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Neckar

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Dieser Artikel behandelt den Fluss Neckar. Weitere Bedeutungen des Begriffs findet man unter Neckar (Begriffsklärung).

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Neckar
Neckarquelle im Schwenninger Stadtpark Möglingshöhe

Neckarquelle im Schwenninger Stadtpark Möglingshöhe

Daten
Lage Deutschland, Baden-Württemberg, Hessen
Länge 367 kmdep1
Quellgebiet „Offiziell“: Stadtpark Möglingshöhe in Schwenningen
48° 2′ 42″ N, 8° 31′ 42″ O
Quellhöhe 706 m ü. NN
Mündung bei Mannheim in den RheinKoordinaten: 49° 30′ 42″ N, 8° 26′ 15″ O
49° 30′ 42″ N, 8° 26′ 15″ O
Mündungshöhe 95 m ü. NN
Höhenunterschied 611 m
Flusssystem Rhein
Einzugsgebiet 14.000 km²dep1
Abflussmenge

MQ: 145 m³/sdep1

Großstädte Stuttgart, Heilbronn, Heidelberg, Mannheim
Schiffbar 203 km von der Mündung bis Plochingen für Großmotorgüterschiffe

Der Neckar ist ein 367 km langer Nebenfluss des Rheins in Deutschland, der überwiegend in Baden-Württemberg verläuft und in seinem Unterlauf auf einem kurzen Streckenabschnitt die Landesgrenze mit Hessen bildet. Der mittlere Abfluss an der Mündung beträgt 145 m³/s, womit der Neckar nach Aare, Mosel und Main der viertgrößte Nebenfluss des Rheins und der zehntgrößte Deutschlands ist.

Er entspringt im Naturschutzgebiet Schwenninger Moos bei Villingen-Schwenningen auf 706 m Meereshöhe und mündet bei Mannheim in den Rhein (95 m). Der Neckar ist von Plochingen bis Mannheim schiffbar und damit neben dem Rhein und dem Main bei Wertheim eine von drei in Baden-Württemberg gelegenen Bundeswasserstraßen. Neckarhäfen gibt es in Plochingen, Stuttgart, Heilbronn und Mannheim.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Namensursprung

Der Name Neckar ist keltischen Ursprungs und bedeutet wildes Wasser oder wilder Geselle. Er stammt dem ureuropäischen Wort nik ab, welches losstürmen bedeutet. Die Entwicklung des Namens beginnt zu vorchristlicher Zeit mit der Bezeichnung Nikros, welche über Nicarus und Neccarus zu Necker und letztendlich zum heutigen Neckar wurde.

[Bearbeiten] Flusslauf

Verlauf des Neckars

Das Quellgebiet des Neckars liegt im Schwenninger Moos zwischen Villingen und Schwenningen. Seine „offizielle“ Quelle liegt im Stadtpark Möglingshöhe in Schwenningen. Bis kurz vor Rottweil ist der Neckar bloß ein kleiner Bach auf der Hochebene der Baar.

Erst nach dem Zufluss der erheblich stärker wasserführenden Eschach wird er zum Fluss. Zugleich tritt er für die nächsten 80 km in ein enges, waldreiches Tal ein, er bahnt sich hier, zwischen den Höhenzügen des Schwarzwalds und der Schwäbischen Alb, einen Weg nach Norden. Bei Horb weicht er vor der Gäuplatte nach Nordosten aus und fließt parallel zum Albtrauf weiter. Bei Rottenburg tritt er in die Tübinger Talweitung ein. Hinter Tübingen verengt sich das Tal wieder.

