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Dieser Artikel gibt einen Abriss zur wissenschaftlichen, politischen und öffentlichen Kontroverse um die globale Erwärmung. Diese Kontroverse wird über die Ursachen der globalen Erwärmung, ihr Ausmaß, ihre Folgen sowie um die Möglichkeiten und die Dringlichkeit einer Gegensteuerung geführt.
Der wissenschaftliche Sachstand zu den Ursachen der Erderwärmung wird exemplarisch in den Berichten des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) wiedergegeben. Dieser Sachstand wird von fast allen relevanten wissenschaftlichen Fachorganisationen mit getragen und von nur wenigen Fachwissenschaftlern abgelehnt. Die Folgen des Klimawandels werden dem gegenüber kontroverser diskutiert. Noch kontroverser gestaltet sich die Diskussion über mögliche oder als notwendig betrachtete Gegenmaßnahmen („Klimaschutz“).
Die Berichte des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) repräsentieren die Hauptlinien des aktuellen Forschungsstands und weisen auf politische Ansätze zum Klimaschutz hin. Der im IPCC erarbeitete Konsens[1] und dessen Methodik wird von wenigstens 30 wissenschaftlichen Gesellschaften und den wichtigsten nationalen Wissenschaftsakademien unter anderem aller G8-Länder ausdrücklich unterstützt.[2][3][4][5][6]
Naomi Oreskes nennt in einem Essay in der Zeitschrift Science als Beleg dafür Stellungnahmen von facheinschlägigen Wissenschaftsorganisationen und ihre Untersuchung einer Sammlung von Zusammenfassungen (Abstracts) aus Fachzeitschriften. Sie fand 928 Abstracts, die die Stichworte „global climate change“ enthielten. Keiner der Artikel widersprach ihren Angaben zufolge dem in den Berichten des IPCC dargestellten „wissenschaftlichen Konsens“.[1] Von einigen Skeptikern wird der Konsens methodisch wie inhaltlich bestritten.[7]
Auch in wissenschaftlichen Organisationen findet sich eine sehr breite Unterstützung der grundlegenden Schlussfolgerungen des IPCC. Hierzu zählen unter anderem die Nationalen Wissenschaftsakademien aller G8-Länder sowie zahlreicher Schwellen- und Entwicklungsländer, die 2001[2], 2005[3], 2007[4] und 2008[5] entsprechende Konsens-Papiere herausgegeben haben. Wenigstens weitere 30 nationale und internationale wissenschaftliche Gesellschaften teilen ebenfalls prinzipiell die IPCC-Positionen, darunter die European Science Foundation[8] und die European Geosciences Union[9], die Weltmeteorologieorganisation (WMO)[10], die American[11] und die britische Royal Meteorological Society[12], die Australian[13] und die Canadian Meteorological and Oceanographic Society[14], die American Physical Society[15] und das Network of African Science Academies.[16]
Skeptiker wie auch einige Klimaforscher[17] sehen es allerdings als falsch an, den Eindruck zu erwecken, als seien die naturwissenschaftlichen Grundlagen des Klimaproblems im Wesentlichen gelöst. Statt Zweifel öffentlich zu machen und methodische Kritik offen anzunehmen, werde aber „ein solides Wissensgebäude vorgegaukelt, das nur noch an den Rändern zu vervollständigen sei“. Es müsse weiterhin „Dissens als Motor der Fortentwicklung“ angesehen und offen angegangen werden. Unabhängig davon konstatieren auch von Storch und Stehr: „Die Mehrheit der Forscher ist in der Tat der Meinung, dass derzeit ein vom Menschen gemachter globaler Klimawandel stattfindet, dass er sich in Zukunft beschleunigen und dabei klarer hervortreten wird.“[17]
Einer online veröffentlichten internationalen Umfrage aus dem Jahr 2007 zufolge teilen 45-50 % der Klimaforscher die Positionen des IPCC, während jeweils 15-20 % die IPCC-Berichte für unter- oder übertrieben halten. Wenigstens 97 % der teilnehmenden Wissenschaftler bestätigen darin die Aussage, wonach die menschlichen Emissionen von Kohlendioxid einen wichtigen Bestandteil des Klimasystems darstellen und wenigstens teilweise für die Erwärmung der letzten Jahrzehnte verantwortlich seien.[18] Dieser Wert wurde auch in einer nachfolgend durchgeführten unabhängigen Umfrage von 2008 bestätigt. Demnach stimmen 97 % der an der Umfrage teilgenommenen Klimaforscher, die auch aktiv in ihrem Fachgebiet publizieren, der Aussage zu: „Menschliche Aktivität ist ein signifikant beitragender Faktor bei der Veränderung der mittleren globalen Temperatur“.[19]
Bei einer Umfrage im Sommer 2006 unter deutschen Klimaforschern gaben 38 % der Befragten an, die These der anthropogenen Ursachen der Temperaturerhöhung im 20. Jahrhundert gelte als bewiesen, 56 % gaben an, diese These werde hier und dort noch angezweifelt und 5 % zufolge werde diese These noch heftig angezweifelt.[20] Allerdings besteht in der Frage der Handlungsoptionen angesichts des Klimawandels ein erheblicher Unterschied zwischen den abgeleiteten Forderungen und den Aktivitäten der Politik. Nach Hans Mathias Kepplinger, der die Umfrage durchführte, könne aber aus dem Konsens der Wissenschaft keine wissenschaftlich zweifelsfrei fundierte Klimapolitik abgeleitet werden.[20]
