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Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Stadt Minden an der Weser; zu weiteren gleichnamigen Bedeutungen siehe Minden (Begriffsklärung).

Die ostwestfälische Stadt Minden bildet das Zentrum des Mindener Landes. Sie ist eine große kreisangehörige Stadt mit rund 80.000 Einwohnern und liegt an der Weser. Minden ist Sitz des Kreises Minden-Lübbecke im Regierungsbezirk Detmold in Nordrhein-Westfalen und liegt 40 km nordöstlich von Bielefeld, 55 km westlich von Hannover, 100 km südlich von Bremen und 60 km östlich von Osnabrück. Überregional ist Minden durch das Wasserstraßenkreuz bekannt, lange Zeit die einzige Wasserstraßenkreuzung Deutschlands. Auch der Dom spielt in der ehemaligen Bischofsstadt eine bekannte Rolle.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geografie

[Bearbeiten] Geografische Lage

Marienkirche
Marienkirche

Die alte Stadtmitte von Minden liegt etwa 5 km nördlich des Durchbruchs der Weser durch die Porta Westfalica in der Norddeutschen Tiefebene. Hier verlässt die Weser das Weserbergland und verzweigte sich nach dieser Engstelle in mehrere Arme und ermöglichte so das Passieren des Flusses in einem natürlichen Flussübergang. Daher kreuzten sich an diesem Weserübergang Wege von Norden nach Süden und Wege von Westen nach Osten und gaben so eine gute Grundlage für eine Stadtgründung.

Die Stadt liegt an der Geländestufe des westlichen Hochufers der Weser, die auch die Grenze der beiden Naturräume Mittleres Wesertal und Lübbecker Lößland markiert. Diese Stufe zieht sich quer durch das Stadtgebiet und teilt nicht nur die Stadt in die Ober- und Unterstadt sondern auch die beiden Naturräume. Den Umstand der Geländestufe nutzten die Kirchenplaner und stellten die neuen Kirchen Marienkirche und Martinikirche auf die Oberkante, ihre markanten Türme wirken weit ins Land und geben der Stadtansicht ihr markantes Profil.

Im Stadtgebiet mündet der Kleinfluss die Bastau von Westen kommend in die Weser, er war in preußischen Zeiten Teil des Festungskonzeptes.

[Bearbeiten] Geologie und Böden

Das Gebiet wird vor allem von den Lockergesteinen des Eiszeitalters bestimmt. Dazu zählen Kies, Sand und Geschiebelehm. In manchen Gebieten finden sich vereinzelt auch Schmelzwassersand und der fruchtbare Löss. Die Böden bestehen im Stadtgebiet hauptsächlich aus Parabraunerden, also einer verwitterten Lößform. Im Nordosten des Gebietes finden sich auch für den Ackerbau geeignete Braunerden mit überwiegend lehmig-sandigen Charakter. Im Nordwesten finden sich außerdem staunasse Böden (Pseudogley) auf tonreichem, dichtgelagertem Geschiebemergel. Hier wird das Land meist als Grünland extensiv genutzt. Ackerbau ist nur nach entsprechender Entwässerung möglich. Unmittelbar an den Flüssen findet sich in den Auen Gleye. Hier ist durch die Grundwasserbeeinflussung bzw. regelmäßige Überschwemmung nur eine Nutzung als Grünland möglich. Die Böden im Wesertal wurden teilweise bereits in den nacheiszeitliche Talböden und Auen der Weser und Bastau abgelagert. Im Wesertal bauen zwei Unternehmen den Kies (Nassauskiesung) ab. Im Wiehen- und Wesergebirge finden sich auch steinige und flach- bis mittelgründige Böden (Rendzina-Braunerden) aus Kalkmergelstein und stellenweisen Lößbeimengungen.

In tieferen Schichten besteht der Untergrund aus Ton-, Tonmergel-, Kalk- und Sandsteinen. Diese Gesteine stammen aus dem Trias, Jura und der Unterkreide. Im Süden, wo das Stadtgebiet das Wiehengebirge berührt, treten die Schichten des Oberen Juras, im Ortsteil Bölhorst auch solche der Unterkreide zutage. In diesen Gebieten wurde ehemals im Mindener Revier Steinkohle gefördert. Im ehemaligen Steinkohlenschacht Bölhorst wird heute eine rund 10-%ige Sole gefördert, die für Kuranwendungen eingestzt wird. Im tiefen Untergrund sind die Gesteine des Erdaltertums (Devon, Karbon, Perm) anzutreffen. [2]

[Bearbeiten] Ausdehnung des Stadtgebiets

Bei einer Gesamtfläche von 101,08 km² dehnt sich das Stadtgebiet in Nord-Süd-Richtung bis zu max. 13,1 km und in Ost-West-Richtung bis zu max. 14,1 km aus.

Der höchste Punkt der Stadt liegt mit 180,59 m über NN im Stadtteil Haddenhausen, der niedrigste mit 40,34 m über NN im Stadtteil Leteln. Die Straßenhöhe vor dem Rathaus beträgt 42,2 m über NN.

[Bearbeiten] Nachbargemeinden

Minden grenzt im Osten mit seinen Stadtteilen Minden-Meißen, Minden-Päpinghausen und Minden-Dankersen an die Stadt Bückeburg im niedersächsischen Landkreis Schaumburg. Im Norden grenzt Minden an die Stadt Petershagen, im Westen an die Gemeinde Hille und im Süden an die Städte Bad Oeynhausen und Porta Westfalica.

[Bearbeiten] Stadtgliederung

Nach § 1 der Hauptsatzung wird das Stadtgebiet von Minden in folgende 19 Stadtbezirke eingeteilt:

Stadtbezirke von Minden (Westf.)

Die Stadtbezirke in alphabetischer Reihenfolge

Bärenkämpen
Bölhorst
Dankersen
Dützen
Haddenhausen
Häverstädt
Hahlen
Innenstadt
Königstor
Kutenhausen
Leteln-Aminghausen
Meißen
Minderheide
Nordstadt
Päpinghausen
Rechtes Weserufer
Rodenbeck
Stemmer
Todtenhausen


Am 1. Januar 1973 wurden die Gemeinden Aminghausen, Bölhorst, Dankersen, Dützen, Haddenhausen, Hahlen, Häverstädt, Kutenhausen, Leteln, Meißen, Päpinghausen, Stemmer, Todtenhausen und Teile von Barkhausen, Hartum und Holzhausen in die Stadt Minden eingemeindet.

