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Joseph II. (HRR)

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Portrait des Kaisers Joseph II.

Joseph II. (ungarisch II. József, kroatisch Josip II.), Benedikt August Johann Anton Michael Adam (* 13. März 1741 in Wien; † 20. Februar 1790 ebenda), Erzherzog von Österreich aus dem Geschlecht Habsburg-Lothringen, wurde 1764 römisch-deutscher König, war von 1765 bis 1790 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, ab 1780 auch König von Ungarn und Böhmen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

[Bearbeiten] Herkunft

Portrait des Kaisers Joseph II.
Großes Wappen des Kaisers Joseph II.

Der spätere Kaiser Joseph II. erblickte am 13. März 1741 als erster Sohn und viertes Kind von Maria Theresia und ihrem Gemahl Franz Stephan von Lothringen in Wien das Licht der Welt.

Im Wiener Diarium, der amtlichen Zeitung der Hauptstadt, hieß es dazu: "Heute in der fruhe zwischen 2 und 3 Uhr seynd Ihre Majestät die Königin zu Hungern und Böheim, Erz-Hertzogin zu Österreich, unsere Allergnädigste Landes-Fürstin und Frau eines schön- und wolgestalteten Ertz-Herzogen zu unaussprechlicher Freude Allerhöchster Herrschaften wie auch zum höchsten Trost alhiesiger Inwohner und gesammter Königl. Erb-Königreichen und Landen glüklichst entbunden worden; von welcher glüklichen Entbindung alsogleich der Ruf mithin ein immerwährendes Jubel-Geschrey durch alle Gassen noch bey eitler Nacht erschollen. Von dieser glücklichen Entbindung seynd auch die Nachrichten mittels Abfertigung einiger Kammer-Herren, Truhsessen und respektive Expresso an unterschiedliche auswärtige Höfe abgefertigt worden." [1]

Noch am Abend der Geburt fand die Taufzeremonie statt. Als Taufpaten fungierten Papst Benedikt XIV., vertreten durch den Fürsterzbischof von Wien, Kardinal Sigismund von Kollonitz, sowie König August III. von Polen, welcher durch den Prinzen und späteren Reichsfeldmarschall Joseph Friedrich von Sachsen-Hildburghausen vertreten wurde. Getauft wurde das Kind schließlich auf die Namen Josephus Benedictus Augustus Joannes Antonius Michael Adamus - der zweite und der dritte Vorname freilich zu Ehren der beiden Taufpaten. [2]


Maria Isabella von Bourbon-Parma, Erzherzogin von Österreich

[Bearbeiten] Heirat und Nachkommen

Joseph heiratete am 6. Oktober 1760 in Wien die Prinzessin Isabella von Bourbon-Parma (1741-1763), Tochter des Herzogs Philipp von Parma, Piacenza, Guastalla und dessen Gattin Prinzessin Louise Elisabeth von Frankreich a.d.H. Bourbon. Der auch für heutige Verhältnisse etwas unkonventionell geführten Ehe entsprangen zwei Kinder, die aber bereits früh verstarben.

In zweiter Ehe heiratete er am 23. Jänner 1765 in Wien-Schönbrunn seine Cousine 2. Grades Prinzessin Maria Josepha von Bayern (1739-1767), Tochter des Kurfürsten Karl Albrecht und dessen Gattin Erzherzogin Maria Amalie von Österreich. Die von Joseph vernachlässigte Ehe blieb kinderlos.

Maria Josepha von Bayern, zweite Ehefrau von Joseph II.

[Bearbeiten] Joseph II. als römisch-deutscher Kaiser

Am 27. März 1764 wurde er in Frankfurt am Main zum römisch-deutschen König gewählt und am 3. April 1764 ebenda als solcher gekrönt. Sein Wahlspruch wurde: Virtute et exemplo (Mit Tugend und Beispiel)

Karkasse des Erzherzogshutes Josephs II.

