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Liberale Theologie ist eine im 19. Jahrhundert beginnende, breite (aber in sich nicht einheitliche) theologische Strömung vor allem im evangelischen Christentum, mit dem Ziel, die Theologie auf der Grundlage von humanistischen und geisteswissenschaftlichen Grundlagen zu betreiben, und dadurch unabhängiger von Dogmen, kirchlichen Traditionen und Glaubensinhalten zu sein. Die Säkularisierung ursprünglich religiöser Inhalte und die Auflösung von „Kirche“ in die Kultur der „Welt“ hinein wird von vielen liberalen Theologen als Jesus gemäß bezeichnet und begrüßt. Allerdings fühlen sich viele liberale Christen nicht an die liberale Theologie gebunden, sondern vertreten eine eher individualistische Auslegung der Bibel.
Die Bezeichnung liberale Theologie geht zurück auf Johann Salomo Semlers „Institutio ad doctrinam Christianam liberaliter discendam“ und wurde schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts gebräuchlich. Der Katholizismus hat liberalen Tendenzen bis in die 1950er Jahre hinein heftigen Widerstand entgegengesetzt. In abgeschwächter Form hat jedoch auch eine Strömung katholischer Theologie eine liberal-theologische Deutung der Ergebnisse des II. Vatikanum unternommen, die jedoch im Papsttum keinen Rückhalt fand (Credo des Gottesvolkes, 1968). Innerhalb des Protestantismus sind die Anhänger der liberalen Theologie vornehmlich in westeuropäischen Landeskirchen und in Mainline Churches zu finden.
Die liberale Theologie ist vielgestaltig und lässt sich auf unterschiedliche philosophische Strömungen wie Aufklärung und Idealismus zurückführen, wo bereits einige ihrer Positionen vertreten wurden, z.B. von Jean-Jacques Rousseau, Gotthold Ephraim Lessing, Immanuel Kant, Georg Wilhelm Friedrich Hegel und Hermann Samuel Reimarus.
Wesentliche Themen der liberalen Theologie sind Exegese (Literarkritik, historisch-kritische Exegese) und Kirchengeschichte, insbesondere die geschichtliche Erforschung des Lebens Jesu, wobei Jesus weniger im Sinne der traditionellen kirchlichen Christologie als Gottmensch Christus und Weltenrichter gesehen wurde, der mit seinem Tod am Kreuz die Sünden der Welt gesühnt hat, sondern eher als "Lehrer des Reiches Gottes, der Moral und Religiosität". Die verschiedenen Versuche liberaler Theologen des 19. Jahrhunderts, mit Hilfe von philologisch-textkritischen und historischen Methoden den wirklichen "historischen Jesus" anhand der Evangelien zu rekonstruieren, erbrachten jedoch sehr uneinheitliche Resultate, wie der liberale Theologe Albert Schweitzer in seiner berühmt gewordenen Habilitationsschrift über die Leben-Jesu-Forschung feststellte. Gemeinsame Basis heutiger liberaler Theologie bleibt jedoch weiterhin, dass Jesus selbstverständlich keine Kirche gegründet habe.
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Häufig berufen sich liberale Theologen auf die Erkenntnisse der Aufklärung bzw. andere gegenwärtige Weltanschauungen. So wird unter anderem dem Zitat von Immanuel Kant axiomatische Funktion beigemessen: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“. Dass die Evangelien ein gänzlich anderes Konzept von Schuld und Erlösung formulieren, wird als heute vernachlässigbar bewertet. Kritikern zufolge wird der Glaube in liberalem Verständnis nur noch als Mittel der Selbstvervollkommnung gedeutet. Jedes theistische Konzept von Religion beruht demgegenüber aber auf der Überzeugung, dass es Gott zustehe, Gehorsam zu verlangen.
Der größte protestantische Kritiker des theologischen Liberalismus war im 20. Jahrhundert Karl Barth. Im 19. Jahrhundert sind der englische Konvertit John Henry Newman und der deutsche Lutheraner Wilhelm Löhe als weitere Gegner zu nennen. Ihnen gemeinsam ist die Überzeugung, es gebe kein Christentum ohne sichtbar sakramentale Kirche und keine Kirche ohne verbindende Bekenntnisgrundlage. Der Verzicht darauf sei nur Schwärmerei.