Outils :Vous avez un site web ? Un blog ?
Technorati reactions rencontre |
Josef Vallaster (* 5. Februar 1910 in Silbertal, Vorarlberg; † 14. Oktober 1943 in Sobibór) war ein österreichischer Nationalsozialist, Mitglied der SS und ab 1940 an den Verbrechen des Holocaust beteiligt. Er war von 1940 bis 1942 sogenannter Oberbrenner in der NS-Tötungsanstalt Hartheim und von 1942 bis 1943 Aufseher im Vernichtungslager Sobibór.
Inhaltsverzeichnis |
Vallaster verlor im Alter von sechs Jahren seinen Vater, der 1916 als Soldat des Ersten Weltkrieges in russischer Gefangenschaft starb. Nach der Volksschule arbeitete er auf dem Bergbauernhof seines Stiefvaters in Silbertal mit, und suchte und fand kurze Verdienste als Holzarbeiter, Senn und Knecht. Von Zeitzeugen wird er als Arbeiter beschrieben, den man für alles brauchen konnte, der unauffällig und harmlos gewesen ist. Er war illegaler Nationalsozialist, wird aber in der Personengruppe von festgestellten und abgestraften NS-Aktivisten des Montafons der Jahre 1933/34 nicht gelistet. Am 19. Juni 1933 wurde die NSDAP als Partei verboten. Vallaster verließ mit 26. August 1933 Österreich nach Deutschland mit der Hoffnung, seinen tristen finanziellen Verhältnissen mit Gelegenheitsarbeiten zu entkommen. [1]
Von München wurde Vallaster ins Zentrallager der Österreichischen Legion nach Bad Aibling überstellt. Seine österreichische Staatsbürgerschaft wurde zum 28. September 1933 aberkannt. Nach dem gescheiterten nationalsozialistischen Putschversuch in Österreich im Juli 1934 (Juliputsch) verlor die Legion ihren Bedarf und die Legionäre wurden soweit möglich in Zivilberufen untergebracht. Am 25. August 1935 wurde er reichsdeutscher Staatsbürger. Vallaster, ohne Berufsausbildung, wurde wieder Hilfsarbeiter, 1937 beim Flugplatzbau in Rothenburg, im Februar 1938 beim Baulos 45 der Reichsautobahn in Kinding in Mittelfranken. Nach dem sogenannten Anschluss Österreichs im März 1938 besuchte er mehrmals Silbertal. Er wurde zum 1. Mai 1938 als NS-Parteimitglied aufgenommen. 1939 arbeitete Vallaster im Wasserwerk in Berlin-Friedrichshagen. [2]
Ab April 1940 wurde Vallaster im Rahmen der Aktion T4 in der NS-Tötungsanstalt Hartheim in Oberösterreich (damals Reichsgau Oberdonau genannt) zunächst als Arbeiter für Umbauarbeiten, wie Einbau eines Verbrennungsofens und eines Vergasungsraumes eingesetzt. Ab Mai 1940 war er in der Tötungsanstalt an der Vergasung und Verbrennung von behinderten Menschen beteiligt.[3][4] Zu seinen Aufgaben gehörte das Ausbrechen von Goldzähnen.
Er wurde zum Oberbrenner ernannt; die Entlohnung war überdurchschnittlich: Je Monat 170 Reichsmark (RM) Nettolohn, dazu 50 RM Trennungszulage bei freier Unterkunft und Verpflegung, 35 RM Erschwernis-Zulage als Heizer und 35 RM Zulage als Schweigeprämie. Zusätzlich gab es eine tägliche Schnapsration von einem Viertel Liter.[5] Als im Juli 1940 nach einer Vergasungsaktion noch einige Menschen lebten, gab es einen Konflikt mit Vallaster als Oberbrenner. In Abwesenheit des Euthanasiearztes Georg Renno hatte er den Gashahn zu kurz geöffnet und die Todeswirkung des Gases nicht vor Öffnen des Vergasungsraumes (mittels eines Guckloches) überprüft. Die technische Anlage wurde danach geändert; ein Zähler maß fortan die notwendige Menge des eingesetzten Giftgases Kohlenmonoxid.[6]
Vallaster heiratete eine Krankenpflegerin des Tötungspersonals, Elisabeth Gust, welche laut Bericht an ihren Sohn hauptsächlich mit der Transportbegleitung der Opfer in die Tötungsanstalt und dem Ausziehen der Opfer vor der Vergasung beschäftigt war. [7] Die Tötungsanstalt hatte ein eigenes Sonderstandesamt, um die massive Anzahl von Todesfällen aus der Öffentlichkeit des Ortes herauszuhalten und um den Angehörigen der Opfer den Zugang zu Informationen sehr beschwerlich zu machen. Die Trauung fand unter Ausschluss sämtlicher Verwandter statt, wurde jedoch im regulären Standesamt der Gemeinde Alkoven abgewickelt.[8] Die beiden Trauzeugen waren Gertrude Blanke, Oberschwester in der Heil- und Pflegeanstalt Niedernhart in Linz und gleichzeitig Oberschwester in der NS-Tötungsanstalt Hartheim, und Christian Wirth, Büroleiter der NS-Tötungsanstalt Hartheim. Blanke und Gust dürften sich aus Wittstock gekannt haben. Blanke stammt aus Wittstock, Gust war dort in der Klinik Stationsschwester.[9] Mit der Schwangerschaft konnte Elisabeth Vallaster ihren Einsatz in Hartheim beenden. 1942 wurde der Sohn geboren.
