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Nicolaus Copernicus (lateinisch[1], * 19. Februar 1473 in Thorn; † 24. Mai 1543 in Frauenburg), in Jugendjahren als Niclas Koppernigk[2] dokumentiert, im Deutschen seit dem späten 18. Jahrhundert oft als Nikolaus Kopernikus[3] geschrieben und auf Polnisch Mikołaj Kopernik genannt, wurde mit seiner Theorie von den Umläufen der Himmelskörper um die Sonne zu einem der bedeutendsten Astronomen des Abendlandes. Das heliozentrische Weltbild war schon im dritten vorchristlichen Jahrhundert von Aristarchos von Samos vertreten und begründet worden. Basierend auf eigenen und fremden Beobachtungen, die noch ohne Fernrohr gemacht wurden, arbeitete Copernicus in jahrzehntelanger Arbeit ein mathematisches Modell dazu aus, das er erst in seinem Todesjahr veröffentlichen ließ. Aufgrund der zugrundegelegten Kreisbahnen (anstatt von Ellipsen) blieb es quantitativ fehlerbehaftet. Astronomie und Mathematik waren nur seine Nebenfächer beim Studium in Italien, denn von der Ausbildung her war er Jurist und Arzt, der als Domherr sowie Administrator hauptberuflich für das katholische Bistum Ermland in Preußen tätig war sowie fast vierzig Jahre ein Amt an der Kreuzkirche Breslau innehatte.
Inhaltsverzeichnis |
Die Familie Koppernigk gehörte zur Bürgerschaft der Hansestadt Thorn an der Weichsel und wohnte dort in der St.-Annen-Gasse. Der Vater, ebenfalls mit dem Namen Nikolas Koppernigk, war ein wohlhabender Kupferhändler und Regierungsbeamter. Nikolaus war zehn Jahre alt, als sein Vater 1483 starb. Sein Onkel Lucas Watzenrode (1447–1512), der Bruder seiner Mutter Barbara Watzenrode, sorgte für die Ausbildung der vier Waisen und wurde 1489 Fürstbischof im Ermland. Der ältere Bruder Andreas schlug den gleichen Lebensweg wie Nikolaus ein, erkrankte aber um 1508 an Aussatz, wurde ausgeschlossen und starb um 1518. Die ältere Schwester Barbara wurde Äbtissin im Kulmer Kloster, die jüngere Katharina heiratet Barthel Gertner. Copernicus hielt stets seine Familienkontakte aufrecht. So sorgte er später für Kinder des Reinhold Feldstett, der mit der Tochter eines Onkels von Copernicus, Tilman von Allen verheiratet war. Im Danziger Dokument erschien als gemeinsamer Vormundt der Frauenburger Domherr vor Burgermeister und Rathman der stadt Dantzick... Hern Nicolai Koppernick, des wirdigen gstichts zur Frawenborck thumherrn im jare tawsent funfhundert sechs und dreysick.[4]
Von 1491–94 besuchten die Brüder Koppernigk die Universität in Krakau, wo im Wintersemester 1491/2 im Album studiosorum Universitatis Cracoviensis ein Nicolaus Nicolai de Thuronia[5] verzeichnet ist, mit dem Vermerk, er habe alles bezahlt.
Er war dort unter anderem Schüler von Albert Blar, auch genannt Albert de Brudzewo und Leonhard von Dobschütz (um 1450–1508), erlangte dort aber keinen Abschluss. Er lernte auch Laurentius Corvinus (Lorenz Rabe, 1465–1527) kennen, einen schlesischen Gelehrten, der später in Thorn tätig war. Während seiner Studienzeit beschloss er, seinen Namen zu latinisieren, und unterschrieb fortan (bis etwa 1537) mit Coppernicus, einer Schreibweise, die auch der Biograph Leopold Prowe verfocht. Im letzten Lebensabschnitt erscheint der Name zu Copernicus verkürzt und wurde auch so in Nürnberg gedruckt.
