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Bevölkerungspolitik

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Bevölkerungspolitik ist ein politologischer Begriff, der die Politik von Staaten oder Interessensgruppen, die darauf gerichtet ist, die Einwohnerzahl und die Bevölkerungsstruktur der in einem bestimmten Gebiet lebenden Bevölkerung zu beeinflussen, analysiert.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Grundlagen

Die wissenschaftlichen Grundlagen für eine Bevölkerungspolitik werden von der Demographie (Bevölkerungswissenschaft) geliefert. Die Ziele der Bevölkerungspolitik werden von der Regierung, den politischen Parteien und den Interessengruppen der Gesellschaft formuliert und in Familienpolitik, Sozialpolitik und Migrationspolitik umgesetzt und in entsprechenden Gesetzen, z.B. in einem Zuwanderungsgesetz, verankert.

[Bearbeiten] Ziele

Historisch sind drei Grundformen der Bevölkerungspolitik zu unterscheiden. Es sind dies die Förderung bzw. die Beschränkung der örtlichen Population durch Hebung bzw. Senkung der Geburtenrate und Migration, die Vertreibung bzw. Ansiedelung von Bevölkerungsgruppen. Hinzukommen Maßnahmen, die heute unter den Tatbestand des Völkermords fallen. Diese Grundformen können auch in verschiedenen Kombinationen auftreten, wie:

  1. Erhaltung einer ausgeglichenen Altersstruktur (Alterspyramide) in Ländern mit (wegen einer unter die Reproduktionsrate von 2,1 Kindern pro Frauenleben sinkenden Fertilitätsrate) alternder Bevölkerung, durch Abtreibungsverbot, Geburtenförderung (Familienpolitik) oder Zuwanderung (Problem von Ländern mit gehobenem Lebensstandard; Beispiel für eine brutale, mit Abtreibungsverbot arbeitende Variante: Ceausescus Rumänien[1])
  2. Förderung des Bevölkerungswachstums nach Epidemien oder Kriegen, Besiedlung und Nutzung bisher ungenutzter Landesteile (dies sind weitgehend historische Phänomene. Beispiel: Repopulierungspolitik (Politik der „Pöblierung“) der merkantilistischen Ära nach der mittelalterlichen Pest ("Schwarzer Tod")[2])
  3. Begrenzung des Bevölkerungswachstums, um den begrenzten Ressourcen eines Landes Rechnung zu tragen. Beispiele: China, Indien und andere (vor allem afrikanische) Entwicklungsländer).
  4. Vertreibung bzw. Aussiedlung von Angehörigen ethnischer Gruppierungen aus wirtschaftlichen / politischen Gründen und/oder rassistischen Gründen: Gerade die jüngste Geschichte bietet hier zahlreiche Beispiele (Hitlerdeutschland, Sowjetunion etc.).
  5. Förderung des Bevölkerungswachstums aus wirtschaftlichen (mehr Arbeitskräfte] oder machtpolitischen Gründen (mehr Soldaten)
  6. Förderung des Bevölkerungswachstums mit expansionistischem / nationalistischem bzw. religiösem Hintergrund zur Eroberung und Besiedlung neuer Gebiete bzw. zur Durchdringung und Dominierung anderer Ethnien. Beispiel: Manche europäische und asiatische Staaten während des 19. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert oder heutige islamische Staaten.

[Bearbeiten] Bewertung bevölkerungspolitischer Maßnahmen

Die Möglichkeit, in liberal-demokratischen Gesellschaftsordnungen eine umfangreiche "Bevölkerungspolitik" zu betreiben, sind sehr begrenzt. So stößt eine effektive korrigierende (temporär überdimensionierte) Förderung von Geburten sehr rasch an die Grenzen der Finanzierwilligkeit bzw. scheitert am Widerstand sich diskriminiert fühlende Kinderloser.

Bevölkerungspolitische Maßnahmen liefern auch keine kurzfristigen Ergebnisse. Erschwerend kommt hinzu, dass Bevölkerungsmenge und Bevölkerungsstruktur im engen Zusammenhang stehen, und nicht unabhängig voneinander beeinflusst werden können.

[Bearbeiten] Der deutsche Kulturraum heute

Der deutsche Sprach- und Kulturraum Mitteleuropas hat heute zwei demografische Probleme, denen die Regierungen mit bevölkerungspolitischen Maßnahmen entgegenzuwirken versuchen:

Diese beiden Probleme schaukeln sich in Ostdeutschland gegenseitig hoch, sodass die Bevölkerung in großen Teilen Ostdeutschlands jedes Jahr um etwa 1 Prozent abnimmt, wobei die Abwanderungsrate in den Dörfern höher ist als in den Städten.

[Bearbeiten] Quellen

  1. Kligman, G. (1998): "The Politics of Duplicity. Controlling Reproduction in Ceausescu´s Romania". Berkeley/Los Angeles: University of California Press; Monica Lataianu: "The 1966 Law Concerning Prohibition of Abortion in Romania and its Consequences - the Fate of a Generation"; Lorena Anton: Abortion and the Making of the Socialist Mother during Communist Romania
  2. Heinsohn, G./Knieper, R./Steiger, O. (1979): "Menschenproduktion. Allgemeine Bevölkerungstheorie der Neuzeit". Frankfurt/M.: Suhrkamp; G. Heinsohn/O. Steiger: "Witchcraft, Population Catastrophe and Economic Crisis in Renaissance Europe: An Alternative Macroeconomic Explanation", IKSF Discussion Paper No. 31, December 2004, Universität Bremen

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] WebLinks

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