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Jürgen Elsässer (* 1957 in Pforzheim) ist ein deutscher Journalist und Autor zahlreicher Bücher über die Außenpolitik Deutschlands, unter anderem über die Balkanpolitik. Seine Bücher wurden teilweise in sechs Sprachen übersetzt. Von Mitte der 1970er Jahre bis zu dessen Auflösung 1991 war Elsässer Sympathisant und dann Mitglied des Kommunistischen Bundes (KB).
Elsässer gilt als einer der ursprünglichen Protagonisten der sogenannten Antideutschen, hat sich von dieser Strömung jedoch abgewandt, und vertritt seit seinem Konflikt mit der Monatszeitschrift konkret, für die er von den 1990er Jahren bis 2002/03 regelmäßig Artikel geschrieben hatte, eine aus dem leninistischen Antiimperialismus abgeleitete Position der sogenannten Anti-Imperialisten.
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Elsässer schloss sein Abitur mit einem Notendurchschnitt von 1,4 am Hebel-Gymnasium in Pforzheim ab. Zunächst war er als Lehrer in Baden-Württemberg berufstätig. Dort betreute er vier Jahre lang eine Klasse, welche sich vor allem aus jugoslawischen Immigrantenkindern zusammensetzte. Laut Eigenaussage lernte er dort „die Mentalität des serbischen Volkes schätzen“.[1] Nach 14 Jahren im Staatsdienst Baden-Württembergs gab er 1994 seinen Beruf als Lehrer auf und ging nach Berlin.
In Berlin wurde Elsässer leitender Redakteur und kurzzeitig auch Chefredakteur der linken Tageszeitung junge Welt. Nach Protesten gegen eine Personalentscheidung des Geschäftsführers war er 1997 mit anderen Redakteuren an der Gründung des neuen Zeitungsprojekts Jungle World beteiligt, als deren Mitherausgeber er 2000 gekündigt wurde.
Später wurde er Redakteur bei dem Magazin konkret und schrieb außerdem regelmäßig unter anderem für die Allgemeine Jüdische Wochenzeitung und das Kursbuch. Nach einem Zerwürfnis mit dem konkret-Herausgeber Hermann L. Gremliza in der Frage des nahenden Irakkriegs wurde Elsässer Ende 2002 als verantwortlicher Redakteur des Politikteils entlassen. Vor dem Hintergrund des entsprechenden Konflikts mit der konkret-Redaktion stellte er in verschiedenen Publikationen seine Gegnerschaft zu diesem Krieg dar und analysierte beispielsweise im Dezember des Jahres die erneute Spaltung der Linken seit dem Ende des Kalten Krieges ab 1989, wobei er in dem zweiteiligen Essay (Wie sie lernten, die Bombe zu lieben – Linke, Krieg und Antisemitismus) das Aufgeben eines bisherigen Essentials der deutschen Linken als sozusagen kleinstem gemeinsamem Nenner seit dem Ende des zweiten Weltkriegs, die Antikriegshaltung, durch einen Teil der Linken kritisierte.[2]
Im Zusammenhang mit seiner Ablehnung des Irakkriegs und Kritik an der Entwicklung der Zeitung trennte sich 2002 auch die Jungle World von Elsässer.[3] Ab April 2008 arbeitet Elsässer für die Tageszeitung Neues Deutschland[4], zudem schreibt er für das Online-Magazin Telepolis und die Wochenzeitungen Zeit-Fragen und Freitag.
Den von unterschiedlichen Seiten heftig kritisierten Film Tal der Wölfe – Irak nahm Elsässer in Schutz. Während Kritiker den Film etwa als antisemitischen und antiamerikanische Reißer bezeichnete [5], verteidigte Elsässer ihn und hielt den Vorwurf des Antisemitismus für unzutreffend. Der jüdische Arzt, der den Gefangenen Organe entnimmt und weiterverkauft, sei eine "eher harmlose Figur", ein "kleiner Profiteur der US-Aggression", der als Allegorie das Verhältnis zwischen den Regierungen in Jerusalem und in Washington beschreibe. [6]
Jürgen Elsässer ist außenpolitischer Berater von Oskar Lafontaine.[7]
Seit seiner Abkehr von antideutschen Positionen spricht Elsässer sich vehement gegen die so genannte „US-Aggression“ im Nahen Osten aus und fordert eine Revitalisierung der Lenin’schen Imperialismustheorie.
