Outils :Vous avez un site web ? Un blog ?
Technorati reactions rencontre |
Patrizier (Latein: patricius, Griechisch: πατρίκιος) ist die Bezeichnung für Angehörige der alteingesessenen Oberschicht im antiken Rom. Davon abgeleitet wird auch die sozial relativ abgeschlossene Oberschicht in vielen mittelalterlichen Städten Patriziat genannt.
Inhaltsverzeichnis |
Die Patrizier stellten die gesellschaftliche und meist auch politische Oberklasse des antiken Roms dar. Patrizier nahmen für sich in Anspruch, Abkömmlinge der Familien, welche Rom gegründet haben oder die sich kurz nach dessen Gründung dort ansiedelten, zu sein. Das Wort Patrizier (patricius) leitet sich vom lateinischen Wort pater, patres (Väter, Vorfahren) ab.
In der frühen Römischen Republik waren Mischehen zwischen Patriziern und Plebejern, also dem gewöhnlichen Volk, zunächst verboten. Patrizier durften ihre Einkommen nur aus ihrem Grund und Boden, zumeist also der Landwirtschaft oder Beute im Krieg erzielen. Bankiers oder Handelsgeschäfte waren ihren zunächst noch verboten und galten später zumindest als verpönt. Im Zuge der Ständekämpfe lockerten sich diese Einschränkungen, als sich die Plebejer ihr Recht auf Teilhabe an der politischen Macht erstritten. Ab der Zeit der mittleren Republik bildeten die patrizischen Familien und mehrere plebejische Familien die politische Führungsschicht Roms. Dennoch blieben den Patriziern bis in die Kaiserzeit bestimmte religiöse Ämter, wie bspw. das des Flamen dialis oder des Pontifex Maximus vorbehalten. Umgekehrt waren den Patriziern manche Ämter versperrt, darunter das Amt des in der späten Republik mächtigen Volkstribunen.
Die Patrizier genossen prinzipiell auch noch in der späten Republik besonderes Ansehen und neigten zumeist der politischen Richtung der Optimaten zu. Das hinderte jedoch bekannte Patrizier wie Gaius Iulius Caesar oder Publius Clodius Pulcher nicht daran, zu den Popularen überzutreten oder deren Partei zu ergreifen.
Die patrizischen Familien schwanden bereits während der Zeit der hohen römischen Republik ab ca. 150 v. Chr. deutlich an Anzahl, da sie häufig entweder unter Unfruchtbarkeit litten oder in den aufkommenden Krisen der Republik durch Krieg und Bürgerkrieg oder Proskriptionen dezimiert wurden. Einst die staatstragende Bevölkerungsschicht, verschwanden die Patrizier bis gegen 30. v. Chr. vor allem in der Zeit des zweiten Triumvirats zahlenmäßig weitgehend.
Bekannte Patrizierfamilien, die auch viele Konsuln und andere hohe Beamte der römischen Republik stellten, waren unter anderem die Cornelier, Valerier, Julier, Claudier, Aemilier und Fabier.
Im spätantiken Römischen Reich führte Kaiser Konstantin der Große den Titel Patricius als Ehrentitel für Bürger, die sich um das Reich verdient gemacht hatten, ein. Bis zum Ende der Antike war er als Ehrentitel von Bedeutung (vgl. etwa Petros Patrikios).
In den deutschen Reichsstädten des Mittelalters bildete sich ab dem 11. Jahrhundert ein Patriziat aus dem ehemaligen Ortsadel und/oder der örtlichen Ministerialität heraus. Sie nannten sich selbst „Geschlechter“. Die Patrizier besetzten den Rat und wichtige andere städtische Ämter und versuchten, sich ein ausschließliches Recht auf diese Ämter zu wahren, also die Patrizier zu den alleinigen ratsfähigen Geschlechtern zu machen. Da sie vornehmlich als Kaufleute tätig waren schlossen sie sich in Gilden zusammen und setzten ein erbliches Recht auf die begehrten Ämter durch.
Mit dem Erstarken des Handwerks und der Herausbildung eines in Zünften organisierten Bürgertums kam es seit dem 13. Jahrhundert zu Kämpfen der Handwerker gegen die Vorrechte der in Gilden vereinigten Patrizier. In der Regel konnten die Zünfte eine Beteiligung am Stadtrat erlangen. In Köln wurde die gesamte Stadtverfassung auf die Zunftverfassung zugeschnitten, während sich in Augsburg, Nürnberg, Frankfurt und in der Mehrzahl der Hansestädte das Patriziat behaupten konnte.
Das mittelalterliche „Patriziat“ nannte sich selbst nicht so; man sprach üblicherweise von „Geschlechtern“, wie etwa für Köln, Frankfurt am Main und Nürnberg nachgewiesen. Der Ausdruck „Patrizier“ in seiner Übertragung auf die städtische Oberschicht des Mittelalters entstammt selbst nicht dieser Zeit, sondern erst der Renaissance. Im Jahr 1516 wurde der Nürnberger Ratskonsulent (Stadtjurist) Dr. Christoph von Scheurl (1481–1542) vom Generalvikar des Augustinerordens Dr. Johann Staupitz beauftragt, einen Abriss der Nürnberger Verfassung auszuarbeiten; diesen überreichte er am 15. Dezember desselben Jahres in Form der heute noch berühmten Epistel. Da diese Arbeit in lateinischer Sprache verfasst war, bezeichnete Scheuerl die Nürnberger „Geschlechter“ in durchaus naheliegender Analogie an römische Verfassungszustände als „patricii“, die dann in der zeitgenössischen Rückübersetzung zum „Patriziat“ wurden. Der Begriff selbst setzte sich in dieser Verwendung jedoch erst im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts allgemein durch. [1][2]
Die Patrizier gelten als dem landgesessenen Adel ebenbürtig. So nimmt das genealogische Handbuch des Adels unverändert jene Familien auch ohne Adelsprädikat auf, deren Mitglieder nachweislich spätestens im 14. Jahrhundert erbgesessene Ratsgeschlechter in deutschen Reichsstädten waren.