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Rapakiwi

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Angewitterte Oberfläche eines Rapakiwi-Findlings in Norddeutschland (Neuenkirchen (Kreis Steinfurt)). Die größten Ovoide haben hier einen Durchmesser von etwa 2,5 Zentimetern.
Rapakiwi-Geschiebe aus dem Münsterländer Kiessandzug. Fundort: Neuenkirchen/Offlum
Rapakiwigranit Baltic Brown (Wyborgit-Typus)

Ein Rapakiwi ist eine Granitgruppe mit ungleichkörngen und bis zu mehreren Zentimetern großen, runden Einsprenglingen (Ovoide) aus Feldspat und einer relativ feinkörnigen Grundmasse aus Quarz, verschiedenen Feldspäten und Mafischen Mineralen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Begriff

Die Bezeichnung (finn. rapakivi „Bröckelstein“ oder „schlechter Stein“) leitet sich von der auffälligen Verwitterungsform ab. Lokal begrenzt zerfällt das Gestein in scharfkantigen Schutt, solider Stein und Gesteinsgrus liegen kleinräumig nebeneinander. Jakob Johannes Sederholm übersetzt diesen im südfinnischen Volksmund gängigen Begriff 1891 als "fauler Stein".

Die erste Erwähnung der Bezeichnung findet sich bei U. Jerne und stammt aus dem Jahr 1694. Daniel Tilas (1739), Böthlingk (1840) Thomas von Ungern-Sternberg (Leipzig 1882, Dissertation) und Jakob Johannes Sederholm (1891) griffen den Terminus auf. Letzterer veröffentlichte seine Beschreibung in Tschermak's Mineralogischen und Petrographischen Mittheilungen des genannten Jahres.[1] Von diesem Geologen stammt die erste wissenschaftliche Beschreibung dieser Gesteinsgruppe nach modernem Verständnis.[2]

[Bearbeiten] Petrographie, Typologie

Die Kristalle der Grundmasse sind aber nach wie vor mit bloßem Auge zu erkennen. Sie besitzt eine besondere Struktur, die dem Schriftgranit ähnlich ist und Myrmekit genannt wird. Kleine Quarzkristalle sind durch die größeren Feldspatkristalle hindurchgewachsen. Im Querschnitt ähnelt dieses Muster alten Schriftzeichen. Weiterhin besitzen die Ovoide oft, aber nicht immer, einen Saum aus Plagioklas (z. B. grüner Oligoklas).

Bei den Rapakiwigraniten werden zwei grundsätzliche Erscheinungsformen nach dem auftretenden kristallinen Gefüge unterschieden. Beiden Typen ist ein porphyrisches Gefüge gemeinsam, das also große Einzelkristalle in einer wesentlich kleinkörnigeren Matrix zeigt.

Der Rapakiwitypus Wyborgit besitzt grobkörnige Orthoklaseinsprenglinge (auch Mikroklin), die von einen oder seltener mehreren parallel gelagerten Säumen aus Oligoklas umgeben sind. Deshalb erinnert das Gesamtbild an Bälle. Manche Feldspateinsprenglinge sind miteinander verwachsen und haben einen gemeinsamen Saum.
Die Zusammensetzung der Matrix bilden Quarz, Biotit, Hornblende und Plagioklas.
Der Rapakiwitypus Pyterlit hat ebenso große Orthoklaskristalle. Diese besitzen keinen Saum aus Oligoklas.[3] Der Quarzanteil liegt gegenüber dem Wybergit etwas höher.
Der Name leitet sich von der Lokalität Pyterlahti mit ihren alten Steinbrüchen bei Virolahti ab.[4]

Beiden Typfazies ist es eigen, dass sie kleine Drusenräume aufweisen. Dieses Merkmal wird als miarolitische Hohlräume bezeichnet.

[Bearbeiten] Verbreitung

Rapakiwigranite sind weltweit verbreitet, treten aber hauptsächlich auf geologisch alten kontinentalen Krusten aus dem Präkambrium auf. Das europäische Hauptverbreitungsgebiet liegt in Skandinavien, vor allem in Finnland. Die vier finnischen Rapakiwiregionen sind die Åland-Inseln, die Region um Wyborg (teilweise zu Russland gehörend), von Nystad und von Pitkjaranta. Von herausgehobener Bedeutung ist das Wyborger Massiv, ein mittelproterozoischer Batholith, das von finnischen und russischen Wissenschaftlern untersucht wurde.

Aber auch am Küstengebiet des nördöstlichen Schwedens (bei Rödö), in Südnorwegen (Drammen) und Russland (Salminski Massiv und Uljalegski Massiv in Südkarelien, Südlicher Ural, Südwestküste des Baikalsees) gibt es Rapakiwi-Gesteine. Ferner in Korea und der Ukraine.[5][6]

Im baltischen Raum und Mitteleuropa sind Rapakiwigranite als eiszeitliche Geschiebe sehr häufig zu finden und stammen meist von den Åland-Inseln.

[Bearbeiten] Rapakiwis als Naturwerkstein

Unter den Bezeichnungen Baltic Braun (oder auch brown), Baltic Rot (oder auch red), Carelian red und Carmen red sind diese Gesteine seit Jahrzehnten in Deutschland als Naturwerkstein im Handel. Es sind in Europa weitverbreitete Gesteine für Fassaden, Fußböden, Dekorgegenstände und Grabmale.

Traditionell bedingt finden sich Gesteine dieser Art in der Architektur südfinnischer Städte und in der Region Sankt Petersburg wieder.

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. F. Y. Loewinson-Lessing, E. A. Struve: Petrografičeskij slovar’. Leningrad, Moskva 1937, S. 286
  2. J.J. Sederholm: Rapakiwigesteine 1891, S. 1-31
  3. Wimmenauer: Petrographie", 1985, S. 70-71
  4. J.J. Sederholm: Rapakiwigesteine 1891, S. 24
  5. Walter Wahl: Die Gesteine des Wiborger Rapakiwigebietes. Fennia, Band 45/20, Helsingfors (Tilgmann) 1925, S. 6
  6. М. С. Зискинд: Декоративно-облицовочные камни. Ленингра (Недра) 1989, стр. 18-25

[Bearbeiten] Weblinks

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