Bei Plochingen macht der Neckar an der Mündung der rechts von der Alb herkommenden Fils einen scharfen Knick nach Nordwesten („Neckarknie“). Ab hier wird er auch schiffbar. Hinter Stuttgart dreht er nach Norden. Er nimmt nun in einem kurvenreichen und engen Talabschnitt durch den Landkreis Ludwigsburg nacheinander von rechts die Wasser der Rems bei Remseck, der Murr nördlich von Marbach, dann bei Besigheim von links die der Enz auf und gewinnt dabei sehr an Breite. Im Unterland um Heilbronn dann durchläuft er wieder in breiter Aue eine offene Landschaft. Bei Lauffen mündet links die Zaber in den Neckar. Bei Bad Friedrichshall fließt ihm dann von rechts zuerst der Kocher und wenig später die Jagst zu. Schließlich tritt er zwischen Bad Wimpfen und Mosbach in den Odenwald ein, wo erneut hohe, bewaldete Hänge seine Ufer säumen. Der Flusslauf beschreibt nun einen großen, nach Norden gerichteten Bogen; nach dessen Gipfelpunkt bei Eberbach tritt er bei Hirschhorn kurz auf hessisches Gebiet über und bildet anschließend bis Neckarsteinach ungefähr die Landesgrenze zwischen Baden-Württemberg und Hessen. Anschließend erreicht der Neckar Heidelberg, hier verlässt er den Odenwald und tritt in die Oberrheinische Tiefebene ein. Kurz danach mündet er bei Mannheim in den Rhein.

[Bearbeiten] Flussgeschichte

Der Ur-Neckar entstand als Stufenrandgerinne infolge der allmählichen Heraushebung des Schwarzwaldes und der damit verbundenen erosiven Rückverlegung der Stufen des südwestdeutschen Schichtstufenlandes. Er floss lange Zeit auf der durch die harten Kalke des Muschelkalks bedingten Hochfläche der verschiedenen Gäulandschaften. Bei Horb wurde der Flusslauf durch die Grabenstruktur des sogenannten Schwäbischen Lineaments, das in etwa parallel zum Stufenrand der Schwäbischen Alb verläuft, nach Nordosten abgelenkt. In der Folge tiefte sich der Neckar in die Muschelkalkhochflächen zwischen Rottweil und Rottenburg sowie in die jüngeren Keuper- und Juraschichten im Nordosten ein und schuf im Bereich der morphologisch harten Kalke und Sandsteine enge Durchbruchstäler. Die Flussvertiefung wurde noch durch das weitere Aufdringen des Schwarzwaldes sowie durch rückschreitende Erosion des von Norden angreifenden jüngeren Neckarlaufs vorangetrieben, der bei Plochingen das Urneckar-System anzapfte (daher das Neckarknie), das über die Urlone noch zur Donau floss. Begünstigend in diesem Flussabschnitt wirkte auch der Schurwaldgraben, eine Randverwerfung des Fildergrabens, die sich als Gewässerleitlinie auswirkte. Der heutige Unterlauf des Neckars war ehemals die Ur-Enz, bevor durch rückschreitende Erosion eines bei Besigheim in die Ur-Enz fließenden Nebenflusses das Fluss-System des Ur-Neckars angezapft wurde. Die Enz wurde dadurch zum Nebenfluss des Neckars[1].

Bis noch etwa vor 2000 Jahren floss der Neckar, durch eine Auelandschaft mit einem Gewirr von Mäandern, Schlingen, Altwässern und verlandeten Armen, am Fuße des Odenwaldes entlang und mündete erst nördlich von Darmstadt bei Trebur (und nicht wie heute bei Mannheim) in den Rhein.

[Bearbeiten] Flusslandschaft

[Bearbeiten] Naturlandschaft

Blick von den Hessigheimer Felsengärten ins Neckartal
Am Neckar gelegene Mauerterrassen des Cannstatter Zuckerle in Stuttgart