Im Jahre 1495 wurde er zum Kanoniker der ermländischen Domschule in Frauenburg ernannt: Nicolaus de Thorn, nepos episcopi. Watzenrode schickte ihn und den Bruder Andreas an die Universität Bologna, wo er 1496 zum Jurastudium antrat und in den Matricula Nobilissimi Germanorum Collegii bzw. Annales Clarissimae Nacionis Germanorum der Natio Germanica Bononiae mit dem Eintrag Dominus Nicolaus Kopperlingk de Thorn – IX grosseti verzeichnet ist.[6][7][8][9]
In Bologna studierte Kopernikus, neben Griechisch bei Urceus Codrus, auch Astronomie und lernte bei Domenico Maria Novara da Ferrara neuere Theorien zur Bewegung der Planeten kennen. Im Jahr 1499 erhielt er möglicherweise einen Magistergrad in utroque jure. Zum Doktor des kanonischen Rechts wurde der ermländische Kanoniker Nicolaus Copernich de Prusia jedoch am 31. Mai 1503[10] an der Universität Ferrara promoviert, wo dies vermutlich finanziell günstiger war. Anfang Januar 1504 nahm er auf der Marienburg an einem preußischen Landtag teil, anschließend wurde er noch einmal nach Italien geschickt, um zwei Jahre Medizin zu studieren, was er an der Universität Padua tat, jedoch ohne Abschluss. Seit 1726 wurde von dem dortigen Archivar Nicolaus Comnenus Papadopoli verbreitet, dass Kopernikus sich in das Album einer natio Polona zu Padua eingetragen habe; dies erwies sich jedoch im späten 19. Jahrhundert ebenso als Falschangabe[11][12] wie der angebliche Erwerb des Grades eines Doctor medicinae, der im Frauenburger Epitaph von Cromer und daher in vielen veralteten[13] Quellen erwähnt wird.
Kopernikus wurde Arzt und bekam durch seinen Onkel eine Stelle im ermländischen Domkapitel in Frauenburg, im hintersten Winkel der Welt[14] (in hoc remotissimo angulo terræ[15]), wie er die Lage seiner Arbeitsstätte in der Vorrede an den Papst in seinem Hauptwerk beschrieb. Watzenrode plante, seinen Neffen ebenfalls Fürstbischof werden zu lassen. Das gesicherte Einkommen ermöglichte Kopernikus, den Bewohnern von Ermland 40 Jahre lang ärztliche Hilfe zu geben, was er für Bedürftige kostenfrei tat. Er hatte als Administrator die Regierungsgeschäfte zu regeln. In den Verhandlungen über die Reform des preußischen Münzwesens erarbeitete er die Position der preußischen Städte. Er gab dazu ein Schreiben heraus, das noch Jahrhunderte später als wegweisend für die Geldtheorie angesehen wurde.
Trotz der schwierigen Lage in Preußen, wo Städte und Menschen für und gegen die katholische Regierung kämpften, konnten Watzenrode, als Fürstbischof zugleich Landesherr, und sein Neffe Kopernikus die Eigenständigkeit des Ermlands gegenüber dem Orden und Selbstverwaltungsbefugnisse gegenüber der polnischen Krone bewahren. Im Jahr 1504 beteiligte sich Kopernikus an den Preußischen Landtagen in Marienburg und Elbing, 1506 sprach er auf der Preußischen Ständeversammlung in Marienburg. Zum Kanzler des Ermländer Domkapitels wurde Kopernikus 1510, 1519, 1525 und 1528 gewählt, 1503 bekam er außerdem unter dem Episkopat Johannes' V. Turzo von Bethlenfalva eine Stelle im Domkapitel der Breslauer Kreuzkirche, die er bis 1538 innehatte. Nach dem Tode des bisherigen Ermländer Bischofs Mauritius Ferber wurde Kopernikus 1537 von Tiedemann Giese als Bischof vorgeschlagen, unterlag jedoch Johannes Dantiscus von Höfen.
