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Karakulschaf

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Karakullamm schwarz
Karakullamm weiß

Das Karakul ist eine Steppenschafrasse, die ursprünglich in Usbekistan beheimatet war. Neben Russland und Afghanistan ist heute auch Namibia eines der Hauptzuchtländer dieser Schafe.

Genutzt wird vor allem das Fleisch, das Fell vor allem des jungen Lamms (Persianer), die Wolle und bei Arabern und Juden das Schwanzfett. Der Geschmack des Fleisches wird als wildähnlich und sehr fettarm beschrieben.[1]

Inhaltsverzeichnis

Allgemeine Kennzeichen

Das Karakulschaf ist ein schlankes Steppenschaf mittlerer Größe. Es kommen mehrere Farbschläge vor, am häufigsten Schwarz; graue und braune Tiere sind relativ selten. Die Beine sind vom Vorderknie bzw. dem Tarsalgelenk abwärts schwarz. Die Lämmer kommen schwarz, grau, braun oder goldfarben zur Welt. Der Kopf ist länglich, schmal und etwas ramsnasig mit zumeist breiten, langen Hängeohren. Die Böcke sind gehörnt, die weiblichen Tiere sind hornlos oder mit Hornstummeln. Das Gewicht der Böcke beträgt 60 bis 70 kg, der Muttertiere 40 bis 50 kg.

Die langlebige Rasse ist anspruchslos und widerstandsfähig, gut an die Gegebenheiten trockener Steppen- und Halbwüstengebiete angepasst und deshalb weniger für Gegenden mit feuchtem Klima geeignet. Die Wollqualität ist mäßig (nach der Standardnorm bei D und E bis EE). Der Wollertrag eines Muttertieres beträgt 2,5 bis 3 kg, vom männlichen Tier etwa 4 kg Schweißwolle. In der Regel wirft das Muttertier pro Saison nur ein Lamm.[1]

Geschichte

Fettschwanzschafe speichern in ihrem langen und breiten Schwanz Fettreserven bis zu einem Gewicht von 10 kg. Damit sind sie in der Lage, in den Trockengebieten Asiens, ihrer Urheimat, die häufigen Dürreperioden zu überstehen.

Die ursprüngliche Heimat ist vermutlich Arabien. Die Rasse, deren Jugendkleid mehr oder weniger ausgeprägte Locken aufweist, wird, wie archäologische Funde zeigen, mindestens schon seit 4.600 Jahren gezüchtet, etwa seit 2650 v. Chr. Statuen aus der Hethiterzeit zeigen Könige mit Kopfbedeckungen, die auf Persianer hindeuten. Vor 3000 v. Chr. wurden keine Abbildungen von Fettschwanzschafen gefunden. Das könnte darauf hinweisen, dass sich diese Rasse erst später gebildet hat. In den Steppen und Halbsteppen Klein- und Vorderasiens wechseln Zeiten des Überflusses mit Hungerperioden. Die Schafe, die ein Fettdepot angelegt hatten, hatten bessere Überlebenschancen (Fettschwanz). Hinzu kam später die künstliche Zuchtwahl. Die Schafzüchter fanden in dem butterähnlichen Fett des Fettschwanzes ein wohlschmeckendes Nahrungsmittel und züchteten vor allem Tiere, die das Fettdepot am besten entwickelt hatten.

Die ersten Fettschwanzschafe dürften um 2000 v. Chr. nach Syrien-Israel gekommen sein und wurden bald danach in Ägypten eingeführt. Erst im 8. Jahrhundert n. Chr. gelangten diese Schafe mit arabischen Hirtenvölkern nach Usbekistan, wo in den Emiraten Buchara und Chiwa die Zucht aufgebaut wurde.

1835 erwähnt der Engländer Alexander Burnes erstmals den Ort Karakul: „...die Karawanen sammeln sich... sie waren mit kostbaren Fellen aus dem kleinen Bezirk von Karakool beladen, wo wir fast einen Monat mit Torkmanen und Schäfern verbracht hatten, die von nichts als Vliesen und Märkten sprechen...“. Es spricht einiges dafür, dass die Schafe nach diesem Ort (im Norden von Buchara) dann Karakulschafe genannt wurden. Eine andere Auslegung sagt, dass es ursprünglich von assyrisch „kara-gjull“ bzw. türkisch „kara gül“, übersetzt „Schwarze Rose“ stammt. Eine weiter verbreitete Deutung ist die Herkunft aus „kara kul“, bzw. türkisch „kara göl“ für „schwarzer See“ (das Haarbild des Lamms beschreibend, „Wellen“ und „Spiegel“).

