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Ein Jahrmarkt ist seit dem Mittelalter ein mehrtägiger Markt, der in einer Stadt ursprünglich nur ein Mal jährlich statt fand. Heute wird die Bezeichnung auch für andere unständige Märkte gebraucht.
Das Recht, einen Jahrmarkt zu halten, wurde meistens vom Kaiser, König, Grafen oder sonstigen Landesherrn an einen Ort verliehen, oft im Rahmen des Stadtrechts (siehe auch Marktrecht). Jahrmärkte werden oft an einem kirchlichen Feiertag oder dem Festtag eines vor Ort stark verehrten Heiligen gehalten, so wie beispielsweise Oster-, Pfingst-, oder Weihnachtsmärkte bzw. das Annafest. Vereinzelt gibt es auch noch saison- oder produktbedingte Jahrmärkte, so wie beispielsweise Holz-, Pferde- oder Wein-Märkte.
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Im Mittelalter gehörten Jahrmärkte zu den wichtigsten Ereignissen in den sich politisch verselbständigenden Städten. Der Soziologe Max Weber hat auf solche Märkte den Sondertyp der "okzidentalen Stadt" zurück geführt.
Wirtschaftlich war er bedeutsam, weil er nicht nur von den umliegenden Bauernschaften mit Vieh und Agrarerzeugnissen und den örtlichen Händlern beschickt, sondern auch von Fernkaufleuten besucht wurde und dadurch dem örtlichen (städtischen) Handwerk eine Absatzchance eröffnete, so dass dieses vom Lohnwerk zum Preiswerk übergehen konnte und örtliche Spezialisierungen erlaubte (Tuche, Töpfer- und Schmiedeware u. a.). Er erhöhte auch den Geldumlauf und die Verbreitung der örtlich gültigen Währung. Er setzte – zumal seine Besucher längere Zeit am Marktort verbrachten und dort Teile ihres Gewinnes in Herbergen, Läden usw. ließen – somit den volkswirtschaftlichen Multiplikator regional in Gang.
Der Jahrmarkt erfüllte auch soziale Funktionen: Auf ihm wurden Nachrichten und Gerüchte aus entfernten Gebieten ausgetauscht, wodurch die Weltkenntnis seiner Besucher erweitert wurde. Es wurden Gerichtstermine und Hinrichtungen auf ihn gelegt und oft religiöse Sonderveranstaltungen abgehalten.
Zu den Jahrmärkten reisten häufig auch Schausteller des Fahrenden Volkes an: Bärenführer, Gaukler, Wahrsager, Quacksalber, Musikanten, übrigens auch Beutelschneider. Ein Jahrmarkt war somit auch eine Gelegenheit zu Vergnügungen und Tingeltangel, wobei dieser Aspekt bei den heute noch bestehenden Jahrmärkten vorherrscht, der Warenhandel dem gegenüber zurück getreten ist.