[Bearbeiten] Klima

Niederschlag in Minden-Hahlen (blaue Linie) im Vergleich zum NRW-Landesschnitt (graue-weiße Schattierungen)
Niederschlag in Minden-Hahlen (blaue Linie) im Vergleich zum NRW-Landesschnitt (graue-weiße Schattierungen)

Minden liegt wie ganz Ostwestfalen im Übergangsbereich vom überwiegend vorherrschenden maritimen Klima sowie dem schwächer und in dieser Gegend nur temporär ausgeprägten Kontinentalklima. Daher sind die Temperaturen und Niederschläge im Jahresverlauf relativ ausgeglichen. Die Sommer sind im Vergleich zum hochkontinentalen Klima eher kühl, die Winter eher warm. Minden wird weiterhin von der Leelage am nördlichen Wiehengebirge beeinflusst. Der Teutoburger Wald sowie das Wiehengebirge schirmen die Stadt vor den voherrschenden Winden mit Vorzugsrichtung aus Südwest ab, die Niederschläge vom Atlantik heranführen. Minden ist daher ein relativ - im Vergleich zum übrigen Ostwestfalen- niederschlagsarmes Gebiet und bewegt sich etwa im nordrhein-westfälischen Durchschnitt. Im Norden des Stadtgebiets liegen die mittleren Jahresniederschläge zwischen 600 und 650 mm. Weiter im Süden liegen diese Werte leicht darüber zwischen 650-700 mm. Die Temperatur wird vor allem durch die relativ niedrige Lage in der Norddeutschen Tiefebene sowie der Wesertalung bestimmt. Die Jahresmitteltemperatur liegt zwischen 9°C und 9,5°C und ist damit vergleichbar mit den Jahresmitteltemperaturen in der Westfälische Bucht.[3] Einen Überblick über die Niederschläge in Minden-Hahlen gibt folgende Tabelle.

Niederschlag in Minden-Hahlen (46 m)
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Niederschlag (mm) 57,1 42,6 52,9 51,5 61,2 80,2 63,8 68,1 58,5 46,3 55,8 63,5 Σ 701,5
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42,6
52,9
51,5
61,2
80,2
63,8
68,1
58,5
46,3
55,8
63,5


Quelle: Niederschlag: DWD[4]


Siehe auch: Klima in Ostwestfalen-Lippe

[Bearbeiten] Geschichte

Hauptartikel: Geschichte der Stadt Minden

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[Bearbeiten] Von den Anfängen bis zum Mittelalter

Kupferstich von Matthäus Merian.
Kupferstich von Matthäus Merian.

Minden ist vermutlich schon seit dem 3. Jahrhundert besiedelt. Darauf lassen Siedlungsfunde an mehreren Stellen des gegenwärtigen Stadtgebietes schließen. Erstmalig urkundlich erwähnt wird Minden im Jahre 798, als Karl der Große eine Reichsversammlung in „Minda“ abhält. Dieses Ereignis wird in den so genannten Reichsannalen, einer fränkischen Chronik, erwähnt.

Um 800 gründete Karl der Große in Minden ein Bistum; erster Bischof wurde von 803 bis 813 Erkanbert von Minden († 7. Juni 830 in Minden).

852 hielt König Ludwig der Deutsche einen allgemeinen Gerichtstag in Minden ab.[5]

Im Jahr 977 wurden der Stadt das Marktrecht, Münzrecht und Zollrecht verliehen.

1024 wurde zu Sicherung der Furt über die Weser das Benediktinerkloster Sankt Mauritius auf einer Insel in der Weserniederung gegründet

Am 19. Mai 1062 brach während eines Besuches Kaiser Heinrich IV. zu Pfingsten bei einem Streit zwischen dem kaiserlichen Gefolge und den Bürgern ein Feuer aus, das den Mindener Dom und die Stadt zerstörte.[5] Damit wurde die Kernsiedlung um den Dom zum zweiten Mal in der Geschichte (nach 947) durch Feuer zerstört. Der Dom und die Domfreiheit wurden zum dritten Mal wieder aufgebaut und 1071 geweiht. Teile des zweiten Doms sind im Westwerk erhalten.

Am 1. Februar 1168 heiratete Heinrich der Löwe - nach Scheidung von seiner ersten Frau - die erst zwölfjährige Tochter Mathilde des englischen Königs Heinrich II., Schwester von Richard Löwenherz. Die Trauung fand im Mindener Dom statt.

Bis zum Beginn des 13. Jahrhunderts war der vom Bischof eingesetzte Wichgraf Oberhaupt und Verwaltungsleiter der Stadt. Um 1230 konnten sich die Mindener Bürger und ihr Rat vom kirchlichen Landesherren, dem Bischof, lösen und erhielten die Stadtrechte. Diese neuen Rechte nutzten sie und begannen einen von der Kirche unabhängigen Handel. Der Gewinn daraus war eine der Grundlagen für die weitere Entwicklung der Stadt. Im Mittelalter war Minden Mitglied der Hanse.

Um 1235 wurde am Marktplatz das Spital zum heiligen Geiste gegründet, in dem alte und arme Bewohner der Stadt untergebracht und versorgt wurden.

Die Bedeutung Mindens zu dieser Zeit zeigt sich in der Übernahme des Mindener Stadtrecht bei der Gründung mehrerer Städte in der Region. 1279 übernahm Lübbecke bei seiner Stadterhebung das Mindener Stadtrecht.

Bereits im Jahr 1301 gab sich der Rat der Stadt Minden eine eigene Wahlordnung, dieser Schritt erfolgte ohne die Zustimmung des Bischofs von Minden. Die Ratsherren vertraten die Interessen der Mindener Bürgerschaft gegenüber ihrem Stadtherren, dem Bischof des Bistums Minden, bis zum Jahr 1301 bestimmte der Bischof, wer Mitglied des Rates werden sollte.

Das gestiegene Selbstbewusstsein der Mindener Bürger wird auch im Bau des historischen Rathauses deutlich, dass wahrscheinlich um 1260 direkt neben der Domimmunität errichtet worden war. Im Jahr 1306/07 zog es der damalige Mindener Bischof Gottfried von Waldeck deshalb vor, seine Residenz von Minden in das Schloss Petershagen zu verlegen.

Am 6. Januar 1301 wurde durch die elf Ratsherren eine Urkunde verfasst, die für die Zukunft das Wahlprozedere und die Wähler des Rates der Stadt festlegen sollte. Die Wahl des Rates erfolgt in drei Wahlgängen, wobei der Kreis der Wahlberechtigten von Wahlgang zu Wahlgang immer weiter eingeschränkt wurde. Zunächst wählten die herausragenden Vertreter der Gilden der Kaufleute, Bäcker, Fleischer und Schuhmacher aus ihrer Mitte vierzig geeignete Personen. Diese vierzig Personen wiederum wählten jährlich, wenn die neuen Ratsherren zu wählen waren, aus ihrer Mitte zwölf Personen, diese zwölf Personen waren die eigentlichen Wähler des Rates. Nachdem der Kreis der Wahlberechtigten so deutlich eingeschränkt war, erstaunt die Tatsache, dass jede Person, die das Bürgerrecht der Stadt Minden besaß, zum Ratsherren gewählt werden konnte.[6]

Das Amt des Bürgermeisters wurde zum ersten Mal im Jahr 1303 erwähnt, der Bürgermeister war damals als Erster unter Gleichen der Sprecher des Rates.