Maxwell T. Boykoff und Jules M. Boykoff prägten das Wortspiel „Balance as bias“ (Wortspiel, auf deutsch etwa: „Balance als Unausgewogenheit“) und sehen eine deutliche höhere Präsenz von Kritikern der IPCC-Berichte in der öffentlichen und politischen Diskussion als im fachwissenschaftlichen Bereich. In der Mehrzahl einer Auswahl untersuchter Zeitungsartikel der US-Qualitätspresse werde von den verantwortlichen Journalisten versucht, beide „Seiten“ der Klimaforschung darzustellen und daher den Argumenten von Klimaforschung und Klimaskepsis gleich viel Platz einzuräumen. Diese vermeintliche Ausgewogenheit führe dazu, dass in den Medien der falsche Eindruck grundlegender Dispute in der Klimaforschung erweckt werde, während in der wissenschaftlichen Gemeinschaft die Skeptiker nur eine geringe Rolle spielten.[21] Ein vergleichbares Ungleichgewicht wurde auch in der US-amerikanischen TV-Berichterstattung gefunden.[22]
Hinterfragt wurde auch die Motivation der Kritiker. So wurden bis in die 1990er Jahre und zum Teil noch heute klimakritische Studien von Unternehmen aus dem Kohlebereich unterstützt. Mit ExxonMobil beteiligte sich ein Ölunternehmen aktiv an der Verbreitung von Skeptiker-Positionen.[23] Die Union of Concerned Scientists kam in einer Untersuchung zu dem Schluss, dass ExxonMobil mit einer langfristigen Strategie, die auch Irreführung und Fälschungen beinhaltet, dafür gesorgt hat, dass „wissenschaftliche Erkenntnisse verschleiert, Politiker, Medien und die Öffentlichkeit manipuliert und Maßnahmen zur Eindämmung von Emissionen verhindert wurden“, wie die Financial Times Deutschland berichtet.[24] ExxonMobil hat zu diesem Zweck mit ca. 16 Mio. US-Dollar zwischen 1998 und 2005 ein Netzwerk von 43 scheinbar unabhängigen Organisationen unterstützt, welche in der Öffentlichkeit den Konzerninteressen dienende Verwirrung über den Stand der Klimaforschung stifteten. In der Methodik wurde dies mit der langjährigen Verschleierung der Gefahren des Rauchens durch die Tabakindustrie verglichen.[25]
Hans von Storch und Nico Stehr haben es demgegenüber als unredlich kritisiert, beim Umgang mit methodischer Kritik Skeptiker als Ausgeburt von „konservativen Think Tanks und Desinformanten der Erdöl- und Kohlelobby“ darzustellen und gleichzeitig eine Dramatisierung des Klimawandels als gesellschaftspädagogisch sinnvoll zu verteidigen.[17] Bei einem solchen Umgang mit dem Klimawandel werde eine Selbstzensur im Namen einer 'Guten Sache' und eine Taubheit gegenüber neuen, überraschenden Einsichten unterstellt, die in Konkurrenz oder gar Widerspruch zu herkömmlichen Erklärungsmustern stehen. Wissenschaft verkomme so zu einem Reparaturbetrieb politisch opportuner Wissensansprüche und verliere dabei die essentielle Fähigkeit, die Öffentlichkeit objektiv zu beraten.[17]
Größer in der Zahl der Beteiligten und homogener stellen sich diejenigen Kritiker des IPCC dar, die den Bereichen Wirtschaft und Politik angehören und die mit den aus den IPCC-Forschungsberichten resultierenden politisch-ökonomischen Folgerungen nicht einverstanden sind. Da in diesen Bereichen einerseits materielle Interessen dominieren, andererseits Rücksichten auf Wählermentalität und Wahlklientel nahe liegen, wird hier tendenziell gleich auf das ganze Spektrum kritischer Einwände zugegriffen oder eine den eigenen Interessen am meisten entsprechende Auswahl vorgenommen. Einem Minderheitenbericht des US Senate Committee on Environment and Public Works zufolge (das dem mehrheitlichen Trend der Klimaforschung folgt) haben über 400 Personen aus über 24 Ländern, darunter zahlreiche Wissenschaftler verschiedenster Fachrichtungen, Kritik gegen das IPCC und die populärwissenschaftlichen Darstellungen von Al Gore geäußert.[26]
Die Bedeutung der Kontroverse um die globale Erwärmung ergibt sich vor allem aus den politischen und wirtschaftlichen Konsequenzen, die aus den unterschiedlichen Positionen abgeleitet werden und die für die Zukunft insbesondere des menschlichen Lebens und Zusammenlebens auf der Erde wichtige Weichen stellen. Auf der Grundlage der IPCC-Berichte ergibt sich dringender Handlungsbedarf bezüglich der Rückführung von Treibhausgasemissionen, der weltweit sowohl weite Bereiche der Wirtschaft als auch die Privathaushalte einschließt. Hier wie dort müsste eine Abkehr von alten Gewohnheiten vollzogen werden, um den Klimawandel zu begrenzen. Der Widerstand dagegen artikuliert sich je nach Handlungsebene und persönlicher oder gruppenspezifischer wie auch nationaler Interessenlage unterschiedlich intensiv: Je weniger theoretisch die vorgeschlagene Konsequenz und je größer die praktische Herausforderung, desto massiver der Widerstand. Damit lässt sich auch die weitgehende Einigkeit der Klimaforscher und der weit weniger ausgeprägte Konsens von Bürgern und Politikern hinsichtlich der Folgerungen teilweise erklären.
Den Schlussfolgerungen des IPCC entgegengehalten werden Auffassungen, wonach Klimaschutzmaßnahmen unwirksam, unpraktikabel oder unverhältnismäßig teuer[27] wären und stattdessen sinnvolle Anpassungsmaßnahmen mit Blick auf den unabwendbaren Klimawandel zu bevorzugen seien. Dabei werden zum Beispiel die Niederlande und deren Anpassung an die Nordsee als geeignetes Vorbild genannt. Eine stärkere Einbeziehung von Anpassungsmaßnahmen wird kontrovers diskutiert.[28] Nico Stehr und Hans von Storch gingen soweit, eine nahezu singuläre Konzentration auf Vermeidungsstrategien in der bisherigen Klimawissenschaft wie auch der Politik zu konstatieren. Dabei halten sie eine Beendigung der globalen Erwärmung im Sinne der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen als fast gänzlich unmöglich und betrachten den Minderungsansatz beim Kyoto-Abkommen als gescheitert. Sie fordern dazu auf, den Klimawandel als real und nicht kurzfristig vermeidbar anzusehen und sich stärker Anpassungs und Mitigationstrategien zuzuwenden.
