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Liebenau (Geising)

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Wappen von Liebenau

Liebenau ist ein Ortsteil von Geising im Osterzgebirge in Sachsen mit etwa 490 Einwohnern.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geografische Lage

Ortsansicht um 1910
Blick auf Liebenau aus Richtung Börnchen

Liebenau liegt etwa 45 km südlich von Dresden im Osterzgebirge. An das Dorf grenzen die Orte Waltersdorf, Breitenau, Fürstenwalde, Lauenstein, Bärenstein, sowie Börnchen. Der Ort reicht mit einer Länge von 3,5 km von 530 m bis 625 m über NN. Liebenau gehört zum Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und zur Stadt Geising.

[Bearbeiten] Besiedlungsgeschichte von Liebenau und Umgebung

Das gesamte Erzgebirge wurde bis zum Jahre 1000 von dem Urwald des Miriquidi überspannt. Nur wenige Pfade durchschnitten die Wildnis; von den Anwohnern wurden sie scheu gemieden. So bildete dieser Wald einen breiten Grenzstreifen zwischen Sachsen und Böhmen. Als erste Besiedlung des Osterzgebirges wird das Dorf Oelsen 1169 erwähnt, als Herzog Wladislaus von Böhmen dem Johanniter- Orden einem beim Dorfe Oelsen gelegenen Wald zueignete. Dort waren bis zum Jahre 1200 einzelne Dorffluren in den Wald hineingerodet, doch die zusammenhängende Walddecke zum größten Teil nicht angetastet.

Die Entdeckung von Zinngraupen bei Krupka veränderte die Lage. Auf beiden Seiten des Waldes begannen die Könige von Böhmen und die Markgrafen von Meißen einen über 3 Jahrhunderte währenden Kampf um den Besitz dieses Gebietes.

Im Müglitztal wurden durch den Markgrafen Heinrich III. zwei Vasallen beauftragt die Burgen Bärenstein und Lauenstein zu gründen. Beide waren Ausgangspunkt der Besiedlung dieses Gebietes, bei der sich bergmännische Gesichtspunkte mit den bäuerlichen verbanden.

Von Bärenstein aus wurde zuerst das Dorf Bärenstein angelegt, ferner westlich der Müglitz Johnsbach und Falkenhain, östlich der Müglitz Börnchen und Waltersdorf. Von Liebenau wird berichtet, dass der wendische Ort Lybnow mit einer Kapelle vorhanden war. Die Kapelle gehörte zum Dekanat Aussig (CZ) und damit zur Erzdiözese Prag. Durch den Holzbedarf der Bergwerke sanken ganze große Waldstreifen dahin. Nicht nur Holz verlangten bergmännische Betriebe, die Bergleute wollten auch wohnen und essen. So wurden in den Höhenlagen von 700 m bis 900 m Reihendörfer gerodet, damit die Bergleute der benachbarten Gruben und Hammerwerke alle ein Häuschen hatten und sich möglichst auch ein Kuh oder ein paar Ziegen halten konnten. So entstanden im Quellgebiet der Müglitz die Dörfer Fürstenau, Fürstenwalde, Müglitz und das obere Dorf Liebenau. Die Siedler waren Bergleute der nahe gelegenen Hammerwerke, dem Hammer Zschörmigen an der Schafbrücke, dem Kratzhammer bei Fürstenwalde und dem Hammer im Oelsengrund. Es wechselten auch oft die Besitzer (Grundherren) des großen Waldgebietes. Das Wirken dieser Grundherren ist noch heute an vielen Ortsnamen und Bezeichnungen kenntlich. Am Galgen (der „Galgenberg“ Liebenau) waren Stätten, wo auf Befehl der Grundherren gehängt, enthauptet, gerädert oder Hände abgeschlagen wurden.

Der Name Liebenau hängt mit dem Eigenschaftswort „lieb“ zusammen und bezeichnet die Siedlung als eine „angenehme, zusagende in der Aue“.

[Bearbeiten] Kriegsgeschehen

Hussitenkriege

Die Kriege brachten viel Leid und Elend ins Osterzgebirge und somit auch nach Liebenau. Am 14. Dezember 1429 bekam der Ort zum ersten Mal die gefürchteten Hussitenscharen zu sehen. 1471, als Georg starb, machten sich die verderblichen Folgen des Krieges bemerkbar. Viele Dörfer und Burgen der Umgebung waren vom Erdboden verschlungen, Handel und Gewerbe lag darnieder. Das Volk verarmte durch vielfache Steuern und Abgaben.

30-jähriger Krieg

Im März 1620 begannen in der Gegend der 30-jährige Krieg. Bürger und Bauern versteckten ihr Habe in der Kirche und hielten ihr Vieh auf dem Kirchplatz. Auch Liebenau wurde ausgeplündert. 8 Personen wurden erstochen. Aber auch die Pest, die in dieser Zeit herrschte, brachte viele Opfer im Ort. 1633 starben 270 Menschen in Liebenau.

