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Die Kasachen (kasachisch Қазақ, Қазақтар Qazaq, Qazaqtar) sind ein Turkvolk mit rund 13 Millionen Angehörigen, hauptsächlich in Kasachstan, aber auch in der Mongolei (dort größte turksprachige Minderheit), Russland (1,3 Mio.) und in der Volksrepublik China (2,2 Mio.), Usbekistan, Iran (15.000), Afghanistan (45.000) und Türkei (30.000). Auf dem europäischen Kontinent gibt es in Deutschland die größte kasachische Minderheit (17.000). Ethnisch eng mit den Kasachen verwandt sind die Kirgisen, Karakalpaken und Usbeken. Die große Mehrheit aller Kasachen spricht Kasachisch.
Inhaltsverzeichnis |
Der Name „Qazaq“ (auch Kazak geschrieben) ist türkischen Ursprungs (vgl. Turkvölker#Die Welt der Nomaden - Türkische Stämme). Er wurde im 19. Jahrhundert von kasachischen Wissenschaftlern mit „Unabhängiger“ bzw. mit „Steppenreiter“ übersetzt.
Die Kasachen werden bis heute in drei „Jüz“ oder auch Horden („Jüz“ [kasachisch: 'Jüz' = Abteilung]) unterteilt: in die Kleine Horde (Kişi Jüz), die Mittlere Horde (Orta Jüz) und die Große Horde (Ulı Jüz).
Über die Entstehung dieser Schus ranken sich etliche Legenden:
Der kasachische Historiker Manash Kossibayev vertritt nun den Standpunkt, dass die Bildung der Schus - oder der Horden - die Formung der kasachischen Gesellschaft über mehrere Jahrhunderte darstelle. Die Schus, so Kossibayev, seien auf der Grundlage der natürlich-geographischen Faktoren begründet. Damit entsprechen sie bis heute der nomadischen Lebensweise und Traditionen, unter anderem der Sippen- und Stammesbeziehungen untereinander.
Die Schus sind also als Stammesbünde anzusehen, die ja auch die mongolischen Horden waren. Damit ist die Gleichsetzung von „Schus“ und „Horde“ als gerechtfertigt anzusehen.
Doch anders als die mongolischen Horden waren die Schus nicht nach dem Verwandtschafts-, sondern nach dem Territorialprinzip gebildet: Die drei Schus unterscheiden sich demnach nicht von ihrem Aufbau, sondern nach Dialekt und Geltungsgebiet.
Bemerkenswert an den kasachischen Schus ist die Tatsache, dass sich über ihre Grenzen hinaus noch zwei weitere Unterteilungen nachweisen lassen: die „Koscha“ (kasachisch: Koja, türkisch Hoca [deutsch Hodscha]) und die „Tore“ (kasachisch: Töre), die den mongolischen Erbadel unter den Kasachen bilden. Die Koscha galten als die Vertreter der Geistlichkeit (und als Nachfahren des Propheten Mohammded) und die Tore als die unmittelbaren Nachfahren des Dschingis Khan - nur Angehörige der Tore („Bewahrer“; vom alttürkischen Wort Törü [das althergebrachte, ungeschriebene Gesetz der zentralasiatischen Völker]) durften zum Khan gewählt werden.
Jeder Kasache muss bis heute die Geschichte seines Stammes und seiner Sippe bis in die siebte Generation vor ihm zurückverfolgen können - damit ist sichergestellt, dass die alten Stammes- und Sippentraditionen auf Dauer überleben.
Einst gehörte das Stammgebiet der Kasachen zum Herrschaftsgebiet Orda Khans, einem Enkel Dschingis Khans, und dessen Horde. Das eigentliche Volk der Kasachen entstand zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert, als die mongolide Oberschicht begann, in der turkvölkischen Vorbevölkerung aufzugehen. Ihre unmittelbaren Vorfahren sind unter anderem die Kimek und die Naimanen, wo noch einige Volksteile der alten Türgisch, Tschigil und der Jenissej-Kirgisen hinzu kamen.
Um 1400 wurde erstmals die Qazaq Orda, die „Kasachische Horde“, erwähnt. Diese waren Teil einer sich bildenden Stammesföderation, die sich später als „usbekisch“ titulieren sollte.
Die eigentlichen Kasachen formierten sich dann gegen 1456 als Abspaltung von dem gerade erst gegründeten Usbekenreich. Und zwar lösten sich die Janibek und Kerei, Söhne Boraq Khans († 1428, Weißen Horde) von Abu'I-Chairs Usbekenreich ab, da sie ungebunden bleiben wollten und begründeten ein eigenes Khanat.
Aufgrund der vielen Gemeinsamkeiten mit den benachbarten Kirgisen und Tataren wurden die Kasachen von den Europäern vielfach auch als Kasak-Kirgisen beziehungsweise als Kasak-Tataren bezeichnet - die eigentlichen Kirgisen führten den Namen „Kara-Kirgisen“.
Nach dem Zusammenbruch des Zarenreiches waren die Kasachen in der Alasch Orda vereinigt und nach dessen Zerschlagung gehörte sie der Turkestanischen SSR an. Dort waren sie im „Kasak-Kirgisischen Autonomen Gebiet“ zusammengefasst.