Bis in die 1990er Jahre hinein waren Zweifel am Phänomen der globalen Erwärmung noch relativ weit verbreitet. Denn zwischen 1945 und 1975 hatten sich die globalen Temperaturen nicht erhöht, sondern leicht abgekühlt. Zudem waren die Unsicherheiten in den klimatologischen Theorien noch beträchtlich. Im Laufe der 1990er Jahre verbesserte sich das wissenschaftliche Verständnis des Klimasystems erheblich, und gleichzeitig konnte ein deutlich erkennbarer Erwärmungstrend gemessen werden. Spätestens seit der Veröffentlichung des Dritten IPCC-Sachstandsberichts im Jahr 2001 ist das Vorhandensein einer globalen Erwärmung deshalb kaum noch auf wissenschaftlicher Grundlage angezweifelt worden. In seinem Vierten Sachstandsbericht von 2007 gibt das IPCC für den gemessenen Temperaturtrend in den einhundert Jahren zwischen 1906 und 2005 eine Steigerung um 0,74 °C an, wobei aufgrund von Messungenauigkeiten eine Fehlerbreite von ± 0,18 °C besteht.
Einige Wissenschaftler um den Meteorologen Roger A. Pielke weisen auf Probleme in Zusammenhang mit der bodengestützten Messung der Lufttemperaturen hin. Die gemessenen Lufttemperaturen seien einerseits mit signifikanten Fehlern behaftet, anderseits sollen sie grundsätzlich kein sehr zuverlässiges Instrument zur Messung der globalen Erwärmung sein.[29][30] Eine andere These betrifft den so genannten Wärmeinseleffekt (urban heat island effect). Demnach wird die zunehmend warme Umgebungsluft in den wachsenden Städten für den dort gemessenen Trend der Erwärmung verantwortlich gemacht. Die These wurde durch die statistische Berücksichtigung eben dieses Effektes in der Auswahl der verwendeten, mehrheitlich ländlichen Stationen sowie durch einzelne Satellitendaten konterkariert. Andere Studien sehen keinen durchschlagenden Einfluss des Wärmeinseleffektes beim festgestellten globalen Anstieg der Durchschnittstemperatur.[31][32][33]
Lange Zeit waren vor allem die Daten aus Satellitenmessungen der Kernpunkt der Behauptung, es gebe keine globale Erwärmung. Die Satelliten zeigten eine gleich bleibende oder sogar eine zurückgehende Temperatur auf der Erde an. Bis Anfang der 2000er Jahre bestand diesen Daten zufolge nur ein Erwärmungstrend über 0,04 °C pro Jahrzehnt gegenüber 0,17 °C aus den Bodenmessungen. Messungen mit an Ballons befestigten Radiosonden schienen den Satellitentrend zu bestätigen, was die Bodenmessungen in den Augen der Skeptiker unglaubwürdig erscheinen ließ. Umfassende Analysen der Satellitendaten brachten im August 2005 dann zum Ergebnis, dass diese falsch verstanden worden waren.[34][35] Bei der Auswertung der Satellitendaten war man davon ausgegangen, dass sich die Satelliten in einem so genannten „sonnensynchronen" Orbit befänden. In einem solchen Orbit passiert ein Satellit jeden Tag zur gleichen Zeit und immer am selben Ort den Äquator. Es geschieht leicht, dass dieser Orbit nicht perfekt eingehalten wird, was eine Korrektur der Messdaten notwendig macht. Genau diese Korrektur war in den älteren Analysen nicht vorgenommen worden. Nachdem die verfälschten Messwerte bereinigt waren, zeigten sie eine deutlich besser im Einklang mit den Bodenmessungen stehende Erwärmung an. Gleichzeitig stellte sich heraus, dass aus einem völlig anderen Grund auch die Messungen der ballongestützten Radiosonden falsch waren. Deren Thermometer sind während des Aufstiegs oft der direkten Sonnenstrahlung ausgesetzt. Daher müssen die Messwerte regelmäßig nach unten korrigiert werden. Eine ebenfalls 2005 veröffentlichte Studie konnte zeigen, dass die Werte in der Vergangenheit überkorrigiert worden waren.[36] Nach der Berichtigung um diesen Fehler bestätigten nun auch die Wetterballons den aus den Bodenmessungen bereits bekannten Trend.[37]
Neben diesen drei voneinander unabhängigen Messungen am Boden, in der Luft und aus dem Weltall existieren darüber hinaus weitere unabhängige Belege für steigende Erdtemperaturen. Hierzu gehören Messungen der Meeresoberflächentemperatur, die ebenso wie die in größeren Wassertiefen ermittelten Temperaturwerte in den vergangenen Dekaden einen deutlichen Anstieg verzeichneten. Ein weiteres gewichtiges Indiz für die globale Erwärmung sind direkte Naturbeobachtungen,[38] darunter ein immer früheres Auftreten der Frühlingsblüte, ein später einsetzendes Welkwerden des Laubes im Herbst, später einfrierende und früher auftauende Flüsse im Winter, weltweit bis auf wenige Ausnahmen überall zurückgehende Gletscher sowie ein drastischer Rückgang des arktischen Meereises.