Seit 1360 sah die Ratswahlordnung vor, dass Handwerker, die in den Rat gewählt wurden, ihr Handwerk aufgeben und für zwanzig Goldgulden Mitglied der Kaufmannsgilde werden mussten. Diese Vorschrift sollte die Macht der Kaufleute im Rat der Stadt zementieren.

Im Jahr 1396 stiftete Bürgermeister Heinrich Gieseler aus seinem Privatvermögen ein Spital, in ihm wurden vor allem Durchreisende, aber auch alte und kranke Menschen versorgt.

Im Jahr 1405 entzündete sich am Verfahren der Ratswahl der schwerste Verfassungskonflikt in der Geschichte der Stadt Minden, die sogenannte „Mindener Schicht“. In der Mindener Ratswahlordnung von 1301 war nur bestimmten Gruppen der Mindener Bürgerschaft das Wahlrecht zum Rat der Stadt eingeräumt worden. Nur die Vertreter der Kaufleute, Fleischer, Schuhmacher und Bäcker durften sich an der Ratswahl beteiligen, den Vertretern der kleineren Berufsgruppen der Krämer, Kürschner, Wollweber, Schmiede, Schröder, Höker und den Bürgern der Vorstädte blieb dieses Recht verwehrt. Einige Ratsherren, die sich gegen das in der Ratswahlordnung festgelegte Wahlrecht aussprachen, wurden 1405 mit ihren Familien aus der Stadt vertrieben. Die verbliebenen Ratsherren wandten sich am 14. August 1405 an den Rat der Stadt Dortmund, der zu dieser Zeit für Minden Apellationsinstanz in allen rechtlichen Fragen war. In dem Brief wird deutlich, dass die Mindener Kaufleute ihre Kompetenzen offenbar überschritten hatten und die Bürger sich vom Rat der Stadt nicht mehr angemessen vertreten fühlten. Kurze Zeit später wandten sich auch die vertriebenen Ratsherren an den Dortmunder Rat und schilderten ihre Sicht der Dinge. In einem Brief an den Dortmunder Rat bestätigte Otto IV. von Rietberg als Bischof von Minden am 8. Oktober 1405 die Darstellung der in Minden verbliebenen Ratsherren. Am 19. November 1405 forderte König Ruprecht I. eine Schlichtung des Streits durch den Dortmunder Rat. Der Konflikt schwelte allerdings weiter und am 14. Mai 1407 erklärte König Ruprecht I. alle Mindener Bürger, die älter als vierzehn Jahre waren, in die Reichsacht. Am 11. August 1407 schalteten sich schließlich die mächtigsten Hansestädte Hamburg, Lübeck und Lüneburg in den Konflikt ein. Sie forderten, dass die Konfliktparteien einen Schiedsspruch der Hanse akzeptieren sollten und drohten im Gegenzug mit der Verhansung der Stadt Minden, dem stärksten Machtinstrument der Hanse. Die Verhansung hätte für die Stadt Minden den wirtschaftlichen Niedergang bedeutet, da sie aus dem Handel der Hanse komplett ausgeschlossen worden wäre. Im Jahr 1408 kam es schließlich zu einer Einigung und der König hob die verhängte Reichsacht am 29. Oktober 1408 wieder auf.[6]

Im Jahr 1460 war der Einfluss der Mindener Kaufleute auf die Wahl des Rates deutlich zurückgedrängt, so berichtete der Domherr Heinrich Tribbe, sie stellten nicht mehr zweiundzwanzig Männer im „Vierziger-Ausschuss“, sondern nur noch sechzehn. Die anderen vier großen Ämter (Bäcker, Fleischer, Schuhmacher, Schneider) stellten ebenfalls sechzehn Vertreter. Neben diesen Vertretern hatten nun auch die kleineren Ämter und die Vorstädte Sitz und Stimme im Ausschuss für die Ratswahl. Allerdings wurde der Ausschuss nicht mehr gewählt, sondern die Vertreter waren kraft ihres Amtes in den einzelnen Ämtern und Vorstädten Mitglieder des Ausschusses. Um die Kontinuität in der Geschäftsführung des Rates zu wahren, wurde jedes halbe Jahr die Hälfte der zwölf Ratsherren neu gewählt. Der Bürgermeister der Stadt Minden wurde immer von den sechs neuen Ratsherren aus dem Kreis der sechs alten Ratsherren gewählt, auch dieses Verfahren soll die Kontinuität wahren.[6]

[Bearbeiten] Vom Ende des Mittelalters bis zur Neuzeit

Blick von Minden auf die Porta Westfalica
Blick von Minden auf die Porta Westfalica

Im Jahr 1519 wurde Minden durch seinen Bischof Franz I. von Braunschweig-Lüneburg in die Hildesheimer Stiftsfehde verwickelt und belagert. Der Bischof verlangte im Jahr 1521, dass zur besseren Verteidigung der Stadt die Fischer-, Marien- und Simeonsvorstadt abgerissen werden sollten. Diese Forderung und die positive Reaktion der Ratsherren aus dem Kreis der Kaufleute löste in der Stadt einen Aufstand aus. Der Bischof wurde zeitweise aus der Stadt verbannt und die Macht der Kaufleute zugunsten der Handwerksämter weiter eingeschränkt.

Im Zuge der Reformation kam es in Minden im Jahr 1529 erneut zu einem schweren Konflikt. Bereits seit Mitte der zwanziger Jahre des 16. Jahrhunderts war in Minden teilweise evangelisch gepredigt worden, ohne dass es zu großer Unruhe gekommen war.

1529 hatte der protestantische Glaube in Minden aber bereits so viele Anhänger gewonnen, dass durch die Mehrheit der Bürgerschaft die Verhaftung des evangelisch predigenden Mönchs Heinrich Traphagen nicht mehr hingenommen wurde. Es bildete sich im November 1529 ein Gremium aus sechsunddreißig Männern, diese übernahmen fortan das Stadtregiment. Zu Weihnachten 1529 predigte erstmals der lutherische Prediger Nikolaus Krage von der Kanzel der Martinikirche. Die katholische Geistlichkeit verließ daraufhin teilweise die Stadt und ihre Besitzungen wurden im Januar 1530 größtenteils eingezogen. Es kam daraufhin zu einem bewaffneten Konflikt zwischen der Stadt Minden und Johann von Münchhausen, der Besitzer des Gutes Haddenhausen war, da sich die Geistlichkeit unter seinen Schutz gestellt hatte. Der Konflikt endete mit einer Niederlage Johann von Münchhausens und der Zerstörung von Gut Haddenhausen.

Am 13. Februar 1530 verkündete Nikolaus Krage von der Kanzel der Martinikirche die evangelische Kirchenordnung für die Stadt Minden.

