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Neunaugen

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Neunaugen
Systematik
Stamm: Chordatiere (Chordata)
Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Überklasse: Petromyzontomorphi
Klasse: Petromyzontida
Ordnung: Petromyzontiformes
Familie: Neunaugen
Wissenschaftlicher Name
Petromyzontidae

Neunaugen (Petromyzontidae) sind fischähnliche, stammesgeschichtlich sehr primitive Vertreter der Wirbeltiere (Vertebrata). Seit 500 Millionen Jahren hat sich dieses lebende Fossil kaum verändert. Es hat einen aalartigen, langgestreckten Körper, der mit einem flossenartigen Rücken- und Schwanzsaum besetzt ist. Neunaugen fanden und finden auch in der Küche Verwendung, wo sie als Lampreten ähnlich wie Aal zubereitet wurden. Dies ist durch die zahlreichen Schutzbestimmungen heute kaum mehr möglich. Alle Arten von Neunaugen befinden sich auf der Roten Liste.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Verbreitungsgebiet

Neunaugen leben überwiegend in Küstengewässern und Süßwasser. Für mindestens eine Art, nämlich Geotria australis, wird angenommen, dass sie auch beachtliche Distanzen im offenen Meerwasser zurücklegt. Ursache für diese Annahme ist, dass sich zwischen australischen und neuseeländischen Populationen keine isolierte Entwicklung feststellen lässt. Neunaugen finden sich in fast allen gemäßigten Zonen außer Afrika.

Neunaugen laichen im Oberlauf von Bächen und Flüssen. Sie benötigen hierfür kiesige Substrate, die von kühlem, sauerstoffreichem Wasser durchströmt werden (daher kommen sie in den Tropen nicht vor). Nach dem Schlüpfen vergraben sich die noch augenlosen Larven („Querder“) in sandigen Abschnitten der Gewässersohle. Der Kopf bleibt frei und fischt feine Nahrungspartikel (Plankton) aus dem Wasser.

Sehr stark haben sich Meerneunaugen als Neozoon in den Nordamerikanischen Großen Seen ausgebreitet, wo sie durch Schiffe und Kanäle eingeschleppt wurden und keine natürlichen Feinde haben. Dort sind sie zur Plage geworden und bedrohen die einheimischen Fischbestände. In Nordamerika gibt es für sie traditionell und aus ethischen Gründen („Blutsauger“) keinen Markt als Speisefisch. Außerdem sind die Tiere aufgrund ihrer Lebensweise zu stark mit Umweltgiften belastet. Sie werden mit Fallen und speziellen Giften in den Oberläufen der zufließenden Gewässer bekämpft. Da Neunaugen biologisch gesehen keine Fische sind und sich in ihrer Körperchemie stark von Fischen unterscheiden, war es möglich, Giftstoffe zu finden, die für Neunaugen, aber nicht für echte Fische giftig sind.

[Bearbeiten] Erscheinungsbild

Das Maul eines Meerneunauges

Neunaugen haben keine Kiefer, das rundliche Maul ist mit Hornzähnen ausgestattet und als Saugmaul ausgebildet. Neunaugen haben zwei Augen. Der Name Neunauge geht auf eine falsche historische Beschreibung zurück, wonach der Beobachter neben dem eigentlichen Auge auch die Nasenöffnung und die sieben seitlichen Kiemenspalten als Augen ansah.