Der Name „Persianer“ für das gelockte Lammfell ist kein Ursprungsbegriff, er dürfte auf die persischen Händler hinweisen, über die die Felle auf den Weltmarkt gelangten. Seit etwa 1.000 Jahren weiß man, das Lockenschafe hauptsächlich in den Emiraten Buchara und Chiwa gezüchtet werden, die 1917 in die Sowjetunion eingegliedert wurden.

Um 1850 setzte dann die Nachfrage der Neuzeit nach den Lammfellen mit der einzigartigen Lockenzeichnung ein (damals als „Astrachan“, nach dem ursprünglichen Haupthandelsplatz, bezeichnet, heute als „Persianer“ oder „Karakul“ im Handel).

1962 betrug der Anteil von Persianer an der Pelzfell-Weltproduktion fast 20 Prozent (Nerz 70 Prozent).[2]

Deutschland und Österreich

Die Karakulzucht wurde jahrhundertelang nur in Zentralasien, hauptsächlich in Buchara und Chiwa, betrieben. Die Stammesgemeinschaften hüteten die Zucht als Familiengeheimnis und verbreiteten bewusst die Ansicht, dass die Qualität der Lockenbildung von den örtlichen Gegebenheiten abhinge.

1904 brachten Leopold Adametz und sein Mitarbeiter Dr. Duré erstmals reinrassige Karakulschafe aus dem Emirat Buchara nach Österreich. Nach 1920 entstanden in Österreich neue Herden, die meisten wurden jedoch durch den 2. Weltkrieg vernichtet. 1963 bestanden Zuchten im Flachland um Wien und in den Alpen, insgesamt wurden 30 Herden mit insgesamt 3000 Tieren angegeben, vornehmlich mit grauem Fell.

Von Julius Kühn wurden im Jahr 1903 erstmals reinrassige Karakulschafe nach Halle importiert. Der Rauchwarenveredler und -händler Thorer aus Leipzig veranlasste 1907 den ersten Transport reinrassiger Tiere in die damalige deutsche Kolonie Südwest-Afrika (heute Namibia), aus der sich dann die bedeutende dortige Karakulzucht entwickelte (Swakara). Der Erfolg der Zuchtversuche in Halle ermutigte von Lindequist, Gouverneur Deutsch-Südwestafrikas, die Einfuhr zu fördern, da die Wollschafzucht schlechter vorankam als erwartet. Aus einem für Österreich bestimmten Transport von Karakulschafen aus Buchara erwarb er zehn Mutterschafe sowie zwei bereits in Groß-Enzersberg gezüchtete Karakulrammen zur Ansiedlung für dieses aride Land geeigneten Tieren. 1924 kamen dann die ersten Felle von Leipzig aus auf den Weltmarkt.[3]

Seit der Einfuhr der Karakuls von 1903 bis 1913 und 1928 hat es Zuchten in Deutschland gegeben, die jedoch für die Pelzwirtschaft keine größere Bedeutung erlangten. Sie gehen ausschließlich auf die damaligen Importe aus Buchara zurück. Zum Einkreuzen wurden das Ostfriesische Milchschaf, das Rhön-, Leine- und Rauwollige Landschaf sowie die Heidschnucke verwendet.[2]

1976 berichtet eine Rauchwaren-Fachzeitschrift, dass Armin Götz, Frankfurt/Main die letzten zwölf weiblichen Tiere und einen Bock aus Halle (damals DDR) erworben habe um damit in Süddeutschland (BRD) den Bestand durch Aufzucht weiter wachsen zu lassen.[4] Der derzeitige Bestand in Deutschland wird auf etwa 100 Tiere geschätzt. Das Karakulschaf steht in der Kategorie „Rassen aus anderen Ländern“ laut der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen.[1]

Russisches Karakul

Russland ist das Ursprungs- und Hauptproduktionsgebiet des Persianers. Von hier kommen die Lammfelle mit der typischen kleinen Locke, deren schönste Felle eine röhrenförmige Lockenbildung mit schöner Zeichnung aufweisen. Die Zuchtgebiete liegen vor allem in Zentralasien: in Usbekistan (Buchara), Turkmenistan, Kasachstan, in Teilen von Tadschikistan, aber auch in Europa: in der Ukraine und in Moldawien. Um 1974 kamen 96 Prozent der damaligen Produktion aus den drei erstgenannten Gebieten, der Bestand von reinrassigen Tieren betrug zu der Zeit über 14 Millionen, die größte Kollektivfarm "Leninchy Charvodar" in Usbekistan hatte allein über 100.000 Tiere. 1974 kamen 8.300.000 Persianerfelle in den Welthandel (einschließlich UdSSR).

