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Madagassische Raubtiere

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Madagassische Raubtiere
Fossa (Cryptoprocta ferox)

Fossa (Cryptoprocta ferox)

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Katzenartige (Feloidea)
Familie: Madagassische Raubtiere
Wissenschaftlicher Name
Eupleridae
Chenu, 1852

Die Madagassischen Raubtiere (Eupleridae) sind eine auf Madagaskar endemische Raubtierfamilie. Ihre Zusammengehörigkeit wurde erst in jüngster Zeit aufgrund von genetischen Untersuchungen festgestellt. In dieser Familie werden alle Raubtiere Madagaskars zusammengefasst, insgesamt acht Arten in sieben Gattungen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Merkmale

Die Madagassischen Raubtiere unterscheiden sich teilweise deutlich im Körperbau voneinander, sodass es anhand morphologischer Kriterien keine eindeutigen Merkmale gibt, die sie von anderen Raubtieren abgrenzen. Die Kopfrumpflänge schwankt zwischen 25 bis 40 Zentimetern bei den Madagaskar-Mangusten und bis zu 70 Zentimeter bei der Fossa, der größten Art. Das Gewicht liegt zwischen 0,6 und 12 Kilogramm.

Der Körperbau dieser ist eher schlank und langgestreckt, die Gliedmaßen sind kurz. Ihr Fell ist meist in Grau- oder Brauntönen gehalten, mit Ausnahme der Fossa und des Falanuk haben alle Arten ein mit Streifen oder Flecken gemustertes Fell.

Der Kopf der Madagassischen Raubtiere ist meist durch die zugespitzte Schnauze charakterisiert, der der Fossa hingegen ist mit seinem kurzen Gesichtsschädel katzenähnlich. Die „Brechschere“ aus dem letzten oberen Prämolar und dem ersten unteren Molar („Reißzähne“), ein Raubtiermerkmal, ist mit Ausnahme der Fossa nicht stark ausgeprägt; der Falanuk weicht mit seinem gleichförmigen, „insektenfresserartigen“ Gebiss von den anderen Arten ab.

[Bearbeiten] Verbreitung und Lebensraum

Die Madagassischen Raubtiere kommen ausschließlich auf der Insel Madagaskar vor. Sie haben dort nahezu alle Lebensräume besiedelt, und Vertreter dieser Gruppe finden sich sowohl in Wäldern wie auch in Savannen und Wüstengebieten.

[Bearbeiten] Lebensweise

[Bearbeiten] Aktivitätszeiten und Sozialverhalten

Die Lebensweise der Madagassischen Raubtiere ist variabel und bei vielen Arten kaum bekannt. Während die kleineren Madagaskar-Mangusten tagaktiv sind, führen die größeren Arten eher eine dämmerungs- oder nachtaktive Lebensweise. Als Ruheplätze dienen ihnen hohle Baumstämme, Erdhöhlen, Felsspalten oder selbst gegrabene Baue. Auch das Sozialverhalten ist variabel, neben einzelgängerischen Arten gibt es auch in kleinen Gruppen zusammenlebende Tiere. Viele Arten dürften territorial sein und ihr Revier mit Drüsensekret markieren. Die meisten Vertreter sind bodenbewohnend, manche wie die Fossa können aber sehr gut klettern, der Schmalstreifenmungo ist darüber hinaus ein guter Schwimmer.

[Bearbeiten] Nahrung

Madagassische Raubtiere sind vorwiegend Fleischfresser, die sich je nach Größe von Insekten und anderen Wirbellosen oder verschiedenen Wirbeltieren ernähren. Der Falanuk hat sich auf Regenwürmer spezialisiert, einige Arten wie der Ringelschwanzmungo und die Fanaloka nehmen zusätzlich in kleinem Ausmaß auch Früchte zu sich.

[Bearbeiten] Fortpflanzung und Entwicklung

Über die Fortpflanzung vieler Arten ist wenig bekannt. Meist gibt es eine feste Paarungszeit, oft im Winter oder Frühling. Die Tragzeit beträgt ungefähr drei Monate, die Wurfgrößen sind mit eins oder zwei klein, lediglich bei der Fossa können es bis zu vier Jungtiere sein. Die Neugeborenen verbringen ihre ersten Lebenswochen meist in einem geschützten Bau, die Entwöhnung findet im Alter zwischen zwei und viereinhalb Monaten statt. Über die Lebenserwartung in freier Wildbahn gibt es kaum Angaben; Fossas und Ringelschwanzmungos können in menschlicher Obhut über 20 Jahre alt werden.

[Bearbeiten] Bedrohung

Alle Madagassischen Raubtiere sind in ihrem Bestand bedroht. Die Gründe dafür liegen hauptsächlich in der fortschreitenden Zerstörung ihres Lebensraums und in der Konkurrenz durch eingeschleppte Arten wie Haushunde oder Kleine Indische Zibetkatzen. Manche Arten werden auch bejagt, etwa die Fossa, die auch Haustiere reißt. Von den acht Arten werden von der IUCN vier als gefährdet (vulnerable) und vier als stark gefährdet (endangered) gelistet. [1]

[Bearbeiten] Systematik und Entwicklungsgeschichte

Die Madagassischen Raubtiere werden in zwei Unterfamilien mit sieben Gattungen und acht lebenden Arten eingeteilt:

Aufgrund von Unterschieden in der Morphologie und in der Lebensweise wurden die Raubtiergattungen Madagaskars früher in drei Gruppen eingeteilt: die Madagaskar-Mangusten (Galidiinae) wurden als Unterfamilie der Mangusten betrachtet, Falanuk und Fanaloka wurden als Unterfamilie Euplerinae den Schleichkatzen zugerechnet und die taxonomische Zugehörigkeit der Fossa war umstritten. Aufgrund einiger katzenartiger Merkmale wurde sie manchmal zu den Katzen gerechnet, meist jedoch entweder in die Schleichkatzen oder die Mangusten eingeordnet.

Genetische Untersuchungen mittels Vergleich der DNA kamen jedoch zu dem überraschenden Ergebnis, dass die Raubtiere Madagaskars eine monophyletische Gruppe bilden, das heißt von einem gemeinsamen Vorfahren abstammen. Seither werden sie in einer gemeinsamen Familie, Eupleridae geführt. Die phylogenetischen Verwandtschaftsbeziehungen innerhalb dieser Gruppe sind aber noch ungeklärt, möglicherweise stellen die Euplerinae eine paraphyletische Gruppe dar.

Die nächsten Verwandten der Madagassischen Raubtiere sind die Mangusten. Sie stammen also vermutlich von einem mangustenartigen Vorfahren ab, der wohl im späten Oligozän oder frühen Miozän (vor rund 20 bis 30 Millionen Jahren) die Straße von Mosambik überquert hat. Damit sind sie im Vergleich zu anderen madagassischen Säugetiergruppen ein entwicklungsgeschichtlich junges Taxon, das trotzdem in kurzer Zeit viele ökologische Nischen besetzt hat.

[Bearbeiten] Quellen

  1. Rote Liste der IUCN, abgerufen am 18.7.2007
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