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Die Kassiten (kaššū) waren ein Volk im alten Mesopotamien, das zum ersten Mal im 9. Regierungsjahr des Šamšu-iluna (1741 v. Chr) erwähnt wird. Nach Brinkman sind die Kassiten zuerst in der Gegend von Sippar belegt, gegen Ende der altbabylonischen Epoche dann auch am mittleren Euphrat, in Hana, Terqa und Alalach. Eine weitere Erwähnung findet sich in Nuzi. Nach dem hethitischen Überfall auf Babylon 1595 (oder 1531 nach anderer Chronologie) v. Chr. erlangten sie um 1475 v. Chr. die Obermacht in Babylonien, das sie von da an bis zur Eroberung durch die Elamiter im Jahr 1155 v. Chr., also für einen Zeitraum von 400 bis 500 Jahren, beherrschten. Ihre Macht in Babylonien dauerte somit länger als die jeder anderen Dynastie dort.
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Nach Brinkman sind aus dieser Zeit ca. 12.000 Dokumente erhalten, die freilich zum Großteil unpubliziert sind.
Die Heimat des Kassiten wird meist im Zagros gesucht. So siedelt sie W. Eilers in nördlichen Luristan an. Archäologische oder epigraphische Belege fehlen, allerdings waren in neu-assyrischer Zeit kaššū im Zagros ansässig; Levine vermutet sie dagegen am östlichen Ufer des kleinen Zab. Julian Reade lokalisiert Namri, das Land der Kassiten (mat kaššî), dagegen westlich von Kermanschah.
Die Chronologie der Kassitenzeit beruht weitgehend auf Synchronismen mit den assyrischen Herrschern. Aus den Amarna-Briefen ist die Gleichzeitigkeit von Kadaschman-Enlil I. mit Amenophis III. und von Burna-Buriasch II. mit Amenophis IV. und Tutanchamun belegt. Die Königsliste A gibt die Dauer der kassitischen Herrschaft mit 576 Jahren und 9 Monaten an und erwähnt 36 Könige, deren Namen wegen einer Beschädigung aber nicht alle überliefert sind. Es gibt auch assyrische Überlieferungen, die mit der babylonischen Liste aber nicht immer übereinstimmen. Kassitische Herrscher nach Liste A
Die nächsten Herrscher fehlen, erst die letzten zehn Könige sind wieder überliefert.
Die synchronistische Königsliste hat die Namen der ersten 13 Herrscher, aber der Name des elften ist zerstört und der des 13. beschädigt. Nur die synchronistische Liste A überliefert die Namen der Herrscher zwischen Urzigurumaš und Kara-Indaš, die Zahl der Herrscher ist aber unklar.
Der Beitrag der Kassiten zu der babylonischen Kultur wird immer noch diskutiert. Einige hundert kassitische Wörter fanden Eingang in die akkadische Sprache. Mehr als zehn Prozent davon sind Götternamen.
Der kassitische Stamm der Khabira siedelte wohl in der babylonischen Ebene, andere Stämme in den Bergen nordwestlich von Elam und auch südlich von Holwan, als sie 702 v. Chr. von Sanherib angegriffen wurden.
Delitzsch schlug als erster die Gleichsetzung der Kossiaoi (Kossäer), nach Strabon (Geographie, 11.13.6) die Nachbarn der Meder, mit den Kassiten vor. Theodor Nöldeke glaubte, dass die Kassiten die Kissianer der griechischen Autoren wie Aeschylus und Herodot sind.
Die kassitische Sprache ist bis heute nur durch eine Keilschriftafel überliefert. Daneben gibt es eine Liste kassitischer Namen mit ihren akkadischen Entsprechungen und einige technischen Begriffe. Außerdem fanden einige Götternamen Eingang in den babylonischen Pantheon. Der Grund, warum so wenig von der kassitischen Sprache überdauerte, lag darin, dass die Verwaltungssprache der Zeit Akkadisch war. Das Kassitische war eine agglutinierende Sprache. Entgegen alten Hypothesen ist das Kassitische also keine indogermanische Sprache. Die Theorie G. Hüsings, das Kassitische sei mit dem Elamitischen verwandt, lässt sich heute nicht mehr halten. Zur Zeit ist keine verwandte Sprache bekannt.
Wichtigste Götter waren Šumalija und Šuqamuna, denen Kurigalzu I. in Babylon einen gewaltigen Tempel weihte.
Siehe Kassitenherrscher