Bemerkenswert ist der Wechsel zwischen Engtalabschnitten und Talweitungen. Die Engtäler sind überwiegend durch die Eintiefung des Neckars in die Muschelkalkhochfläche und den darunter liegenden Buntsandstein entstanden. Talweitungen bildete der Fluss im Bereich morphologisch weicher Tone und Mergel. Breite Talauen entstanden auch durch die starke Auffüllung mit Auelehmen seit Beginn der Besiedlung in der Jungsteinzeit und die damit einhergehende Entwaldung und Bodenerosion. Im Bereich der Engtäler fallen die Talmäander und Umlaufberge auf. Die Mäander wurden vom Ur-Neckar gebildet, der auf der fast ebenen Muschelkalk-Hochebene träge dahinfloss. Sie bildeten während der Eintiefungsphasen die morphologischen Grundstrukturen und sind im harten Muschelkalkgestein als Talmäander vom Fluss herausgearbeitet worden. An den Prallhängen finden sich dort häufig Felsen, die von den Kalken des oberen Muschelkalks gebildet werden, wie beispielsweise die Felsengärten bei Hessigheim. Sie lagern auf den Mergeln und Tonen des mittleren Muschelkalks und können in ganzen Gesteinspaketen, sogenannten Schollen, hangabwärts zum Neckar hin abrutschen. Im Odenwald laufen von beiden Seiten enge Schluchten und Klingen auf den Neckar zu, so zum Beispiel die Wolfschlucht und die Margarethenschlucht.

[Bearbeiten] Kulturlandschaft

Über die Landnutzung der ebenen Talniederungen bestehen Konflikte. Es befinden sich dort nährstoffreiche und auf Grund ihres günstigen Gefüges für den Ackerbau sehr gut geeignete Böden. Im stark reliefierten Neckarraum stellt das Neckartal aber die einzige Möglichkeit zum Bau von Verkehrsinfrastruktur dar. Große ebene Flächen sind allerdings auch für die Anlage von Gewerbe- und Industrieanlagen gesucht. Des weiteren unterliegen die Tallagen der Dynamik des Neckars und seiner Nebenflüsse, d.h. Hochwässer können menschliche Nutzungen einschränken oder gefährden. Der Fluss selbst erfüllt schließlich auch eine Funktion als Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.

Die Tallagen blieben auf Grund der Hochwassergefährdung lange Zeit unbesiedelt, wurden aber intensiv landwirtschaftlich genutzt. Die Wegeverbindungen verliefen meist über die Höhen und querten die Täler nur, wo Furten über den Neckar führten. Erst die einsetzende Industrialisierung im 19. Jahrhundert brachte einen grundlegenden Nutzungswandel. Der Neckar wurde weitgehend begradigt, um der Hochwasser Herr zu werden und Flächen für Industriebauten zu gewinnen. Gleichzeitig erfolgte der Bau von Bahnstrecken und Chausseen auch im Neckartal. In weiten Teilen wandelte sich die Landschaft des Neckartals von einer Kultur- in eine Industrielandschaft. Ein Beispiel dafür ist das Neckartal zwischen Plochingen und Bad Cannstatt, das von großen Verkehrsadern durchzogen ist, andererseits auch von Industrie- und Gewerbebauten vereinnahmt wird. Auch Freizeiteinrichtungen mit großem Flächenbedarf wie das Gottlieb-Daimler-Stadion, die Hanns-Martin-Schleyer-Halle oder der Cannstatter Wasen, Austragungsort des zweitgrößten Volksfests Deutschlands, haben dort ihren Platz gefunden. Der Begriff Wasen gibt einen Hinweis darauf, dass sich dort ehedem eine Auenwiese befand, auf der das Fest ausgetragen wurde. Markante Punkte der Industrielandschaft im Neckartal sind der hohe Schornstein der Kohlekraftwerke in Esslingen am Neckar und Heilbronn, die Montagehallen des Daimler-Motorenwerks in Untertürkheim sowie die Kühltürme der Kernkraftwerke in Obrigheim und Neckarwestheim. Damit kontrastieren die meist steilen Talhänge, die überwiegend bewaldet sind und daher unter forstwirtschaftlicher Nutzung stehen. Die sonnenexponierten Südlagen sind häufig mit Wein bebaut. Sie liefern den größten Teil der Anbaufläche des Weinbaugebietes „Württemberg“. Dort werden überwiegend die regionalen Rotwein-Rebsorten Trollinger, Schwarzriesling und Lemberger angebaut, die traditionell in Württemberg auch am meisten getrunken werden. Bis Ende des 19. Jahrhunderts war der Weinbau im Neckartal noch weiter verbreitet. Von der Aufgabe früherer Weinberge künden heute noch die vielen Weinbergsbrachen insbesondere in ungünstigen Anbaulagen. Dort hat sich oft eine artenreiche Vegetation und Tierwelt wieder eingefunden. Ein Beispiel sind die Südhanglagen des oberhalb des Neckars gelegenen Spitzbergs bei Tübingen. Die Hanglagen des Neckartals sind oft auch bevorzugte Gebiete für Wohnbebauung gehobener Ansprüche, da sie weite und unverbaubare Ausblicke ermöglichen. Die Tallagen werden auch heute noch überwiegend ackerbaulich genutzt, wo immer sie sich bisher nicht als günstige Standorte für die Gewerbeentwicklung anboten oder sie den Anbau lukrativer Sonderkulturen wie Gemüse oder Hopfen ermöglichen, wie beispielsweise zwischen Rottenburg und Tübingen. Ein Reibungspunkt ist auch der Kiesabbau in den Talniederungen. Einerseits werden dadurch landwirtschaftliche Flächen der Nutzung entzogen. Andererseits entstanden dadurch große Seen, die heute als Freizeiteinrichtungen gerne genutzt werden, z.B. zum Baden, Windsurfen und Angeln. Diese Baggerseen wurden auch zum Lebensraum von Vögeln, Amphibien und anderen Wasserlebewesen. Solche großen Baggerseen befinden sich beispielsweise im Neckartal bei Kirchentellinsfurt. Die Schotterkörper des Neckars haben aber auch eine bedeutende Rolle als Wasserspeicher. Sie werden vielerorts zur Trinkwassergewinnung genutzt.

