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Pfalz Wimpfen :

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Pfalz Wimpfen

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Pfalz Wimpfen mit erhaltenen und rekonstruierbaren staufischen Mauern

Die Pfalz Wimpfen ist eine romanische Königspfalz in Bad Wimpfen am Neckar. Die Anlage ist um 1200 entstanden, verschmolz aber bereits ab dem 14. Jahrhundert mit der sich westlich anschließenden Stadt, innerhalb der das ehemalige Pfalzareal heute das so genannte Burgviertel bildet. Zu den erhaltenen Bestandteilen der Anlage zählt der Blaue Turm, das Wahrzeichen Bad Wimpfens.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Lage

Silhouette der Pfalz vom Neckartal aus gesehen
Blick vom Blauen Turm über das Burgviertel von Bad Wimpfen und weiter über das Neckartal mit der älteren Siedlung Wimpfen im Tal
Roter Turm mit Wehrmauern und Nürnberger Türmchen aus dem 17. Jahrhundert

Die Stauferpfalz in Wimpfen wurde auf dem vom Tal des Neckars zum Kraichgau ansteigenden Bergrücken des Eulenbergs oberhalb der Siedlung im Tal errichtet. Sie ist – wenn man von der Burg Girbaden absieht, die nur von 1219 bis 1226 in staufischem Besitz war – die größte erhaltene Königspfalz nördlich der Alpen. Ihre größte Länge beträgt etwa 215 Meter, ihre größte Breite etwa 88 Meter. Außer durch Mauern war die Anlage nach Norden und Osten durch den steil abfallenden Hang geschützt, im Süden bildete ein Bachlauf (dem die heutige Hauptstraße folgt) einen natürlichen Graben, nach Westen wurde ein Graben angelegt.

[Bearbeiten] Geschichte

Wimpfen im Tal war zur Zeit der Römer bereits eine bedeutende ummauerte Siedlung an einem Neckarübergang entlang des Neckar-Odenwald-Limes. Nach der Fränkischen Landnahme um das 7. Jahrhundert erlangte das Bistum Worms dort Besitz, von dem die Gründung des Stift Wimpfen ausging. Der Ort im Tal erlangte bereits 965 das Marktrecht und zählt zu den bedeutenden alten Orten der Umgebung.

Im Jahr 1182 wird ein Aufenthalt Kaiser Friedrich Barbarossas in Wimpfen vermutet. Sein mittelalterliches, staufisches Reich wurde dezentral verwaltet. Die Staufer errichteten deswegen an vielen Orten ihres Reiches so genannte Königspfalzen – große, bewehrte Burganlagen, in denen die Kaiser und Könige Hof hielten und Recht sprachen. Stauferkaiser Heinrich VI. (1165–1197) hat nachweislich mindestens drei Mal in Wimpfen Hof gehalten, Friedrich II. (1194–1250) mindestens acht Mal. Aus dem Jahr 1235 ist das historische Aufeinandertreffen von Kaiser Friedrich II. mit seinem aufrührerischen Sohn Heinrich (VII.) in Wimpfen überliefert.

Wer den Bau der Pfalz westlich oberhalb der Talsiedlung, wo sich zuvor nur eine kleine Siedlung befunden hatte, in Auftrag gegeben hat, ist unbekannt – es könnte auch ein Kaiser gewesen sein, der nie in Wimpfen war. Ob die Pfalz schon in die Regierungszeit Barbarossas um 1160/70 zu datieren ist, ist strittig. Der Kunsthistoriker Günther Binding sieht Anzeichen dafür in den „Frühformen“ der erhaltenen Säulen. Der Kunsthistoriker Fritz Arens setzt dagegen den Baubeginn erst in die Regierungszeit Philipps von Schwaben (1198–1208), auch weil die früh in Wimpfen verbürgten Kaiseraufenthalte im Stift Wimpfen gewesen sein könnten und die Anwesenheit eines Kaisers keine Pfalz voraussetzt.

Die Pfalz scheint ihren Bauformen und ihrer Bestimmung nach in einem Zug errichtet worden zu sein. Das Bauland gehörte ursprünglich dem Bistum Worms. Der Bischof von Worms belehnte einerseits nach 1217 den König mit Wimpfen, verbot aber auch andererseits 1220 den Festungsbau auf Bistumsbesitz und erweiterte das Verbot 1231 auch auf königliche Bauten, womit vermutlich das Entstehen weiterer Pfalzen auf ursprünglich Wormser Besitz unterbunden werden sollte.

