Das Reichsprotektorat Böhmen und Mähren war von 1939 bis 1945 ein Besatzungsareal des Deutschen Reiches. Es wurde am 15. März 1939 aus den übrig gebliebenen Gebieten der Tschechoslowakei (von den Nationalsozialisten Rest-Tschechei [1] genannt) gebildet, die weder zur Slowakei noch zum schon vorher an das Deutsche Reich angeschlossenen Sudetenland, noch zu den an Polen abgetretenen Landesteilen gehörten.
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Durch das Münchener Abkommen vom 29. September 1938 wurde das Sudetenland von der Tschechoslowakei abgespalten und dem Deutschen Reich eingegliedert. Am Morgen des 15. März 1939 marschierte die deutsche Wehrmacht in Prag ein und errichtete das Reichsprotektorat Böhmen und Mähren. Die Slowakei war am Tage zuvor mit ihrer Unabhängigkeitserklärung faktisch in eine Art Vasallenverhältnis zum Deutschen Reich getreten. Auf dieses Auseinanderbrechen des Staates und Hitlers und Görings Drohung, bei Verweigerung der Unterordnung unter die Vorherrschaft des Deutschen Reichs Prag zu bombardieren, glaubte Staatspräsident Emil Hácha allein damit reagieren zu können, indem er Hitler in Berlin um „Protektion“ für den Reststaat bat. Háchas Kollaboration behinderte zwar den Widerstand, rettete andererseits aber auch viele Menschenleben und verhinderte große Schäden.
Am 28. Oktober 1939, dem Jahrestag der tschechoslowakischen Unabhängigkeit, demonstrierten in Prag mehrere Tausend Studenten gegen die deutsche Besatzung. Dabei wurde der Medizinstudent Jan Opletal von einer Kugel schwer verwundet und starb am 15. November 1939 an seinen Verletzungen. Sein Tod löste schwere Unruhen aus. Daraufhin wurde die Tschechische Karlsuniversität in Prag am 17. November 1939 geschlossen, über 1.200 tschechische Studenten wurden im Konzentrationslager Sachsenhausen interniert und erst 1942 wieder freigelassen („Sonderaktion Prag“). [2]
Der Chef des Reichssicherheitshauptamtes Reinhard Heydrich wurde 1941 zum stellvertretenden Reichsprotektor von Böhmen und Mähren ernannt (Stellvertreter von Reichsprotektor von Neurath). Er erwarb sich durch die brutale Verfolgung des Widerstandes seinen Ruf als „Schlächter von Prag“. Nachdem Heydrich am 27. Mai 1942 durch ein Attentat schwer verwundet wurde und am 4. Juni 1942 an den Folgen des Attentates starb, erlebte das Reichsprotektorat eine erneute Terrorwelle durch das Reich, gedacht als Vergeltung für den Mord an Heydrich. 10.000 Tschechen wurden festgenommen, über 1.300 getötet. Besonders bekannt wurde dabei das Massaker von Lidice (Liditz), bei dem die SS am 10. Juni 1942 eine ganze Ortschaft dem Erdboden gleichmachte und alle männlichen Einwohner umbrachte. Am 3. Juli 1942 wurde der Ausnahmezustand aufgehoben, die Standgerichte zur Aburteilung verdächtiger Personen blieben jedoch weiterhin auf unbestimmte Zeit im Amt.
Das Protektorat lieferte unfreiwillig einen sehr großen Beitrag zur deutschen Kriegswirtschaft. Die gut ausgebildete Arbeiterschaft und hochentwickelte Industrie konnten von Deutschland ausgenutzt werden. Andererseits lag das Protektorat an der Grenze der Reichweite alliierter Bomber, sodass die tschechische Wirtschaft bis zum Kriegsende beinahe ungestört arbeiten und wichtige Kriegsgüter liefern konnte. Bis zum 29. Oktober 1943 wurden sämtliche nicht kriegswichtigen Betriebe geschlossen. Zum Kriegsschauplatz wurde Böhmen erst im Frühjahr 1945. Am 14. Februar 1945 bombardierten alliierte Flugzeuge die Stadt Prag, dabei starben 700 Menschen. Im März 1945 wurden die Prager Vororte Libeň und Vysočany bombardiert, dabei starben über 350 Menschen. [3] Am 25. April 1945 warfen alliierte Flugzeuge 638 t Bomben auf die Stadt Pilsen (Plzeň).