[Bearbeiten] Klima

Das Neckartal wirkt als Kaltluftsenke, d.h. bei Strahlungswetterlage fließt die schwerere Kaltluft, die sich auf wenig bewachsenen Hochflächen und Kuppen gebildet hat, in die Tallage ab und sammelt sich dort. Im Neckartal entstehen so oft Kaltluftseen, die zur Nebelbildung beitragen. Ist der Kaltluftabfluss behindert, können sich in der kalten Jahreszeit tagsüber die Nebel lange im Neckartal halten, während auf den Höhen ringsum die Sonne scheint. So entstehen die auf Grund der Orographie des Neckartales so typischen Inversionswetterlagen. Andererseits ist das Neckartal berühmt für sein Weinbauklima. Dies hängt mit dem Strahlungsgewinn der südexponierten Hanglagen insbesondere während der warmen Jahreszeit zusammen. Sie sind daher überwiegend mit Wein bebaut. Der Anbau des Württemberger Weins ist wegen der besonderen Klimaausprägung auf die Lagen im Neckartal und seinen Nebentälern begrenzt. Zu früheren Zeiten dagegen war der Weinbau im Neckarraum weiter verbreitet. Zum Teil wegen Klimaveränderungen ist er seit dem 19. Jahrhundert zurück gegangen. Die Klimaerwärmung könnte zu seiner Wiederausbreitung führen.

[Bearbeiten] Einzugsgebiet

Das Einzugsgebiet des Neckars umfasst mit etwa 14.000 km² den zentralen Teil Baden-Württembergs. Die vielfältige Nutzung als Brauchwasserressource, Wasserstraße und zur Wasserkraftgewinnung brachte erhebliche Eingriffe in die Gewässerökologie des Flusses mit sich.

[Bearbeiten] Renaturierung

Der nicht kanalisierte Altneckar bei Freiberg am Neckar

Inzwischen wurden verschiedene Initiativen gegründet, die sich für die Renaturierung des Neckars einsetzen. Ziele dieser Initiativen sind die ökologische Aufwertung des Flusssystems, die Verbesserung der Wasserqualität, ein verbesserter Hochwasserschutz und die Schaffung attraktiver Naherholungsgebiete entlang des Flusses. Auch wenn erst unlängst damit begonnen wurde, den Neckar im Rahmen der Aktion „Lebendiger Neckar“ von seinem Betonkorsett zu befreien, so hat der Fluss in den letzten Jahren als Naherholungsgebiet doch schon eine wahre Wiedergeburt erlebt. Zwar ist der Fluss noch immer ein Symbol bedrohter Natur – nirgendwo in Deutschland findet sich etwa eine höhere Kraftwerksdichte –, doch haben die Schaffung zahlreicher Naturschutzgebiete und die beispielhafte Renaturierung einzelner Uferabschnitte maßgeblich dazu beigetragen, Tieren und Pflanzen ihren angestammten Lebensraum über weite Strecken wieder neu zu erschließen.