Eine weitere Kontroverse hat die historische Entwicklung der Temperaturen zum Thema. Zentraler Punkt ist, ob der Anstieg der globalen Temperatur der letzten 100 Jahre historisch einzigartig ist oder sich im normalen Rahmen der jüngeren Klimageschichte bewegt. Das könnte Hinweise auf mögliche natürliche Ursachen für die aktuelle Erwärmung bieten. Daran wird von Skeptikern die Frage geknüpft, ob überhaupt schwerwiegende oder unerwartete Folgen drohen könnten.
Andere Klimaforscher weisen darauf hin, dass hohe Temperaturen oder ein schneller Anstieg in der Vergangenheit nicht die gleiche Ursache haben müssen wie die Veränderungen heute. Auch kann daraus nicht auf den zukünftigen Verlauf geschlossen werden.[39] Die Schlussfolgerung des IPCC, dass der Mensch heute auf das Klima Einfluss nimmt, ist nicht mittels der Rekonstruktion von Temperaturen des vergangenen Jahrtausends ermittelt worden.
Es herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass es vom 15. bis 18. Jahrhundert eine Kleine Eiszeit gegeben hat und dass sich die Erde seither wieder um ca. 1 °C erwärmt hat. Kontroverser wird über das Ausmaß der so genannten Mittelalterlichen Warmzeit diskutiert, die vom 9. bis ins 14. Jahrhundert andauerte. Neuere Forschungsergebnisse zeigen, dass die Temperaturen vor 700 bis 900 Jahren regional durchaus mit den aktuellen Temperaturen vergleichbar, wahrscheinlich sogar wärmer waren.[40] So bekam zu dieser Zeit beispielsweise Grönland seinen Namen „Grünland“. Diese Bezeichnung wird aber auch als Werbesprache zur Ansiedlung von Siedlern an der auch heute eisfreien Südküste interpretiert.[41]
Bislang hat jedoch keine der verfügbaren Rekonstruktionen des vergangenen Jahrtausends ergeben, dass die globalen Temperaturen mit denen der Gegenwart vergleichbar gewesen wären. Das IPCC schätzt deshalb in seiner im Februar 2007 erschienenen Kurzfassung für Entscheidungsträger zum Vierten Sachstandsbericht, dass es „wahrscheinlich" sei, dass die Temperaturen der letzten 50 Jahre im globalen Mittel wärmer waren als jemals in einem vergleichbaren Zeitraum während der vergangenen 1300 Jahre.[42] Dies lässt klimageschichtlich die Möglichkeit von lokal wärmeren Regionen offen.[43][44] Da die vorhandenen Proxydaten die Erde nicht flächendeckend, gleichmäßig und gleichartig abdecken, kann auch die historische globale Mitteltemperatur nur grob geschätzt werden. Die Proxydaten sind wesentlich ungenauer als die Messungen ab 1850.
Historisch betrachtet hat es in der Vergangenheit viele kleinere und natürliche Warm- und Kaltphasen gegeben. Geologisch gesehen können mindestens 5 große Eiszeitalter mit einer Dauer von jeweils etwa 15-20 Millionen Jahren und dazwischen liegende Warmzeiten unterschieden werden. Innerhalb der Eiszeitalter kam es jeweils zu so genannten Stadialen und Interstadialen, also viele Jahrtausende andauernden Zeiträumen mit großflächigen Vergletscherungen, unterbrochen von Perioden, die mit der heutigen Zeit eher vergleichbare Eismassen beherbergten. Während der letzten Warmphase, dem Eem-Interglazial, lagen die Temperaturen in Europa über den heutigen.[45]
Siehe auch: Hockeyschläger-Diagramm
Der direkte Zusammenhang zwischen klimaaktiven Faktoren, insbesondere Kohlendioxid, mit der Lufttemperatur wird mit der sogenannten Klimasensitivität ausgedrückt. Ein geringer Zusammenhang läge bei deutlich unter 1 °C, bei den im IPCC anerkannten Studien werden Werte zwischen 1,5 und 4,5 °C angegeben, mit einem besten Schätzwert um 3 °C.[42][46][47]
Bei gemessenen Trend einer Erderwärmung stellt sich die Frage, auf welche Faktoren diese zurückzuführen ist. Bislang wird für die aktuelle Erwärmung nur ein Erklärungsmodell als zufriedenstellender Ansatz angesehen, welches Treibhausgase als hauptsächlichen Faktor ansieht.[48][49]
Ein Teil der fachlichen Kritiker vertritt die Meinung, die Menschheit verursache zwar zusätzliche Treibhausgase in die Atmosphäre, diese hätten jedoch keine oder eine zu vernachlässigende Wirkung gegenüber natürlichen Faktoren. Die Kritik und die zugehörigen Studien werden dabei innerhalb wie außerhalb des offiziellen IPCC Meinungsbildungsprozesses geäußert und diskutiert.
Einige Wissenschaftler betonen eine besondere Bedeutung der Sonnenaktivität für die globale Erwärmung. Damit zweifeln sie im Umkehrschluss an, dass anthropogene Quellen wesentlichen Einfluss auf den gegenwärtigen Klimawandel haben. Diese Position vertreten unter anderem der emeritierte Atmosphärenphysiker William M. Gray,[50] der Astrophysiker Willie Soon,[51] die Astrophysikerin Sallie Baliunas,[52] der Anfang 2008 verstorbene Pionier der Festkörperphysik Frederick Seitz,[53] der Astrophysiker Nir Shaviv,[54] der emeritierte Professor für Umweltwissenschaften Fred Singer, [55] der Geologe, Marinegeologe und Paläontologe Robert M. Carter,[56] der Paläoklimatologe Tim Patterson,[57] Marcel Leroux, emeritierter Professor für Klimatologie,[58] sowie Henrik Svensmark, Direktor des Centre for Sun-Climate Research des Danish National Space Center (DNSC) und Ko-Autor des Buches 'The Chilling Stars - A New Theory of Climate Change'.