Joseph wurde 1765 nach dem Tod seines Vaters Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und offizieller Mitregent in den erzherzöglichen Ländern, ohne allerdings viel regieren zu können. Das erhebliche finanzielle Erbe des Vaters verwendete er zu großen Teilen für die Sanierung des Staatshaushaltes. Die Position des römisch-deutschen Kaisers war bereits zu dieser Zeit rein dekorativ, und seine Mutter Maria Theresia überwachte in ihrer Besorgnis um sein unbedachtes Wesen seine Handlungen und Entscheidungen.

In vielen Fragen hatte Joseph andere, zum Teil auch konträre Meinungen zu seiner Mutter Maria Theresia, die bei ihren eigenen Reformen geistig und emotional noch im Zeitalter der Gegenreformation lebte, während Joseph bereits ein Anhänger aufklärerischer Ideen war. Nach ihrem Tod 1780 versuchte er diese Ideen politisch umzusetzen, dies allerdings auf überhastete oder undiplomatische Art, so dass viele davon durch Verzögerungen oder Widerstand letztlich unwirksam blieben.

Als er 1790 an Tuberkulose verstarb, erhielt sein jüngerer Bruder Leopold II. die Kaiserwürde. Nur wenige trauerten um ihn: "Aus der Fackel seines Geistes ist... ein Funke gefallen, der nie mehr erlöschen wird“.

[Bearbeiten] Der aufgeklärte Absolutismus und Josephs Reformen

Er gilt als Exponent des aufgeklärten Absolutismus. Für ihn war das Herrschertum ein Amt, ein Dienst am Staat als übergeordnetem Ganzen. „Alles für das Volk, aber nichts durch das Volk“ war sein angeblicher Leitspruch, der seinen Regierungsstil zutreffend charakterisiert.

Joseph II.-Denkmal in Uničov (Mährisch Neustadt), Tschechien

Joseph II. versuchte den Einfluss des Adels und des Klerus zurückzudrängen. Die Leibeigenschaft der Bauern etwa wurde durch das Untertanenpatent am 1. November 1781 aufgehoben. Die adligen Ständeversammlungen wurden zugunsten von Staatsbeamten zurückgedrängt.

Dies hatte auch mit Josephs Zentralisierungstendenzen zu tun. So versuchte er, aus Österreich einen Einheitsstaat mit Deutsch als Staatssprache zu machen, und wollte die althergebrachten Sonderrechte der Länder seines Herrschaftsbereiches abschaffen. Er verzichtete sogar darauf, sich in Prag und Pressburg zum König von Böhmen bzw. Ungarn krönen zu lassen. Diese Bestrebungen lösten in den Österreichischen Niederlanden Unruhen aus und brachten Ungarn an den Rand eines Aufstandes.

Ein anderer Aspekt dieser Bemühungen ist seine Kunstpolitik. So wurde das Burgtheater zum deutschen Nationaltheater erklärt und der Komponist Wolfgang Amadeus Mozart wurde 1782 beauftragt, mit der Entführung aus dem Serail die Gattung des Singspiels in deutscher Sprache auf künstlerisch ernstzunehmendes Niveau zu heben. Die Zusammenarbeit mit Mozart wurde auch in den folgenden Jahren beibehalten, als das Genre des Deutschen Singspiels sich nicht durchgesetzt hatte. 1786 genehmigte er die Uraufführung der Mozart-Oper Le nozze di Figaro (nach dem aufrührerischen Stück „Der tolle Tag" des Franzosen Beaumarchais, dessen Kritik an den Adelsvorrechten mit der Politik des Kaisers sehr gut zusammenging). 1789 erteilte er Mozart auch den Auftrag zu dessen Oper Così fan tutte.

Josephs Einheitsstaat sollte in erster Linie für Wohlstand und Fortkommen seiner Bürger sorgen. Allerdings hatte Joseph die Tendenz sich auch um allerkleinste Details zu kümmern, was von seinen Untertanen teilweise als schikanös empfunden wurde. So gab es Regelungen bei Begräbnisfeierlichkeiten bis in kleinste Detail; Festlegung der Zahl der Kerzen, die bei einer Messe anzuzünden seien; das Verbot von Pfeffernüssen als Genussmittel, welche er für gesundheitsschädlich hielt und vieles mehr.

