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Standort der Linde in Deutschland
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Das Naturdenkmal Kasberger Linde (auch Kunigundenlinde oder Franzosenlinde) ist eine Winter-Linde (Tilia cordata) in der Nähe des Gräfenberger Stadtteils Kasberg im Landkreis Forchheim, an der im Mittelalter vermutlich Gerichtstage abgehalten wurden. Nach unterschiedlichen Schätzungen ist der Baum 500 bis 1.000 Jahre alt.
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Der Baum ist völlig ausgehöhlt, verwittert und stark nach Westen geneigt und wird von mehreren Eisen- und Holzstangen gestützt. Der stark zerklüftete Stamm wird mit Eisenklammern und Gewindestäben zusammengehalten. Die Linde ist seit mindestens 1976 als Naturdenkmal ausgewiesen.[1] Sie besteht nur noch aus einem Stammteil und einem Hauptast, wobei die Zweige bis in die Spitze noch gut belaubt sind.
In einem Bericht des Heimatschriftstellers August Sieghardt über die Kasberger Linde in Fränkische Schweiz – Landschaft, Geschichte, Kultur und Kunst vom August 1970 wird die Höhlung des Stammes als so groß beschrieben, „daß sich darin ein Reiter mit seinem Pferd leicht umdrehen kann“.[2] Der Stamm sei in vier Teile zerrissen und habe einen Umfang von 16 Metern. Der Hohlraum hatte nach Sieghardts Angaben eine Höhe von drei Metern und der mittlere Durchmesser der Linde war 4,5 Meter. Der Durchmesser der Krone betrug 20 und die Höhe 12 Meter.[2]
In unmittelbarer Nähe steht eine weitere Linde mit einem Alter von etwa 100 bis 150 Jahren als "Ersatzbaum", damit weiterhin an dieser geschichtsträchtigen Stelle ein prägnanter Baum steht.[1]
Die Linde befindet sich am südlichen Rand der Fränkischen Schweiz, drei Kilometer nordwestlich von Gräfenberg und etwa 25 Kilometer nordöstlich von Nürnberg. Sie steht auf einem Hochplateau des Jura in etwa 510 Meter Höhe über Normalnull, direkt am westlichen Rand der Gemeinde Kasberg, auf offenem Gelände. Der Boden um die Linde ist steinig mit wenig Mergel und arm an Nährstoffen.[3][4]
Der Baum, an dem im 18. und 19. Jahrhundert mehrfach Truppen vorbeizogen, markiert eine alte Kreuzung mehrerer Straßen von Leutenbach, Walkersbrunn, Gräfenberg und Hohenschwärz. Heute zweigen von der an der Linde und Kasberg vorbeiführenden Straße von Leutenbach nach Gräfenberg (FO 14) die ehemalige Hauptstraße nach Kasberg (FO 32) und die Straße nach Walkersbrunn (FO 42) ab.
Auf der Flurkarte von Kasberg von 1822 aus der ersten vollständigen Vermessung 1808-53 des Königreichs Bayern ist am Ortsrand die heute in etwas anderer Form bestehende Straßenkreuzung und ein einzelner Laubbaum (die Kasberger Linde) zu erkennen. Im Unterschied zur heutigen Situation ging die Hauptstraße von Leutenbach an der Linde vorbei direkt in den Ort und die heutige Umgehungsstraße um Kasberg (Teil der FO 14) war ein kleinerer Weg.