In den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem Deutschen Orden und Polen vertrat Kopernikus, genau wie sein Onkel, die Seite des Preußischen Bundes, welcher mit Polen gegen den Deutschen Orden verbündet war. Nach der Zerstörung Frauenburgs durch Truppen Albrechts I. von Brandenburg-Ansbach 1520 im sogenannten Reiterkrieg verlegte Kopernikus seine Residenz nach Allenstein. Dort organisierte er die Verteidigung der Stadt gegen die Ordensritter. Kopernikus kehrte 1521 nach Frauenburg zurück und klagte zusammen mit Tiedemann Giese auf dem Preußischen Landtag in Graudenz das Verhalten der Ordensritter an. Er wurde Teil einer königlich-polnischen Gesandtschaft zum Hochmeister des Ordens und „Kommissar von Ermland“ zwecks Rückerstattung von Besitztümern der polnischen Krone. Er konnte die Freigabe ermländischer Orte bewirken, die von polnischen Truppen besetzt waren.[16]
Die preußische Münzreform hatte zunächst nur für das königliche Preußen gelten sollen, nachdem in Jahrzehnten, in denen jede Stadt ihre eigenen Münzen geprägt hatte, eine Münzverschlechterung eingetreten war. Mit dem Frieden von Krakau 1525 hatte sich Albrecht in seinem Lehensvertrag verpflichtet, die Münze des königlichen Preußens auch in seinem Teil Preußens einzuführen. In die so entstandenen Verhandlungen zwischen den königlich-preußischen Ständen, dem herzoglichen Preußen, dem Sejm beziehungsweise der polnischen Krone und den litauischen Ständen schaltete Kopernikus sich direkt als Vertreter der preußischen Stände ein. Letztlich setzte sich größtenteils die königlich-polnische Position durch. Außer seinem Rang als oberster Landesherr hatte der König den Vorteil, dass seine Position sich etwa zwischen der der Stände und der des Herzogs befand. Die preußischen Städte behielten ihre vorherigen Rechte zum eigenen Münzschlagen. Die vergleichbaren Münzwerte königlich- und herzoglich-preußischer, polnischer und litauischer Währung schafften immerhin das größte Währungsgebiet des damaligen Europas.[17]
Im Jahre 1509 schuf Kopernikus in Heilsberg im Ermland den Commentariolus, in dem er die Theorie von der Sonne als Mittelpunkt der Planetenkreise und der durch die Drehung der Erde scheinbaren Bewegung der Fixsterne aufstellte (heliozentrisches Weltbild). Auch kündigte er in dieser Schrift eine mathematische Ausarbeitung seiner Theorien an. Den Commentariolus machte er jedoch nur Vertrauten zugänglich, um sich nicht dem Spott der Fachwelt auszusetzen. Erst drei Jahrzehnte später, kurz vor seinem Tode, veröffentlichte er dann sein Hauptwerk.
Obwohl er seine (sehr ungenaue) Annahme, dass die Gestirne Kreisbahnen um die Sonne beschreiben, nicht beweisen konnte, stellte Kopernikus das seit 1300 Jahren unbestrittene (und von der katholischen Kirche nach ihren religionsideologischen Bedürfnissen abgewandelte) geozentrische Weltbild des Ptolemäus in Frage.
Inzwischen gilt als gesichert, dass Kopernikus durch die heliozentrische Theorie des antiken Astronomen Aristarchos von Samos entscheidend angeregt wurde. Jedoch erst Johannes Kepler verfestigte die Richtigkeit des heliozentrischen Weltbildes, indem er berechnete, dass die Planeten in elliptischen Bahnen um die Sonne ziehen.
Kopernikus arbeitete 1526 zusammen mit Bernard Wapowski an der Landkarte des vereinigten Staates Königreich Polen–Großfürstentum Litauen, 1529 verfertigte er mit Albrecht von Brandenburg-Ansbach, dem ersten Herzog Preußens, auch eine Landkarte des Herzogtums Preußen. Das gesicherte Einkommen ermöglichte es ihm, sein „Hobby“ Astronomie zu pflegen. Georg Joachim Rheticus, bis dahin Hochschullehrer in Wittenberg, kam 1539 für drei Jahre nach Frauenburg, um mit Kopernikus zu studieren.
Die Freunde des Kopernikus, besonders Bischof Tiedemann Giese und Nikolaus Kardinal von Schönberg, sowie Johannes Dantiscus von Höfen versuchten jahrzehntelang, Kopernikus zur Veröffentlichung seiner astronomischen Arbeiten zu bewegen. Lange zögerte er damit, möglicherweise weil seine teilweise letztlich ungenauen, auf Aristoteles' Annahmen als Kreis als idealharmonisch-vollkommenem mathematischen Gebilde beruhenden Berechnungen der Planetenbahnen in Kreisumläufen um die Sonne nicht durch Beobachtungen gestützt werden konnten und deshalb eine Ablehnung durch das wissenschaftliche oder kirchliche Establishment zu befürchten war. Wegen der unzureichenden Annahme der Kreisbahnen konnte Kopernikus seine Kritiker letztlich nicht zwingend widerlegen.