In Deutschland wird die These unter anderem von Ulrich Berner und Hansjörg Streif vertreten.[59] Ein sehr hoher Wert in der wissenschaftlichen Literatur findet sich bei Stott et al. (2003), welche den solaren Anteil an der beobachteten globalen Erwärmung zwischen 1950 und 1999 auf einen Bereich zwischen 16 % und maximal 36 % schätzen.[60] Einer Studie von Scafetta und West (2007) zu Folge könnte die Sonne sogar zwischen 8% und 42% zur globalen Erwärmung seit 1950 beigetragen haben.[61]
In der im IPCC tonangebenden, vor allem modellbasierten Klimaforschung wird der Anteil der Sonne an der globalen Erwärmung einbezogen aber nicht als ausschlaggebend eingeschätzt. Trotz eines derzeitigen Aktivitätsmaximum der Sonne [62] sei Sami Solanki, Direktor am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung zufolge [63] liege der Anteil der Sonne an der Erwärmung seit 1970 nur bei maximal 30%[64]. Ähnlich auch Natalie Krivova[65]. Solankis Analyse der Sonnenaktivität wurde auch methodisch kritisiert[66]. Zudem seien insbesondere die seit 1978 direkt aus dem Orbit gemessenen Veränderungen der Sonnenaktivität zu gering, um die Ursache für die sich beschleunigende Erwärmung der letzten 30 Jahre gewesen zu sein.[67][68] Auch wurden bei Temperaturmessungen von Troposphäre und Stratosphäre unterschiedliche Trends festgestellt, die mit dem postulierten Wirkmechanismus energetisch nicht übereinstimmen[69] Dieses Muster wird als Bestätigung der vom IPCC präferierten vorherrschenden Rolle von Treibhausgasen in der Troposphäre[70] angesehen.
Der Physiker Svensmark sieht eine signifikante negative Korrelation zwischen Wolkenbildung, Erderwärmung und kosmischen Strahlen als gegeben an[71]. Eine Überblicksstudie, welche die These Svenmarks anhand von paläoklimatischen Rekonstruktionen und astrophysikalischen Daten und Berechnungen bestätigt sieht, wurde von Scherer et al 2006 veröffentlicht. [72]. Dabei fielen bedeutende globale Warmzeiten mit Spiralarmdurchgängen der Heliosphäre zusammen, was auf einen bedeutenden Einfluss der globalen Höhenstrahlung hinweise. Dies sei auch für die Jetztzeit ein signifikanter Effekt. Für die letzten 20 Jahre wurde ein solcher Zusammenhang von Lockwood und Fröhlich[73] in Frage gestellt. Svensmark und Friis-Christensen bleiben bei ihrer Einschätzung[74]. Der von Svensmark angenommene Zusammenhang wurde als wissenschaftliches Artefakt attackiert[75][76] und bei einigen aktuellen Messungen nicht bestätigt[77].
Eine Aufnahme des CRF Mechanismus in den Wirkungsmechanismus des 'Klimacocktails' wird auch von Forschern akzeptiert, die dem IPCC Konsens näherstehen als Svensmark[78]. Untersuchungen finden unter anderem im Rahmen eines 2006 bei CERN gestarteten Beschleunigerprojekts [79] namens CLOUD (Cosmics Leaving OUtdoor Droplets)[80] statt. Es gibt verschiedene Thesen über den Wirkungszusammenhang, ein 'harter Mechanismus' ist aber noch nicht gefunden oder anerkannt[81].
Der IPCC Prozess ´stützt sich in großem Umfang auf rechnergestützte Klimamodelle und Simulationen, die derzeit vor allem die globale, in geringerem Ausmaß die regionale Klimaentwicklung modellieren und voraussagen. Einzelne Kritiker stellen deren Aussagekraft für politische Entscheidungen und Folgerungen in Frage[82] Zur Begründung werden folgende Faktoren angeführt:
Dem wird entgegengehalten[84], dass die vorhandenen Modelle alle bekannten Zusammenhänge enthalten und das aktuelle und (soweit nachprüfbar) historische Klima weitgehend korrekt wiedergeben.
Kritik bezieht sich auch auf die postulierten möglichen Folgen des Klimawandels. Dabei wird unter anderem das thermodynamisch abgeleitete Prinzip vom kleinsten Zwang herangezogen. Demnach begünstigt ein höheres Angebot an Kohlendioxid, unabhängig von der Quelle, reduzierende chemische und biochemische Reaktionen. Allerdings kommt es durch die zusätzliche CO2-Aufnahme in den Ozeanen, neben Wäldern die wichtigsten Kohlenstoffsenken, zu anderen negativen Folgewirkungen wie fortschreitender Versauerung des Wassers. Weitere Trigger- und Rückkopplungseffekte verkomplizieren die Situation. So können aus ehemaligen Permafrostböden klimaaktive Gase freigesetzt werden, oder Schneefall in ehemals niederschlagsfreien Gebieten eine Abkühlung verursachen. Einige Studien sehen Wälder entgegen deren Ausweisung als 'Kohlendioxidsenken' als nicht oder nur in geringem Umfang in der Lage, zusätzliches CO2 zu speichern[85][86], was mögliche Folgewirkungen verstärkte.
Das IPCC spricht auch Maßnahmenempfehlungen aus.
Dabei wird von Skeptikern auch anhand der als gering erachteten Auswirkungen des Kyoto-Protokolls, die praktische Möglichkeit effizienter Klimaschutzmaßnahmen bezweifelt bzw. deren Sinn in Frage gestellt. Alternativ zu Vorbeugungsmaßnahmen wie Emissionsreduktion wird vorgeschlagen, die Folgen der globalen Erwärmung durch Anpassung an die veränderten klimatischen Bedingungen aufzufangen.