Traditionell ziehen die Hirten mit ihren Herden ständig umher und suchen bestimmte Weidegründe auf. Gräser und Kräuter bilden die Hauptnahrung der Schafe im Frühjahr und Sommer, Laub und Zweige im Herbst und Winter. Inzwischen wird neben dem Herdenumtrieb auch die Stallhaltung praktiziert.

An Fellfarben werden unterschieden:

Die Felle der russischen Persianer kommen als BUKHARA®-Karakul in den Handel.

Afghanisches Karakul

Bis zum ersten Weltkrieg war die Karakalschafzucht in Afghanistan nur schwach entwickelt (700.000 bis 750.000 Schafe, Ausfuhr 300.000 Felle). Nach 1919 flüchteten der Emir von Buchara und seine Beis aus der damaligen Sowjetunion nach Afghanistan, zusammen mit ihren Karakulschafen (vor allem aus Buchara und Chiwa), die sich zu Herden von mehreren Millionen Tieren entwickelten.[2]

Im Gegensatz zu Russland diente die afghanische Schafzucht zuerst der Fleischgewinnung und nur sekundär der Pelzgewinnung. 1968 gab die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO), Rom den afghanischen Karakulschafbestand mit 5,5 Millionen an, wovon rund 1,8 Millionen Felle auf den Markt kamen (im Vergleich: Südwestafrika, heute Namibia etwa 5,5 Millionen Felle bei einem Bestand von 6,5 Millionen Tieren). Die Karakulschafzucht war für Afghanistan von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Der Export von Fellen (Farben grau (70 Prozent, inkl. der beigegrauen Farbe guligaz), Sur (natur goldbraun)) sowie Wolle stellten die wichtigste Einnahmequelle des Landes dar. Durch den Modewandel, vor allem auch durch die jahrelangen kriegerischen Unruhen, war der Fellexport praktisch zum Erliegen gekommen; 2007 berichtet Kopenhagen Fur nach der Dezemberauktion wieder von einem „großen Angebot“.[5]

Die Zucht ist vor allem verbreitet in den Provinzen Anhoi, Masar-i-Scherif, Maimene, Schiberghan, Achtscha, Taschkurghan, Kundus und Herat.

Die Art und Größe der Locken entspricht etwa der des turkmenischen Karakullamms (russische Karakulrasse), doch sind die Locken öfter unregelmäßig und von kleinen Haarspitzen bedeckt oder überwachsen, wodurch die Wirkung des Glanzes beeinträchtigt wird. Die Locken laufen meist weniger in die Bauchpartie hinein als bei den Turkmenen. Etwa 90 % der Felle sind schönfarbig grau.[5]

1969 hatte man mit Erfolg begonnen, in die herkömmlichen Karakuls die Rasse Arrabic einzukreuzen. Vier Jahre später kreuzte man deshalb weiter mit Hazaguri-Böcken, die in den großen Höhen des Hindukusch und Pamir weiden und deshalb widerstandsfähiger sind, beides ebenfalls Fettsteißschafe mit grauem Fell.[5]

Aus den Lammfellen wird unter anderem die Karakulmütze für den asiatischen Markt gefertigt.