Durch den Prager Aufstand, der am 5. Mai 1945 begann und sich gegen die deutsche Besatzung wandte, – es waren immerhin noch 80.000 Soldaten der Heeresgruppe Mitte, mehrere SS-Divisionen und zentrale Gestapo-Dienststellen im Protektorat stationiert – wurde die Protektoratsregierung gestürzt. Der Aufstand war de facto am 8. Mai beendet. Erst am 9. Mai 1945 marschierten die sowjetischen Truppen in Prag ein.
Mit der Errichtung des Protektorats im März 1939 wurden alle politischen Parteien verboten und durch die Nationale Union (Národní souručenství) als einzig zugelassener Einheitspartei ersetzt. Sie wurde bis 1942 von einem Präsidium (Výbor národního souručenství), danach von einem Führer (Vedoucí) geleitet.
Staatspräsident (Státní Prezident) unter deutscher Oberherrschaft war von 1939 bis 1945 der bisherige, ab November 1938 amtierende tschechoslowakische Staatspräsident Dr. Emil Hácha (1872–1945), Ministerpräsident zunächst der ebenfalls ab 1938 amtierende Premierminister Rudolf Beran (1887–1954).
Die tschechische Regierung im Reichsprotektorat bestand aus dem Ministerpräsidenten (Předseda vlády) sowie den Ministerien für Erziehung, Finanzen, Gesundheit, Handel, Inneres, Justiz, Landwirtschaft und Öffentliche Arbeiten. Die Zuständigkeiten für Außenpolitik und Verteidigung blieben der Besatzungsmacht vorbehalten. Der ehemalige Außenminister der Tschechoslowakei, František Chvalkovský wurde Minister ohne Geschäftsbereich und Ständiger Vertreter des Protektorats in Berlin.
Zu den übrigen Politikern des Protektorates gehörten u. a.:
Die Interessen des Großdeutschen Reiches gegenüber der Protektoratsregierung und damit die eigentliche Regierungsgewalt im Reichsprotektorat übernahm der so genannte „Reichsprotektor“:
Als Leiter der Protektoratsverwaltung amtierte als Staatssekretär bzw. (ab 1943) Staatsminister beim Reichsprotektor:
Eine Vielzahl tschechischer Juden wurde in die nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert. Traurige Berühmtheit hat das Ghetto und Konzentrationslager Theresienstadt erlangt. Mehrere Ortschaften wurden als „Sühnemaßnahmen“ für Überfälle von Partisanen vernichtet, so die Ortschaften Lidice, Ležáky, Ploština und zuletzt Javoříčko, deren Zivilbevölkerung ermordet wurde.
Viele Tschechen wurden zur Zwangsarbeit ins Deutsche Reich abtransportiert.
Beim Näherrücken der Fronten kam es Anfang Mai 1945 vor allem in Prag zu Aufständen tschechischer Nationalisten (Prager Aufstand) und nach Kriegsende bei der Vertreibung der deutschen Bevölkerung zu blutigen Racheakten.
Das Gebiet des Protektorats Böhmen und Mähren hatte (1930) 6.807.809 Einwohner, von denen ca. 225.000 Deutsche (3,3 %) waren.
| Oberlandratsbezirk | Fläche (km²) | Einwohner (1930) | Politische Bezirke |
|---|---|---|---|
| Brünn | 2.987 | 615.979 | Landeshauptstadt Brünn, Brünn (Land), Gaya, Göding, Tischnowitz |
| Iglau | 4.504 | 337.958 | Datschitz, Groß-Meseritsch, Iglau, Mährisch-Budwitz, Neustadtl, Trebitsch |
| Mährisch Ostrau | 990 | 308.871 | Friedberg, Friedeck, Mährisch-Ostrau |
| Olmütz | 1.323 | 264.444 | Mährisch-Weißkirchen, Olmütz-Stadt, Olmütz-Land, Prerau |
| Prossnitz | 1.903 | 242.521 | Boskowitz, Littau, Proßnitz |
| Kremsier | 2.349 | 276.108 | Holleschau, Kremsier, Wallachisch-Meseritsch, Wischau |
| Zlin | ? | ? | Ungarisch-Brod, Ungarisch-Hradisch, Wesetin, Zlin |
| Mähren | 2.333.664 |
Die Böhmisch-mährische Fußballnationalmannschaft bestritt im Jahr 1939 drei Länderspiele.
Anna Akhmatova et Marina Tsvetaeva
Deux femmes russes poètes prises au coeur de la tourmente russe du début du siècle, deux femmes russes reclues dans leur oeuvre face à un monde hostile. Ces deux russes russes sont le visage de la Russie ancienne et moderne.
"Qu'une femme russe vaut bien plus, en somme que les hommes russes qui se battent, et que leur chagrin pour les hommes me fait aimer les femmes russes ici-bas."