Mit Hilfe von Georg Joachim Rheticus wurde schließlich 1540 vorab die Narratio prima bei Rhode in Danzig gedruckt. Kurz vor Kopernikus' Tod im Jahre 1543 folgte dann bei Johannes Petreius in Nürnberg die Veröffentlichung des Papst Paul III. gewidmeten Hauptwerkes De Revolutionibus Orbium Coelestium („Von den Umdrehungen der Himmelskörper“). In dessen berühmtestem Absatz heißt es im Band I, Kapitel X:
Kopernikus war nicht der erste Wissenschaftler an der Wende zur Neuzeit, der ein heliozentrisches System in Betracht zog. Vor ihm wurde dieser Gedanke schon von Nikolaus von Kues, dem allerdings die Mittel für eine mathematische Ausarbeitung fehlten, und von Regiomontanus diskutiert, dessen früher Tod seinem Werk ein vorzeitiges Ende setzte. Es wird als gesichert angesehen, dass Kopernikus auf den Werken dieser beiden Wissenschaftler aufbaute.
Entgegen einer landläufigen Ansicht wurde die Propagierung des heliozentrischen Weltbildes zu Kopernikus' Zeiten keineswegs als Ketzerei angesehen, sondern allenfalls als Hirngespinst eines verwirrten Geistes. Immerhin schien ja das geozentrische System wesentlich besser mit dem gesunden Menschenverstand übereinzustimmen als eine sich bewegende Erde: Bei der Bewegung müsste man doch einen „Fahrtwind“ spüren, fallende Gegenstände eine schräge Bahn besitzen, auch sollten die Fixsterne im Jahresverlauf eine scheinbare Kreisbewegung ausführen, argumentierten die Gegner des Kopernikus mit der Lehre des Ptolemäus.
Martin Luther äußerte seine Meinung über Kopernikus nach der Aufzeichnung von Studenten sinngemäß wie folgt: „Der Narr will mir die ganze Kunst Astronomia umkehren! Aber wie die Heilige Schrift zeigt, hieß Josua die Sonne stillstehen und nicht die Erde!“; wobei er sich auf Jos 10,12-13 LUT beruft, wo Gott die Sonne stillstehen lässt, sodass sie nach Luthers Interpretation normalerweise in Bewegung sein muss. Diese Haltung wurde im preußischen Kulturkampf von katholischer Seite als anti-kopernikanisch ausgelegt, was nach späterer Einschätzung als handgreifliche Geschichtslüge eingestuft wird.[18]
Der Reformator Andreas Osiander hatte zudem eigenmächtig und anonym ein Vorwort hinzugefügt, in dem das neue Weltbild als bloßes Rechenhilfsmittel dargestellt wird, und somit Kopernikus' Aussagen verfälscht und widerspüchlich gemacht. Die Katholische Kirche, der Kopernikus angehörte, hielt sich eventuell auch deswegen mit einer Stellungnahme zurück. Eine Verfolgung durch die Inquisition hatte Kopernikus' Werk also – anders als Galileo Galilei einige Jahrzehnte später – nicht zu befürchten, da seine Theorie lediglich als mathematische Hilfskonstruktion zur einfacheren Berechnung der Planetenbahnen angesehen wurde. So waren die von Erasmus Reinhold neu erstellten preußischen Tafeln leichter zu berechnen als die veralteten alfonsinischen Tafeln, obwohl beide zum gleichen Ergebnis führten.
Kopernikus konnte die (scheinbaren) physikalischen Widersprüche nur durch neue Hypothesen entkräften, auch war sein Rechenmodell im Grunde nicht genauer als das des Ptolemäus, lieferte aber wegen aktuellerer Ausgangsdaten bessere Ergebnisse. Kopernikus' etwas polemische Einleitung seines Buches, in dem er die Epizyklentheorie mit der Theorie von der Erdscheibe verglich, führte jahrhundertelang zu dem Missverständnis, im Mittelalter habe man die Erde allgemein für eine Scheibe gehalten. Erst 2005 wies der Romanist Reinhard Krüger [19] nach, dass die meisten mittelalterlichen Wissenschaftler die Erde ganz selbstverständlich als Kugel betrachteten.