Südwestafrikanisches Karakul

In Namibia ist die Karakulzucht und -haltung ein wichtiger Zweig der Landwirtschaft, sie hat ihren Ursprung in der deutschen Kolonialzeit. Im Frühjahr 1903 veranlasste Prof. Julius Kühn, Leiter des Tierzucht-Institutes Halle/Saale zusammen mit dem deutschen Pelz-Großhändler, -Zurichter und -Veredler Paul Thorer die Einfuhr von vier Böcken und 28 Muttertieren aus der Bucharei/Zentralasien nach Deutschland, um hier eine Ansiedlung zu versuchen. Am 24. September 1907 trafen die ersten Zuchttiere in Swakopmund ein. Sie akklimatierten sich außerordentlich gut und schnell und der Aufbau der Zucht auf verschiedenen Privatfarmen ging zügig voran. Und so wurden dank der guten Beziehungen des deutschen Kaisers zum russischen Zaren nach und nach 820 Karakuls aus Usbekistan nach Deutsch-Südwestafrika nachgeliefert. Sie bildeten den Grundstock der südwestafrikanischen Karakulzucht, obwohl es noch 25 Jahre dauern sollte, bis sich die hier gezüchtete Schafsrasse Swakara (= Südwestafrikanisches Karakul) durchsetzte und – noch wichtiger – sich die schwarzen, feingelockten Swakara-Fellchen am Weltmarkt in Konkurrenz zu den etablierten Persianer-Fellen aus Buchara behaupten konnten.

Die guten Absatzchancen veranlassten viele Farmer in Südwest-Afrika zur Umstellung auf die Karakul-Schafhaltung. 1969 erreichte die namibische Produktion mit 3,5 Millionen = 40 Prozent der Weltproduktion ihren Höhepunkt; die Zahl der Farmen mit Karakulschafzucht wurde mit etwa 2.500 angegeben. Laut „Jury Fränkel's Rauchwarenhandbuch 1988/89“ lag der Anfall an Fellen in einigen Jahren sogar über 5 Millionen Stück, 1986 nur noch bei knapp einer Million.[3]

Der Modewechsel hin zum Nerzpelz, etwa um 1970, und später ein allgemeiner Rückgang der Nachfrage nach Pelzen führte 1991 zeitweilig zum Zusammenbruch der Karakulzucht in Namibia. Es gelang zwar, nicht zuletzt auch mit deutscher Entwicklungshilfe, neben der Fellproduktion auch die Fleisch- und Wollproduktion auszubauen und damit die Stammherden für Zuchtzwecke zu erhalten; dennoch hat die Produktion der seit 1966 Swakara® genannten Persianerfelle (anfangs SWAPL (South West Afrikan Persian Lamb), zwischenzeitlich S.W.A.-Persianer)[6] zumindest mengenmäßig noch nicht an die Erfolge der 1960er Jahre anknüpfen können. 2005/2006 erzielten Swakara-Persianer jedoch infolge der Renaissance des Pelzes allgemein, der verstärkten Nachfrage nach diesem Artikel und nicht zuletzt wegen der so stark zurückgegangenen Produktion neue Höchstpreise auf den Auktionen in Kopenhagen, derzeitige Auktionsgesellschaft (2006) „Kopenhagen Fur“. Durch die mit dem Rückgang der Herden einhergegangene Zuchtauslese hat sich die Qualität der Felle inzwischen noch einmal erheblich verbessert, die erste Anpassung an die Marktnachfrage war die Zucht des moirierten Felltyps gegenüber dem russischen Persianer mit der Röhrenlocke.

Sonstige Zuchtgebiete

Durch die im 20. Jahrhundert hohen Preise für Persianerfelle motiviert, versuchte man in vielen Ländern Karakulschafe zu züchten oder in einheimische Schafrassen einzukreuzen. Nachdem zum Ende des Jahrhunderts sich die Mode anderen Fellarten zugewandt hatte, war die Zucht für Pelzzwecke uninteressant geworden. Etwa nach 2000 ist der Fellpreis wieder erheblich angestiegen, von einer Wiederbelebung der Karakulzucht zu Pelzzwecken ist in diesen, neu hinzugekommenen Ländern (außer Namibia) nichts bekannt.


Französisch-Westafrika: 1958 wurden von hier 1648 Felle auf einer Londoner Auktion angeboten.

Breitschwanz

Sur Breitschwanz (Ärmel)

Als Persianer-Breitschwanz wird das Fell der Frühgeburt oder Totgeburt des russischen Karakulschafs (Handelsbezeichnung "Bukhara®"-Breitschwanz) bezeichnet. Das Karakul ist zwar ein Fettschwanz- oder Breitschwanzschaf, wieso der Name Breitschwanz als Allgemeinbezeichnung für das Fell verwendet wird ist unklar. Erstmals taucht er gegen Ende des 19. Jahrhunderts in den Prospekten großer internationaler Rauchwarenfirmen auf.[7] Breitschwanz-Persianer dagegen ist das Fell des normal geborenen Lamms aus Namibia (Handelsbezeichnung "Swakara®").