7-jähriger Krieg

1756 begannen nicht nur für die Umgebung Liebenaus, sondern für ganz Sachsen die Leiden des 7-jährigen Krieges. Nicht nur Hunger und Verarmung, sondern auch ansteckende Krankheiten brachte der Krieg mit sich. So starben 1760 viele Menschen in Liebenau am Nervenfieber.

[Bearbeiten] Lauenstein und Liebenau

1515 kam die Herrschaft Lauenstein mit Liebenau zu Rudolf von Bünau auf Tetschen in Böhmen. Lauenstein war bis 1821 im Besitz der Familie Bünau. Zu dieser Zeit war Liebenau sowie andere Orte der Umgebung abhängig von Lauenstein, nicht nur von dessen Herren, sondern auch von dessen Bürgern. „Lauenstein hatte den Bierzwang über Liebenau und ebenso den Malzzwang. Der Liebenauer durfte also kein ander Bier kaufen als das in Lauenstein gebraute, gleichviel, ob ihm dasselbe mundete oder nicht. Er durfte keinen anderen Chirurgus holen, als den von Lauenstein, auch in Liebenau von keinem anderen Fleischer schlachten lassen als von denen in Lauenstein. Auch seinen Salzbedarf durfte er nirgends anders nehmen als in Lauenstein.“ Erst 1839 wurde der Bierzwang vom Staat abgeschafft.

Im Jahre 1821 kaufte Graf von Hohental das Rittergut Lauenstein für 175.000 Taler, da der letzte Bünau nicht erhalten konnte. So verließen die Bünaus, die sich 3 Jahrhunderte behaupteten, das altehrwürdige Schloss.

In der Zeit um 1539 lebten in Liebenau die Familien Aulhorn, Kühnel, Mühle, Schwenke, Tiebel, Seifert, Lehmann, Rehn, Reichelt, Schiebel und Fischer.

[Bearbeiten] Der Ort heute

[Bearbeiten] Eingemeindung

Liebenau ist seit 1994 ein Ortsteil der Stadt Geising. Von da an hat der Ort seine Selbstständigkeit wieder verloren.

[Bearbeiten] Einwohnerzahlen

  • 1547: 300
  • 1623: 350
  • 1834: 549
  • 1871: 644
  • 1890: 669
  • 1910: 628
  • 1925: 620
  • 1939: 584
  • 1945: 850
  • 1946: 844
  • 1961: 651
  • 1962: 609
  • 1997: 490 (1)
  • 1998: 500
  • 1999: 498
  • 2000: 494
  • 2001: 487
  • 2002: 493
  • 2003: 476
  • 2004: 465
  • 2005: 476
  • 2006: 463
  • 2007: 486

(1): ab 1997: Bevölkerung am Jahresanfang (Einwohneramt der Stadt Geising)

Aufgrund der fehlenden Ausbildungs- und Arbeitsplatzangebote in Liebenau und Umgebung müssen, wie auch in vielen anderen ländlichen Regionen, immer mehr Jugendliche den Wohnort verlassen. Der Ort hofft jedoch durch die A17 auf einen Bevölkerungszuwachs.

[Bearbeiten] Partnerschaften

Seit 1991 bestehen mit Orten in Deutschland und Österreich partnerschaftliche Kontakte.

Die Partnerorte:

Winterlandschaft, Blick auf den Autobahnbau der A 17

[Bearbeiten] Verkehr

Liebenau liegt westlich der Autobahn A17 (Dresden - Prag) und östlich der B170 (Dresden - Zinnwald).

Folgende Buslinien (RVD) führen durch den Ort:

385: Glashütte - Börnchen - Liebenau - Lauenstein - Geising

368: Glashütte - Bärenstein - Lauenstein - Liebenau - Geising - Altenberg.

[Bearbeiten] Firmen und Gewerke

Industriemäßig entwickelte sich der Ort nicht erheblich. Die Landwirtschaft spielte in Liebenau schon immer eine große Rolle. Von den ehemals 650 Mitgliedern der LPG „Grenzland Liebenau“ arbeiten heute noch 63 Personen in einem modern eingerichteten Landwirtschaftsbetrieb, der „Agrargenossenschaft Liebenau“ mit den Orten Fürstenwalde und Dittersdorf.

Kirche und Pfarrhaus zu Liebenau

[Bearbeiten] Vereine

Kirche „Zu den 12 Aposteln“

[Bearbeiten] Sehenswertes, Freizeit und Veranstaltungen

Sehenswertes

Unterer Dorfteich, im Hintergrund die Kirche

Freizeit

Veranstaltungen

Koordinaten: 50° 47' 25" N, 13° 50' 50" O

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