Während das Werk des Kopernikus zunächst als reines Rechenmodell verwendet wurde, lieferten die Beobachtungen von Galileo Galilei von 1610 an überzeugende Argumente für die physikalische Realität des heliozentrischen Systems. Den eigentlichen Nachweis konnten erst James Bradley 1728 mit der Entdeckung der Aberration des Lichtes und 1837 Friedrich Wilhelm Bessel mit der ersten sicheren Beobachtung der Fixsternparallaxe erbringen. Johannes Kepler fand mit den ellipsenförmigen Planetenbahnen, die er in seinen drei Gesetzen beschrieb, das korrekte mathematische Modell. Isaac Newton lieferte mit dem Gravitationsgesetz schließlich die physikalische Begründung der Keplerschen Gesetze, auf die sich das heliozentrische Weltbild stützt.
Das heliozentrische Weltbild wird zu Kopernikus' Ehren auch das „Kopernikanische Weltbild“ genannt. Zudem ist auch der 1934 entdeckte Asteroid (1322) Coppernicus nach ihm benannt, in der von Leopold Prowe bevorzugten Schreibweise.
Kopernikus' Urgroßvater väterlicherseits stammte aus Köppernig (Koperniki) bei Neisse (Nysa) in Oberschlesien. Anfang des 15. Jahrhunderts übersiedelte der Urgroßvater nach Krakau. Die Einwohnerschaft der polnischen Hauptstadt bestand in den 1480er Jahren zu 36 % aus Deutschen[20]. Der Vater zog 1456 in die Hansestadt Thorn und verdiente im Kupferhandel und im Bankwesen den Lebensunterhalt der Familie. Andere Koppernigks wohnten bereits vor 1400 in Thorn. Die Eltern von Kopernikus' Mutter Barbara Watzenrode waren der Thorner Richter und Stadtrat Lukas Watzenrode der Ältere (1400–1462) und Katharina von Rüdiger. Die Vorfahren der Linie Watzenrode stammten aus dem Dorf Weizenrodau bei Schweidnitz in Niederschlesien. Über die Familie von Rüdiger war Kopernikus ein entfernter Verwandter des Ermländer Bischofs Tiedemann Giese.
Die 1231 vom Deutschen Orden gegründete Stadt sagte sich im Bund mit anderen Städten des Ordenslandes 1454 von der Herrschaft des Ordens los und unterstellte sich dem polnischen König (Kasimir IV. Jagiello) unter Zusage weitgehender Selbstständigkeit. Als Resultat des Dreizehnjährigen Krieges beziehungsweise des 2. Thorner Friedens wurde das westliche Preußen als Preußen Königlichen Anteils in Personalunion mit Polen-Litauen verbunden. Das exempte Fürstbistum Ermland war trotz weitgehender Autonomie auf das Engste mit dem königlichen Preußen verbunden. Das östliche Preußen blieb Deutschordensstaat, musste sich aber der polnischen Krone zur Treue verpflichten. Der letzte Hochmeister Albrecht I. von Brandenburg-Ansbach widersetzte sich wie seine Amtsvorgänger dagegen, dem polnischen König einen Eid zu leisten, und führte Krieg gegen die Länder der polnischen Krone. Dann änderte er seine Politik, führte im Jahre 1525 die Reformation ein, und ließ sich vom polnischen König (Sigismund I.), den er nun als Lehensherrn anerkannte, die erbliche Herzogswürde über das bisherige Ordensgebiet verleihen.
Das Leben und politische Wirken von Kopernikus spielte sich in diesem politischen Spannungsfeld ab. Als 10-jähriger, nach dem Tod der Eltern, lebte Kopernikus im Ermland und wurde dort von seinem Onkel Lucas Watzenrode aufgezogen und ausgebildet.