Neben den zuvor genannten staufischen Herrschern waren außerdem Rudolf von Habsburg 1274 und 1282, Adolf von Nassau 1297, König Albrecht I. 1300 und 1306 sowie Ludwig der Bayer 1315, 1320, 1336 und 1346 in Wimpfen.

Die Pfalz war ursprünglich nach allen Seiten von Mauern, nach Süden und Westen auch durch Gräben geschützt. Der Hauptzugang befand sich im Westen zur Stadt am Berg hin, die unmittelbar nach Anlage der Pfalz entstanden ist und bald bedeutender als die ältere Talstadt wurde. Die nördliche Wehrmauer der Pfalz findet ihre westliche Fortsetzung zum um 1250 begründeten Wormser Hof, der ähnlich wie die Pfalzbauten mit der Stadtmauer verbaut ist. Auch die Stadtkirche, das Dominikanerkloster und das südwestlich unterhalb der Pfalz und außerhalb der Stadtmauern liegende Spital haben ihren Ursprung im 13. Jahrhundert. Nach dem Niedergang der Staufer war die Pfalz Sitz der Landvögte für Oberfranken, später für Niederschwaben.

Die Pfalz verschmolz ab dem 14. Jahrhundert mit der sich nach Westen anschließenden Stadt am Berg. Der Burggraben, der Pfalz und Stadt trennte, wurde allmählich verfüllt und überbaut, zuletzt beim Neubau des Rathauses 1840. Das ehemalige Pfalzareal bildet heute das so genannte Burgviertel im Osten der Altstadt. Da das Areal vollständig mit historischem Baubestand überbaut ist, wurde die Pfalz bislang nur ansatzweise archäologisch untersucht und sind im Wesentlichen auch nur diejenigen Gebäude bekannt, die heute noch oberirdisch zu sehen sind. Der Palas wurde durch Grabungen um 1970 erforscht, die Fundamente des dritten Turms wurden bei Sanierungsarbeiten um 1980 gefunden. Fachleute vermuten im Boden das Vorhandensein von Fundamenten weiterer Anlagenteile, wie beispielsweise eines Zwingers.

[Bearbeiten] Bauwerke

[Bearbeiten] Blauer Turm

Blauer Turm, Ostseite mit früherem hochgelegenen Eingang

Wahrzeichen Bad Wimpfens ist der 58 Meter hohe Blaue Turm, der westliche Bergfried der Pfalz. Der quadratische Turm mit Aborterker über dem heutigen ebenerdigen Eingang war ursprünglich ein ungedeckter Wehrturm und nur durch einen höher gelegenen Eingang auf der Ostseite über Leitern oder Treppen zu erreichen. Der Turm diente vermutlich insbesondere dem Schutz des Hauptzugangs der Pfalz. Nach einem Brand von 1674 erhielt er eine barocke Haube, nach einem zweiten Brand 1848 seine heutige Gestalt mit ebenerdigem Eingang, einem spitzen schiefergedeckten Dach sowie einem massiven Umgang mit vier ebenfalls von spitzen Schieferdächern überdeckten Ecktürmchen aus Sandstein. Entweder der zum Bau des Turmes verwendete Kalkstein oder aber der bläuliche Schiefer, mit dem der Turm seit 1848 gedeckt ist, führte zu seinem heutigen Namen. Der Umbau von 1848 verursachte große statische Probleme, da der Turmaufbau zu schwer war und zu Rissen in der Außenwand des Turmes führte. Daraufhin wurden der Turmsockel verstärkt, der Zugang zum Aborterker vermauert und der Turm mit vier starken Eisenbändern umklammert, die später durch andere statische Hilfsmittel ersetzt wurden. Nach einem erneuten Brand 1984 wurde der Turm in seiner bisherigen Form wiederhergestellt.