Die Linde wurde zwar im 20. Jahrhundert zweimal saniert, dennoch schrumpfte das Baumvolumen von Jahrzehnt zu Jahrzehnt immer mehr. Durch Zersetzung verschwanden Teile des zerklüfteten Stammes, wodurch sich dessen Umfang reduzierte. Der Umfang betrug 1987 noch 11,2 Meter. Davon sind nur noch knapp acht Meter übrig geblieben. Vollständig erhalten hätte der Stamm einen Umfang von etwa 16 Metern[5]; Hans Joachim Fröhlich, der Initiator des Kuratoriums Alte liebenswerte Bäume in Deutschland e. V. gab im Jahre 1990 einen Stammumfang von 15,8 Metern, in 1,3 Meter Höhe gemessen, an.[6] Messungen an der Stelle des geringsten Durchmessers, um die verbliebenen Stammreste herum, ergaben 4,6 Meter Umfang.[7]
Da an dem hohlen Stamm keine dendrologischen Jahresringzählungen möglich sind, ist das tatsächliche Alter der Linde unbekannt.[8] Auch eine Altersbestimmung über den Gehalt an radioaktivem Kohlenstoff (Radiokohlenstoffdatierung, auch 14C-Datierung genannt) ist bei einem so alten Baum problematisch, da die ältesten Holzteile im inneren Bereich des Stammes für eine Altersdatierung fehlen.[9]
Zum Alter der Linde gibt es daher nur Schätzungen, die je nach Autor sehr unterschiedlich ausfallen. Das Deutsche Baumarchiv schätzte im Jahr 2007 das Alter der Linde auf 500 bis 580 Jahre[10][3]; mehrfach wurde der Baum auch auf über 1.000 Jahre alt geschätzt.[11][6][4] Damit wäre die Linde eine der zehn ältesten Linden in Deutschland.[12] Bedingt durch den nährstoffarmen Boden dürfte das Wachstum nur sehr langsam verlaufen sein.[3] Die Linde zeigt eine starke Regeneration, was ebenfalls auf ein hohes Alter hinweist.[5]
Einer Sage zufolge soll die heilige Kaiserin Kunigunde, die Gemahlin von Kaiser Heinrich II., vor etwa 1.000 Jahren die Linde eigenhändig gepflanzt [3] oder dort besucht haben.[13] Nach Kunigunde, die in Franken seit ihrer Heiligsprechung durch Papst Innozenz III. im Jahr 1200 eine hohe Popularität hatte[14], wurden im fränkischen Raum noch weitere Linden, wie in Gräfenberg[15] und dem südlich von Würzburg gelegenen Burgerroth[16], benannt. Über die Sage der Pflanzung der Kunigundenlinde steht in der Chronik von Gräfenberg von 1850:
„[…] Sie soll nehmlich von Kunigunda, der Gemahlin Kaiser Heinrichs II, gesetzt worden, und diese Pflanzung müßte etwa im Jahr 1008 geschehen sein, als Heinrich zu Bamberg war, und das dortige Bistum gründete, und als sich Städte zu erheben und der freie Bürgerstand sich zu bilden anfieng, durch welchen der Leibeigenschaft der erste kräftige Stoß beigebracht worden ist, und von welchem sich allmählich die Freiheit über das Landvolk verbreitete. […]“
– Georg K. Adler: Geschichte und Beschreibung des Städtchens Gräfenberg (in Oberfranken). Nürnberg, Riegel und Wießner, 1850, Seite 93.
Der Landrichter von Auerbach in der Oberpfalz soll im 13. Jahrhundert „zu Kasberg bei der noch stehenden Linde unter dem freien Himmel Schrannengericht mit ganzem Gerichtsstab“[5] abgehalten haben. Nach der Kasberger Ortschronik von 1920 soll der Sulzbacher Landrichter Volkelt von Taun um 1360 ebenfalls unter der Linde Gerichtstage abgehalten haben. Bei beiden Aussagen ist allerdings fraglich, ob es sich um die heutige Linde handelte. Dorf- und Flurnamen weisen darauf hin, dass dort noch vor dieser Zeit wahrscheinlich Landtage abgehalten worden sind.[13]
1795 lagerten im ersten Koalitionskrieg ungarische Soldaten unter der Linde, wobei sich ein Husar mit seinem Pferd so geschickt in der Linde versteckte, dass er nicht zu erkennen war, und so den Feinden entkommen konnte.[4] Als französische Truppen 1796 erstmals durch Kasberg zogen, sollen Soldaten des geschlagenen Generals Jean-Baptiste Jourdan mit einer Kanone auf die Linde geschossen haben, weswegen diese im Volksmund auch Franzosenlinde genannt wird.[13] Ein weiterer Beschuss des Baumes wurde von einem Oberst untersagt, der mit seinem Pferd in die Linde ritt und darin sein Pferd wendete.[1] In unmittelbarer Nähe der Linde fanden Kämpfe kaiserlicher Regimenter mit Truppen von Augereau statt. Während der Napoleonischen Kriege Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts befanden sich französische, kaiserliche und russische Soldaten dort.[4] Bei einem weiteren Zug französischer Soldaten durch Kasberg wurde die Linde 1806 in Brand gesteckt, wobei der Stamm durch das unter dem Baum entfachte Feuer schwer beschädigt, aber nicht völlig zerstört wurde.[1]
Auf dem „Uraufnahmeblatt NW 73-11“ aus dem Jahr 1822 der von 1808-53 im damaligen Königreich Bayern durchgeführten ersten flächendeckenden Vermessung Bayerns ist an der Kreuzung vor Kasberg, an der sich die Kasberger Linde befindet, ein einzelner freistehender Laubbaum auf einem mit "Gem.[einde]" bezeichneten Grundstück erkennbar.