Ein ernster zu nehmender Aspekt dieser Bemühungen ist seine Gesundheitspolitik, die sich in der Gründung des Allgemeinen Krankenhaus und dem Josephinum (einer Ausbildungsstätte für Militärärzte) niederschlug. Das Allgemeine Krankenhaus war eine Art Lieblingsprojekt des Kaisers, mit dem er sich äußerst detailliert befasste.

Sein Reformwerk scheiterte letztlich am offenen und versteckten Widerstand der alten Eliten. Bei der Auswahl seiner Mitarbeiter übersah er oft deren Fehler und mangelnde Konsensfähigkeit. So bot der Protochirurg Giovanni Alessandro Brambilla der konservativen Ärzteschaft so viel Angriffsfläche, dass sich die Entwicklung der Chirurgie in Österreich letztlich um Jahrzehnte verzögerte. Der Graf Belgioso schweißte als Statthalter der österreichischen Niederlande durch sein ungeschicktes Agieren sogar den Klerus und die Freigeister zu einer gemeinsamen Opposition zusammen.

[Bearbeiten] Justizpolitik

Ein wichtiger Aspekt seiner Reformen ist allerdings, dass die Rechtsordnung unter ihm bedeutende Fortschritte machte. 1783 wurden Teile des Eherechts in der „Verordnung in Ehesachen“ kodifiziert, 1787 wurde ein neues Strafgesetzbuch, das Josephinische Gesetzbuch erlassen, und die Ausarbeitung eines Bürgerlichen Gesetzbuches, die schließlich zum ABGB führen sollte, wurde begonnen.

[Bearbeiten] Innen- und Wirtschaftspolitik

Unter seiner Regierung wurden merkantilistische und physiokratische Ideen verwirklicht. Die Bevölkerung wurde dabei hauptsächlich als Arbeitskräftereservoir angesehen.

Maßnahmen zur Hebung der Bevölkerungszahl gehen damit Hand in Hand. Vor diesem Hintergrund ist z. B. die Aufhebung der Todesstrafe 1787 zu sehen – die Delinquenten wurden schließlich für die Zwangsarbeit gebraucht.

Ebenso verwirklichte er einen straffen Polizeistaat mit Spitzelsystem. Kurze Experimente mit der Pressefreiheit wurden rasch wieder aufgegeben.

[Bearbeiten] Außenpolitik

In seiner Außenpolitik war Joseph expansiv, aber meistens nicht vom Glück begünstigt. Die Beteiligung Österreichs an der 1. Teilung Polens mit dem Zugewinn Galiziens ging auf die Initiative Preußens zurück, das als Ausgleich für Russlands Zugewinne im Krieg mit der Türkei einen Korridor durch Polen (als Verbindung zwischen Pommern und Ostpreußen) forderte. Dem war eine Politik der Annäherung an Österreich vorausgegangen, das 1771 einen geheimen Vertrag mit der Türkei geschlossen hatte und damit Druck auf Russland ausübte. Als Katharina II. von Russland von diesem geheimen Vertrag erfuhr, wurde Österreich auch ein Angebot gemacht, an der Teilung des souveränen Polens zu partizipieren. Die Initiative zu den Teilungsplänen ging also nicht von Joseph aus, zumal die Rolle Österreichs unter den europäischen Mächten 1771/72 nicht tonangebend war. Allerdings soll er im Gegensatz zu seiner Mutter keinerlei Skrupel bei diesem Handel gehabt haben.

Kaiser Joseph II.

Im Bayerischen Erbfolgekrieg, bei dem ursprünglich geplant war, Bayern an Österreich anzuschließen und dafür den Wittelsbachern die Österreichischen Niederlande zu überlassen (Bayerisch-Niederländisches Tauschprojekt), musste er sich letztlich mit dem Innviertel begnügen.