[Bearbeiten] Geschichte

Historische Neckarläufe an der Mündung
Stift Neuburg und das Neckartal, Ernst Fries, um 1830
Mündung des Heilbronner Wilhelmskanals (rechts) in den Neckar-Altarm (links). Mit diesem Kanal wurde der Neckar 1821 durchgängig schiffbar. Brückenschleuse von 1884.
Neckarwehr in Berg bei Stuttgart um 1864
Die Neckargartacher Brücke war 1905 die größte Neckarbrücke

[Bearbeiten] Flößerei ab 1100

Schon seit 800 Jahren dient der Neckar als Transportweg für Brenn- und Nutzholz. Ab 1100 ist die Nutzung des Neckars als Wasserstraße mit Treidelkähnen und Holzflößen belegt. Der Fluss war schon im Hochmittelalter im Bereich einiger Städte durch Stauwehre gesperrt. Insbesondere in Heilbronn hatte das Neckarprivileg KaiseSperrung der Schiffbarkeit zur Folge. Das Durchfahrtsrecht für Flößer musste daher vertraglich festgelegt werden. 1342 wurde ein Floßvertrag zwischen Württemberg, Baden und der Reichsstadt Heilbronn geschlossen zur Öffnung des Neckars für Flöße zwischen Besigheim und Heilbronn. 1476 wurde in einem Vertrag zwischen der Reichsstadt Esslingen, Württemberg und Österreich ebenfalls freier Floßhandel vereinbart.

Das Holz aus dem Schwarzwald wurde über den Neckar und weiter über den Rhein bis nach Holland verbracht; die dort aufblühende Seefahrt verbrauchte viel Holz im Schiffbau. In Plochingen wurde das Brennholz aus dem Schurwald zu Flößen zusammengestellt, die bis zu 260 Meter lang waren.

[Bearbeiten] Treidel- und Kettenschlepperei ab 1821

Bis 1802 war der Neckar für größere Schiffe nur bis Heilbronn schiffbar. Erst nach der Eingliederung der Reichsstadt in das Königreich Württemberg konnte in Heilbronn der Wilhelmskanal gebaut werden, der 1821 eröffnet wurde und die Schiffbarmachung vom Rhein bis hinauf nach Cannstatt ermöglichte. Der Anschluss des württembergischen Plochingen an die Neckarschifffahrt scheiterte an der Reichsstadt Esslingen. Die Neckarschiffahrtsordnung von 1832 brachte durch vereinfachte Regelungen, unter anderem der Wasserzölle, einen erheblichen Aufschwung für die Schifffahrt; in 15 Jahren verdreifachte sich die Zahl der Schiffs auf dem Neckar.

Personenschifffahrt auf dem Neckar wurde ab den 1840er Jahren von Heilbronn bis Mannheim durch die Heilbronner Neckar-Dampfschifffahrt betrieben. Lastkähne wurden zu jener Zeit flussaufwärts „getreidelt“, also von Pferden am Ufer an einer Leine gezogen. Durch die Konkurrenz der Eisenbahn wurden Personendampfer und Treidelkähne in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts unwirtschaftlich. Die Eisenbahn veränderte die Neckarflößerei. In Heilbronn wurde noch 1875 ein Floßhafen errichtet, weil die Stämme aus dem Schwarzwald mehr und mehr mit der Bahn nach Heilbronn gelangten und erst von dort ihre Weiterreise auf dem Wasser antraten; flussaufwärts in Esslingen hat am 28. Oktober 1899 das letzte Floß die Stadt passiert.

