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Reinkarnationsforschung

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Reinkarnationsforschung untersucht Erinnerungen, die als solche an ein früheres Leben interpretiert wurden. Dabei wird geprüft, ob sich der Fall als Betrug, Selbstbetrug oder durch psychologische, parapsychologische oder spiritistische Annahmen erklären lässt. Für so anscheinend nicht erklärbare Fälle hält die Reinkarnationsforschung das Vorliegen einer tatsächlichen Reinkarnation für möglich.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Fallstudien

Von den 1960er Jahren bis kurz nach der Jahrtausendwende untersuchte der Pionier der Reinkarnationsforschung Ian Stevenson über tausend Fälle von Kindern, die behaupteten, sich an frühere Inkarnationen zu erinnern. Seine Untersuchungen finden bei Reinkarnationsforschern besondere Beachtung. Aufgrund der hohen Anzahl untersuchter Fälle mit entsprechend hoher Validität genießen die Untersuchungen Professor Stevensons bei einigen Fachleuten Anerkennung. Beim phänomenologischen Vergleich der Reinkarnation-Erinnerungen mit Berichten zu Nahtodeserlebnissen (engl. near-death experience, NDE) und den allgemeineren außerkörperlichen Erfahrungen (AKE; engl. Out-of-the-body experience, abgekürzt OBE) ergeben sich Hinweise auf einen gemeinsamen Kern.

Autoren wie Paul Edwards haben viele der von Stevenson und anderen angeführten Fälle erneut analysiert. Sie behaupten, dass genauere Untersuchungen der betroffenen Individuen genügend Anhaltspunkte dafür liefern, um die These zu schwächen, dass es sich um glaubwürdige Beispiele von Reinkarnation handelt.

Als Fall vom Reinkarnationstyp (englisch: case of the reincarnation type) bezeichnet Stevenson den Fall einer Person, deren geäußerte Erinnerungen, Verhalten oder auch körperliche Eigenschaften auf die Möglichkeit eines früheren Lebens im Sinne der Reinkarnation hindeuten (suggestive of reincarnation).

[Bearbeiten] Einteilung der Fälle in Untertypen

Primär zu unterscheiden ist zwischen gelösten Fällen (solved cases) und ungelösten (unsolved cases), je nachdem ob eine verstorbene Person gefunden wurde, auf die sich die vorhandenen Hinweise eindeutig beziehen. Weitere Einteilungskriterien sind:

Einige Sonderfälle treten nur sehr selten auf:

[Bearbeiten] Beobachtungen, die für die Forschung relevant sind

Folgende Elemente spielen in Fällen von Reinkarnationstypen für die Forschung eine wichtige Rolle:

[Bearbeiten] Geschichte

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde über einige Fälle sporadisch in Zeitungen und okkultistischen Zeitschriften berichtet. Die meisten von ihnen ereigneten sich in Indien.

[Bearbeiten] Die Erklärungsversuche

[Bearbeiten] Einzelfälle

Jeder Fall ist individuell daraufhin zu untersuchen, welche Erklärung für ihn am wahrscheinlichsten zutrifft.

[Bearbeiten] Die Gesamtheit der Fälle

Für die Forschung ist die Reinkarnation ein Naturphänomen, das auftreten kann, aber nicht unbedingt muss. Dafür führt sie auch Argumente ins Treffen, die sich aus der statistischen Gesamtbetrachtung aller untersuchten Fälle ergeben.

Dem widerspricht der Einwand des Modellfalls. Die Übereinstimmung verschiedener Fälle von Reinkarnationstyp bezüglich mehrerer Charakteristika ist zwar ein wichtiges Argument für das Vorliegen eines erklärungsbedürftigen Phänomens, verliert aber an Aussagekraft, wenn man annimmt, dass es (insbesondere bei Völkern, deren Religionen die Reinkarnation lehren) bestimmte kulturspezifische Reinkarnationsmodelle gibt, an denen sich im Einzelfall Beteiligte und Informanten unbewusst orientieren. Evans und Wentz vermuten als Erklärung von Beobachtungen, die für die Modelltheorie sprechen (wie z. B. das Fehlen von Fällen mit Geschlechtswechsel bei den Drusen, deren Religion diese Möglichkeit ausschließt), dass reale Reinkarnationsvorgänge durch die religiösen Erwartungen beeinflusst werden. Laut Stevenson weisen die Berichte in allen von ihm untersuchten Kulturen sowieso viele Eigenheiten auf, die von der Religion unabhängig sind, so das statistisch signifikante Überwiegen eines gewaltsamen Endes des vorangegangenen Lebens, das keine Religion lehrt.