Auf dem Turm, der besichtigt werden kann, wohnt seit 650 Jahren ununterbrochen ein Türmer. Bianca Knodel, die diese Aufgabe seit 1996 versieht, ist die einzige Türmerin Deutschlands.[1]

[Bearbeiten] Roter Turm

Roter Turm, von Südwesten gesehen

Der Rote Turm ist ein zweiter erhaltener Bergfried aus Buckelquadern, der um 1200 an der Ostspitze der Pfalz errichtet wurde. Der Turm ist 23 Meter hoch und hat eine quadratische Grundfläche von etwa 10 mal 10 Metern. Der Sockel besteht aus Sandstein, darauf folgt ein etwa genau so hoher Aufbau aus Kalktuff. Die Mauerstärke des Turms beträgt rund drei Meter, so dass im Inneren nur ein rund 4 mal 4 Meter großer Raum zur Verfügung steht.

Roter Turm, Grundriss des Innenraums

Im Gegensatz zum Blauen Turm diente der Rote Turm vermutlich als Fluchtturm für die königliche Familie, worauf die ungleich reichere Innenausstattung und die Anbindung an den Palas über den Wehrgang schließen lassen. Der Zugang erfolgte über eine Brücke vom Wehrgang der Wehrmauer oder über Leitern zu einem hölzernen Balkon vor der in mehreren Metern Höhe befindlichen Zugangstüre. Im Bereich des Balkons sind die Steine des Turms glatt behauen. Im Turminneren befinden sich auf Zugangsebene nach Süden ein gewinkelter Gang zum Aborterker, an der Westwand und der Nordwand jeweils eine Nische und an der Ostwand ein Kamin. Der Kamin endet bereits unterhalb des Kalktuffbereichs, so dass der Kalktuffaufbau eventuell erst in einer späteren Bauperiode erfolgte. Im späten Mittelalter wurde der Turm dann um die oberen vier Meter erhöht. Die Ecken dieses Bereichs sind abgeschrägt. Während die Öffnungen im unteren Bereich des Turms noch aus der Zeit vor Einführung der Feuerwaffen stammen und Lüftungsschlitze sind, handelt es sich bei den Öffnungen der letzten Erweiterung bereits um Schießscharten. Der Turm brannte 1645 völlig aus, das massive Mauerwerk blieb jedoch erhalten. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurden die Befestigungsanlagen am Roten Tum um das kleine Nürnberger Türmchen ergänzt. Die beiden unteren Geschosse des Roten Turms wurden im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzräume genutzt. Den Balkon vor der hochgelegenen Zugangstür des Turms hat man 1976 rekonstruiert. Der Turm beheimatet heute eine Ausstellung zum Leben im mittelalterlichen Wimpfen, die jedoch nur wenige Tage im Jahr geöffnet ist.

Archäologisch gesichert ist ein dritter quadratischer Bergfried, der an der Südwestecke des Pfalzberings gestanden hat und dessen Fundamente in den 1980er Jahren bei der Sanierung des heute dort befindlichen Bürgermeister-Elsässer-Hauses vorgefunden wurden.

[Bearbeiten] Steinhaus

Steinhaus

Das Steinhaus ist ein Wohngebäude der Pfalz mit Unterbau aus dem 12. Jahrhundert, in dem vermutlich die Königin wohnte. Das Steinhaus hat eine Grundfläche von 9,25 x 18,70 Meter. In seinem Inneren waren zwei, jeweils die gesamte Geschossfläche einnehmende Säle. Aus der Zeit seiner Entstehung datieren unter anderem noch die romanischen Doppelfenster in den unteren Geschossen sowie das Portal am Südgiebel. Das etwa fünf Meter breite, siebenteilige Fenster am Südgiebel entstand um 1400, es wurde später aber vermauert und erst 1944 wieder freigelegt. Nach dem Ende der Staufer befand sich das Steinhaus bis 1511 im Besitz der Familie Werrich, deren Wappen mit einer Fidel sich wie auch das der Stadt Wimpfen auf einer Wandmalerei im Inneren befindet. Der Staffelgiebel des Gebäudes stammt aus dem 16. Jahrhundert, der große Keller wurde um 1600 nachträglich eingefügt, die zahlreichen Fenster im Giebel sind jüngeren Ursprungs. Bis weit ins 20. Jahrhundert wurde das Gebäude als Vorratsgebäude genutzt, heute ist es ein Museum.