1787 wurde er als Verbündeter Katharinas II. in einen für Österreich wenig erfolgreichen Türkenkrieg hineingezogen.

[Bearbeiten] Religionspolitik („Josephinismus“)

Am berühmtesten ist allerdings seine Religionspolitik, die meistens allein gemeint ist, wenn man von Josephinismus spricht.

In seinem Toleranzpatent wurde das Glaubensmonopol der Katholischen Kirche gebrochen – Protestanten und Juden durften ihren Glauben ausüben, allerdings nur unter Duldung; der Vorrang der Katholischen Kirche blieb aufrecht.

Alle Orden, die im volkswirtschaftlichen Sinne unproduktiv waren, also keine Krankenpflege, Schulen oder andere soziale Aktivitäten betrieben, wurden aufgehoben, ihr Besitz verstaatlicht. Dies führte dazu, dass viele kontemplative Abteien mit zum Teil langer Tradition geschlossen wurden. Aus dem Erlös der Aufhebungen wurde der bis ins 20. Jahrhundert bestehende Religionsfonds gegründet, der die Besoldung der Priester übernahm, die auf diese Weise zu Staatsbeamten wurden.

Auch viele Feiertage und Kirchenfeste (Wallfahrten, Prozessionen u. Ä.) wurden abgeschafft – hauptsächlich um die Arbeitsproduktivität zu erhöhen.

Andererseits wurde auf seine Initiative die Verwaltungsstruktur der katholischen Kirche in Österreich rationalisiert. Pfarrsprengel wurden verkleinert, neue Diözesen wurden gegründet und bestehende mit den Grenzen der Kronländer in Deckung gebracht.

[Bearbeiten] Graf Falkenstein

Der unter dem Pseudonym Graf von Falkenstein inkognito reisende Kaiser erregte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts auf seinen Reisen durch Europa großes Aufsehen. 1777 bezeichnete man ihn in Frankreich auch als den Illustre Voyageur.

Abschnitt fehlen folgende wichtige Informationen: Einzelne Reisen sind lediglich mit Überschriften versehen

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[Bearbeiten] Herkunft des Inkognito

Joseph Graf Falkenstein
Joseph Graf Falkenstein

Als römisch-deutscher Kaiser und Mitregent unternahm Joseph etliche Reisen, so durch Böhmen, nach Italien und Frankreich unter seinem offiziellen Incognito als Graf von Falkenstein (oder als Comte de Falckenstein auf seiner Reise nach Versailles). Die linksrheinische Grafschaft Falkenstein im Norden der heutigen Pfalz war eines der kleineren Besitztümer (etwa 125 km² und 4000 Einwohner) der Habsburger und das einzige, das territorial vom lothringischen Erbe geblieben war. Incognito-Reisen des Hochadels oder auch regierender Fürsten waren im 18. Jahrhundert gängig und sollten in erster Linie den Aufwand für Repräsentationen mindern. Beliebt waren Incognito-Reisen insbesondere bei protestantischen Fürsten auf der Grand Tour nach Italien.[3]

[Bearbeiten] Die Inkognitoreisen des Kaisers

Joseph II. war derjenige europäische Herrscher, der die höchste Kilometerleistung erreichte. In seinen knapp 25 Jahren Regierungszeit - 7102 Tage präzise - verbrachte er 2260 Tage nicht in seiner Residenz. Die Reisen wurden mit äußerster Präzision vorbereitet und kalkuliert. Im Brief vom 19. Mai 1777 an Leopold vor der Abreise aus Paris: "... ich habe meine Zeit und Strecke berechnet....ich habe insgesamt 39 Tage Fahrt vor mir, in der Folge verbleiben mir zum Aufenthalt 27 frei verfügbare Tage, die ich, ohne es im Voraus sagen zu können, nach ihrer Kuriosität aufteilen will". Der ausgesprochen scharfsinnige und genaue Beobachter diktierte jeden Abend seine am Tage gemachten Erlebnisse und Beobachtungen - die meisten dieser Reisetagebücher sind noch heute erhalten und von enormer Präzision und Qualität. [4]