Die „Sechsunddreißiger“ entmachteten im Jahr 1532 auch die „Vierziger“ und übernahmen die Ratswahl, am Wahlverfahren wurde allerdings nichts geändert. Die alten Ratsherren weigerten sich allerdings mit den neu gewählten zusammen zu arbeiten, auch eine Neuwahl des Bürgermeisters aus dem Kreis der alten Ratsherren kam nicht zustande. Die alten Ratsherren wurden daraufhin durch die „Sechsunddreißiger“ ihrer Ämter enthoben.

Erst im Jahr 1535 übernahmen wieder die „Vierziger“ die Herrschaft in Minden.

Am 27. März 1536 verurteilte das Reichskammergericht die Stadt Minden auf Herausgabe der eingezogenen Güter des Klerus, bei Missachtung des Urteils drohte die Reichsacht.

Im August 1536 trat die Stadt Minden daraufhin dem Schmalkaldischen Bund bei, um sich zusammen mit anderen evangelischen Reichsstädten gegen die katholischen Länder zu verbünden.

Am 9. Oktober 1538 wurde schließlich die Reichsacht über die Stadt Minden und ihre Bürger verhängt.

1539 kam es erneut zu einem Schiedsspruch, der die Ratswahlordnung veränderte. Die Ratsherren mussten nicht mehr der Kaufmannsgilde angehören und der Rat wurde nur noch einmal im Jahr gewählt.

Zur Zeit der Hexenverfolgungen fanden in den Jahren 1603–1684 Hexenprozesse gegen insgesamt 128 Personen statt. Wie in vielen benachbarten Regionen wurden dabei auch in Minden fast ausschließlich Verfahren gegen Frauen eröffnet (siehe Literatur).

Während des Dreißigjährigen Krieges war Minden von 1625 bis 1634 durch die katholischen Truppen des Kaisers besetzt.

1634 wurde die Stadt durch die protestantischen schwedischen Truppen belagert und schließlich erobert. Königin Christina von Schweden gestand der Mindener Bürgerschaft volle Souveränität in allen inneren und äußeren Angelegenheiten der Stadt zu.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg kam Minden gemäß Vertrag des Westfälischen Friedens von 1648 in den Besitz Brandenburg-Preußens und blieb dort, mit Ausnahme der Zeit der napoleonischen Besetzung im frühen 19. Jahrhundert, bis zur Auflösung Preußens im Jahr 1947.

Schlacht bei Minden (zeitgenössischer Stich)
Schlacht bei Minden (zeitgenössischer Stich)

Mit dem Landesherrlichen Stadtreglement vom 10. Juni 1711 durch König Friedrich I. endete das vierhundertjährige Selbstbestimmungsrecht der Mindener Bürger.

Der Rat der Stadt wurde durch einen Magistrat abgelöst und das Gremium der „Vierziger“ vom König aufgelöst. Der Magistrat wurde durch ein Gremium aus sechzehn Kaufleuten, sechzehn Handwerkern und acht Vertretern der Gemeinde auf Lebenszeit gewählt.

Am 14. Juli 1723 verschärfte König Friedrich Wilhelm I. das Stadtreglement dahingehend, dass alle Mitglieder des Magistrats vor ihrer Ernennung der Zustimmung der neuen königlichen Kriegs- und Domänenkammer in Minden bedurften.[6]

Von 1719 bis 1807 war die Stadt Verwaltungssitz des Territoriums Minden-Ravensberg und von 1816 bis 1947 Sitz einer Bezirksregierung.

Im Verlaufe des Siebenjährigen Krieges kam es am 1. August 1759 zur Schlacht bei Minden, die seitdem von den britischen Soldaten alljährlich geehrt wird (Kranzniederlegung).

[Bearbeiten] 19. Jahrhundert

Blick auf St. Marien (Mitte)
Blick auf St. Marien (Mitte)

Bis 1806 war das Gebiet um den Mindener Dom die sogenannte Domfreiheit. Hier regierte im Gegensatz zu den anderen Stadtgebieten nicht die Stadt sondern die geistlichen Mindener Landesherren. Am 13. November 1806 wurde Minden von französischen Truppen besetzt und gehörte danach zunächst bis Ende 1810 zum Königreich Westfalen, später direkt zu Frankreich. Nachdem Napoleon I. in der Völkerschlacht bei Leipzig besiegt worden war, verließen die französischen Truppen das Mindener Land und es wurde wieder preußisch. In der Amtszeit des ersten Mindener Landrates von Arnim (1816–1820) wurde die Mindener Festung unter Oberaufsicht der Regierung des Regierungsbezirks Minden wiederaufgebaut. Der insofern verhängnisvolle Wiederaufbau der Festung hemmte die industrielle und wirtschaftliche Entwicklung, so dass diese fast vollständig an Minden vorbei ging. Die Stadt und damit auch ihr Geist blieben in ihren Festungsmauern eingeschnürt. Zum damaligen Zeitpunkt wesentlich kleinere Städte - wie z.B. Bielefeld und Dortmund - legten den Grundstein zu wirtschaftlicher Blüte. Minden hatte seine Beamten und Soldaten und war stolz darauf.

Am 15. Oktober 1847 wurde die Cöln-Mindener Eisenbahn eröffnet.

Die preußische Zeit war sehr prägend für Minden. Viele Gebäude aus dieser Zeit sind noch in Minden vorhanden, nicht zuletzt in der Stadtanlage und Stadtbild. Bis 1873 war die Stadt eine preußische Festung, dann beschloss der Reichstag in Berlin am 30. Mai 1873 das Gesetz zur Aufhebung der Festungen Minden, Stettin, Erfurt, Wittenberg, Kosel, Graudenz, Kolberg und Stralsund. Erst jetzt wurden die Stadtmauern geschleift und die Stadt konnte wirtschaftlich aufholen. Ihre frühere politische und wirtschaftliche Bedeutung erreichte sie jedoch nie mehr.

1881 wurde der Verlag J.C.C. Bruns durch Gustav Bruns gegründet. Hier erscheint das Mindener Tageblatt, eine regionale Zeitung.

Ab September 1893 fuhr in Minden eine Dampfstraßenbahn. 1898 eröffneten die Mindener Kreisbahnen ihre erste Strecke nach Uchte. Von 1902 bis 1957 (Umstellung auf Normalspur) gab es am Bahnhof Minden einen eigenen Kreisbahnhof. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das umliegende Kreisgebiet von einem Meterspurnetz erschlossen.

[Bearbeiten] 20. Jahrhundert

1902 wurden die Stadtwerke Minden gegründet, die die Stadt mit Erdgas und Strom versorgten.