Außerdem plädiert er für einen erweiterten Faschismusbegriff. Viele Linke würden den Faschismus in der Regel missverstehen, indem sie ihn als ein im Kern ideologisches Phänomen begriffen, mit entfesseltem Nationalismus und Antisemitismus als Hauptmoment. Dies sei zwar auf den deutschen Nazismus als singuläre Erscheinung zutreffend gewesen, werde aber in dieser Form nicht wieder auftreten, da der Nationalismus für das Kapital dysfunktional geworden sei, in einer Welt, in der nationale Grenzen den Profit nur behinderten. Man solle Faschismus nicht primär phänomenologisch, sondern vielmehr ökonomisch definieren, als – gemäß der sowjetischen Dimitroff-Doktrin – die Diktatur der am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals, das früher den Antisemitismus für seine Ziele bedient habe und heute den Antiislamismus.[8]
In dem Buch Links oder lahm?, herausgegeben von Hans Modrow und Ulrich Maurer, plädiert Elsässer dafür, „die Linke solle wie in Venezuela mit Hilfe von Plebisziten das Tor zum Sozialismus aufstoßen“. In seiner Publikation Angriff der Heuschrecken (vgl. Heuschreckendebatte) plädiert Elsässer dafür, „Modernisierungsverlierer“ für eine Verteidigung des Nationalstaates gegen die „globalistischen Attacken der USA“ zu mobilisieren. Das Buch wird in der Linken sehr kontrovers diskutiert. In der Jungle World, aber auch von der Politikerin Petra Pau (Die Linke) wurde Elsässer Populismus, Nationalismus und Homophobie vorgeworfen.[9] Die Wochenzeitung sprach von einem „Manifest für einen linken Populismus“, dem „nur sehr wenig Progressives abzugewinnen sei“.[10] Die junge Welt dagegen urteilte positiv: „Das derzeit wohl spannendste wie provokativste Druckwerk zum Zustand und zur Zukunft der Linkskräfte in diesem Land.“
Bei aller Kritik aus der politischen Linken wurden einzelne Äußerungen von Elsässer in anderen politischen Lagern positiv aufgenommen. So urteilte beispielsweise Jochen Staadt in der Frankfurter Allgemeine Zeitung über ihn: „Elsässer gehört zu den klugen Köpfen im Linksmilieu, weswegen er dort auch keinen Einfluss hat.“[11]
Auch im rechtsradikalen Spektrum werden entsprechende Publikationen von Elsässer vereinzelt positiv interpretiert.[12]
Elsässer kritisierte in der jungen Welt vom 9. November 2006 an Teilen der Linkspartei, dass sie aus einem verkehrten Antifaschismus heraus von antikapitalistischen Positionen abgerückt seien. Unter anderem schrieb er: „Mit Staatsknete wird Multikulti, Gendermainstreaming und die schwule Subkultur gefördert, während die Proleten auf Hartz IV gesetzt werden.“
Elsässer selbst bezog in einem Interview mit der Zeitschrift jungle world am 17. Januar 2007 zu Vorwürfen der „Antideutschen“ Stellung und grenzte sich gegen Vereinnahmungsversuche des äußersten rechten Lagers ab.[13] Elsässer hatte zuvor der rechtsextremen französischen Zeitung Le Choc du Mois ein Interview gegeben - es war die erste Ausgabe des Blattes gewesen. Elsässer verteidigte sich mit den Worten „Die Zeitung hat sich das Interview erschlichen. Hätte ich gewusst, dass es ein rechtsradikales Blatt ist und dass in derselben Ausgabe ein Interview mit Le Pen erscheint, hätte ich das Interview nicht gegeben.“
Elsässer äußert sich auch kontrovers zum Massaker von Srebrenica vom Juli 1995. Er widerspricht den Feststellungen des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien und bestreitet die Zahl der Massaker-Opfer, die vor Gericht und in den Medien mit bis zu 8000 Getöteten angegeben wird.[14] Auch relativiert er das Massaker, unter anderem durch Berufung auf serbische Kriegsopfer.[15] Elsässer spricht von einem „schrecklichen Massaker an Wehrlosen“[14], die Klassifizierung des Geschehens als Völkermord nennt er aber eine „Lüge“[16] und einen „Mythos“.[17] Er behauptet, eine Reihe von muslimischen Toten seien im Sommer 1995 Opfer von Liquidationen geworden, die andere Muslime verübt hätten.[18] Elsässer betont ferner, dass die Verbrechen von Srebrenica nicht gezielt und systematisch vorgenommen worden seien. Die Taten seien allein „von marodierenden serbischen Einheiten zu verantworten. Viele der Soldaten kamen aus der Region um Srebrenica und wollten den Tod von Angehörigen rächen, die zuvor bei moslemischen Überfällen getötet worden waren.“[19] Elsässers Einschätzung steht im Widerspruch zu den Erkenntnissen des Strafgerichtshofs, der die systematische Planung und Durchführung der Verbrechen als bewiesen ansieht.[20] Auch Vertreter der Republika Srpska räumten ein, dass für die Massaker Bosnisch-Serbische Sicherheitskräfte verantwortlich waren[21].
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Elsässer, Jürgen |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Journalist und Autor |
| GEBURTSDATUM | 1957 |
| GEBURTSORT | Pforzheim |