[Bearbeiten] Fallstudien

Die Schwestern Jacqueline und Joanna Pollock (sechs und elf Jahre alt) wurden am 5. Mai 1957 auf dem Weg zur Kirche von einem Auto getötet. Als deren Mutter (Florence Pollock) wieder schwanger wurde, glaubte ihr Vater (John Pollock) entgegen ärztlichen Vorhersagen fest an Zwillinge, in denen die verunglückten Mädchen reinkarnieren würden. Tatsächlich wurden am 4. Oktober 1958 die eineiigen Zwillinge Jennifer und Gillian in Hexham (Northumberland) geboren, die im Alter zwischen zwei und vier Jahren einschlägige Erinnerungen äußerten und Gegenstände (Spielsachen) wiedererkannten. Jennifer hatte überdies zwei Muttermale, die einem Muttermal Jacquelines an der linken Hüfte und einer Stirnnarbe entsprachen, die Jacqueline bei einem Sturz im Alter von drei Jahren erhalten hatte. Auch im Verhalten zeigten sich starke Ähnlichkeiten: Jennifer war ebenso abhängig von ihrer (etwas) älteren Schwester Gillian, wie früher Jacqueline von Joanne. Gillian lernte auch viel leichter die richtige Handhabung des Bleistiftes. Der Fall wurde von Hemendra Nath Banerjee und (ab 1964) von Ian Stevenson untersucht.
Die Birmanin Tin Aung Myo wurde am 26. Dezember 1953 in Nathul geboren. Während der Schwangerschaft hatte ihre Mutter Aye Tin einen Ankündigungstraum bezüglich eines japanischen Armee-Kochs, den sie im Krieg gekannt hatte. Tin Aung, den zusätzlichen Namen Myo gab sie sich erst später, um männlicher zu wirken, war etwa vier Jahre alt, als sie begann, von einem Vorleben als ein in Nathul stationierter japanischer Soldat zu erzählen, der dort beim Kochen von einem Flugzeug aus erschossen wurde.
Tin Aung Myo hatte als Kind panische Angst vor Flugzeugen. Verschiedene ihrer Verhaltensweisen (im Hinblick auf Essen, Wetter etc.) waren weit mehr für Japaner als für Birmanen typisch. Auch das Erlernen ihrer birmanischen Muttersprache fiel ihr schwer. Oft (insbesondere an trüben Tagen) äußerte sie Heimweh nach Japan. Sie war Linkshänderin, was sie auch von ihrer Vorinkarnation behauptete. Am ausgeprägtesten (und anhaltendsten) war ihre Identifikation mit dem männlichen Geschlecht. So wurde sie beispielsweise mit elf Jahren von ihrer Schule gewiesen, weil sie sich weigerte, Mädchenkleider zu tragen. Die Untersuchung des Falls durch Ian Stevenson und Win Maung begann 1972.
Stevenson fand noch etliche weitere Fälle von Birmanen, die von Erinnerungen an ein Vorleben als japanischer Soldat im Zweiten Weltkrieg berichteten. Sie sind (wie alle internationalen Fälle, die nicht auf eine Familie beschränkt sind) sämtlich ungelöst, d. h. es konnte keine zu den spärlichen Angaben passende verstorbene Person gefunden werden.

Abseits der erwähnten formalen Studien gibt es eine Vielzahl von Berichten, die mit erstaunlichen Details aufwarten, wie sie sonst nur spezialisierten Historikern bekannt sind. Diese Phänomene sind unstrittig, die weitergehende Fragestellung konzentriert so darauf, die Ursache für diese Erinnerung zu ergründen, sowie die Eigeninterpretation der Berichtenden zu analysieren.

[Bearbeiten] Forschungsergebnisse

Folgende Ergebnisse lassen sich formulieren, wenn man die Existenz der Reinkarnation voraussetzt:

[Bearbeiten] Argumente gegen die Reinkarnationshypothese

Im einzelnen wird gegen die Reinkarnationshypothese vorgebracht:

Insgesamt kann die Hypothese einer Reinkarnation wie jede Hypothese vielfältig in Zweifel gezogen werden. Die Reinkarnationsforschung liefert hier Studien, die für die auftretenden Fälle vom Reinkarnationstyp zumindest den Erklärungsrahmen einer phänomenologischen Untersuchung stark einengen. Auch wenn die Phänomenologie primär eine philosophische Erkenntnismethodik ist, so ist sie heute akzeptierter Teil des wissenschaftlichen Vorgehens, um aus bekannten Daten mögliche Theorien herauszukristallisieren, für die dann Fragenstellungen in einer Form formuliert werden, die mittels Test widerlegt werden können.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Thorwald Dethlefsen: Das Erlebnis der Wiedergeburt. Heilung durch Reinkarnation. München, C. Bertelsmann 1976, S. 113-115

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Weblinks

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