Die Novemberrevolution am Ende des Ersten Weltkrieges verlief in Minden relativ ruhig. In einigen Kasernen der Garnison Minden kam es am 7. und 8. November 1918 zwar zu kleineren Unruhen, diese konnten aber durch örtliche Vertreter der SPD und der Gewerkschaften beruhigt werden. Am Nachmittag des 8. November 1918 übernahm ein Arbeiter- und Soldatenrat die öffentliche Gewalt in der Stadt Minden.

Ab Anfang der 1920er Jahre war das Straßenbahnnetz elektrifiziert. Im Dezember 1953 kamen Oberleitungsbuslinien hinzu. Die letzte Straßenbahn fuhr am 29. Dezember 1959, der letzte O-Bus am 20. Juli 1965. Seitdem wird das Stadtgebiet ausschließlich von Dieselbussen bedient.

[Bearbeiten] Folgen des Kapp-Putsches für Minden

Während des so genannten Kapp-Putsches im März 1920 war die Lage in der Stadt Minden wesentlich angespannter. Als der Putsch am 13. März bekannt wurde, reagierten die demokratischen Parteien in Minden sehr schnell. Die Vertreter von SPD, DDP und USPD in der Mindener Stadtverordnetenversammlung erklärten sich loyal zur Reichspräsident Friedrich Ebert und zur Regierung Bauer, nur die Vertreter der Zentrumspartei nahmen eine abwartende Haltung ein. Nachdem die Parteien in Minden zum Generalstreik aufgerufen hatten konstituierte sich am 13. März 1920 erneut der Mindener Arbeiterrat mit Vertretern von SPD, DDP und USPD, einer der treibenden Kräfte war der spätere Landrat Willy Michel (SPD). Der Arbeiterrat hatte aber keinen sozialistischen Umsturz im Sinn, seinen Mitgliedern kam es nur darauf an, die verfassungsmäßige Ordnung wieder herzustellen. Den Mitgliedern des Arbeiterrates gelang am 14. März 1920 eine Kontaktaufnahme mit der Reichsregierung, die ihnen telefonisch die Vollmacht erteilte, die rechtmäßige Regierung zu schützen, Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten und die Veröffentlichungen der Putschisten zu verhindern.

Der Mindener Regierungspräsident Dr. Rudolf von Campe konnte sich im Gegensatz zu seinem direkten Vorgesetzten Oberpräsident Dr. Bernhard Wuermeling nicht zu einer bedingungslosen Unterstützung der Regierung entschließen, diese Haltung führte am 17. März 1920 zum Entlassungsgesuch von Dr. von Campe. Die Stimmung in der eher konservativen Beamten- und Militärstadt Minden war während der Zeit des Putsches sehr angespannt, Teile der in Minden stationierten Soldaten rekrutierten sich aus den Freikorpstruppen und waren entsprechend nationalkonservativ eingestellt.

Am 15. März 1920 griff der Arbeiterrat erstmals direkt in die Verwaltung der Stadt ein, Mindener Tageblatt und Mindener Zeitung wurden, da sie Erlasse der Putschisten veröffentlicht hatten, zunächst unter Vorzensur gestellt und später verboten. Derartige Maßnahmen waren bisher beispiellos für Minden, nicht einmal während der Novemberrevolution 1918 waren solch drastische Maßnahmen ergriffen worden. Die Vertreter des Zentrums und der Rechtsparteien in der Stadtverordnetenversammlung gründeten daraufhin einen „Bürgerbund“, um „dem Terror der Sozialdemokraten, insbesondere den Übergriffen des Arbeiter und Vollzugsrates mit geeigneten Gegenmaßnahmen zu begegnen.[7] Regierungspräsident Dr. von Campe forderte vom Mindener Magistrat vergeblich den Einsatz der Polizei zur Wiederherstellung der Pressefreiheit, der Magistrat war über die Vollmachten des Arbeiterrates durch Regierungskommissar Carl Severing unterrichtet und unterstützte den Rat in seinen Handlungen. Am 16. März 1920 bestätigten Reichspräsident Friedrich Ebert und Reichskanzler Gustav Bauer die Vollmachten des Arbeiterrates in einem Telegramm: „Dem Arbeiterrat Minden wird die oberste Vollzugsgewalt übertragen. Er hat alle Maßnahmen zu ergreifen um die verfassungsmäßige Regierung zu sichern und deren Anwendung zur Durchführung zu bringen. gez. Ebert Reichspräsident, gez. Bauer Reichskanzler.[8] Am 17. März wurde nach Bekanntwerden des Scheiterns der Putschisten bei einer Versammlung von über 12.000 Menschen auf dem Mindener Marktplatz der Generalstreik für beendet erklärt.

Nach dem Scheitern des Kapp-Putsches waren die Bevölkerung und die Parteienlandschaft in Minden noch stärker polarisiert als ehedem. Als am 24. Juni 1922 Reichsaußenminister Walter Rathenau ermordet wurde, kam es in der Folge in Minden zu teilweise schweren Ausschreitungen. Am 27. Juni 1922 fand auf dem Marktplatz eine Kundgebung mit etwa 15.000 Teilnehmern statt, da die Reichsregierung zu Demonstrationen für die Republik aufgerufen hatte. Nach Beendigung der Kundgebung zogen zahlreiche Demonstranten, „angeheizt“ durch eine flammende Rede von Willy Michel, durch die Stadt und durchsuchten Wohnungen, Geschäfte und Gaststätten von „Reaktionären“ und nationalistisch eingestellten Mindenern, zahlreiche Kaiserbüsten- und Bilder, sowie schwarz-weiß-rote Fahnen und andere Gegenstände wurden zertrümmert oder verbrannt. Die Mindener Zeitung bezeichnete die Unruhen am 1. Juli 1922 als „russische Zustände“.

[Bearbeiten] Vom Zweiten Weltkrieg bis heute

Während des Zweiten Weltkriegs wurden im Weser- und Wiehengebirge bei Minden unterirdische Fabriken, genannt U-Verlagerungen, errichtet, in denen Zwangsarbeiter aus dem KZ Neuengamme Waffen und andere kriegswichtige Güter herstellen mussten. Nach dem Krieg wurden die Maschinen in diesen Fabriken von den Amerikanern demontiert und die Zugänge verschlossen.

Das Projekt Stolpersteine erinnert an die deportierten jüdischen Mitbürger, hier in der Bäckerstraße am Wesertor.
Das Projekt Stolpersteine erinnert an die deportierten jüdischen Mitbürger, hier in der Bäckerstraße am Wesertor.

Die jüdischen Mitbürger wurden größtenteils deportiert und enteignet. Heute erinnert das Projekt "Stolpersteine" an sie.