Im Jahre 1512 schwor Kopernikus in seiner Funktion als vorübergehender Kanzler des Ermländer Domkapitels dem polnischen König Sigismund I. dem Alten, der die Oberhoheit über das Fürstbistum Ermland ausübte, seine Loyalität. Einige Jahre zuvor hatten Sigismunds Eltern, das Königspaar Kasimir IV. Jagiello und Elisabeth von Habsburg, versucht, Sigismunds Bruder Friedrich anstelle von Kopernikus' Onkel Watzenrode als Ermländer Fürstbischof durchzusetzen, wogegen sich das preußische Ermland wehren konnte, da nur eingeborene Preußen das Indigenat hatten.
Zur Zeit des Reiterkrieges Albrechts gegen Polen und das königlich-polnische Preußen ging er nach Frauenburg zurück, dann aber nach dessen Zerstörung durch Ordenstruppen im Herbst des Jahres 1520 wieder nach Allenstein, das er mit polnischer Unterstützung gegen Angriffe der Truppen Albrechts sicherte. Aufgrund seiner Leistungen für die Verteidigung wurde Kopernikus zum Kommissar des Ermlands ernannt und mit dem Wiederaufbau beauftragt.[21]
Etwa zeitgleich mit der Reformation im nun herzoglichen Preußen schlossen sich auch große Teile des königlichen Preußens der Glaubensrichtung Luthers an. Das Fürstbistums Ermland wurde jedoch weiterhin katholisch gehalten, vor allen Dingen durch die Fürstbischöfe Hosius und Kromer und die Ansiedlung der Jesuiten. Kopernikus selbst blieb katholisch, blieb aber Evangelischen gegenüber aufgeschlossen, wofür sein Zusammenwirken mit seinem einzigen Lehrling besonders beispielhaft ist. Neben seinen Aufgaben im Fürstbistum Ermland in Preußen hatte Kopernikus noch eine langjährige Stelle als Canonicus eines Stiftes im Heiligen Römischen Reich, in Breslau.
Als Bischof Mauritius Ferber 1537 starb, war Nikolaus Coppernicus einer der vier Domherren des Ermlands auf der Wahlliste der eingeborenen Preußen, die als zukünftige Fürstbischöfe vorgeschlagen wurden. Die anderen drei waren der Kulmer Bischof Johannes Dantiscus, Domkantor Johannes Zimmermann und Domherr Achatius von der Trenck.
In historischen Darstellungen wurde Kopernikus überwiegend als preußischer Mathematiker und Astronom bezeichnet, aber auch als Germanus[22], Deutscher, eingestuft. Im 18. Jahrhundert sorgte die Papadopoli-Fälschung für zusätzliche Unklarheit. Erst mit dem seit Ende des 18. Jahrhunderts aufkommenden Nationalismus haben polnische und dann auch deutsche Gelehrte und Publizisten versucht, Kopernikus für ihre Nationalität zu reklamieren.[23]
Laut zeitgenössischen Unterlagen wurde Kopernikus im Dom in Frauenburg begraben. Bischof Martin Cromer ließ 1581 ein Epitaph anbringen, dies ist verschwunden. Die genaue Stelle des Grabmals ist nicht bekannt. Da die Kirche während der Schwedenkriege (Dreißigjähriger Krieg, Schwedisch-Polnischer Krieg) stark verwüstet wurde, war es möglich, dass die sterblichen Überreste nicht an ihrem ursprünglichen Platz blieben.
Der Lokalhistoriker Jerzy Sikorski vermutete allerdings, das die Grabstätte, falls sie noch vorhanden war, sich nahe des Altars befinden müsste, dem die Kanoniker zugeordnet waren, in diesem Fall der heutige Heilig-Kreuz Altar, der vierte Altar auf der rechten Seite. Auf Anregung des zuständigen Bischofs begann ein Team um den polnischen Archäologen Jerzy Gassowski 2004 mit Nachforschungen[29] und im Sommer 2005 entdeckten sie nahe des Altars die Überreste von dreizehn, teilweise stark beschädigten Gräbern, eines davon mit den Überresten und sogar dem Schädel eines etwa 70 Jahre alten Mannes, der aufgrund anthropologischer Vergleiche sehr wahrscheinlich als die von Kopernikus identifiziert wurde. Im November 2005 wurde anhand eines Schädels eine Rekonstruktion des Gesichtes[30] erstellt.