So galt die Herstellung von Agrokraftstoffen auch aufgrund einer früheren Empfehlung des IPCC als eine wichtige Möglichkeit zur Verringerung des Treibhausgasausstoßes besonders im Verkehrssektor. Agrokraftstoffe sind aktuell Gegenstand der politischen Auseinandersetzung, und neben veränderten Ernährungsgewohnheiten in Schwellenländern sowie Finanzspekulation werden sie als eine Ursache der aktuellen Preissteigerungen von Nahrungsmitteln kritisiert.[87]
Wissenschaftlern, die dem Copenhagen Consensus nahestehen, halten die Bekämpfung von Hunger und Mangelernährung, auch durch Zugang zu moderner Agrartechnologie, den Wegfall von Exportbeschränkungen neben der Bekämpfung von Infektionskrankheiten für dringlicher als den Klimaschutz. An den Beratungen über den Copenhagen Consensus nahmen mehrere Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften teil. Kritisiert wurde der Consensus-Prozess unter anderem, weil er hoch komplexe Vorgänge mit den vergleichsweise einfachen Mitteln der Kosten-Nutzen-Rechnung angeht, er sich nur wenig über dem ungefähren Niveau der gegenwärtigen Entwicklungshilfe bewegt und damit vor allen den Mangel verwalten helfen will[88], und weil er eine Konkurrenz zwischen verschiedenen Hilfsmaßnahmen aufbaut, jedoch andere Kostenträger wie Militärausgaben oder Subventionen für fossile Energiesysteme ausspart.
Unter ökonomischen Gesichtspunkten werden die angenommenen Folgekosten in einer Barwertbetrachtung der globalen Erwärmung durch Kosten-Nutzen-Analyse mit den jetzigen Vermeidungskosten verglichen. Dabei ermitteln Kritiker, dass die Folgekosten unter den Vermeidungskosten lägen. Dagegen kommt der ehemalige Chefökonom der Weltbank, Nicholas Stern, in dem nach ihm benannten Stern-Report zu dem Schluss, dass die Vermeidung von Emissionen die eindeutig günstigere Alternative sei. Unter anderem Ottmar Edenhofer stimmte dem Report zu und sprach zustimmend vom Klimawandel als moralischem und ökonomischen Problem.[89][90] Von Skeptikern wurde Sterns Methodik und die Folgekosten erheblich kritisiert und in Frage gestellt.[91][92] Eine moderatere Kritik zweifelt nicht an der Bedeutung des Klimawandels, unterstellt dem Stern-Report wie auch generell den bisherigen Maßnahmenempfehlungen des IPCC aber eine einseitige Ausrichtung auf Vermeidung statt Anpassung.[28][93]
Manche Wissenschaftler halten die Folgen der globalen Erwärmung für überschätzt oder als zu negativ bewertet und weisen der möglichen Erwärmung auch für die Menschheit insgesamt eher nützliche Auswirkungen zu. Zu diesen Forschern zählt zum Beispiel Sherwood Idso, der von vermehrten CO2-Einträgen in die Atmosphäre positive Auswirkungen auf die Nahrungsmittelproduktion und auf deren gesundheitlichen Wert erwartet.[94] Freilandversuche mit der FACE-Technologie (Free Air Carbon dioxide Enrichment) zeigen an, dass durch den Düngeeffekt des Kohlendioxids Steigerungen beim Pflanzenwachstum zu erwarten sind.[95] Die zusätzlich mögliche Ernte wird auf bis zu 13% geschätzt, bei einer Zunahme des Wachstums der gesamten Biomasse um 17%. Frühere Berechnungen waren noch von einer Steigerung der Erntemenge um bis zu 36% ausgegangen.[96] Kombiniert mit weiteren Effekten der globalen Erwärmung wie veränderten Niederschlagsmustern gilt es als unklar, wie der Nettoeffekt in einzelnen Regionen ausfallen wird.
Mit zahlreichen anderen Folgen der Erderwärmung, darunter dem Meeresspiegelanstieg, der Gletscherschmelze, oder der möglichen Versauerung der Meere werden derzeit meist keine positive Erwartungen verbunden. Für große Teile der Erde befürchten Forscher bedeutsame negative Konsequenzen: Ökosysteme, Nahrungsmittelproduktion, Wasserverfügbarkeit und soziale Gemeinschaften werden desto größeren Risiken ausgesetzt sein, je stärker der Klimawandel ausfällt, so William Hare vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.[97]
Gegen die Prognose, die Erwärmung führe zu einer Ausbreitung so genannter Tropenkrankheiten, spricht sich der medizinische Entomologe Paul Reiter aus, der den Ausdruck „Tropenkrankheiten“ für irreführend hält.[98]
Da das Phänomen der globalen Erwärmung und die unterschiedlichen Anpassungsreaktionen darauf in vielerlei Hinsicht wirtschaftliche und soziale Interessen berühren, darüber hinaus aber auch Forschungs- und Bildungspolitik beeinflussen sowie Auswirkungen auf gesellschaftliche Normen sowie ethische und weltanschauliche Orientierung zeitigen können, ist die politische Auseinandersetzung darüber vielfältig und in vollem Gange. Auch in den Medien wird sie unterdessen häufig aufgegriffen.
Die an unterschiedlichen Aspekten ansetzende Kritik richtet sich einerseits gegen die IPCC-These, die besagt, dass zumindest ein bedeutender Anteil des beobachteten Erwärmungsprozesses menschengemacht (anthropogen) sei. Stattdessen werden dafür natürliche Ursachen angenommen. Kritiker wenden sich auch gegen bereits in der Umsetzung befindlichen Maßnahmen, wie das Kyoto-Protokoll. Die beschlossenen Maßnahmen und ihre Kosten seien im Hinblick auf die angenommen Wirkung unverhältnismäßig.