Im Zweiten Weltkrieg erlitt Minden schwere Zerstörungen durch Bombardierungen. In der Anfangsphase des Krieges kam es auf Mindener Stadtgebiet nur zu kleineren Luftangriffsschäden, der erste schwere Angriff mit 29 Todesopfern und erheblichen Sachschäden ereignete sich am 29. Dezember 1943. Ab Herbst 1944 nahmen die Luftangriffe der Alliierten stetig zu, Ziel der Angriffe waren vor allem die Bahn- und Kanalanlagen im Mindener Stadtgebiet. Am 26. Oktober 1944 kam es bei einem Angriff auf die Kanalanlagen an der Friedrich-Wilhelm-Straße zu einem direkten Treffer der Kanalböschung, die daraufhin auf einer Länge von etwa 50 Metern aufgerissen wurde. Die Wassermassen stürzten in das tieferliegende Gelände und überfluteten zahlreiche Gebäude und die Straßenunterführung der Friedrich-Wilhelm-Straße. Fünf Schleppkähne wurden von ihren Ankerplätzen im Kanal losgerissen und durch die Bruchstelle auf freies Gelände gespült. Der Kanal lief zwischen den Sperrtoren in Hahlen (Westen) und Berenbusch (Osten) vollständig leer. Im überfluteten Luftschutzkeller der Kistenfabrik Busch fanden zahlreiche von Trümmern eingeschlossene Menschen den Tod. Am 28. März 1945 kam es schließlich zum letzten und verheerendsten Luftangriff auf die Stadt Minden. Der Stadtgrundriss der Mindener Innenstadt wird bis heute von diesem Angriff entscheidend geprägt. Das historische Zentrum der Stadt mit dem Rathaus, dem Dom und den umliegenden Gebäuden wurde nahezu vollständig zerstört, über 180 Menschen kamen ums Leben. Im März und April 1945 kam es Minden zu umfangreichen Verbrennungen von Akten aus den Beständen der NSDAP und ihrer Untergruppierungen sowie der Verwaltung. Die Alliierten Truppen waren Ende März 1945 bereits so weit in das Deutsche Reich vorgedrungen, dass eine Besetzung der Stadt Minden unmittelbar bevorstand. Zahlreiche hochrangige Mitglieder der NSDAP und der Verwaltung setzten sich daraufhin über die Weser nach Osten ab, unter ihnen befand sich auch der damalige Landrat Georg Lichtenberg. Am 3. April 1945 entband der Mindener Bürgermeister Dr. Werner Holle um die Mittagszeit die Beamten und Angestellten der Stadtverwaltung von ihre Pflichten und schickte sie nach Hause, um 15:00 Uhr wurde für die Stadt Minden "Panzeralarm" ausgelöst. Die Bevölkerung befand sich, soweit sie nicht aus der Stadt geflohen war, in den Luftschutzkellern. Fast alle Brücken über den Kanal und die Weser wurden am 4. April 1945 gesprengt, ebenso auch ein städtisches Wahrzeichen, das Wasserstraßenkreuz des Mittellandkanals über die Weser. Dadurch lief der Mittellandkanal teilweise leer und die Weser wurde zurückgestaut. Beide Wasserwege waren dadurch für längere Zeit nicht nutzbar.

Bereits am 3. April forderten amerikanische Truppen aus Bad Oeynhausen gegenüber dem Bürgermeister oder dem Kampfkommandanten (?) telefonisch eine Übergabe der Stadt. Den amerikanischen Truppen gelang es allerdings nicht weiter nach Norden vorzustoßen und so gelangte am 4. April das 1. kanadische Fallschimjägerbataillion von Westen her in die Stadt und stand um kurz vor Mitternacht auf dem Marktplatz, die Stadt Minden war besetzt. Bereits am 9. April 1945 nahm die Stadtverwaltung provisorisch wieder ihren Betrieb auf.

Der Dom in Minden
Der Dom in Minden

Minden wurde Teil der Britischen Besatzungszone. Hier wurden der deutsche Wirtschaftsrat für die Britische Besatzungszone von der britischen Militärregierung am 11. März 1946 eingesetzt, Vorläufer für den bizonalen Wirtschaftsrat.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor der Mindener Raum und hier insbesondere die Stadt Minden endgültig ihren Status als überregionaler Verwaltungsschwerpunkt. Der Sitz der Bezirksregierung wurde nach Detmold verlegt (Preis für den Anschluss von Lippe an NRW). Bereits vorher waren es die Oberpostdirektion, die Oberfinanzdirektion und die Industrie- und Handelskammer, die verlagert wurden, später war es die Vereinigung des Arbeitsamtes Minden mit dem Arbeitsamt Herford.

In den 1970er Jahren wurde in Minden die erste Stadtsanierung in der Altstadt durchgeführt. Dabei wurde der Bereich um das Wesertor neu geordnet und ältere Häuser durch neue Bauten ersetzt - vor allem durch die Warenhäuser C&A und Karstadt (heute Hertie). Auch der Öffentliche Nahverkehr wurde neu geordnet. Die zentrale Omnibushaltestelle wurde aus der Innenstadt an den südlichen Rand verlegt und auf dem erhaltenen Platz ein Neubau des Rathauses angelegt. Dabei wurde die Sichtachse aus dem Laubengang des Rathauses auf das Westwerk des Doms durch den Neubau gestört. Durch diese Neuordnung wurde auch ein Teil der alten Fachwerkhäuser in Minden abgerissen, was später oft als Fehler dieser Stadtsanierung bezeichnet wurde.

Die heutige Sichtachse aus der Rathauslaube auf das Westwerk des Doms
Die heutige Sichtachse aus der Rathauslaube auf das Westwerk des Doms

Am 18. Mai 2006 hat sich der Rat der Stadt Minden mit großer Mehrheit (43 Stimmen) entschieden, konkrete Planungen zur Errichtung eines Einkaufszentrums an der Stelle des 1978 errichteten Rathauses und der angrenzenden Flächen zwischen großem und kleinem Domhof und Scharn aufzunehmen. Als Investor wurde die Multi Development Deutschland GmbH ausgewählt, die Hamburger ECE GmbH und die Essener mfi waren in der geheimen Abstimmung unterlegen. Sollte das Einkaufszentrum mit einer Einzelhandelsfläche von etwa 17.000 m² an dieser Stelle realisiert werden, müsste das neue Rathaus aus dem Jahr 1978 abgerissen und der Sitz von Stadtverwaltung und Rat der Stadt Minden an einen anderen Standort in der Innenstadt verlegt werden. Durch den Abriss des neuen Rathauses soll auch die historische Sichtachse von der Rathauslaube auf das Westwerk des Mindener Doms wieder freigelegt werden.