[Bearbeiten] Die Reise durch das Banat von 1768

Josef II. besuchte 1767/68 und 1773 das Banat. Ihm zu Ehren wurde ein außerhalb der Festung Temeschburg (heute Timişoara) gelegener, aufblühender Stadtteil Josefstadt benannt. [5]

[Bearbeiten] Die Italienreise von 1769

[Bearbeiten] Die Frankreichreise von 1777

1777 bereiste der Graf Falkenstein Frankreich, wo er aufgrund seines betont einfachen und bürgerlichen Auftretens gefeiert wurde. Hauptmotive der Reise waren die Supervision der Schwester Marie-Antoinette, deren Verhalten und Einmischung in die französische Innenpolitik in Wien Anlass zur Sorge gaben, sowie die Absprache mit den französischen Verbündeten über die geplante Annexion großer Teile Bayerns und des Schweizer Thurgaus. Umstritten ist die Frage ob der Schwager Ludwig XVI., den eine Phimose an der Erfüllung der dynastischen Pflichten gehindert haben soll, zur Operation überredet wurde. Unterlagen zu einer derartigen Operation sind in französischen Archiven nicht vorhanden. Ein Indiz für ein derartiges Leiden und eine insgeheime Operation könnte dagegen die Begleitung des Grafen durch den Protochirurgen Giovanni Alessandro Brambilla sein.

Die Hinreise führte von Wien über München, Stuttgart, Straßburg, Nancy nach Paris. Die Rückreise führte im großen Bogen über Brest, Nantes, Orleans, Bordeaux, San Sebastian, Toulouse, Marseille, Genf, Basel, Freiburg, Konstanz, Innsbruck nach Wien zurück. Leider hat sich das Reisejournal der Frankreichreise nicht erhalten. Die Briefe aus Frankreich an die Geschwister und Mutter wurden 1866-69 von Alfred von Arneth herausgegeben.

Legendär wurden seine Begegnungen auf dieser Reise mit führenden Köpfen der Zeit, unter anderem mit Buffon, Haller, Lavater, Rousseau und Voltaire. Sein weiteres Interesse galt sozialen Einrichtungen, Industrieanlagen und militärischen Einrichtungen. Der Graf reiste mit zwei Begleitern, den Grafen Philipp von Cobenzl und Joseph Colloredo-Mels und Wallsee.

Der Aufenthalt in Paris bedeutete den Zenit der Popularität des Grafen Falkenstein. Das Ansehen wurde auf der Rückreise durch die vermeintlich öffentliche Brüskierung Voltaires bei der Vorbeifahrt in Ferney dauerhaft beschädigt.

Der den Philosophen Voltaire schätzende Graf Falkenstein befand sich in einem Dilemma, da er sich einerseits durch öffentliche Kundgebungen zu einem Besuch gezwungen sah andererseits inständig von der Mutter Maria Theresia beschworen wurde von einem Besuch abzusehen.

Über den Ablauf der Ereignisse in Ferney gibt es unterschiedliche Versionen. Voltaire war alleine in seinem Schloss verblieben und hatte alle Bewohner Ferneys an die wenige Kilometer entfernte Landstraße beordert. Die durch die Menge unbeeindruckte Kutsche des Grafen Falkenstein passierte die Abzweigung nach Ferney, ohne anzuhalten. Als zwei Jugendliche auf die Trittbretter aufsprangen, um in das Innere zu sehen, hielt eine Stimme aus dem Inneren den Kutscher zum Gebrauch der Peitsche an. Erstaunlich milde fiel Voltaires spätere Darstellung der Situation aus: zwei Betrunkene hätten den Monarchen beleidigt. Voltaire sprach Monate später in Paris zu Gluck in voller Hochachtung über den Kaiser Joseph II.