Einen neuen Aufschwung brachte der Neckarschifffahrt die 1878 begonnene Neckar-Kettenschlepperei. Zwischen Mannheim und Heilbronn konnten sich Dampfschiffe mit angehängten Kähnen nun an einer 115 km langen, im Fluss verlegten Kette flussaufwärts ziehen. Von Mannheim bis Heilbronn wurde dadurch die Fahrtdauer von fünf bis acht Tagen (mit Pferden) auf zwei bis drei Tage verkürzt. Die Kettenschlepper wurden im Volksmund Neckaresel genannt.

Im Jahr 1905 gab es bereits 119 Brücken über den Neckar, deren größte die von 1903 bis 1905 erbaute Neckargartacher Neckarbrücke mit einer Gesamtlänge von 230 Metern war.

[Bearbeiten] Großschifffahrt ab 1935

Erste Planungen zum Kanalisierung des Neckars zwischen Mannheim und Plochingen begannen bereits 1905, um künftig weitgehend unabhängig von Natureinflüssen wie Hochwasser, Treibeis und Niedrigwasser verkehren zu können. Erste Studien von 1911 sahen die Auslegung für Schiffe bis zu 600 Tonnen vor, nach Plänen von 1919 wurde der Verkehr mit bis zu 1200 Tonnen vorgesehen. Ab 1921 wurde begonnen, den Fluss mit Staustufen zur Großschifffahrtsstraße auszubauen. Die Staustufen wurden mit Walzenwehren reguliert. Der vom Deutschen Reich, Baden, Hessen, Württemberg und weiteren Teilhabern gegründeten Neckar AG wurde der Bau und der Betrieb der Staustufen und Wasserkraftwerke übertragen. Zum Vorstand der Neckar AG wurden Otto Hirsch und Otto Konz gewählt, als Architekt fungierte Paul Bonatz. Die Schleusen wurden so ausgelegt, dass auf dem Neckar Schiffe des Typs Großes Rheinschiff verkehren konnten. 1935 waren die ersten elf Staustufen zwischen Mannheim und dem neuen Kanalhafen in Heilbronn vollendet; damit endete auf dem Neckar die Epoche der Kettenschlepperei.

Neckar-Stauwehr in Hirschhorn

Ungefähr gleichzeitig mit dem Ausbau des Neckars und der Staustufen entstand von 1935 bis 1938 die Neckar-Enz-Stellung, eine aus rund 450 Bunkern bestehende Verteidigungsanlage, die den Neckar zwischen Eberbach und Besigheim als natürliches Hindernis für von Westen vorrückende Feinde nutzte und von Besigheim bis Enzweihingen dem Lauf der Enz folgte.

Auch am oberen Ende des bis Plochingen geplanten Ausbaus der Schifffahrtsstraße wurde mit Arbeiten begonnen und es gab weitergehende Pläne, auch die Fils zwischen Plochingen und Göppingen schiffbar zu machen. Das Gelände für einen Hafen bei Göppingen war bis 1978 raumplanerisch reserviert. Neckar-Baudirektor Konz ließ eine Untertunnelung der Schwäbischen Alb mit einer Schifffahrtsverbindung nach Ulm an der Donau planen. Doch nach 1935 ging der Kanalbau nur zögerlich weiter; Hirsch wurde aus dem Amt gedrängt, Konz ging 1938 freiwillig in Ruhestand. Der weitere Ausbau wurde während des Zweiten Weltkrieges vorübergehend eingestellt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Kanalisierung des Neckars fortgeführt, bis zu seinem Tod 1965 abermals durch Otto Konz. Der Abschnitt bis Stuttgart war 1952 vollendet, 1958 wurde der Hafen Stuttgart in Betrieb genommen. 1968 wurde das Werk der Kanalisierung mit der Stufe Deizisau vollendet. Der Fluss war an insgesamt 27 Stufen aufgestaut und damit von Mannheim bis Plochingen schiffbar geworden.

