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| Tibetische Bezeichnung | |
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| Tibetische Schrift:
རྙིང་མ་
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| Wylie-Transliteration:
rnying ma
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| Aussprache in IPA:
[ɲiŋma]
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| Offizielle Transkription der VRCh:
Nyingma
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| THDL-Transkription:
Nyingma
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| Andere Schreibweisen:
—
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| Chinesische Bezeichnung | |
| Traditionell:
寧瑪派、紅教
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| Vereinfacht:
宁玛派、红教
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| Pinyin:
Níngmǎpài, Hóngjiào
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Die Nyingma-Tradition ist die älteste der vier großen Schulen des tibetischen Buddhismus. Die Anhänger dieser Schule werden als Nyingmapa und auch als „Schule der Alten“ bezeichnet. Die drei anderen großen Schulen sind die Kagyü-, Sakya- und Gelug-Tradition.
Inhaltsverzeichnis |
Im 8. Jahrhundert wurde der Buddhismus von Indien nach Tibet übertragen. Der tibetische König Trisong Detsen lud gegen 779 die indischen Meister Padmasambhava (sanskrit für „Lotusgeborener“), von den Tibetern auch Guru Rinpoche („Kostbarer Meister“) genannt, und Shantarakshita (tib.: zhi ba 'tsho; „Wächter des Friedens“) nach Tibet ein, um dort den Buddhismus zu lehren. Guru Rinpoche betonte vor allem die tantrischen Aspekte des Buddhismus. Es heißt, dass er durch seine Macht und Verwirklichung die Geister und Dämonen Tibets unterwarf und sie durch Eide als Schützer (Sanskrit: Dharmapala) an die Lehren Buddhas band. Aus diesem Grund setzte sich in Tibet der Vajrayana-Buddhismus gegen die bis dahin vorherrschende Bön-Religion durch.
Die Nyingma-Tradition wird auch als die Schule der „Alten Übersetzungen“ bezeichnet und geht auf die erste Überlieferungswelle zurück, die mit Guru Rinpoches und Shantarakshitas Lehrtätigkeit begann.
Guru Rinpoche und Shantarakshita gründeten das erste buddhistische Kloster in Tibet, Samye, welches sich zum wichtigsten Lehrzentrum der damaligen Zeit entwickelte. König Trisong Detsen gab Guru Rinpoche und seinen Schülern, von denen die 25 Hauptschüler wegen ihrer hohen Verwirklichung berühmt wurden, den Auftrag, die buddhistischen Lehren aus dem Sanskrit ins Tibetische zu übersetzen. Guru Rinpoche und Shantarakshita bildeten 108 Übersetzer aus um diese Aufgabe zu erfüllen. Die Schriften dieser großen Übersetzungsphase bilden die Basis aller Schulen des tibetischen Buddhismus, lediglich in den tantrischen Schriften und Übertragungen gibt es Unterschiede. Vom 8. bis zum 11. Jahrhundert war die Nyingma-Tradition die einzige buddhistische Schule in Tibet. Ab dem 11. Jahrhundert entwickelten sich dann die Schulen der „Neuen Übersetzungen“ (tibetisch Sarma), die sich hauptsächlich auf die Übertragung bislang noch nicht übersetzter Tantras beziehen.
Die Hauptklöster der Nyingma-Schule in Tibet sind heute von Samye-Ling abgesehen, Kathok, Mindroling, Dorje Drak, Palyul, Dzogchen und Shechen. Von diesen „großen Sitzen“ der Nyingma leiten eine große Zahl von Nyingma-Klöstern ihre Entstehung ab.
Eine Besonderheit des tibetischen Buddhismus sind die „verborgenen Schätze“ (tibetisch Terma). Guru Rinpoche und seine engsten Schüler und Schülerinnen versteckten hunderte von Texten, Ritualgegenständen und Reliquien an geheimen Orten, um die Lehren des Buddhismus vor der Zerstörung durch den, dem Buddhismus feindlich gesinnten, tibetischen König Langdarma (Regierungszeit 836-842) zu bewahren. So entstanden insbesondere in der Nyingma-Tradition unter anderem zwei Arten der Übertragung: Die so genannte „lange“ Übertragungslinie vom Meister auf den Schüler in einer ununterbrochenen Linie, und die „kurze“ Übertragungslinie der „verborgenen Schätze“. Die Termas wurden später von Meistern mit besonderen Fähigkeiten, so genannten „Schatzfindern“, (tib. Tertön) wiederentdeckt und an ihre Schüler überliefert. Diese Meister waren häufig Inkarnationen der 25 Hauptschüler von Guru Rinpoche. Somit entstand durch die Jahrhunderte ein vielschichtiges System von Übertragungslinien, die die Lehren der Nyingma-Schulen ständig mit „frischen“ Lehren ergänzte, die jeweils ihrer Zeit angemessen waren und viele Schüler zur Verwirklichung/Erleuchtung führten.