Die Planungen sind in der Bürgerschaft als auch unter den ansässigen Geschäftsleuten der Innenstadt stark umstritten. Am 29. März 2007 erklärte der Rat der Stadt Minden mit 32 zu 17 Stimmen ein gegen den Abriss des neuen Rathauses eingereichtes Bürgerbegehren für unzulässig. Das Bürgerbegehren verstößt nach Meinung der Mehrheit des Rates gegen die Gemeindeordnung des Landes Nordrhein-Westfalen. Nachdem das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen in einer Stellungnahme eine Zulässigkeit des Bürgerbegehrens unterstützte, korrigierte der Mindener Rat im August 2007 seinen Beschluss vom März und erklärte das Bürgerbegehren mit großer Mehrheit für zulässig. Da der Rat sich dem Inhalt des Begehrens mit einstimmiger Entscheidung nicht anschließen wollte, wurde für den 23. November 2007 ein Bürgerentscheid angesetzt. Diese Abstimmung fand ausschließlich per Brief statt und erreichte mit einer Beteiligung von über 46 Prozent einen Rekordwert für Bürgerentscheide im Land Nordrhein-Westfalen. Bei der Abstimmung entschieden sich 57 Prozent der Abstimmenden für den Erhalt des Rathauses, die bisherigen Pläne zur Errichtung eines Einkaufszentrums mit integrierter Stadtverwaltung sind damit nach Meinung der Mehrheit des Rates für unbestimmte Zeit gescheitert.

[Bearbeiten] Religionen

In den Jahren 1521-1529 setzte sich die Reformation in Minden durch. 1530 wurde durch den evangelischen Theologen Nikolaus Krage die evangelische Kirchenordnung für die Stadt abgefasst. Der Rat der Stadt Minden erließ daraufhin 1530 für alle Mindener Bürger eine evangelische Kirchenordnung.

Heute umfasst die Stadt Minden vier evangelische Kirchengemeinden: St. Marien, St. Martini, und die Gemeinden der Petri- und der Simeonskirche. Daneben gibt es vier katholische Gemeinden: Die Propsteigemeinde des Doms St. Petrus und Gorgonius und die Gemeinden St. Mauritius, St. Paulus und St. Ansgar.

Zur Mariengemeinde gehören die ehemaligen Dörfer Todtenhausen und Kutenhausen, zur Martinikirche Dützen, Bölhorst und Häverstädt und zur katholischen Domgemeinde gehört die Bevölkerung der ehemaligen Ämter Dützen und Hartum.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Freikirchliche Gemeinden (z.B. Baptisten), Angehörige des Islam, eine jüdische Gemeinde sowie eine wachsende Anzahl konfessionsloser Bürger in der Stadt Minden.

[Bearbeiten] Eingemeindungen

Im Rahmen der Neugliederung der Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen wurden durch das Bielefeld-Gesetz zum 1. Januar 1973 die Gemeinden Aminghausen, Bölhorst, Dankersen, Dützen, Haddenhausen, Hahlen, Häverstädt, Kutenhausen, Leteln, Meißen, Päpinghausen, Stemmer und Todtenhausen zur Stadt Minden eingegliedert. Dabei wurde das bisherige für die ländliche Umgebung im Südosten zuständige Amt Dützen aufgelöst. Die Stadt blieb auch bei der Neugliederung der Kreise Kreisstadt, und zwar nun die Kreisstadt des neu gebildeten Kreises Minden-Lübbecke, der aus den alten Kreisen Minden und Lübbecke gebildet wurde.

[Bearbeiten] Einwohnerentwicklung

Im Mittelalter und am Beginn der Neuzeit wuchs die Einwohnerzahl von Minden nur langsam und ging durch die zahlreichen Kriege, Seuchen und Hungersnöte immer wieder zurück. Erst mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert beschleunigte sich das Bevölkerungswachstum. Lebten 1816 erst 6.500 Menschen in der Stadt, so waren es 1900 bereits 25.000. Bis 1965 verdoppelte sich diese Zahl auf 50.000.

Durch die Eingemeindung zahlreicher Orte am 1. Januar 1973 stieg die Bevölkerungszahl von 55.000 im Jahre 1972 auf 80.000 im Jahre 1973. Am 30. Juni 2005 betrug die „Amtliche Einwohnerzahl“ für Minden nach Fortschreibung des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen 83.081 (nur Hauptwohnsitze und nach Abgleich mit den anderen Landesämtern).

Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Dabei handelt es sich um Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes. Die Angaben beziehen sich ab 1871 auf die „Ortsanwesende Bevölkerung“, ab 1925 auf die Wohnbevölkerung und seit 1987 auf die „Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung“. Vor 1871 wurde die Einwohnerzahl nach uneinheitlichen Erhebungsverfahren ermittelt.

Jahr Einwohner
1816 6.574
1. Dezember 1831 ¹ 7.785
1. Dezember 1840 ¹ 9.288
3. Dezember 1855 ¹ 14.298
3. Dezember 1858 ¹ 14.514
3. Dezember 1861 ¹ 15.400
3. Dezember 1864 ¹ 17.527
3. Dezember 1867 ¹ 16.800
1. Dezember 1871 ¹ 16.593
1. Dezember 1875 ¹ 17.100
1. Dezember 1880 ¹ 17.900
1. Dezember 1885 ¹ 18.592
1. Dezember 1890 ¹ 20.223
Jahr Einwohner
2. Dezember 1895 ¹ 22.289
1. Dezember 1900 ¹ 24.315
1. Dezember 1905 ¹ 25.425
1. Dezember 1910 ¹ 26.454
1. Dezember 1916 ¹ 23.075
5. Dezember 1917 ¹ 20.789
8. Oktober 1919 ¹ 25.986
16. Juni 1925 ¹ 27.034
16. Juni 1933 ¹ 28.764
17. Mai 1939 ¹ 30.544
31. Dezember 1945 31.692
29. Oktober 1946 ¹ 34.293
13. September 1950 ¹ 41.527
Jahr Einwohner
25. September 1956 ¹ 45.725
6. Juni 1961 ¹ 48.705
31. Dezember 1965 50.845
27. Mai 1970 ¹ 48.912
31. Dezember 1975 78.887
31. Dezember 1980 77.713
31. Dezember 1985 75.511
25. Mai 1987 ¹ 75.031
31. Dezember 1990 78.145
31. Dezember 1995 82.971
31. Dezember 2000 83.079
31. Dezember 2005 83.118
31. Dezember 2006 83.099

¹ Volkszählungsergebnis

[Bearbeiten] Politik

[Bearbeiten] Stadtrat

Sitzverteilung der Fraktionen im Stadtrat von 1946 bis 2004

Wahltag SPD CDU FDP GRÜNE Mindener Initiative Sonstige GESAMT
15.09.1946 8 18 0 1 (KPD) 27
17.10.1948 7 8 1 2 (KPD) 18
09.11.1952 13 9 10 4 (BHE) 36
28.10.1956 16 11 7 2 (GB/BHE) 36
19.03.1961 17 12 7 0 36
27.09.1964 19 13 5 0 37
09.11.1969 23 18 4 0 45
25.03.1973 24 16 5 0 45
04.05.1975 26 20 5 0 51
30.09.1979 27 19 5 0 51
30.09.1984 26 16 4 5 0 51
01.10.1989 27 14 4 4 2 (REP) 51
16.10.1994 24 18 0 5 4 0 51
12.09.1999 20 21 2 4 3 0 50
26.09.2004 21 16 3 5 5 0 50