Vergleiche Geschichte Kasachstans
| Land | Anzahl der kasachischstämmigen Einwohner | Anteil an der Gesamtbevölkerung [%] |
|---|---|---|
| 1.000 | 0,03 | |
| 3.000 | 0,04 | |
| 1.000 | 0,07 | |
| 3.000 | 0,06 | |
| 9.550.000 | 62,7 | |
| 45.000 | 0,9 | |
| 3.000 | 0,09 | |
| 3.000 | 0,07 | |
| 1.310.000 | 0,9 | |
| 15.000 | 0,2 | |
| 120.000 | 2,4 | |
| 15.000 | 0,03 | |
| 2.500.000 | 9,4 |
| Land | Anzahl der kasachischstämmigen Einwohner | Bemerkung |
|---|---|---|
| 45.000 | sind in jüngerer Zeit eingewandert | |
| 2.200.000 | anerkannte Minderheit | |
| 17.000 | meist Angehörige von Kasachstandeutschen | |
| 15.000 | ||
| 15.000 | vorwiegend im Norden Irans angesiedelt | |
| 5.000 | ||
| 100.000 | größte turkstämmige Minderheit | |
| 3.000 | ||
| 1.000 | ||
| 30.000 | ab 1950 eingewandert | |
| 2.000 | ||
| 10.000 | ab 1930 eingewandert |
Die untenstehenden Prozentsätze geben an, wie viel Prozent der Bevölkerung Kasachstans aus ethnischen Kasachen besteht.[4] [5] [6]
| 1897 % | 1911 % | 1926 % | 1939 % | 1959 % | 1970 % | 1979 % | 1989 % | 1999 % | 2006 % |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 73,9 | 60,8 | 59,5 | 38,0 | 30,0 | 32,6 | 36,0 | 39,7 | 53,4 | 59.2 |
Die Kasachen sind überwiegend sunnitische Muslime.
Die Einflussnahme der islamischen Religion erreichte die Kasachen im 8. Jahrhundert, nachdem die Araber nach Zentralasien kamen, wobei sich der Islam von Turkmenistan aus nach Norden ausbreitete und schließlich das heutige Kasachstan erreichte.[7] Ebenso bewegte die Missionsarbeit der Samaniden zahlreiche Kasachen zur Konversion.
Im 14. Jahrhundert verbreitete die Goldene Horde den Islam im großen Umfang und erreichte so die Mehrzahl der Kasachen sowie andere zentralasiatische Völker.
Endgültig angenommen wurde der Islam erst im 19. Jahrhundert, als Kasan-Tataren bei ihnen erschienen, die als Händler und Dolmetscher der russischen Zaren tätig waren. Anzumerken ist aber auch, dass der Sufismus sowie die zahlreichen schamanischen Praktiken in der kasachischen Kultur weiterhin verankert blieben.
Während der Zeit der Sowjetunion hatten es die kasachisch-islamischen Verbände - ebenso wie andere religiöse Institutionen - ziemlich schwer und überlebten nur in den Gebieten, wo die Kasachen zahlenmäßig dominierten. Damit wurde bewirkt, dass zahlreiche Kasachen sich vom Islam abgewandt haben.
Das Interesse der Kasachen am Islam stieg erst nach dem Zerfall der Sowjetunion in den 1990er Jahren. So finanzierten die Regierungen islamischer Länder (Türkei, Ägypten, Saudi-Arabien u. a.) den Bau von Moscheen und Kulturzentren in Kasachstan. Das bekannteste Kulturzentrum trägt den Namen Nur-Mubarak und wurde 2001 in Almaty erbaut.
Siehe auch: Islam in Russland
Die große Mehrheit der Kasachen spricht Kasachisch. Kasachisch ist eine von den Turksprachen und weist somit zahlreiche Gemeinsamkeiten mit z. B. Türkisch, Kirgisisch, Usbekisch, Turkmenisch oder Aserbaidschanisch auf.
Das Kasachische verwendete seit dem 19. Jahrhundert die Arabische Schrift. Die russische Minderheit im Land gründete säkulare Schulen mit kyrillischem Alphabet und die Kasachen religiöse mit arabischen Alphabet.
1927 wurde in der Sowjetunion die arabische Schrift durch Latinisierung der kasachischen Sprache durch ein Lateinalphabet ersetzt. Dieses wurde aber 1940 wiederum durch ein modifiziertes Kyrillische ersetzt, als in Kasachstan ein obligatorischer Russischunterricht eingeführt wurde.
1990 wurde von der kasachischen Regierung beschlossen, die Sprache des Landes erneut auf ein lateinisches Alphabet umzustellen und ein entsprechendes Musteralphabet wurde bis 1995 auch entworfen. Die endgültige Einführung des Lateinalphabetes wurde jedoch bis heute nicht durchgeführt. Lediglich die Webpages der kasachischen Nachrichtenagentur wurde auf eine lateinische Variante umgestellt. In Kasachstan selbst herrscht bis aufs weitere das Kyrillische vor.
In den kasachischen Siedlungsgebieten der Mongolei wurde das arabische Alphabet noch in den 1940er Jahren von den dortigen Kasachen übernommen. Auch in den chinesischen Siedlungsgebieten wurde kurzfristig 1950 bis 1970 das aktuelle kasachische Kyrillalphabet übernommen. Doch in den 1970er Jahren wurde für die Minderheiten Chinas die Latinisierung beschlossen und deswegen ein Lateinalphabet eingeführt. Seit der Rückgängigmachung der Latinisierung durch die chinesische Regierung wurde in China für die Kasachen wieder ein modifiziertes arabisches Alphabet eingeführt.
1936/37 wurde in der UdSSR die Volksbezeichnung Kasach üblich, um von den slawischstämmigen „Kosaken“ (russisch kasak gesprochen) unterscheiden zu können.
Die Kosaken entstanden im Gebiet der Nogaier-Horde und nahm viele Elemente dieser „Tataren“ in sich auf: „Kosak“ ist eine turko-mongolische Bezeichnung, die Eingang in die russische Sprache fand. Auch ist anzunehmen, dass eine Vielzahl echter Kasachen in den Kosaken aufgingen, bevor diese dann endgültig den Islam annahmen und so in religiösen Gegensatz zu den christlichen Slawen traten.
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