In der Nyingma-Tradition gab es auch viele große Gelehrte. Der wohl Wichtigste unter ihnen ist Longchen Rabjam (1308–1363). Seine bedeutendsten Werke sind die „Sieben Schätze“ (Dzö dün; tib.: klong chen mdzod bdun), die drei „Zyklen der Entspannung“ (Ngalso Korsum; tib.: ngal gso skor gsum), die drei „Zyklen der natürlichen Befreiung“ (Rangdröl Korsum; tib.: rang grol skor gsum) und die Texte zu den „Vier Zweigen der Herzessenz“ (Nyingtik Yabshi; tib.: snying thig ya bzhi). Longchen Rabjam systematisierte auch die Übertragung der, von Garab Dorje ausgehenden, Dzogchen-Lehren der Nyingma-Linie, die seitdem als „Longchen Nyingthik“ (Herzessenz der Weiten Dimension) gelehrt werden.
Die Tantrischen Lehren der Nyingma sind in der Sammlung der 100.000 Nyingmapa-Tantras (Nyingma Gyud Bum; tib.: rnying ma rgyud 'bum) zusammengestellt. Kennzeichnend für das tantrische System der Nyingma ist die ihr eigene Aufteilung der Tantraklassen. Die Nyingmaschulen unterscheiden die tantrischen Lehren in die sogenannten Äußeren Tantras:
und die Inneren Tantras
In Schulen der Neuen Übersetzungen (Sarma) werden die Inneren Tantras durch das Anuttaratantra, auch Höchstes Yogatantra genannt, repräsentiert. Dieses entspricht in etwa dem Mahayoga. Anuyoga und Atiyoga waren in den neuen Übersetzungstraditionen zunächst nicht enthalten, auch wenn manche ihrer Vertreter diese Yogas praktizieren und später die Übertragungen einzelner Tantras an verschiedene Schulen stattfand.
Historisch betrachtet gab es bis in das späte letzte Jahrhundert nie ein „Oberhaupt der Nyingma“. Die Nyingma-Tradition war wegen der Vielfältigkeit und Vielschichtigkeit verschiedenster Übertragungslinien wenig dazu geeignet zentrale Strukturen auszubilden. Ein Umstand, der die Nyingma-Tradition als einzige der tibetischen Schulen weitgehend aus politischen Konflikten in Tibet herausgehalten hat. Die Einführung eines Oberhauptes der jeweiligen großen Schulen wurden bedeutend mit der Errichtung der tibetischen Exilregierung nach der Okkupation Tibets, in die nunmehr je ein Vertreter der großen Schultraditionen entsandt wurde. Das „Oberhaupt der Nyingma“ ist also nicht, wie man auf den ersten Blick vermuten könnte, Linienhalter aller Nyingma-Linien und -Übertragungen, vielmehr handelt es sich dabei lediglich um ein politisches Amt in der tibetischen Exilregierung. Der bedeutende Nyingma-Meister Dudjom Rinpoche diente als erster auf Bitten des 14. Dalai Lama in der Funktion eines „Oberhaupt der Nyingma“. Nachfolger wurde Dilgo Khyentse Rinpoche . Nach dem Tod Dilgo Khyentses wurde Penor Rinpoche der Linienhalter der Palyul-Tradition von den Nyingma zum Oberhaupt gewählt. Auf Vorschlag Penor Rinpoches wurde Mindroling Trichen „Oberhaupt der Nyingma“.
Im 19. Jahrhundert entstand unter Tertön Jamyang Khyentse Wangpo, Jamgön Kongtrul Lodrö Thaye und Orgyen Chogyur Lingpa die so genannte „Rime-Bewegung“, die gruppenübergreifende Lehren aus allen Gegenden Tibets und von Meistern aller Traditionen sammelte, darunter auch die Terma-Sammlungen des „Rinchen Terdzö“.
Neben dem ursprünglichen Verbreitungsgebiet in Tibet, Bhutan, Nepal und Sikkim, die auch aufgrund der Terma-Tradition von besonderer Bedeutung für die Nyingma-Schulen sind, haben sich Nyingma-Gemeinschaften inzwischen auch in Amerika und Europa verbreitet. Nicht wenige dieser Gemeinschaften sind auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu finden.