Eine sichere Identifizierung war aber nur mit DNA-Analysen möglich. Eine Suche nach noch lebenden Nachkommen von Kopernikus verlief ergebnislos, da die Stammlinie nur bis ins 18. Jahrhundert verfolgt werden konnte. Allerdings fanden sich zwölf Haare in einem Buch, das einst im Besitz von Copernicus war, und dann als Beutekunst der Polnisch-Schwedischen Kriege des 17. Jahrhunderts in die Bibliothek der Universität Uppsala gelangt war. Das Calendarium Romanum Magnum von Johannes Stöffler, mit dessen Vorschlag zur Kalenderreform, war 1518 in Oppenheim gedruckt worden, von Jakob Köbel, der vermutlich in Krakau ein Kommilitone von Copernicus war. Am 20. November 2008 gaben der polnische Archäologe Jerzy Gassowski und die schwedische DNA-Expertin Marie Allen bekannt, dass die DNA-Analyse von zwei Haaren aus dem Buch und von einem Zahn des gefundenen Schädels ergab, dass beide mit hoher Wahrscheinlichkeit dem Astronomen zugeordnet werden können.[31][32]
In Warschau stand eines der ersten Kopernikus-Denkmäler überhaupt, von Bertel Thorvaldsen 1822 geschaffen und vom Warschauer Glockengießer Jan Gregoire 1833 ausgeführt. Nach dem Warschauer Aufstand 1944 erfolgte wahrscheinlich das Einschmelzen der Skulptur und die Verwendung des Materials für Rüstungszwecke. Nach dem Krieg wurde die Originalform in Dänemark gefunden und die dänische Regierung schenkte Warschau einen zweiten Original-Abguss. Mit ihm konnte das Denkmal am 22. Juli 1945 wiedererrichtet werden.
Friedrich Tieck schuf 1853 ein in Thorn aufgestelltes Kopernikus-Denkmal.
Eine Kopernikus-Ausstellung (mit Foucaultschem Pendel) und ein Denkmal befinden sich auf dem Domhügel in Frauenburg. Unter einem Epitaph befindet sich eine Platte mit stilisiertem Palmzweig aus Bronze mit der polnischen Inschrift „Für Nikolaus Kopernikus am ersten Jahrestag der Wiedergewinnung des Ermlandes – Mai 1946. Die Regierung der Republik Polen“. Außerdem wurde aus Anlass des 500. Geburtstages von Kopernikus 1973 am Fuße des Domhügels in Frauenburg ein Denkmal errichtet.
Im Schloss von Allenstein, jetzt Olsztyn, befinden sich in einer besonderen Abteilung Exponate über Kopernikus und Originalhandschriften zu Berechnungen zur Begründung des kopernikanischen Weltbildes. Vor dem Eingang des Schlosses ist eine Bronzeplastik aufgestellt, die Kopernikus darstellt.
Zum 500. Geburtstag von Kopernikus 1973 fanden zahlreiche Gedenkveranstalten statt bzw. es wurden Denkschriften herausgegeben, weltweit, in Polen, und in beiden deutschen Staaten, wobei DDR-Gelehrte[33] soweit gingen, eine Karte des Ermländer Bistums mit Mamonowo zu beschriften, anstatt mit Heiligenbeil.
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Denkmal für Nikolaus Kopernikus vor der Alten Universität von Krakau. |
Kopernikus-Denkmal von Bertel Thorvaldsen in Warschau. |
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Kopernikus auf einer DDR-Briefmarke, 1973. |
Kopernikus auf einer Banknote der Volksrepublik Polen. |
Sonderstempel der polnischen Lagerpost des Offizierslager II C zum 400. Todestag von "Kopernik". |
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Kopernikus, Nikolaus |
| ALTERNATIVNAMEN | Koppernigk, Niclas (eigentlicher Name); Copernicus, Nicolaus (lateinisch); Kopernik, Mikołaj (polnisch) |
| KURZBESCHREIBUNG | Astronom |
| GEBURTSDATUM | 19. Februar 1473 |
| GEBURTSORT | Thorn |
| STERBEDATUM | 24. Mai 1543 |
| STERBEORT | Frauenburg |
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