Vallaster wurde Mitglied der SS, wobei über sein Eintrittsdatum, seinen anfänglichen Dienstgrad und über die SS-Einheiten, denen er angehörte, nichts bekannt ist. Es ist jedoch belegt, dass er ab 1942 als SS-Unterscharführer im Rahmen der „Aktion Reinhardt“ im Generalgouvernement (Polen) eingesetzt wurde.[10] Zunächst hat er dort für kurze Zeit im Vernichtungslager Belzec an dessen baulicher Errichtung mitgewirkt. Danach war er im Vernichtungslager Sobibór als Aufseher am Massenmord von hauptsächlich jüdischen Menschen aus ganz Europa beteiligt. Im Lager III beaufsichtigte er die Vergasung und die Verbrennung, wobei dort Arbeitshäftlinge diese Arbeiten verrichten mussten. Aus Geheimhaltungsgründen war das Lager III von den anderen Lagerbereichen strikt getrennt und nur über eine Lorenbahn mit dem Lager I verbunden. Vallaster bediente unter anderem als „Maschinist“ eine Schmalspurbahn-Lokomotive und war für diejenigen Loren-Transporte zuständig, mit denen sofort nach Ankunft der Transportzüge im Lager die Toten sowie Gebrechlichen und Alten zu den Verbrennungsöfen transportiert wurden.
Am 14. Oktober 1943 fand im Vernichtungslager eine Revolte und Massenflucht von hauptsächlich Kriegsgefangenen jüdischer Herkunft aus Weißrussland unter Führung von Alexander Petscherski statt. Vallaster wurde unter einem Vorwand von der Lorenbahn weggelockt; angeblich sollte er in der Schusterwerkstatt neue Stiefel anprobieren. Dort wurde er von revoltierenden Häftlingen mit einer Axt erschlagen.[11] Yehuda Lerner, welcher bei der Revolte einen SS-Mann erschlagen hat, berichtete, dass die SS sich Gänse hielt und diese aufscheuchte, wann immer Juden ermordet wurden, um deren Schreie durch das Geschnatter der Gänse zu übertönen.[12]
Von der SS wurden nahezu alle verbliebenen Häftlinge ermordet und das Lager wurde in Folge der Massenflucht bis Ende 1943 aufgegeben. Vallaster wurde auf dem Soldatenfriedhof in Chełm mit militärischen Ehren beerdigt.[13][14]
Lange Zeit blieb es öffentlich unbekannt, dass Vallaster ein Kriegsverbrecher war. In seinem Geburtsort Silbertal wurde er auf dem örtlichen Kriegerdenkmal Silbertal als Gefallener des Zweiten Weltkrieges geehrt (Namenseintrag unter der Überschrift: Die Gemeinde Silbertal den Opfern aller Kriege).[15] Dies entsprach dem mehrheitlichen Nachkriegsbedürfnis, „Österreich nur als erstes Opfer des Weltkrieges zu sehen“.[16] Als öffentlich bekannt wurde, dass Vallaster NS-Täter gewesen war, richtete die Gemeinde Silbertal eine Geschichtswerkstatt ein und entschied schließlich 2009 das Kriegerdenkmal durch einen Erinnerungsplatz zu ersetzten an dem Soldaten, Flüchtlingen, Zwangsarbeitern und Euthansieopfern gedacht werden soll. Auf Josef Vallaster soll mit folgendem Satz verwiesen werden:
„Wir erinnern an einen Mitbürger, der sich in der Euthanasieanstalt Hartheim und im Vernichtungslager Sobibor an der Ermordung tausender Menschen schuldig gemacht hat. Josef Vallaster, SS-Scharführer. 1910 Silbertal/ 1943 Sobibor[17]“
Erst 1986 im Zuge der Waldheim-Affäre wurde die Schweigespirale zur Vergangenheit durchbrochen, und es begann eine Auseinandersetzung mit den Opfer- und Täterrollen von Österreichern während der NS-Zeit.[18][19] In diesem Kontext ist ebenfalls zu sehen, dass mittlerweile einige Einzelheiten über die Beteiligung von Vallaster am Holocaust aufgedeckt wurden, wobei vieles noch unbekannt ist. Eine zusammenfassende historische Bearbeitung dieses Kapitels österreichischer Geschichte steht noch aus.[20]
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Vallaster, Josef |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Nationalsozialist |
| GEBURTSDATUM | 5. Februar 1910 |
| GEBURTSORT | Silbertal |
| STERBEDATUM | 14. Oktober 1943 |
| STERBEORT | Vernichtungslager Sobibór |