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Vineta, auf verschiedenen Landkarten sowie im Polnischen auch Wineta, vermutlich identisch mit Jumme oder Iumme, ist der Name einer sagenhaften Stadt an der südlichen Ostseeküste.
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Der Sage nach ist Vineta bei einem Sturmhochwasser untergegangen. Grund sei der moralische Verfall der Stadt, der „Hochmut und die Verschwendung der Bewohner“ gewesen. Dabei gab es eine Warnung: Drei Monate, drei Wochen und drei Tage vor dem Untergang der Stadt erschien sie über dem Meer mit allen Häusern, Türmen und Mauern als farbiges Lichtgebilde. Die Ältesten rieten allen Leuten daraufhin, die Stadt zu verlassen, denn sehe man Städte, Schiffe oder Menschen doppelt, so bedeute das immer den Untergang. Doch die Bewohner Vinetas kümmerten sich in ihrem Mangel an Demut nicht darum. Niemand beachtete auch die allerletzte Warnung: Einige Wochen später tauchte eine Wasserfrau dicht vor der Stadt aus dem Meer und rief dreimal mit hoher, schauerlicher Stimme:
Noch heute sollen Glocken aus den Tiefen des Meeres zu hören sein.
Sofern mit Vineta tatsächlich nur ein Ort gemeint ist, beziehen sich möglicherweise folgende historische Quellen darauf:
Es gibt vier Hypothesen für die Lage der versunkenen Stadt:
Vineta soll eine Handelsstadt der westslawischen Wenden gewesen sein.
Vineta ist der Sage nach vor Koserow (Insel Usedom) versunken. Der Historiker W. F. Gadebusch aus Swinemünde leitete hieraus und aus weiteren Betrachtungen seine These für die Koordinaten Vinetas ab. Gadebusch vertrat die Auffassung, dass eine relativ ostseeferne Stadt Vineta (bei Wollin) an der flachen Dievenow – einem Mündungsarm der Oder – gelegen, für größere Schiffe nicht anzusteuern gewesen wäre. Er suchte aus diesem Grunde Vineta an anderer Stelle.
Der Historiker David Chyträus siedelt im 16. Jahrhundert in seiner Chronicon Saxoniae Vineta „jenseits des Peeneflusses beim Dorfe Damerow“ an. Damerow ist ein Vorwerk von Koserow. Für Chrytaeus war das Land der Vineter (Veneter) Usedom, während Julin auf Wollin von den Pomoranen bewohnt war.
Ein gutes Dutzend Landkarten zwischen 1633 und 1700 verzeichnet das versunkene „Wineta“ östlich nahe der Insel Ruden vor der Peenemündung. Der Theologe Bernhard Walther Marperger beschreibt sie um 1700 an derselben Stelle. Die Anzahl der Karten ist allerdings ohne Beweiskraft, da damals Karten großenteils voneinander abgezeichnet wurden. Der Ursprung dieser Vorstellung dürfte in der Allerheiligenflut von 1304 liegen, der der größte Teil des Rudens und der damals bestehenden Verbindung nach Mönchgut auf Rügen zum Opfer fiel. Inzwischen ist bekannt, dass der Nordwesten Usedoms nie slawisch besiedelt war, sodass diese Theorie heute keine Bedeutung mehr hat.
Sie ist vielleicht mit der Jomsburg in der Zeit von Harald Blauzahn und Sven Gabelbart identisch. Der Ort wurde reich durch den Handel, vor allem mit dem in dieser Gegend vorkommenden Bernstein. Um 970 berichtete der Gesandte des Kalifats Córdoba, Ibrahim ibn Jaqub, dass in Pommern eine große Hafenstadt „mit zwölf Toren“ liege, deren Streitmacht „allen Völkern des Nordens überlegen“ sei. Adam von Bremen schildert sie im 11. Jahrhundert als eine der größten und reichsten Städte Europas, er nannte die Stadt Jumme. Es sei „die größte Stadt, die Europa birgt“, sie biete „für Barbaren und Griechen in weitem Umkreis einen viel besuchten Treffpunkt“.
Vineta soll möglicherweise 1159 bei der Christianisierung der Wenden von einer dänischen Flotte zerstört worden sein.
Für Rudolf Virchow (geb. 1821 in Schivelbein, Pommern, Pathologe, Politiker, Begründer der Zellularpathologie und Mitbegründer der modernen Anthropologie und Ethnologie) war Wollin vor tausend Jahren eine reiche und mächtige Stadt mit bis zu zehntausend Einwohnern. Virchow war überzeugt: „Vineta ist Wollin!“. Ausgrabungen deutscher und polnischer Archäologen seit den 1930er Jahren in der Stadt Wollin und daran anknüpfende polnische Grabungen seit den 1950er Jahren scheinen diese These zu stützen. Sie bewiesen, dass sich in der Nähe der heutigen Stadt Wollin vom 10. bis zum 12. Jahrhundert ein bedeutender Seehandelsplatz mit einer entsprechend großen Siedlung befunden hat.
Nach einer neueren These lag Vineta bei Barth (Goldmann und Wermusch). Hiernach ist die Peene früher nicht ins Stettiner Haff geflossen. Ein Mündungsarm der Oder soll vielmehr über Anklam und Demmin nach Barth geflossen sein. Dieser heute nicht mehr existierende Mündungsarm könnte von der unteren Oder über das Welsebruch, die Niederung der Uecker und der Randow, die Friedländer Große Wiese, durch das Tal des Großen Landgrabens und der Tollense, an Friedland und Demmin vorbei (Demmin war Hansestadt, könnte also neben der Peene an einem weiteren schiffbaren Fluss gelegen haben), durch die Niederung des Trebelkanals und der Recknitz geflossen sein. Eine grobe Betrachtung der Höhenverhältnisse stützen diese Hypothese, nach der sich jetzt Barth als „Vinetastadt“ ansieht. Allerdings konnten noch keinerlei archäologische Nachweise erbracht werden. Auch die als Beleg herangeführten chronikalischen Nachrichten des 16. und 17. Jahrhunderts können nicht unbedingt als authentisch angesehen werden.
Somit ist die Frage, ob es Vineta überhaupt gegeben und wenn ja, wo es gelegen hat, weiter offen und lässt Raum für künftige Untersuchungen und Hypothesen.