Neunauge an einem Fisch

Nach einer recht radikalen Umwandlung (Metamorphose) des Körperbaus zum erwachsenen Tier, welche meist nach 5-7 Jahren erfolgt, wandern etwa die Hälfte der Arten, die zu den Neunaugen gerechnet werden, (Meerneunauge und Flussneunauge) in das Meer, wo sie bis zu 18 Monate als Parasiten leben, gewöhnlich nahe der Küste. Zu den Arten, bei denen dies vorkommt, zählen unter anderem die auch in Mitteleuropa verbreiteten Meer- und Flussneunaugen). Ihre Beutetiere sind Fische, an denen sie sich festsaugen, Blut trinken und Fleischstücke herausraspeln. Durch spezielle Substanzen in ihrem Speichel hemmen sie die Blutgerinnung, weshalb bei angegriffenen Fischen keine Blutgerinnsel entstehen. Forscher versuchen, diese Substanz aus dem Speichel zu extrahieren, um sie in der Medizin einzusetzen und Blutgerinnsel aufzulösen. Größere, gesunde Fische überleben solche Angriffe meist und behalten nur typische kreisförmige Narben zurück, kleinere Arten jedoch, Jungtiere und kranke Fische können daran sterben. Nach einigen Jahren steigen die Neunaugen wiederum bis in den Oberlauf eines Fließgewässers auf, um zu laichen. Während des Rückzugs in die Süßwassergewässer bildet sich der Darm zurück. Nach dem Laichakt sterben die Tiere.

Etwa zwanzig Arten der Neunaugen sind stationäre, nicht-parasitische Süßwasserbewohner. Sie sind jeweils eng verwandt mit großen, anadrom lebenden Arten und werden deshalb auch als "Satelliten-Art" der jeweils verwandten, anadromen Art genannt.[1] Ein Beispiel für eine solche stationäre Art ist das Bachneunauge. Die Tiere bleiben in der Nähe der Stelle, an der sie die Larvenzeit verbrachten, und laichen hier auch wieder ab. Nach der Larvenzeit nehmen sie keine Nahrung mehr zu sich. Weitere, nur im Süßwasser vorkommende Neunaugen sind das Oberitalienische Neunauge, das nur in Seitenflüssen des Po vorkommt und das nur im Einzugsgebiet der Donau vorkommende Ukrainische Bachneunauge (Eudontomyzon mariae). Bei diesen Neunaugenarten graben sich die Larven im Gewässergrund ein und ernähren sich von Kleinorganismen, die sie aus dem Wasser filtrieren. Bereits während der Umwandlung in adulte Tiere bildet sich der Darm zurück. Die Tiere laichen nur noch ab und sterben dann.

Das donauendemische Donaubachneunauge (Eudontomyzon vladykovi) weicht von diesem Verhaltensmuster ab. Es ist die einzige europäische Neunaugenart, die an Süßwasserfischen wie Barschen und Döbeln parasitiert.

[Bearbeiten] Systematik

Es gibt drei Unterfamilien, neun Gattungen und 40 Arten:

[Bearbeiten] Neunaugen als Speisefisch

Lamprete mit Reis

Neunaugen werden seit der Antike als Speisefisch sehr geschätzt und in der Küche meist als Lampreten bezeichnet. Ihr Fleisch ist weiß und fein, mit Aal vergleichbar, im Geschmack „fleischiger“ als das Fleisch der meisten echten Fische.

„Lamprete“ ist eine Bezeichnung aus dem Volksmund und umfasst verschiedene Neunaugenarten. Der größte und auch wirtschaftlich genutzte Vertreter der Neunaugen ist das Meerneunauge.

Im Mittelalter waren besonders die Lampreten von Nantes so berühmt, dass die Pariser den Händlern entgegen fuhren. Noch im 19. Jahrhundert wurden in Norddeutschland hunderttausende von Lampreten gefangen und gebraten und mit Essig und Kräutern mariniert angeboten. Das kleinere Flussneunauge (auch Bricke oder Pricke genannt) wurde bis in neuere Zeit in Elbe und Weser gefangen und über Holzkohle gegrillt.

In Frankreich und Portugal stehen Lampreten noch heute auf traditionellen Speisekarten. Ein klassisches Lampretengericht ist Lamproie à la Bordelaise, bei dem die Fischstücke in einer Sauce aus Rotwein, dem eigenen Blut, Schinken, Porree, Zwiebeln und Knoblauch gedünstet werden.

Mittlerweile gehören Neunaugen in Europa zu den gefährdeten Arten und werden nur noch selten angeboten.

[Bearbeiten] Belege

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Roland Gerstmeier und Thomas Romig: Die Süßwasserfische Europas, Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart 2003, ISBN 3-440-09483-9, S. 129

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Weblinks

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