[Bearbeiten] Schifffahrt

Der Neckar wird als Bundeswasserstraße von den Wasser- und Schifffahrtsämtern Stuttgart und Heidelberg verwaltet. Der Bund ist Eigentümer der Wasserstraße. Auch für Sportboote einschließlich Paddel- und Ruderbooten gilt die Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung, die beispielsweise die Kennzeichnungspflicht und die Vorfahrtsregeln enthält. Auf dem Neckar transportierten im Jahr 2007 8.100 Binnenschiffe insgesamt 7,5 Mio t. Den größten Ladungsanteil hatten Baustoffe und mineralische Brennstoffe mit je 20 Prozent sowie Salz mit 19 Prozent. Es wurden 32.500 TEU Container transportiert.[2]

Touristen können den Neckar auf Ausflugsschiffen befahren. Siehe dazu den Artikel Personenschifffahrt auf dem Neckar

Stuttgarter Neckarhafen
Kanalhafen Heilbronn

[Bearbeiten] Hafen Plochingen

Am 8. Dezember 1954 wurde die Neckarhafen Plochingen GmbH gegründet. Von 1960 bis 1963 wurde die letzte Staustufe bei Deizisau gebaut. Mit dem Bau des Neckarhafen Plochingen begann Otto Konz am 29. April 1964. Das erste Schiff legte am 12. Juli 1968 in Plochingen an, nachdem es zuvor von Gertrud Hartung, der Frau des Bürgermeisters, auf den Namen Plochingen getauft worden war.

Im Hafen von Plochingen erwirtschafteten 2004 etwa 15 Firmen zusammen einen Jahresumsatz von etwa 500 bis 600 Millionen Euro.

[Bearbeiten] Hafen Stuttgart

Der Neckarhafen Stuttgart wurde in zwei Abschnitten erbaut, von 1954 bis 1958 und von 1966 bis 1968. Das Hafengebiet hat eine Gesamtfläche von 100 ha und drei Becken. Die Wasserfläche (einschließlich der Bundeswasserstraße) bedeckt 30,7 Hektar.

[Bearbeiten] Hafen Cannstatt

Den ersten Cannstatter Hafen am Mühlgrün weihte Herzog Eberhard Ludwig im Jahre 1713 ein. Er gewann nur geringe Bedeutung.

[Bearbeiten] Hafen Heilbronn

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Der Hafen Heilbronn ist mit einer Betriebsfläche von 107 Hektar und einer Kailänge von 7,2 Kilometern der siebtgrößte Binnenhafen Deutschlands. Er umfasst eine Fläche von knapp 80 Hektar, davon sind etwa ein Drittel Wasserfläche. Über 50 % des Umschlags am Neckar erfolgen über ihn, das sind rund 4,4 Millionen Tonnen pro Jahr. Etwa 60 % des Umschlags fallen auf den Binnenhandel, der Rest auf internationale Güter und Waren. Neben Roh- und Baustoffen (Kohle, Salz) werden unter anderem Getreide, Eisen, Stahl und Holz verladen.

[Bearbeiten] Schleusen

Die Schleuse Cannstatt
Die Schleuse Hofen
Die Schleuse Aldingen
Die Schleuse Poppenweiler

Die maximale Größe der auf dem Neckar fahrenden Binnenschiffe ist durch die Abmessungen der 27 Schleusen begrenzt, die 110 m lang und 12 m breit sind. Sie folgen einander etwa im Abstand von 10 km (Siehe Tabelle). Die nutzbare Kammerlänge beträgt 105 m, die nutzbare Kammerbreite 11,45 m. Die Fahrwassertiefe beträgt mindestens 2,80 m, so dass etwa der Hafen Stuttgart von Großmotorschiffen angelaufen werden kann, die bei einem Tiefgang von 2,60 m eine Tragfähigkeit von rund 2.200 t haben. Um den Necker für 135 m lange Schiffe befahrbar zu machen, wird an jeder Schleuse je eine Kammer ausreichend vergrößert. Darüber hinaus werden die alten Kammern saniert sowie einzelne Streckenabschnitte und Wendestellen ausgebaut. Insgesamt investiert der Bund 575 Millionen Euro. Für die Umsetzung des Projekts wurde 2007 das Amt für Neckarausbau Heidelberg gegründet.[3]

Sportboote wie Motoryachten und Segelboote werden normalerweise in den Großschifffahrtsschleusen mitgeschleust, da im Gegensatz zu anderen Wasserstraßen wie Mosel oder Main außer in Bad Cannstatt keine Bootsschleusen existieren. Für Kanus wurden an beinahe allen Schleusen Bootswagen eingerichtet, die auf Schienen bis ins Wasser reichen, so dass schwer beladene Boote auf den Wagen aufschwimmen können (Sie sind leider oft in schlechtem oder unbenutzbarem Zustand). Zum Teil können Kanus die Schleusen mitnutzen, wenn das Schleusenpersonal das genehmigt, insbesondere bei Gruppenfahrten.

