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Lew Semjonowitsch Wygotski

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Lew Semjonowitsch Wygotski (russ. Лев Семёнович Выготский, weißrussisch Леў Выгоцкі - Leŭ Vyhocki, wiss. Transliteration Lev Semënovič Vygotskij; * 5. Novemberjul./ 17. November 1896greg. in Orscha, Weißrussland; † 11. Juni 1934 in Moskau) war ein Psychologe.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Lew Semjonowitsch Wygotski studierte an der Universität Moskau und konnte sich ein enzyklopädisches Wissen auf den Gebieten Soziologie, Psychologie, Philosophie, Linguistik, Kunst- und Literaturwissenschaft aneignen. Seit 1924 verfasste er am Psychologischen Institut der Moskauer Universität systhematische psychologische Arbeiten.[1] Nach seinem Tod infolge einer Tuberkulose machte seine wissenschaftlicher Nachlaß den Eindruck eines work in progress: Wygotski hinterließ 80 unveröffentlichte Manuskripte. Er kam nie dazu, seine Theorien konsequent zu systematisieren, doch beeinflusste er die Forschungen von Alexander Lurija und Alexej Leontjew, mit denen er eng zusammenarbeitete und in deren Werken Wygotskis Ansätze weiterentwickelt wurden.

[Bearbeiten] Wirken

Wygotski begann sein wissenschaftliches Wirken im Bereich der Kunstpsychologie. Er verfolgte die Frage, wie es Kunstwerke schaffen, eine bestimmte psychische Reaktion (z. B. eine Emotion) hervorzurufen. Kurz umrissen fand er als Erklärung, dass Kunstwerke bestimmte Motive enthalten, die in der entsprechenden Kultur einen festen Bezug zu einem gewissen Themenfeld haben (z. B. hat in abendländischer Kultur eine Hirtenszene eine starke Konnotation mit Frieden und Beschaulichkeit). Der dieser Kultur angehörige Betrachter (bzw. Zuschauer, Zuhörer etc.) des Kunstwerkes entschlüsselt (meist unbewusst) nicht nur diesen Zusammenhang, sondern die gesamte kulturelle Geschichte dieses Motivs (also z. B. auch Geschichten, in denen ein Wolf in der Hirtenszene auftaucht, Hirtenanalogien aus der Bibel etc.).

Diese Überlegungen beeinflussten seine weiteren psychologischen Forschungen über das menschliche Bewusstsein und das menschliche Denken, mit denen er den Grundstein der kulturhistorischen Schule der russischen Psychologie legte.

Seine Grundidee war, dass höhere geistige Funktionen durch funktionale Verbindungen zwischen verschiedenen niederen geistigen Funktionen realisiert werden. Diese Verbindungen entstehen in einem kulturellen Kontext, nämlich der Kommunikation mit anderen Menschen. Da Kommunikation unter Verwendung kulturell gewachsener Zeichensysteme geschieht, fällt dem Zeichen die Organisation dieser Verbindungen zu. Bei der Entstehung dieser funktionalen Hirnsysteme organisiert das Zeichen zunächst das Verhältnis zwischen zwei Menschen (Mensch1 → Zeichen → Mensch2) und wird später zum Mittel der Selbstregulation (Mensch1 → Zeichen → Mensch1).

Zeichen, anhand ihrer Einbettung in den sozialen und kulturellen Zusammenhang, in dem ein Mensch aufwächst, sind laut Wygotski also von zentraler Bedeutung für die kognitive Entwicklung des Menschen.

In seinem weiteren Wirken lieferte Wygotski auch viele Beiträge zur Pädologie (Lehre der Entwicklung und des Wachstum des Kindes) und Entwicklungspsychologie, insbesondere die Theorie der „Zone der nächsten Entwicklung“. Diese übten in jüngeren Jahren einen starken Einfluss auf neuere lehr-lern-theoretische Ansätze nordamerikanischer Prägung aus, die unter dem Begriff sozialer Konstruktivismus zusammengefasst werden. Im Gegensatz zum individuellen Konstruktivismus spielt dabei die soziale Interaktion zwischen Lernenden bzw. zwischen Lernenden und Lehrenden eine hervorgehobene Rolle, da alles menschliche Wissen als letztlich sozial konstruiertes Wissen verstanden wird.

[Bearbeiten] Zitat

"Alle höheren psychischen Funktionen, eingeschlossen das Sprechen und begriffliche Denken, haben einen sozialen Ursprung. Sie entstehen als Mittel zur gegenseitigen Hilfeleistung und werden schrittweise Teil des alltäglichen Verhaltens eines Menschen."[2]

"Ursprünglich ist das Sprechen des Kindes also rein sozial; es sozialisiert zu nennen wäre falsch, weil damit die Vorstellung von etwas ursprünglich nicht Sozialem verbunden ist, das erst im Prozess seiner Veränderung und Entwicklung sozial würde."[3]

[Bearbeiten] Veröffentlichungen

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Lew S. Wygotski: Denken und Sprechen. Fischer, Frankfurt am Main 1981, o.S.
  2. Lew S. Wygotski: Denken bei Schizophrenie. S. 12.
  3. Lew S. Wygotski: Denken und Sprechen, S. 94.
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