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Als Quelle des Rheins wird oft der Tomasee dargestellt. Mündungsfernste Quelle ist jedoch die Quelle des Rein da Medel.
Als Kriterien zur Bestimmung der Rheinquelle kommen in Frage:
Inhaltsverzeichnis |
Am als «Rheinquelle» bekannten Tomasee befindet sich ein Hinweisschild mit der Entfernungsangabe «1320 km bis zur Mündung».[1] Zum Zusammenfluss von Vorder- und Hinterrhein misst die oberhalb des Tomasees liegende Quelle des Rein da Tuma, der den Tomasee durchfliesst, etwa 71 km. Jedoch existieren einige mündungsfernere Quellen, sowohl im Vorder- als auch im Hinterrheingebiet. Das zeigt folgende Zusammenstellung:
Quellflüsse im Gebiet des Vorderrheins, Entfernung zum Zusammenfluss von Vorder- und Hinterrhein:
Quellflüsse im Gebiet des Hinterrheins (zu dem das Albula-Landwasser-System gehört), Entfernung zum Zusammenfluss von Vorder- und Hinterrhein:
Der längste Quellarm des Vorderrheins ist demnach der weit weg vom Oberalppass entspringende Reno di Medel. Im Gebiet des Hinterrheins weisen die Quellen des zum Albula-Landwasser-System gehörenden Dischmabachs mit etwa 72 km die grösste Entfernung zum Referenzpunkt auf. Neben Rein da Medel und Dischmabach wird der Rein da Tuma - und mit ihm der Tomasee - auch von Rein da Maighels und Rein da Curnera übertroffen.
Die Aare weist bei ihrem Zusammenfluss mit dem Rhein eine deutlich grössere Abflussmenge auf, die Entfernung zu den Aarequellen ist jedoch geringer als jene zu den Rheinquellen.
Unter dem Aspekt der mündungsfernsten Quelle kann daher die Quelle des Reno di Medel als Rheinquelle betrachtet werden. Diese liegt wie der Oberlauf des Flusses auf Markung der Tessiner Gemeinde Quinto, südlich des geomorphologischen Alpenhauptkamms (Val Cadlimo, westlich des Lukmanierpasses).
Aufgrund der geringen Entfernungsunterschiede könnte diesbezüglich jedoch auch von mehreren Rheinquellen gesprochen werden.
Die Einzugsgebiete von Vorder- und Hinterrhein umspannen ein ähnlich grosses Gebiet; das des Hinterrheins ist ein wenig grösser. Das Einzugsgebiet des Vorderrheins umfasst total etwa 1510 km², das des Hinterrheins (inclusive Albula und Landwasser) etwa 1670 km².
Abflussmengen werden im Gebiet des rheinischen Quellgebiets an mehreren Stellen vom schweizerischen Bundesamt für Umwelt (BAFU)[2] gemessen. Die Verteilung und Placierung der Stationen erlaubt jedoch kaum Vergleichsmöglichkeiten.
Am Zusammenfluss von Vorder- und Hinterrhein bei Tamins existieren keine Messstationen. Das Auge vermittelt den Eindruck zweier in etwa gleich starker Ströme. Unterhalb von Tamins liegt die Messstation Domat, die für 1980-2008 einen Durchschnitt von 114,2 m³/s aufweist. Die strömungsaufwärts nächstliegenden Stationen sind Ilanz und Fürstenau, beide liegen in ähnlicher Entfernung zu Tamins. Die Station in Ilanz am Vorderrhein (vor der Einmündung des Gluogn) weist für 1980-2008 einen Durchschnitt von 33,0 m³/s auf. Sie ist in etwa 20 km (16 km Luftlinie) von Tamins entfernt. Die Station in Fürstenau am Hinterrhein (nach dem Zusammenfluss mit der Albula) weist für 1980-2008 einen Durchschnitt von 37,9 m³/s auf. Sie ist in etwa 14 km (13 km Luftlinie) von Tamins entfernt. Die etwas näher liegende Station Fürstenau weist also eine leicht höhere Abflussmenge auf. Bis zur Station Domat werden noch etwa insgesamt 40 m³/s hinzukommen. Ein Blick auf die Einzugsgebiete zeigt, dass dieser Zuwachs mehrheitlich im Gebiet des Vorderrheins zu erwarten ist: Das Einzugsgebiet des Hinterrheins zwischen Fürstenau und Tamins umfasst lediglich Domleschg und Heinzenberg, etwa 109,2 km², und: bei Fürstenau sind bereits etwa 93,5 % des Einzugsgebiets des Hinterrhein-Albula-Systems durchflossen. Hingegen bedeckt das Einzugsgebiet des Vorderrheins zwischen Ilanz und Tamins etwa 745 km² (davon Glenner mit Valser Rhein etwa 222,3 km² und Rabiusa etwa 140,4 km²), und: bei Ilanz sind erst etwa 50,5 % des Einzugsgebiets des Vorderrhein-Systems durchflossen. Allein der Gluogn bringt bei seiner Einmündung in den Vorderrhein etwa 8,9 m³/s ein (Station Castrisch, Durchschnitt 1988-2008).
Es ist daher gut möglich, dass die Abflussmenge des Vorderrheins mindestens etwas höher ist als diejenige des Hinterrheins, trotz dessen leicht grösseren Einzugsgebiets. Schliesslich muss beachtet werden, dass zwei Druckstollen alltäglich eine unbekannte Menge Wasser von der Rabiusa durch den Heinzenberg zum Hinterrhein führen.
Innerhalb des Hinterrhein-Albula-Systems scheint die Abflussmenge der Albula diejenige des Hinterrheins bei Weitem zu übersteigen, wie die Beobachtung des Zusammenflusses bei Fürstenaubruck zeigt. Allerdings ist zu beachten, dass der Albula durch einen Stollen eine unbekannte Menge Wasser vom Hinterrhein zugeführt wird. Die Abflussmenge der Albula scheint wiederum von derjenigen der Landwasser übertroffen zu werden, dies ebenfalls entgegen der Erwartung, die die Benennung der Flüsse erzeugt.
Insgesamt gesehen lässt im Quellgebiet des Rheins im Gegensatz zu denen vergleichbarer anderer Ströme (wie Rhône, Save, Drau, Po, Inn) keine besondere Hierarchie der Fliessgewässer feststellen. Unterscheiden lassen sich grundsätzlich das Vorderrhein-System im Westen sowie das Hinterrhein-Albula-Landwasser-System im Süden und Osten. Beide halten sich in puncto Mündungsferne, Einzugsgebiet und Abflussmenge in etwa die Waage.
Ferner lassen sich an den eigentlichen Quellpunkten sieben Untersysteme (zwei vorderrheinische und fünf hinterrheinische) voneinander abgrenzen, die sich anhand der Kriterien Mündungsferne, abflussstärkster Verlauf und Einzugsgebiet ebenfalls nur wenig unterscheiden (von West nach Süd und Ost):