Sebastian Brunner, der noch in persönlichem Kontakt zu den ehemaligen Vertrauten des Kaisers stand, berichtet in seiner Biographie über Joseph II. eine weitere Version: Der Kaiser habe sich zu diesem Zeitpunkt im Garten Voltaires aufgehalten um ein unabsichtliches Treffen zu ermöglichen. Voltaire habe jedoch sein Schloss nicht verlassen. In den Quellen ist wiederholt eine zweite Kutsche des Grafen belegt, die im Hintergrund logistische Aufgaben übernahm und wahrscheinlich auch einen Double mitführte. Die Version Brunners dementiert ein direktes Treffen, schließt es aber letztlich nicht glaubhaft aus.

Das Ansehen des Kaisers in den Augen von auf Veränderungen drängenden Schichten wurde durch diese Affäre schwer beschädigt. Adam Smith kommt so zum Schluss, Joseph II. sei "of inferior mind", d. h. "niedriger Geistesart".

[Bearbeiten] Die Reise durch die Niederlande von 1781

[Bearbeiten] Die Russlandreise von 1787

[Bearbeiten] Darstellungen des Grafen von Falkenstein

Joseph Graf Falkenstein

[Bearbeiten] Bewertung

Grab von Kaiser Joseph II. in der Kapuzinergruft

Die historische Beurteilung seiner Person ist sehr unterschiedlich. Aufgrund der Überstürztheit und Radikalität seiner Maßnahmen, die das Leben des Einzelnen teilweise bis ins Kleinste bestimmten, war Joseph zu Lebzeiten unpopulär bis zur Verhasstheit und er musste einige seiner Reformen kurz vor seinem Tod wieder zurücknehmen.

Unter der Regentschaft seines bis zum Starrsinn reaktionären Neffen Franz II./I. wurde er hingegen allmählich zu einer mit Nostalgie verklärten Lichtgestalt.

Seit Ende des 19. Jahrhunderts wird er einerseits als fortschrittlicher Vertreter eines aufgeklärten Absolutismus gesehen, andererseits wird auch auf den paternalistischen und zentralistischen Charakter seines Regiments hingewiesen.

Nichtsdestoweniger war er einer der wichtigsten Herrscher Österreichs, auf den viele konstruktive Ansätze zurückgehen und der einen bedeutsamen Reform- und Modernisierungsschub gebracht hat.

[Bearbeiten] Übersicht über die Reformen

Joseph führte viele Reformen durch, von denen er aber kurz vor seinem Tode noch viele zurücknahm.

[Bearbeiten] Staatswesen

[Bearbeiten] Soziales

[Bearbeiten] Kirche

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Der Graf von Falkenstein in der zeitgenössischen Literatur

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Gutkas, Karl: Joseph II. Eine Biographie, Wien, Darmstadt 1989, S. 15.
  2. Gutkas, Karl: Joseph II. Eine Biographie, Wien, Darmstadt 1989, S. 16.
  3. Babel, Rainer/Paravicini, Werner (Hrsg.): Grand Tour - Adeliges Reisen und europäische Kultur vom 14. bis zum 18. Jahrhundert (= Beihefte der Francia, Bd. 60), Stuttgart 2005.
  4. Kramar, Konrad/Stuiber, Petra: Die schrulligen Habsburger - Marotten und Allüren eines Kaiserhauses, Wien 1999.
  5. Birda.de, Die Schwabenzüge

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Joseph II. – Bilder, Videos und Audiodateien


Vorgänger Amt Nachfolger
Franz I. Stephan Römisch-Deutscher Kaiser
1765–1790
Leopold II.
Maria Theresia Erzherzog von Österreich
1765–1790
König von Böhmen
1780–1790
König von Ungarn
1780–1790
König von Kroatien und Slawonien
1780–1790
Herzog von Mailand
1780–1790
Herzog von Luxemburg
1765–1790

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