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Jürgen Kuczynski

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Jürgen Kuczynski (* 17. September 1904 in Elberfeld; † 6. August 1997 in Berlin) war ein deutscher Historiker und Wirtschaftswissenschaftler.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

1948 in Leningrad, von links: Ellen Kellermann, unbekannt, Eduard Claudius, Michael Tschesno-Hell, Jürgen Kuczynski, Anna Seghers, Wolfgang Harich, Stephan Hermlin

Jürgen Kuczynski war der Sohn des Statistikers Robert René Kuczynski und der Malerin Bertha Kuczynski, geb. Gradenwitz. Er studierte in Erlangen, Berlin und Heidelberg Philosophie, Statistik und Politökonomie und war ab 1926 Forschungsstudent in den USA. 1929 kehrte er nach Deutschland zurück und lebte fortan in Berlin. Seit 1930 war er KPD-Mitglied. Von Sergej Bessonow, einem Mitarbeiter der sowjetischen Botschaft, wurde er für die sowjetische Spionage gewonnen. 1936 verließ Kuczynski das nationalsozialistische Deutschland und ging nach England ins Exil. Dort wurde er vom US-amerikanischen Geheimdienst Office of Strategic Services (OSS) rekrutiert. Kuczynski gelang es, Klaus Fuchs als sowjetischen Spion zu gewinnen. Seine Schwester Ruth Werner wurde dessen Führungsoffizier [1]. 1944/45 arbeitete er als Statistiker in der US-Army im Rang eines Colonels. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wurde er 1945 Präsident der Zentralverwaltung für Finanzen in der Sowjetischen Besatzungszone. 1946 wurde er auf den Lehrstuhl für Wirtschaftsgeschichte an der Berliner Universität berufen und leitete bis 1956 das dortige Institut für Wirtschaftsgeschichte. Am 30. Juni 1947 wurde er zum ersten Vorsitzenden der Gesellschaft zum Studium der Kultur der Sowjetunion (Vorläufer der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft DSF) gewählt. Aufgrund aus der Sowjetunion kommender antijüdischer Tendenzen wurde er aus dieser Position 1950 wieder entfernt. 1949 bis 1958 war er Mitglied der Volkskammer.

Zugleich war er einer der prominentesten und produktivsten Wissenschaftler der DDR. 1955 war er Begründer und Leiter der Abteilung Wirtschaftsgeschichte im Institut für Geschichte der Akademie der Wissenschaften bzw. des dann auf ihn zugeschnittenen Instituts für Wirtschaftsgeschichte.[2] Er war langjähriges Mitglied des ZK der SED.

Als 1968 emeritierter Professor konnte er sich in den 1980er Jahren erfolgreich als „Querdenker und fröhlicher Marxist“ insbesondere bei jüngeren Regierungskritikern darstellen. Ausgangspunkt dafür war sein 1983 erschienenes, damals viel gelesenes, für die damaligen Verhältnisse sehr kritisches Buch Dialog mit meinem Urenkel. Kuczynski musste in Zusammenhang mit diesem Werk sogar eine Parteistrafe hinnehmen. Seine öffentlichen Vorträge waren sehr populär. Aufgrund seines „revolutionären Hochadels“ und hohen Alters besaß er zuletzt in der DDR eine gewisse Narrenfreiheit. Zuletzt war er im PDS-Ältestenrat aktiv und Kolumnist der Tageszeitung junge Welt.

Er besaß mit ca. 70.000 Bänden eine der größten und wertvollsten Privatbibliotheken. Diese wurde 2003 von der Zentral- und Landesbibliothek Berlin übernommen und ist in den Historischen Sammlungen aufgestellt.[3]

Kuczynski hatte drei Kinder – Thomas (wie sein Vater Hochschullehrer und Wirtschaftshistoriker), Peter (lange Jahre Amerikanist an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) und Madeleine – zusammen mit seiner Frau, der Wirtschaftswissenschaftlerin und Übersetzerin Marguerite Kuczynski.

[Bearbeiten] Auszeichnungen

[Bearbeiten] Veröffentlichungen

Von Jürgen Kuczynski stammen über 4100 Veröffentlichungen,[4] die er zum Teil gemeinsam mit anderen Autoren schrieb. Davon sind nach eigener Aussage „etwa 100 Bücher oder stärkere Broschüren“; die sechzig wichtigsten davon listet Mario Kessler (vgl. Link unten) auf.

Wissenschaftliche Hauptwerke sind:

Belletristisch u.a.:

erschienen. Schwarze Marginalkennzeichnungen verdeutlichen in dieser Ausgabe die von der DDR-Zensur entfernten Stellen.

Er war regelmäßiger Autor der Wochenzeitung Die Weltbühne.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Weblinks

Wikiquote Wikiquote: Jürgen Kuczynski – Zitate

[Bearbeiten] Referenzen

  1. Shareen Blair Brysac: Mildred Harnack und die „Rote Kapelle“. Die Geschichte einer ungewöhnlichen Frau und einer Widerstandsbewegung. Scherz-Verlag, Bern 2003, ISBN 3-502-18090-3 , p.509
  2. http://www.luise-berlin.de/lexikon/mitte/k/Kuczynski_Juergen.htm
  3. Der Kuczynski-Nachlass in der Zentral- und Landesbibliothek Berlin
  4. Günter Kröber: Die dritte Wiedergeburt. Die Publikationen des J. K. Eine vornehmlich quantitative Analyse. Zweiter Nachtrag, in: ZeitGenosse Jürgen Kuczynski, Elefanten-Press, Berlin 1994, S. 23
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