1902 erwähnte der Baumfotograf Friedrich Stützer, dass: „vor etwa 50 Jahren noch zwei große Linden neben unserer Linde gestanden haben“ (also um 1850).[5] Im Widerspruch dazu steht ein älteres Dokument aus dem Jahr 1764. Im Allgemeinen Oekonomischen Forst-Magazin wurden nur zwei mächtige Linden erwähnt, die untere und die obere Linde. Die obere Linde wurde als völlig hohl beschrieben und sei schon zweimal ausgebrannt gewesen. Einige Jahre vorher soll sogar ein ziemlich großer Mann hindurchgeritten sein. Der Umfang dieser Linde wurde mit 45 Schuh (rund 13,5 Meter) und die Höhe mit 60 Schuh (18 Meter) angegeben. Diese Angaben decken sich mit den Maßen der heutigen Linde. Die untere Linde habe einige Schritte entfernt gestanden und von außen noch völlig gesund ausgesehen. Der Umfang wurde mit 28 Schuh (rund 8,4 Meter) und die Höhe mit 70 Schuh (21 Meter) angegeben. Diese Angaben aus verschiedenen Zeiten deuten darauf hin, dass im Lauf der Jahrhunderte auf dem historischen Gerichtsplatz verschiedene Linden als Alte Linde gegolten haben. Dem Deutschen Baumarchiv zufolge ist die untere Linde von 1764, die damals 8,4 Meter Umfang hatte, die heutige Kasberger Linde. [17] In der Chronik von Gräfenberg von 1850 heißt es: „Sie mag tausend Jahre alt sein, und durch ihre innere, auf drei Seiten geöffnete Höhlung kann man bequem auf einem Pferde hindurchreiten.“[18] Kasberger Einwohner tanzten früher an Festtagen öfters in der Linde, wobei sich sechs Tanzpaare ungehindert im Hohlraum der Linde drehen konnten.[19] Früher soll sich eine Holzplattform in der Krone befunden haben, auf der getanzt wurde.[4] Stützer zeigte 1900 in seinem Baumbuch Die größten, ältesten oder sonst merkwürdigen Bäume Bayerns in Wort und Bild eine Abbildung der Linde mit einem hohlen, geteilten Stamm, dessen unterer Kronenbereich noch vollständig vorhanden war. Er verwies auch auf eine von Pfarrer Adler 1850 veröffentlichte Chronik von Gräfenberg. Darin beschrieb der Pfarrer, dass man durch die auf drei Seiten geöffnete Höhlung der Linde bequem reiten konnte. [20]
Im Sommer 1913 wurde die Linde saniert, wobei der Bezirk Oberfranken und die Ortsgemeinde Kasberg die Kosten trugen. Dabei wurden die Äste der Linde abgestützt, der Hohlraum des Stammes behandelt und der Baum eingezäunt. Der Zustand der Linde verschlechterte sich dann immer mehr. Es fehlte an Geld, um eine kostspielige Sanierung durchzuführen. Nach einem 1970 gestarteten Spendenaufruf wurde der Baum 1976 durch den Baumpfleger Michael Maurer aus Röthenbach an der Pegnitz saniert. Die Kosten beliefen sich auf 28.000 DM.[1][19]
Koordinaten: 49° 39′ 53″ N, 11° 13′ 14″ O
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