Weitere Einwände beziehen sich auf die Relevanz und Dringlichkeit der gesamten Klimaschutzpolitik im Verhältnis zu anderen Politikfeldern oder auf die Eignung und Effizienz vorgeschlagener Lösungsansätze im Vergleich zu anderen Menschheitsproblemen wie Hunger und Nahrungsmittelversorgung, Wasserversorgung und Infektionskrankheiten, Korruption und Handelsbarrieren und insbesondere lokalen Konflikten.
Protagonisten der Kontroverse sind besonders Politiker, Lobbyisten und nichtstaatliche Organisationen. „Klimaskeptische“ Wissenschaftler, Ökonomen und Politiker haben sich in eigenen Organisationen zusammengeschlossen; auf internationaler Ebene ist dies z.B. die International Climate Science Coalition.
Wirtschafts- und industriepolitische Konfliktaspekte ergeben sich unter anderem in der Auseinandersetzung um einen weiteren Ausbau der Atomkraft, so in Skandinavien und Frankreich, im Umgang mit der klassischen Montanindustrie oder in der Erschließung von Kohle und Erdölvorkommen in Deutschland, Kanada und Großbritannien wie auch bei technologischen Vorgaben für die unterschiedliche strukturierten Autoindustrien in den Ländern der europäischen Union.
Darüber hinaus wird der Emissionsrechtehandel als möglicherweise wegweisendes und bedeutendes wirtschaftspolitisches Steuerungsinstrument neben anderen diskutiert.[99][100] Einzelfallregelungen und Ausnahmen für unterschiedliche Industriesektoren, Marktsegmente (etwa Hersteller von Kleinwagen gegenüber Luxusfahrzeugen und LKWs) und Länder sind Gegenstand von Interessenkonflikten und Einflussnahmen verschiedener Seiten.
Die öffentlichen Ausgaben für Klimaforschung sind in den letzten 15 Jahren stark angestiegen. Dies wurde von Richard Lindzen in einem Zeitungsartikel auf der Meinungsseite des Wall Street Journal vor allem den „alarmierenden Szenarien“ der Klimaforschung zugeschrieben. Wissenschaftlern, die allzu kritische Positionen vertreten hätten, seien die Fördermittel gestrichen worden.[101] Die Veröffentlichungspolitik der beiden bedeutenden internationalen wissenschaftlichen Zeitschriften Science und Nature gegenüber IPCC-kritischen Artikeln wurde zeitweise, etwa im Zusammenhang mit der Diskussion um das Hockeyschläger-Diagramm wie um den wissenschaftlichen Konsens unter anderen von Lindzen und Benny Peiser als parteiisch gegenüber Skeptikern kritisiert. Lindzen verglich in einem wissenschaftshistorischen Buchbeitrag die Beziehung von Wissenschaft und Politik beim Thema Klimawandel mit anderen 'Wissenschaftshypes' der Vergangenheit, so der öffentlich intensiv diskutierten und propagierten Eugenik vor und nach 1900[102]
Demgegenüber legte die Redaktion der Zeitschrift Nature ihren Standpunkt zur Kontroverse um die globale Erwärmung in einem langen Editorial vom 12. Juli 2001 dar. Darin unterstützt die Redaktion den in den Berichten des IPCC zum Ausdruck kommenden Konsens. Kritik an den Erkenntnissen der Klimaforschung sei demnach primär von der US-Kohle- und Ölindustrie initiiert. So genannte „climate-change dissidents“ riefen mittlerweile einen ähnlichen Eindruck hervor wie „Aids dissidents“ oder „tobacco-industry dissidents“. Durch sie werde die Öffentlichkeit hinsichtlich der Tatsachen über die globale Erwärmung getäuscht und verwirrt.[103]
Der Journalist und Umweltaktivist George Monbiot konstatiert eine Einflussnahme der Politik im Sinne einer gezielten Verharmlosung des Klimawandels in Forschungsberichten und der direkten Bearbeitung wissenschaftlicher Dokumente.[104]
Dem Kampf gegen die globale Erwärmung ist die Auslobung des bislang höchstdotierten Wissenschaftspreises gewidmet: Der Unternehmer Sir Richard Branson verspricht demjenigen Wissenschaftler 25 Millionen US$, der einen umweltverträglichen Weg findet, die Atmosphäre von Treibhausgasen zu befreien.[105]
Politische Einflussnahme zu Verharmlosungszwecken ließ sich bei den Verhandlungen um den Vierten Sachstandsbericht des IPCC beobachten. Der Veröffentlichung der drei so genannten Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträger ging jeweils eine mehrtägige Konferenz voraus, in welcher der Entwurf der am Bericht beteiligten Klimaforscher durch Vertreter von Regierungen abgesegnet werden musste. Nach Darstellung des Nachrichtenmagazins Der Spiegel haben anscheinend sowohl beim Bericht der Arbeitsgruppe I über die physikalischen Grundlagen[106] als auch beim Bericht der Arbeitsgruppe II über die Folgen des Klimawandels[107] die Regierungen der USA, Russlands, Chinas und Saudi-Arabiens erfolgreich eine Verwässerung der ursprünglich vorgesehenen Schärfe und Eindeutigkeit des Berichts erwirkt. Die Washington Post benennt explizit einen auf Druck der USA und Chinas gestrichenen Absatz über die notwendige Reduktion der Treibhausgasemissionen als ein Beispiel für die direkte abschwächende Bearbeitung in der Zusammenfassung des jüngsten IPCC-Berichtes.[108]
Dieses Verfahren kommt jedoch nur bei den Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträger zur Anwendung. Auf die wissenschaftlichen Berichte des IPCC, die den Zusammenfassungen zugrunde liegen, haben die Regierungen keinen Einfluss. Die Vorgehensweise zur Erstellung der Berichte war jedoch auch bereits vor der Veröffentlichung der Zusammenfassung für Entscheidungsträger Gegenstand von Kritik, weil die Zusammenfassung für Entscheidungsträger vor dem eigentlichen wissenschaftlichen Bericht veröffentlicht worden ist, um den Inhalt des Berichtes an die Zusammenfassung anzupassen.[109]
Da die USA bislang mit Abstand der weltweit größte Emittent des Treibhausgases Kohlendioxid sind, ist ihre Klimapolitik auch im globalen Maßstab von erstrangiger Bedeutung.
