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Kaschuben

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Das heutige Siedlungsgebiet der Kaschuben

Die Kaschuben (auch: Kassuben, polnisch Kaszubi, kaschubisch Kaszëbi) sind ein westslawisches Volk, das aus den Pomoranen (von slawisch: Pomor’e = Gebiet am Meer) hervorging und in Polen in der Woiwodschaft Pommern (Województwo pomorskie) im Landstrich Kaschubien, auch Kaschubei genannt, lebt. Darüber hinaus sind viele sich dieser Ethnie zugehörig fühlenden Menschen in die USA, nach Kanada und nach Deutschland ausgewandert oder im weiteren Polen beheimatet.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Name und Sprache

Umstritten ist der Ursprung des Namens, eine gängige Erklärung ist, dass er sich von dem Kassub, einem Mantel, den die Kaschuben trugen, ableitet. Doch ist dies nicht gesichert. Die kaschubische Sprache, eine westslawische Sprache aus dem Lechitischen Zweig, die heute von annähernd 50.000 Menschen aktiv gesprochen wird, enthält sowohl deutsche (ca. 5 %), als auch baltische (pruzzische/altpreußische) Lehnwörter.

Zu den Kaschuben gehörte der nicht mehr existierende Volkszweig der Slowinzen, der westlich der heutigen Kaschuben siedelte. Berühmt ist die kaschubische Tracht, die zu den großen Feiertagen getragen wird.

[Bearbeiten] Geschichte

Kaschubische Festtagstracht

Die historisch älteste gesicherte Erwähnung des Namens der Kaschuben stammt aus dem 13. Jahrhundert, als sich die Herzöge von Stettin (kasch. Szczecëno; pl. Szczecin) als Dux Slauorum et Cassubiae bezeichneten.

Das Christentum gelangte zunächst über polnische Missionare an die Kaschuben. Die historische Zeit Pommerns begann um das Jahr 1000, als sich der in Danzig residierende Ostpommernfürst taufen ließ. Nach der Eroberung Pommerns durch den christlichen polnischen Herzog Bolesław III. Schiefmund im Jahr 1121 ließ dieser ab 1124 durch den Bischof Otto von Bamberg die Christianisierung der Bevölkerung abschließen.

Mit der deutschen Ostkolonisation, die in Pommern zu Ende des 12. Jahrhunderts einsetzte, als das Kloster Kolbatz gegründet wurde, begann, langsam von West nach Ost verlaufend, ein Prozess des Aufgehens der Kaschuben, die zur Minderheit wurden, in der zugewanderten deutschen Bevölkerung, die ihrerseits Orts- und Flurnamen und auch Bräuche und andere Überlieferungen der Kaschuben übernahm. In den pommerschen Herzogtümern, die seit dem 13. Jahrhundert zum Deutschen Reich gehörten, war diese Entwicklung, in der der neudeutsche Stamm der Pommern entstand, etwa im 16. Jahrhundert abgeschlossen. Im östlichen Teil des kaschubischen Siedlungsgebietes kam er dagegen zeitgleich zum Erliegen. Dieser von der Ostkolonisation schwächer erfasste Teil gehörte seit 1466 zu Polen, womit für die Fortentwicklung der Kaschuben bessere Bedingungen bestanden. Nachdem das Territorium 1772 zu Preußen gekommen war, fand dort kein vergleichbarer Germanisierungs - und Vermischungsprozess mehr statt. Während in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Provinz Pommern 4.080 Kaschuben (1827)[1] gezählt wurden, waren es 1900 nur noch 310[2]. In der Provinz Westpreußen dagegen war ihre Zahl im gleichen Zeitraum von 85.100[3] auf rund 200.000 [4]angestiegen. Sowohl unter deutscher als auch unter polnischer Dominanz galten die Kaschuben als kulturell zurückgebliebene ländliche Minderheit. Ein Zugang zur Welt mit seinen Aufstiegschancen eröffnete sich für Kaschuben nur durch die Beherrschung der jeweiligen Sprachen.

Die Kaschuben, die heute im Staate Polen leben, pflegen zwar ihre eigene Sprache und Tradition, fühlen sich aber oft geschichtlich und ethnisch mit Polen verbunden. Seit dem 19. Jahrhundert bis heute gab und gibt es verschiedene Strömungen innerhalb der Kaschuben, welche entweder die besondere Nähe der Kaschuben zu Polen und zum Polentum betonen und sich selbst eher als ethnische Gruppe bezeichnen, sowie (weitaus geringere) Strömungen, die im Gegensatz dazu die eigenständige kaschubische Nationalität in den Mittelpunkt rücken, was manchmal von Seiten einiger Polen als separatistische Tendenz angesehen wird. Als Beispiel für diese zwei Strömungen können zwei bedeutende kaschubische Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts genannt werden, die sich beide um die kaschubische Sprache und deren Entwicklung verdient gemacht haben: Während der kaschubische Schriftsteller Hieronim Derdowski (1852-1902) schrieb „Nie ma Kaszëb bez Polonii, a bez Kaszëb Polśczi“ („Es gibt kein Kaschubien ohne Polen, und kein Polen ohne Kaschubien“), wandte sich Florian Ceynowa (1817-1881) sowohl gegen eine Germanisierung als auch gegen eine Polonisierung der Kaschuben und kritisierte die polnische Geistlichkeit und den Adel. Kaschubisch wird heute an verschiedenen Orten Kaschubiens in den Schulen gelehrt, eine eigenständige Literatur wird gefördert und vom polnischen Staat geschützt.

Flagge der Kaschuben
Wappen der Kaschuben

[Bearbeiten] Heutige Lokalisierung

Die Kaschuben bewohnen die Gebiete um Puck (kasch. Pùck; dt. Putzig), Wejherowo (kasch. Wejrowò; dt. Neustadt),Kościerzyna (kasch. Kòscérzëna; dt. Berent), Chojnice (kasch. Chònice; dt. Konitz), Bytów (kasch. Bëtowò; dt. Bütow) und Danzig (kasch. Gduńsk; poln. Gdańsk). Als ihre Hauptstadt betrachten sie Kartuzy (kasch. Kartuzë; dt. Karthaus). Unter den größeren Städten wohnen prozentual am meisten Kaschuben in Gdynia (kasch. Gdiniô; dt. Gdingen).

[Bearbeiten] Personen

Zu den bekanntesten Kaschuben der Neuzeit zählen:

Kaschubische Vorfahren haben:

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Kaschuben – Bilder, Videos und Audiodateien

[Bearbeiten] Fußnoten

  1. C. F. W. Dieterici: Handbuch der Statistik des preußischen Staates, Berlin 1861, S. 179, wo Dieterici die Zahl 89.180 gibt. Der Autor beschreibt den Germanisierungsprozess an gleicher Stelle (S. 175) folgendermaßen: "(...) der Uebergang aus der fremden Nationalität in die deutsche geht allmälig voran, bei manchen Geschlechtern bleibt indessen der ursprüngliche Dialekt und die Nationalität unverändert". [1]
  2. Ergebnis der Volkszählung von 1900 in: Meyers Großes Konversationslexikon, sechzehnter Band, Leipzig und Wien 1907, Stichwort Pommern, S. 134.
  3. Siehe Fußn.1
  4. Siehe Fußn. 2, Zehnter Band, Leipzig und Wien, Stichwort Kassuben, S. 727
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