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JSTOR (Journal STORage) ist eine in New York City ansässige gemeinnützige Organisation. Sie betreibt ein kostenpflichtiges Online-Archiv mit älteren Ausgaben ausgewählter Fachzeitschriften, vor allem aus dem Bereich Geistes- und Sozialwissenschaften. Die Texte werden mittels Retrodigitalisierung in elektronische Form gebracht (E-Text).
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JSTOR bietet eine Volltextsuche digitalisierter Zeitschriften an. Die gescannten Zeitschriften liegen als Volltext und Vollbild im PDF, TIFF oder Postscript-Format vor. Die Datenbank (Stand: Mai 2008) enthält 773 Zeitschriftentitel mit über 3,9 Millionen Artikeln (in 176,525 Heften) auf über 24,7 Millionen Seiten.[1] Die älteste verfügbare Zeitschrift sind die Philosophical Transactions of the Royal Society von 1665.
Der Zugang zu JSTOR ist hauptsächlich über Bibliotheken, Universitäten und Verleger möglich. Diese Institutionen lizenzieren für ihre Leser, Studenten und Mitarbeiter den Zugriff auf JSTOR über das Internet. Über eine Brückenseite gelangen auch Suchmaschinennutzer zu einem Zeitschriftenartikel, dessen erste Seite kostenfrei ist. Individuelle Abonnements für einzelne Zeitschriftentitel sind über den entsprechenden Zeitschriftenverleger bei JSTOR verfügbar. Insgesamt nehmen über 2000 US-amerikanische und weitere über 2200 internationale Institutionen an JSTOR teil. In Deutschland haben über 86[2] Partner (größtenteils Universitätsbibliotheken) Zugriff auf JSTOR. In Österreich haben zwölf, in der Schweiz 17 Institutionen Zugriff auf das Angebot.
Einen Konflikt mit Zeitschriftenverlegern und deren kommerziellen Interessen löst JSTOR durch die sogenannte „bewegliche Wand“ [3] (gleitende Schwelle), einer zeitlichen Verzögerung zwischen der aktuellen Ausgabe und der letzten bei JSTOR erhältlichen Ausgabe. Diese Lücke ist in einer Vereinbarung zwischen JSTOR und dem Verleger festgelegt und beträgt zwischen ein und fünf Jahren. Wenn ein Verleger seine Ausgaben selbst ins Internet stellen will (vgl. Elektronische Zeitschrift), kann er die bewegliche Wand in eine sogenannte „feste Wand“ ändern, nach deren festem Datum JSTOR nicht mehr befugt ist, neue Ausgaben in seine Datenbank aufzunehmen.
William G. Bowens, Präsident der Princeton University sowie Präsident der Bildungs-Stiftung Andrew W. Mellon Foundation, erdachte und initiierte im Frühjahr 1994 ein Forschungsprojekt zur Zeitschriftendigitalisierung. Ziel des Projektes war, der Zeitschriftenkrise, der viele Bibliotheken seit den 1980ern gegenüberstanden, zu begegnen. Die Bibliotheken konnten sich ihre gedruckten Zeitschriftensammlungen aufgrund steigender Titelanzahl und fehlender Regalmeter (Archiv) kaum mehr leisten. Durch eine Digitalisierung dieser Titel sollte es Bibliotheken ermöglicht werden, den Bestand dieser Zeitschriften im Zuge einer Langzeitarchivierung kostengünstig auszulagern. Im August stiftete die Foundation der University of Michigan 700.000 US-$ [4], um von Programmierern und Bibliothekaren Software entwickeln und geeignete Hardware erwerben zu lassen, die Zeitschriftenartikel mitsamt hochauflösenden Bildern über Computernetzwerke verfügbar machen sollte. Im Dezember gab die Foundation der Universität weitere 1.500.000 US-$, um das Abscannen von zehn vor 1990 erschienen Ausgaben wichtiger („core“) Zeitschriften der Geschichtswissenschaften und Wirtschaftswissenschaften bildschirmlesbar zu machen (ca. 750.000 Seiten). Die Dateien wurden zusätzlich mit einer OCR-Software (ASCII) ausgelesen, um sie für Suchmaschinen durchsuchbar zu machen. Diese Datenbank wurde testweise von der University of Michigan und der Princeton University (Mirror) fünf weiteren Bibliotheken zur Verfügung gestellt. Die Volltextsuche über einen Netzzugang eröffnete (neben den Synergieeffekten der Bibliotheken) Wissenschaftlern neue Arbeitsmöglichkeiten und Forschungsbereiche, steigerte die Resonanz und den Zugriff enorm und fand Anerkennung beim wissenschaftlichen und bibliothekarischen Publikum. Nach dem Erfolg des Projektes wurde die Datenbank erweitert. Im August 1995 wurde JSTOR eine Non-Profit-Organisation. Seit Januar 1997 wird das Archiv – auf unbegrenzte Zeit – Bibliotheken angeboten.
Einige Bibliotheken haben ihre Zeitschriftenbände, obwohl auch bei JSTOR verfügbar, zusätzlich in ihre Archive ausgelagert. Vielen Bibliotheken ohne Abonnements der gedruckten Bände wurde es jedoch möglich, ihren Lesern Zugriff auf die Digitalisate zu geben. Aus einem Platzspar-Service wurde so ein Zugangsservice.[5] Die Digitalisierung erhöhte die Nutzung der Artikel [6] und ließ den Kopierservice der Bibliotheken drastisch einbrechen.[7]
Nachdem das Art Museum Image Consortium (AMICO), ein Webportal für Bilder von Kunstwerken, aufgebaut von einem Konsortium unter Leitung der Getty Foundation), im Jahr 2005 geschlossen worden war, wurde ARTstor [8] als Schwesterorganisation von JSTOR mit einem ähnlichen Abonnementmodel ins Leben gerufen. ARTstor hat Zugriff auf verschiedene Bilderdatenbanken und verfügt über etwa 500.000 Bilder (Stand: Mai 2007).
In Deutschland soll DigiZeitschriften, unterstützt vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels und der Verwertungsgesellschaft Wort, ein Gegenstück zu JSTOR aufbauen.
Project MUSE, ein Projekt der Johns Hopkins University Press (JHUP) und der Milton S. Eisenhower Library an der Johns Hopkins University, begann 1995, Online-Abonnements seiner Zeitschriften anzubieten. Im Jahr 2000 ergänzte Project MUSE sein Angebot um Zeitschriften anderer Verleger. Heute (Stand: Mai 2007) bietet das Projekt über 300 Zeitschriften von 60 Verlegern im Bereich Kunst, Geisteswissenschaften und Sozialwissenschaften an.