Als Beispiel für die Ausrichtung der amerikanischen Regierung in klimapolitischer Hinsicht erregte der Fall von James Hansen besonderes Aufsehen. Hansen ist Direktor des NASA-eigenen Goddard Institute for Space Studies und seit Jahrzehnten mit klimawissenschaftlichen Fragen beschäftigt. In den Jahren 2005 und 2006 sagte Hansen in Interviews mit der Washington Post[110] und der New York Times, dass NASA-Beamte aus dem Bereich der Öffentlichkeitsarbeit versucht hätten, seine öffentlichen Stellungnahmen über die Ursachen der globalen Erwärmung zu beeinflussen. Der Konflikt wurde insbesondere an der Person Philip Cooneys festgemacht, mittlerweile Manager bei Exxon Mobile, früher Angestellter American Petroleum Institute und während der Regierung George W. Bush Vorgesetzter Hansens. Dort habe er aus zahlreichen Studien Hinweise auf den menschlichen Anteil am Klimawandel entfernt und verwässert.
Eine politische Beeinflussung wissenschaftlicher Studien durch Regierungsbeamte in den USA beschäftigte von 2006 bis 2007 unter anderem das United States House Committee on Oversight and Government Reform, eine Art ständiger Ausschuss des Repräsentantenhauses. In seinem Abschlussbericht vom Dezember 2007 beschreibt das Komitee eine fortwährende Einflussnahme der Regierung Bush auf die US-Klimaforschung. Die Schlussfolgerung daraus lautet:
Neben der NASA sind auch noch andere US-Einrichtungen von vergleichbarer Einflussnahme betroffen gewesen, darunter die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), die Environmental Protection Agency (EPA), das Climate Change Science Program (CCSP) oder das US Geological Survey (USGS).[112]
Der globalen Erwärmung wird medial mittlerweile eine große Aufmerksamkeit geschenkt, so zum Beispiel nach der Veröffentlichung des Stern-Reports über die wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels. Damit ist das Thema nicht mehr vorrangig eines der wissenschaftlichen Diskussion. In journalistischen Darstellungen kommt es neben seriösen Bemühungen um eine dem Forschungsstand entsprechende Aufbereitung des Problemkomplexes oft zu Ungenauigkeiten, indem die den jeweiligen Modellrechnungen zugrundeliegenden Annahmen nur ungenügend berücksichtigt werden. Daraus ergeben sich Verzerrungen der Forschungsergebnisse in beide Richtungen: So sind einerseits aufmerksamkeitsheischende Übertreibungen zu finden, etwa wenn wiederholt vor einer unmittelbar bevorstehenden Klimakatastrophe gewarnt wird; und andererseits werden aus wirtschaftlichen und politischen Motiven unsachgemäße Verharmlosungen verbreitet.
Die amerikanische Kulturhistorikerin Camille Paglia sieht die heraufbeschworenen Gefahren der globalen Erwärmung vornehmlich als Ausdruck eines Hungers nach Gläubigkeit und Apokalypse, nachdem die gewöhnliche Kirche in eine richtungslose feel-good-Therapie verwandelt worden sei.[113] Der Klimaforscher Christian-Dietrich Schönwiese hingegen kritisiert, dass hinter den Versuchen der „Skeptiker“, die anthropogenen Ursachen des Klimawandels zu widerlegen, hauptsächlich nichtwissenschaftliche Motivationen steckten wie Angst um den eigenen Lebensstandard oder Sorge um die Interessen der Wirtschaft.[114] Der Sozialpsychologe Harald Welzer fürchtet eine Unterschätzung der realen Gefahren des Klimawandels im Bewusstsein der Allgemeinheit. Welzer bezieht sich dabei auf das Phänomen der shifting baselines[115], das Menschen auch dramatische Änderungen ihres eigenen Lebensraumes nicht wahrnehmen lässt, da Veränderungen vom eigenen Beobachterstandpunkt aus wahrgenommen werden, der durch die eigene Lebens- und Erfahrungszeit begrenzt ist.[116]
Die globale Erwärmung wird auch mit cineastischen Mitteln bearbeitet, so zum Beispiel in den Katastrophenfilmen Waterworld, The Day After Tomorrow oder in dem Dokumentarfilm Eine unbequeme Wahrheit von Al Gore. Eine Gegenposition nimmt der britische Film The Great Global Warming Swindle ein, der mittlerweile vom Sender Channel 4, der ihn gesendet hat, als „Polemik“ bezeichnet wurde. All diesen Produktionen werden jeweils von Vertretern anderer Sichtweisen Einseitigkeiten vorgeworfen (siehe die jeweiligen Artikel).
„[…] Wissenschaft kann nur durch ihre starke Tradition der Debatte und Meinungsverschiedenheit fortschreiten. Aber diese spezielle Debatte diskreditiert den Begriff der wissenschaftlichen Meinungsverschiedenheit. Einige der Klimaskeptiker rufen Erinnerungen an die AIDS-Dissidenten hervor, die in den 1990er Jahren mit Hilfe von Begriffen behaupteten, dass HIV nicht AIDS verursachen würde, und dass es keine AIDS-Pandemie in Afrika gäbe. Andere ähneln den Tabakindustrie-Dissidenten, die der Regulierung dieser Industrie bis zum Letzten widerstanden - auf der Grundlage dessen, was später als die falsche Darstellung der von den Zigarettenherstellern geförderten Wissenschaft entlarvt wurde.“