Zwischen Tierschützern und Züchtern umstritten ist die Frage, in welchem Umfang diese Frühgeburten durch die widrigen Lebensumstände bedingt oder durch äußere Einwirkungen auf die Muttertiere provoziert werden. So äußert der Deutsche Tierschutzbund: "Der Breitschwanz stammt von zu früh geborenen Lämmern. Aufgrund der extremen Witterungsbedingungen treten in Russland und in Afghanistan zwar u.a. vermehrt Frühgeburten auf, es gibt aber leider auch massive Hinweise darauf, dass Frühgeburten künstlich ausgelöst oder hochtragenden Schafen die Bäuche aufgeschnitten werden und den Muttertieren das Junge entrissen wird, um an die begehrten Felle zu kommen. Das Muttertier verendet dabei elendig." [8]

Auch die Stiftung für das Tier im Recht kritisiert die Umstände der Pelzerzeugung: "Für Persianer werden nur Felle zwei bis fünf Tage alter Jungtiere verwendet, für "Swakara-Softpersianer" sogar lediglich die Pelze von Lämmern, die bereits am ersten Lebenstag getötet werden. Je nach lokalen Gegebenheiten werden dafür insgesamt siebzig bis achtzig Prozent der Jungtiere geschlachtet. Breitschwanzfelle stammen dagegen von rund zwanzig bis dreißig Tage zu früh bzw. tot geborenen Lämmern, wobei die Frühgeburt durch extreme Witterungsbedingungen verursacht oder künstlich ausgelöst wird. Bei hoch trächtigen Schafen wird ein Abort in der Regel provoziert, indem man sie in eisiges Wasser setzt oder festbindet und misshandelt. Beispielsweise in Afghanistan werden aber auch ungeborene Karakullämmer aus dem Mutterleib geschnitten und bei lebendigem Leib gehäutet, wofür man den Tieren häufig an der Vorderpfote eine Kanüle anbringt, durch die Luft geblasen wird, um das Fell vom Fleisch zu lösen." [9]

Bereits vor dem 1. Weltkrieg brachte der Turkestaner Courir einen Artikel von A. Lesnewski mit einer sehr emotionalen Schilderung über die „Barbarei“ der Breitschwanzgewinnung, der anschließend auch von Zeitschriften der Großstädte übernommen wurde. In einem Aufsatz der Tierbörse nahm Mir-Chidor Chodsche, Sachverständiger aus dem Karakulhaltungsgebiet Buchara, Uzbekistan (damalige UdSSR) detailliert dazu Stellung, er bezeichnete den Bericht als ein „sehr phrasenhaftes, legendenhaftes Märchen, welches ich in den Jahren meiner Kindheit, Anfang der 1870er Jahre in Orenburg bereits gehört habe.“ - Mitglieder der Pelzbranche betrachten diese seitdem immer wiederkehrenden Behauptungen als widerlegt.[7]

Quellen

  1. a b c http://www.g-e-h.de/geh-raku/schafe/schakarakul.htm Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH)
  2. a b c d Wolf Eberhard Trauer: Karakulschafe in aller Welt, in Das Pelzgewerbe, Jahrgang XVI, Neue Folge, 1965 Nr. 2, S. 59-66
  3. a b Franke/Kroll: Jury Fränkel’s Rauchwaren-Handbuch 1988/89. Rifra-Verlag
  4. Winckelmann Pelzmarkt, nach einer Mitteilung von Erwin Götz: Letzte Karakul-Zuchttiere aus Halle kommen in die Bundesrepublik, Winckelmann Verlag, Frankfurt/Main, Ausgabe 354, 17. September 1976, S. 4
  5. a b c W. L.: Afghan Karakul wieder unter der Leitung von Abdul Ghafour Redja, Winckelmann Pelzmarkt, Frankfurt/Main, Ausgabe 272, 14. Februar 1975
  6. Karakul Board (Hsgbr.): swakara®. Karakul - Gift from the Arid Land - Namibia 1907-2007, S. 164-165
  7. a b Dr. H. E. Matter, Dr. Paul Schöps, Richard Maria Franke: Breitschwanz-Karakul - Legende und Wirklichkeit, Rifra- Verlag Murrhardt, 1973, S. 13, 15-16
  8. Stellungnahme des Deutschen Tierschutzbundes, S. 15
  9. Stiftung für das Tier im Recht

Literatur

Weblinks

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