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Mata Atlântica

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Die Mata Atlântica ist eine Vegetationsform in Brasilien. Der «atlantische Regenwald» erstreckte sich einst flächendeckend über die gesamte Ostküste Brasiliens von Rio Grande do Norte bis Rio Grande do Sul, aber auch ins Innere bis Goiás und Mato Grosso do Sul, im Süden reichte er bis nach Argentinien und Paraguay.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Areal

Durch die Abholzung, die hauptsächlich im 20. Jahrhundert stattfand, wurde die Fläche extrem reduziert. Die Mata Atlântica ist heute einer der am meisten bedrohten tropischen Wälder. Die Biodiversität ist eine der höchsten der Welt, obwohl nur noch unzusammenhängende Reste existieren. Die Mata Atlântica bedeckte nicht nur die oft schmalen Küstenebenen, sondern insbesondere auch die steilen Abhänge des brasilianischen Hochlandes, so entstanden auf kleinstem Raum große Unterschiede in Vegetation und Tierwelt. Die steilen Abhänge sind noch die am besten erhaltenen Abschnitte des Waldes, sogar in der Nähe von Großstädten wie São Paulo oder Rio de Janeiro. 1993 wurde die Mata Atlântica in 14 Bundesstaaten Brasiliens zum UNESCO Biosphärenreservat erklärt.

17 Bundesstaaten waren mehr oder weniger von der Mata Atlântica bedeckt. Von Nord nach Süd sind dies (jeweils mit dem Anteil an der Gesamtfläche des Bundesstaats):

Insgesamt waren es etwa 1.290.000 km², 15% der Fläche Brasiliens, 1% ist übrig geblieben. Von 95.000 km², die übrig geblieben sind, sind 75% stark gefährdet. Internationale und nationale Schutzmaßnahmen sind notwendig. Relativ kleine Gebiete fallen als Nationalpark oder Ähnliches unter das SNUC (Sistema Nacional de Unidades de Conservação). Ein wirksamer Schutz ist mangels Personal vor Ort oft nicht möglich.

[Bearbeiten] Geschichte

Bedingt durch die Passatwinde erstreckt sich die Mata Atlântica als Tropenwald unüblich weit in subtropische Regionen. Dies war nicht immer so, während der Eiszeit waren weite Flächen Trockenwald oder gar Halbwüsten.

Ursprüngliche Bewohner der Waldgebiete waren u.a. Wassu, Pataxó, Tupiniquim, Gerén, Guarani, Krenak, Kaiowa, Nandeva, Terena, Kadiweu, Potiguar, Kaingang, Guarani M'Bya.

Schon kurz nach der Entdeckung Brasiliens 1500 durch Europäer wurde der Wald der Küstenebenen fast vollständig zerstört. 1502 wurde der erste kommerzielle Kontrakt zur Ausbeutung des Holzes geschlossen. Das Brasilholz wurde gar zum Namensgeber ("Terra Brasilis") des neu erschlossenen Landes.

Frühe Berichte nennen den Küstenurwald einen dichten fast unberührten Wald, der von zahlreichen indigenen Völkern bewohnt war. Utopische Mythen über das "Paradies auf Erden" wurden gepflegt.

Die Zerstörung im Norden war fast vollständig, Zuckerrohr wurde auf den “frei gewordenen” Flächen angebaut. Im Süden wurde der Kaffeeanbau zum Hauptgrund der Entwaldung. Die verbliebenen isolierten Flächen wurden im 20. Jahrhundert zusätzlich durch die Umweltverschmutzung bedroht.

Neben der Ausbeutung von Hölzern war auch die Tierwelt Ziel des Geschäftemachens: Felle und Häute von Jaguaren, Schlangen, Capybaras, Kaimanen und anderen Tieren, Schildkrötenpanzer und Federn.

Zwischen 1990 und 1995 wurden etwa 5.000 km² abgeholzt, in Relation zur Fläche ist das mehr als im Amazonas-Gebiet. Die größten Waldgebiete gibt es noch in Rio de Janeiro, Minas Gerais, São Paulo und Paraná, besonders in den drei ersten sind Umweltverschmutzung und Immobilienspekulation dauernde Gefahren.

Aus einer 2009 veröffentlichten Studie gehr hervor, dass 80 Prozent der noch verbliebenen Waldfläche aus Stücken von weniger als 0,5 Quadratkilometern besteht, die im Mittel 1,4 Kilometer von einander entfernt sind; dadurch sei die Wanderung von Tieren zwischen den verbliebenen Flächen äußerst schwierig. Zudem seien nur 14 Prozent dieser Flächen als Schutzgebiete ausgewiesen.[1]

[Bearbeiten] Biodiversität

Der Artenreichtum der Mata Atlântica ist höher als der des Amazonas-Urwalds. Auf Grund der Unterschiede in Höhenlage und Breitengrad sind die Unterschiede in Flora und Fauna sehr hoch. Wegen der hohen Niederschläge besonders an den Berghängen gibt eine dichte Vegetation. Bis zu 60 Meter hohe Bäume bilden eine geschlossene grüne Decke, unter der ein immerfeuchtes und schattiges Mikroklima existiert. In mehreren Schichten wachsen verschiedene Pflanzentypen.

Typische und häufige Pflanzen sind Moose, Cipós, Bromelien und Orchideen. Inklusive der Insekten gibt es angeblich 1,6 Millionen Arten. Mindestens 8000 Pflanzen- und Tierarten sind endemisch: 55% der Baumarten, 70% der Bromelien, 64% der Palmen, 39% der Säugetiere, 160 Vogelarten und 183 Amphibien. Mit Sicherheit sind schon viele Arten ausgestorben bevor sie katalogisiert wurden. Bedrohte Tierarten sind z.B. Büschelaffen und Löwenäffchen.

[Bearbeiten] Schutz der Mata Atlântica

1988 bekam die Mata Atlântica als nationales Erbe Schutz durch die Verfassung. Gesetze regeln inzwischen, dass der Urwald geschützt ist und dass die Ausbeutung des Sekundärwalds geregelt ist. Je nach Einsatz regionaler Institutionen und Personen wird die Zerstörung gestoppt bzw. wird die Fläche mit nativer Vegetation ausgeweitet.

Es gibt 712 Schutzgebiete (131 staatlich, 443 bundesstaatlich, 14 städtisch, 124 privat). Einige der bekanntesten sind:

1999 hat die UNESCO zwei Gebiete als Weltnaturerbe ausgewiesen: den Südöstlichen Mata Atlântica in São Paulo und Paraná, sowie die Costa do Descobrimento („Küste der Entdeckung“) in Bahia und Espírito Santo.

Viele Bürgergruppen und NGOs im ganzen Land, schwerpunktmäßig im Süden und Südosten, arbeiten für den Schutz und die Wiederaufforstung der Mata Atlântica. Über die Rede de ONGs Mata Atlântica haben sie sich vernetzt.

[Bearbeiten] Wirtschaft

Etwa 2/3 der brasilianischen Bevölkerung leben im ehemaligen Gebiet der Mata Atlântica. Die heutige wirtschaftliche Nutzung hat der früheren Vegetation allerdings wenig zu tun. Wichtig sind heute die Quellgebiete vieler Flüsse und Rolle als Klimaregulator. Neue Nutzungen sind die Erforschung von Pflanzen für medizinische Zwecke und der Ökotourismus.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Milton Cezar Ribeiro et. al.: The Brazilian Atlantic Forest: How much is left, and how is the remaining forest distributed? Implications for conservation. Biological Conservation, Band 142 (6), 2009, S. 1141–1153; doi:10.1016/j.biocon.2009.02.021
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