Die Parteien/Wählergruppen SPD, Mindener Initiative und Grüne haben nach der Kommunalwahl 2004 eine Kooperationsvereinbarung geschlossen und bestimmen mit ihrer Mehrheit von 31 Stimmen die Politik im Rat der Stadt Minden.
(Stand: Kommunalwahl am 26. September 2004)

[Bearbeiten] Bürgermeister der Stadt Minden

Das alte Rathaus in Minden
Das alte Rathaus in Minden
1711 – 1721 Rudolph Culemann
1711 – 18. Oktober 1721 Dr. Christoph Heinrich Westorp
16. Mai 1722 – 28. Dezember 1729 Friedrich Günther Culemann
1730 – 1733 Thomas Heinirch von Huß
1734 – 1749 Rudolph Culemann
1750 – 1753 Johann Friedrich Christoph Höpker
1753 – 1776 Franz Florenz Schrader
1776 – 1794 Christian Rathert
1794 – 1805 Gerhard Wilhelm Schmidts
1805 – Juli 1808 Ludwig Adolph Ferdinand Aschoff
Juli 1808 – Mai 1826 Johann Friedrich Müller
Mai 1826 – 31. Dezember 1850 Martin Friedrich Kleine
13. September 1851 – 15. Januar 1871 Philipp Heinrich Poelmann, ab dem 8. März 1858 Oberbürgermeister
22. Juli 1871 – 30. April 1880 Heinrich Brüning, ab dem 15. März 1879 Oberbürgermeister
4. Juni 1880 – 30. September 1903 Theodor Bleek, ab dem 19. März 1883 Oberbürgermeister
8. Oktober 1903 – 15. Februar 1911 Dr. Johannes Johansen
2. März 1911 – 2. März 1923 Dr. Hans Becker, ab dem 18. Februar 1920 Oberbürgermeister
15. März 1923 – 15. Februar 1934 Dr. Carl Diekmann (DDP), ab Juli 1933 beurlaubt
11. April 1934 – 30. April 1945 Ernst Althaus (NSDAP)
29. März 1940 – 31. August 1943 Dr. Constantin Terhardt, kommissarisch
7. September 1943 - 25. April 1945 Dr. Werner Holle, kommissarisch
3. Mai 1945 - 3. Oktober 1946 Dr. Martin Hutze (parteilos), von der brit. Militärverwaltung eingesetzt
3. Oktober 1946 – 1. Juli 1959 Albrecht Hattenhauer (CDU), Rücktritt nach Misstrauensvotum
7. August 1959 – 19. Juni 1960 Karl Rust (FDP)
14. April 1961 – 17. Dezember 1971 Werner Pohle (SPD)
17. Dezember 1971 – 13. Januar 1977 Hans-Jürgen Rathert (SPD)
11. Februar 1977 – 30. September 1991 Heinz Röthemeier (SPD)
9. Oktober 1991 – 30. September 1999 Siegfried Fleissner (SPD)
1. Oktober 1999 – 13. Oktober 2004 Reinhard Korte (CDU)
13. Oktober 2004 - heute Michael Buhre (SPD)

[Bearbeiten] Stadtdirektoren der Stadt Minden (1946–1999)

Minden Bäckerstraße
Minden Bäckerstraße
1. Mai 1946 – 31. Juli 1962 Josef Hesse
19. November 1962 – 30. November 1971 Dr. Werner Krieg
1972 – 31. Dezember 1991 Dr. Erwin Niermann
1. Januar 1992 – 5. Juni 1993 Rolf-Günter Brinkmann
16. Dezember 1993 – 30. September 1999 Heinrich Sieling

[Bearbeiten] Stellvertretende Bürgermeister der Stadt Minden seit 2004

[Bearbeiten] Verwaltungsvorstand der Stadtverwaltung Minden

[Bearbeiten] Ausschüsse im Rat der Stadt Minden

[Bearbeiten] Wappen

Wappen der Stadt Minden
Wappen der Stadt Minden

Das Wappen der Stadt Minden ist in zwei gleichwertige Bereiche gespalten. Die Seite vorne zeigt einen schwarzen doppelköpfigen Adler mit roten Zungen mit einer Kaiserkrone vor goldenem Hintergrund. Die hintere Seite zeigt vor rotem Hintergrund zwei silberne gekreuzte Schlüssel mit abgewandten Bärten.

Dieses Stadtwappen ist seit 1853 offizielles Wappen der Stadt und setzt sich aus den schon länger in Gebrauch befindlichen zwei Wappen zusammen. Der doppelköpfige Reichsadler im vorderen Teil des Wappens ist dabei der Stadt nach dem Dreißigjährigen Krieg vom Kaiser als Zeichen des besonderen Schutzes verliehen worden, als die Stadt unter großen Opfern die kaiserlichen Truppen aufgenommen und versorgt hatte. Im hinteren Teil des Wappens befinden sich die beiden Schlüssel aus dem Wappen des ehemaligen Stadtherren, des Bischofs von Minden.

Gleichzeitig wurde der Wahlspruch der Stadt Minden festgelegt. Er lautet seitdem "Jus et aequitas civita tum vincula" (Recht und Gerechtigkeit sind das feste Band der Gemeinwesen).

[Bearbeiten] Sprache

Minden liegt im Einzugsbereich der ostwestfälischen Dialektgruppe des Plattdeutschen. Plattdeutsch wird im Mindener Land noch verbreitet gesprochen, von jüngeren Generationen aber kaum noch gepflegt. Im Stadtgebiet selbst ist das früher verbreitete „Mindener Platt“ de facto nicht mehr anzutreffen und wird nur noch aus Traditionsbewusstsein von interessierten Bürgern dokumentiert. Ein Mindener Soziolekt ist die Buttjersprache, die ebenfalls ausstirbt. Heute wird praktisch ausschließlich Hochdeutsch mit bestenfalls eingestreuten typisch westfälischen Eigenarten und Wendungen benutzt. Unter den Gruppen mit Migrationshintergrund werden hauptsächlich die Russische Sprache, die Türkische Sprache und die Polnische Sprache verwendet.

[Bearbeiten] Stadtfarben

Die Stadtfarben der Stadt Minden sind weiß und rot.

[Bearbeiten] Städtepartnerschaften

Die Stadt Minden ist im Jahr 1968 dem Wilmersdorfer Kreis beigetreten und unterhält Städtepartnerschaften mit folgenden Städten:

Weiterhin unterhält Minden eine Patenschaft mit folgender Stadt:

[Bearbeiten] Kultur und Sehenswürdigkeiten

[Bearbeiten] Theater

Neben Veranstaltung im Stadttheater Minden finden verschiedene Veranstaltungen in Kultureinrichtungen in privater Trägerschaft statt. (BÜZ, Theater am Weingarten).