[Bearbeiten] Pfalzkapelle

Pfalzkapelle

Die Pfalzkapelle bestand um 1200 ursprünglich aus einem Langhaus mit östlich anschließender halbrunder Apsis und war dem Hl. Nikolaus von Bari gewidmet. 1333 gab Rudolf der Bayer die Kapelle an das Benediktinerkloster in Sinsheim. Vermutlich um diese Zeit entstand auch anstelle der Apsis ein gotischer Chor mit angebauter Sakristei. Die Kapelle war bereits vor dem Dreißigjährigen Krieg zum Zeug- und Lagerhaus geworden, wurde während des Krieges vorübergehend von Kapuzinermönchen genutzt und danach wieder als Lagerhaus. 1833 wurde das Gebäude an Wimpfener Bürger verkauft, die es nach einem als „grauenhafte Verwüstung“[2] bezeichneten Umbau ab 1837 als Wohnhaus mit Stallungen nutzten. 1909 bis 1911 wurde die Kapelle wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt, wobei der Chor in gotischen Formen neu entstand und nachträglich eingebrochene Fenster in den Seitenwänden wieder entfernt wurden. Heute befindet sich in dem Bauwerk ein kirchenhistorisches Museum.

[Bearbeiten] Palas

Palas-Arkaden

Vom vermutlich prächtigen Palas, der sich unmittelbar an die Pfalzkapelle anschloss, ist lediglich noch die Nordwand mit Arkaden erhalten, denn wie bei der Pfalzkapelle war auch die Nordwand des Palas gleichzeitig Teil der Wehrmauer. Die Säulen der Arkadenfenster im ersten Obergeschoss weisen jeweils individuellen Bauschmuck auf. Durch Grabungen konnte zwar der Grundriss des Palas ermittelt werden, sein ursprüngliches Aussehen und seine Raumaufteilung sind jedoch weitgehend unbekannt.

[Bearbeiten] Schwibbogentor

Schwibbogentor, rechts anschließend Reste der Wehrmauer

Das Schwibbogentor (auch Hohenstaufentor) ist ein Torturm, war einer der Eingänge zur Pfalz und markiert gleichzeitig deren tiefsten Punkt. Der Turm ist im Wesentlichen in seiner ursprünglichen Form erhalten, allerdings wurde bei der Umnutzung des Burgviertels zum Wohnviertel das Straßenniveau zur Hauptstraße hin abgesenkt, so dass die Toröffnung heute etwa zwei Meter tiefer ist als zur Zeit der Pfalz und weit in die ursprünglich durchlaufende Futtermauer zum Graben (heutige Hauptstraße) reicht. An den Seitenpfeilern sind noch gut die früheren Basissteine zu erkennen, die das ursprüngliche Zugangsniveau markieren. Der Graben wurde zur Zeit der Pfalz wahrscheinlich mit einer Zugbrücke überwunden. Der Turm hat keinen eigenen Eingang, da der ursprüngliche Zugang vom Wehrgang (heute: vom Nachbargebäude) aus erfolgte. An der Südseite sind einige vermauerte romanische Fenster zu erkennen. Das oberste Geschoss und die Dachhaube wurden nachträglich aufgesetzt, der kleine runde Kaminauslass auf der Nordseite steht vermutlich im Zusammenhang mit diesem Umbau.

[Bearbeiten] Romanisches Wohnhaus

Romanisches Wohnhaus

Auf halbem Weg zwischen Schwibbogentor und Rotem Turm befindet sich ein romanisches Wohnhaus, dessen Untergeschoss mit einer romanischen Bogentüre auch auf die Zeit der Errichtung der Pfalz zurückgeht. Das Haus wurde gemäß einer Datierung 1525 durch die Bürgerfamilie Erer umgebaut, deren Wappen sich an dem Gebäude befindet. Das Obergeschoss des Gebäudes wurde um 1765 in Fachwerkbauweise erneuert, wobei das Gebäude auch mittig geteilt wurde.

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Tobias-Benjamin Ottmar: Frau Knodel ist eine Türmerin. In: Stuttgarter Zeitung vom 8. September 2006
  2. Arens/Bührlen: Wimpfen – Geschichte und Kunstdenkmäler. Verein Alt Wimpfen, Bad Wimpfen 1991 (S.27)

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Kaiserpfalz Bad Wimpfen – Bilder, Videos und Audiodateien

7Koordinaten: 49° 13′ 49,4″ N, 9° 9′ 47,3″ O

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