlich und unerlaubt in der Ruhmeshalle aufgestellt.[4] Mittlerweile hat die Künstlerin ihre Büste wieder von der Schlösserverwaltung zurückerhalten.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Quellen

  1. Christian Schaaf: Die Ruhmeshalle und die Bavaria in München als partikularstaatliches Nationaldenkmal. (PDF-Download) Hausarbeit, vorgelegt am Historischen Seminar der Ludwig-Maximilians-Universität München, Abteilung Neuere und Neueste Geschichte, im Hauptseminar bei PD Prof. Dr. Johannes Paulmann: Die Nation zur Schau stellen. Selbstdarstellungen der Nation im 19. und 20. Jahrhundert, Wintersemester 2000/2001
  2. Michael Georg Conrad: Zur Erinnerung an das Ludwigsfest in München (1888)
  3. Bayerische Schlösserverwaltung: Pressemitteilung 13. Februar 2006
  4. jetzt.sueddeutsche.de: Interview mit der Künstlerin

[Bearbeiten] Literatur

Im Nordflügel der Ruhmeshalle

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Ruhmeshalle München – Bilder, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 48° 7′ 50" n. Br., 11° 32′ 44" ö. L.

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