Seit 2004 werden am oberen Neckar die Schleusen von Deizisau bis Stuttgart-Hofen über die Fernbedienzentrale in Stuttgart-Obertürkheim (FBZ) gesteuert und überwacht.

[Bearbeiten] Pegel und Hochwasser

Für die Sportboote und Berufsschifffahrt ist der Wasserstand des Neckars Hauptkriterium für die Befahrbarkeit. Laut Hochwassermeldeordnung (HMO) gelten folgende Hochwasser-Pegel:

[Bearbeiten] Zuflüsse

Steinlachmündung in Tübingen
Aichmündung bei Zizishausen
Einfluss der Körsch bei Deizisau
Zabermündung bei Lauffen

Im Folgenden sind die Zuflüsse des Neckars von der Quelle zur Mündung aufgeführt. Die größten unter ihnen (dem Einzugsgebiet nach) sind Enz, Kocher und Jagst. Der Kocher hat unter ihnen die höchste Wasserführung im Jahresmittel, die Jagst ist am längsten.

[Bearbeiten] Städte und Gemeinden am Neckar

Blick auf die Neckarfront von Tübingen
Blick auf den von Schiffen befahrenen Neckar von der Pliensaubrücke in Esslingen
Der Neckar bei Ludwigsburg
Neckar in Mannheim

Der Neckar berührt die nachfolgend in der Reihenfolge von der Quelle zur Mündung genannten Landkreise, Städte und Gemeinden:

[Bearbeiten] Burgen und Schlösser

Blick vom Philosophenweg auf die Altstadt Heidelbergs mit Schloss und Alten Brücke
Die Neckarschleife um den Dilsberg

Von Mannheim über Heidelberg, Eberbach, Mosbach bis Heilbronn verläuft die Burgenstraße nahezu parallel zum Neckar und führt auf diesem rund 100 km langen Abschnitt des unteren Neckars an zahlreichen Burgen und Schlössern vorbei. Zuallererst ist natürlich das Heidelberger Schloss zu nennen. Unter den Neckarburgen sind aber auch die vier Burgen in Neckarsteinach, Bergfeste Dilsberg, Burg Eberbach, Burg Hirschhorn, die Zwingenburg, Burg Stolzeneck, die Minneburg, Burg Dauchstein, Schloss Neuburg (Baden), die Burg Hornberg (die Burg des Götz von Berlichingen) und die Burg Guttenberg (Deutsche Greifenwarte), Schloss Horneck, Burg Ehrenberg.

Im weiteren Verlauf flussaufwärts bis Stuttgart und weiter am oberen Neckar stehen die Burg Horkheim und das Neippergsche Schloss Klingenberg, Schloss Lichtenegg, die Esslinger Burg, Burg Remseck, Schloss Liebenstein, die Weiler Burg, die Ruine Herrenzimmern, die Ruine Neckarburg, Ruine Albeck bei Sulz am Neckar, Hotel Schloss Weitenburg sowie ganz in der Nähe das Wasserschloss Glatt.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Zum alten Flussnetz siehe Abb. 22 dieser Veröffentlichung des LGRB zum alten Flusssystem; zum dargestellten Zeitpunkt entwässerte demnach auch die Enz noch zur Donau.
  2. Wasser- und Schifffahrtsamt Heidelberg 2.1.2008
  3. Land Baden-Württemberg 26.11.2007

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Lyrik

[Bearbeiten] Karten

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Neckar – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik
Blick auf das Neckartal und Haßmersheim von Burg Hornberg
Commons Commons: Neckar – Bilder, Videos und Audiodateien

[Bearbeiten] Belege



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